Hallo zusammen,
ich finde die unterschiedlichen Einschätzungen hier durchaus nachvollziehbar. Gerade bei 4 %, 6 % oder 7 % würde ich allerdings Aktienrendite und Währungsentwicklung nicht ganz voneinander trennen.
Beim MSCI ACWI IMI ist der US-Anteil inzwischen sehr hoch. Für uns als Euro-Anleger bedeutet das: Entwickelt sich der Dollar gegenüber dem Euro schwächer, kann das die in Euro gemessene Rendite eines Welt-ETF über längere Phasen spürbar bremsen. Das ist keine theoretische Größe – Wechselkurse können über mehrere Jahre einen erheblichen Einfluss auf die tatsächlich erzielte Rendite haben.
Gleichzeitig würde ich daraus aber nicht ableiten, dass der Dollar zwangsläufig über Jahrzehnte fallen muss. Der Gedanke, dass sich nach einer sehr langen Phase relativer Dollarstärke irgendwann wieder eine Gegenbewegung ergeben könnte, ist historisch durchaus plausibel. Nur ist das eben eine Annahme und keine verlässliche Prognose.
Hinzu kommt die US-Finanzlage.
Die Verschuldung und insbesondere die steigende Zinslast sind aus meiner Sicht ein Argument, zumindest mit einer langfristig etwas schwächeren Dollarentwicklung zu rechnen. Dafür muss der Dollar ja keineswegs „zusammenbrechen“. Schon eine über 10 oder 20 Jahre anhaltende relative Schwäche gegenüber dem Euro würde bei einem stark US-lastigen Welt-ETF einen Unterschied machen.
Und genau deshalb finde ich die Unterscheidung zwischen 4 %, 6 % und 7 % interessant:
Wenn man beispielsweise mit 6 % langfristiger Aktienrendite rechnet und zusätzlich davon ausgeht, dass der Dollar gegenüber dem Euro über längere Zeit nachgibt, kann für den Euro-Anleger durchaus eine niedrigere tatsächliche Rendite herauskommen. Dann sind 4 % als persönliche vorsichtige Planungsannahme nicht völlig abwegig.
Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass man damit neben der Aktienrendite noch eine Währungsprognose einbaut.
M.E. ist das Währungsrisiko bei einem langfristig gehaltenen Welt-ETF letztlich eher gelassen: Wechselkurse können die Rendite einzelner Jahre oder auch längerer Zeiträume deutlich beeinflussen, lassen sich aber nicht zuverlässig prognostizieren und können sich langfristig auch wieder in die andere Richtung bewegen. Deshalb halte ich eine Währungsabsicherung für einen langfristig orientierten Anleger grundsätzlich nicht für notwendig.
Ich persönlich würde deshalb nicht sagen: „Der Dollar fällt, also bringt der Welt-ETF künftig nur 4 %.“
Eher: 6 % können eine vernünftige langfristige Rechengröße sein – 4 % können eine bewusst konservative persönliche Planung sein. Aber wer die 4 % mit einer langfristigen Dollarabschwächung begründet, trifft damit zusätzlich eine Währungsannahme.
Und gerade bei einem MSCI ACWI IMI finde ich diese Frage spannend, weil eine Dollarbewegung eben nicht nur eine Randerscheinung ist, sondern aufgrund des hohen US-Gewichts durchaus Einfluss auf die Rendite eines Euro-Anlegers haben kann.
Unabhängig davon finde ich den Ansatz eines breit gestreuten Welt-ETF weiterhin überzeugend. Die Frage ist für mich eher, welche Renditeannahme man für die eigene langfristige Planung vernünftigerweise zugrunde legt, ohne sich dabei eine vermeintlich sichere Prognose über den Dollar einzureden.
LG