Na ja... - das kann man so sehen. Muss es aber nicht.
Gerade in der engsten Familie sehe ich das schon anders. Ich habe sowohl meinem Sohn als auch meiner Tochter (beide bereits über dreißig Jahre alt) mehrfach bereits mit Darlehen unter die Arme gegriffen. Natürlich hätte ich ihnen das Geld auch schenken können. Aber das verträgt sich nicht mit meiner Vorstellung von einer Eltern-Kind-Beziehung, wenn die Kinder mal erwachsen sind.
Andererseits kann ein elterliches Darlehen in mancher Hinsicht sehr hilfreich sein. Als sich mein Sohn selbstständig gemacht hat, wollte er sofort eine GmbH gründen. Aber woher die 25.000 € Stammkapital nehmen? Banken sind bei Existenzgründern sehr zurückhaltend. Bei ihm hat es dann zwar mit einem Darlehen geklappt. Aber er wusste: wenn ich bei der Bank meinen Kredit nicht bekomme, wird der Vater einspringen und zu banküblichen Konditionen das Kapital zur Verfügung stellen. Gleichwohl ist er heute megastolz, dass er es ohne väterliche Hilfe geschafft hat.
Und der Tochter habe ich ein paar tausend Euro geliehen, damit sie ihr BaFÖG-Darlehen auf einen Schlag zurückzahlen kann. Sie spart damit 15 % des ausstehenden Darlehensbetrages und tilgt das Darlehen dann bei mir mit den regulären Raten, die sie sonst an die Staatskasse hätte zahlen müssen. Auch dieses Vorgehen halte ich für sinnvoller, als das Geld platt zu verschenken.
Ich habe in der Vergangenheit auch in Privatpersonen Darlehen vergeben. Aber eben immer mit Sicherheiten in irgendeiner Form. Dazu muss man sich den Einzelfall anschauen. Wozu wird das Darlehen gebraucht? Wie sieht das Einkommen und das Vermögen des Darlehensnehmers aus?
Die bankmäßige Bonitätsbeurteilung läuft heute über Algorithmen. Meistens ist sie auch zutreffend.
Doch es gibt immer wieder Einzelfälle, da kann es anders liegen. Und wenn ich dann jemandem mit einem Kredit zu vernünftigen Zinskonditionen helfen kann, warum nicht?
Demjenigen ist geholfen. Und für mich ist es eine Kapitalanlage.