Hallo zusammen,
aus Angst vor einem Crash die am Markt höchstkapitalisierten Firmen bewusst unterzugewichten, ist doch so ähnlich wie sich aus Angst vor dem Tod umzubringen.
Dieser interessante Vergleich stammt nicht von mir sondern von einem Glaubensbruder unserer Kirchengemeinde.
Asa ist US-Amerikaner und fährt sein Depot mit einer 8:1:1 Strategie. Er nennt das spaßig „Trinity“:
80 % S&P 500
10 % S&P 400
10 % S&P 600
„Best by test“ , sagt er.
Also große, mittlere und kleine amerikanische Unternehmen. Nicht, weil Asa glaubt, damit die Zukunft vorhersagen zu können, sondern gerade weil er darauf verzichtet.
„Best by test“, sagt er. „Ich will nicht wissen, welche Unternehmen in zehn Jahren die Gewinner sind. Ich will einfach möglichst sicher dabei sein, wenn sie es werden.“
Die derzeitige Dominanz der amerikanischen Technologiewerte beunruhigt ihn deshalb erstaunlich wenig. Wenn Nvidia, Microsoft, Apple, Amazon oder Alphabet irgendwann tatsächlich hoffnungslos überbewertet sein sollten, dann sollen sie von ihm aus ruhig abstürzen. Er hält sie ja nicht deshalb, weil er ihre Kurse für gerechtfertigt hält, sondern weil der Markt sie für gerechtfertigt hält.
„Und wenn die KI-Blase platzt?“, fragte ich ihn einmal.
Asa zuckte mit den Schultern.
„Dann habe ich ein Problem, das alle anderen auch haben.“
Das ist vielleicht der entscheidende Unterschied zwischen ihm und den Crash-Propheten. Asa versucht nicht, den Markt vor dem nächsten großen Irrtum zu bewahren. Er versucht lediglich, nicht selbst derjenige zu sein, der vorher wissen muss, welcher Irrtum der nächste sein wird.
Mit besonderem Vergnügen erzählt er in diesem Zusammenhang von ETFs, die einzelne Unternehmen auf maximal ein Prozent begrenzen.
„Stell dir vor“, sagt er, „du besitzt einen Obstkorb. Ein Apfel wird plötzlich zum besten Apfel der Welt. Und du sagst: Tut mir leid, mehr als ein Prozent darfst du bei mir nicht werden. Sonst wird mein Portfolio zu konzentriert.“
Asa findet das ungefähr so vernünftig, wie einem erfolgreichen Unternehmen nach jedem Kursanstieg Aktien wegzunehmen, damit es bloß nicht zu erfolgreich wird.
„Wenn eine Firma von einem Prozent auf zehn Prozent wächst, hat sie mir doch nicht zehnmal bewiesen, dass ich sie nicht besitzen sollte. Sie hat mir bewiesen, dass ich sie besitze.“
Dann grinst er.
„Ich bin Kapitalist. Kein Klassensprecher.“
Seine „Trinity“ ist deshalb weniger eine Wette auf die USA als eine Wette darauf, dass sich der Kapitalismus auch diesmal wieder selbst überraschen wird. Und falls in zwanzig Jahren nicht mehr die heutigen Tech-Giganten die wertvollsten Unternehmen der Welt sind, sondern irgendeine Firma, deren Namen heute noch niemand kennt, dann soll auch die in seinem Depot landen.
Automatisch.
Ohne dass Asa vorher wissen muss, dass sie existiert.
„Best by test“, sagt er dann wieder.
Und vielleicht ist das tatsächlich die vernünftigste Antwort auf all jene, die uns regelmäßig erklären, warum diesmal alles anders ist.
LG