Steuerlich sehe ich das auch so: Man muss keine hochkomplexen Ansätze nutzen, Steuerzahlungen kommen letztlich uns allen zu Gute und der Aufwand sollte in einem Verhältnis stehen! Nur sollte man meines Erachtens die halbwegs absehbaren Zahlen berücksichtigen und sich diese vergegenwärtigen, wenn man Entscheidungen trifft.
Was ich bei den Einschätzungen und Ansätzen hier im Thread sehe, sind zwei elementar mathematische Themen, die man nüchtern betrachtet vermutlich anders sehen würde, als viele hier im Thread:
1. Stundungseffekt auf die Rendite (nicht Steueroptmierung!) einer Anlage im Depot:
Ihr verkauft die ETF. Dabei fällt Ageltungssteuer an, die muss aber irgendwann sowieso bezahlt werden. Dann kannst Du jedem Kind wie gewünscht centgenau den gleich Betrag überweisen. Die Kinder kaufen dann selbst in ihrem Depot wieder einen ETF. Der hat den aktuellen Einstandskurs ohne irgendwelche noch unversteuerten Gewinne, und man braucht sich auch keine Gedanken über Nießbrauch oder sonstige Konstruktionen zu machen.
Jedem Kind können so 800.000 steuerfrei übergeben werden (400.000 je Elternteil). Wenn es mehr sein soll fällt hat ein bisschen Schenkungssteuer an - bei „üblichen“ Beträgen so 11 - 19% auf das was über 800k hinausgeht. Das wird die Kinder nicht ruinieren und man kann es als Spende and Gemeinwohl sehen.
Kann man so machen, aber hast du mal überschlagen, wie viel Rendite (nicht mal nur Steuerersparnis!) du damit im Laufe der Zeit zum Fenster raus wirtschaftest? Der Effekt der Steuerstundung auf die Gesamtrendite bei Laufzeiten über mehrere Jahrzehnte wird systematisch unterschätzt... Und in Punkto Steuergerechtigkeit fände ich die Diskussion spannend, was bei welchem Vorgehen gerechter wäre, wo man also laufzeitbereinigt dann letztlich MEHR Steuern zahlt, als in anderen Szenarien, einfach weil man die Kapitalmarktrendite so viel länger mitnimmt...
2. Exponentielles Wachstum des Vermögens (praktisch der Zinseszins-Effekt):
na ja, also jetzt mal langsam...Deine "20 Mio in 20a" Rechnung ist nur wirklich sehr unrealistisch, das wird so niemals kommen, da muss man kein Hellseher sein...ok, außer es kommt doch noch die Hyperinflation...
Es gibt Leute hier im Forum mit einem Vermögen im knapp 3 Stelligen Millionenbereich, die sich nicht als reich bezeichnen. Der Kanzlerkanditat der Union bezeichnet sich mit einer Million Bruttogehalt pro Jahr als "Mittelschicht". Meine Eltern sind auch der Meinung, ihre Immobilien wären nicht so stark im Wert gestiegen, wie sie es derzeit faktisch sind. Und sie sind auch der Meinung, die Immobilien könnten im Wert doch gar nicht mehr steigen...
Nüchtern betrachtet ist es bei einem Ausgangsvermögen von rund 5 Mio € fast schon eine Herausforderung, in 15 Jahren NICHT die 10 Mio € zu erreichen. Man bräuchte dafür nicht viel mehr als 5% Rendite p.a., die der Aktienmarkt auf diesen Zeitraum mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit abwerfen sollte. 5% Nominalrendite schafft man üblicherweise selbst mit einem 60/40-Portfolio. Wenn man renditestarke Immobilien (d.h. mit hoher Mietrendite) kombiniert mit weltweit gestreuten Aktien, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, auch mehr als diese Nominalrendite zu erreichen. Und damit die 10 Mio € - Schwelle in diesem Zeitraum schon früher und dann nach 15 Jahren deutlich zu überschreiten.
Einstein soll mal folgendes gesagt haben:
"„Der Zinseszins ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn“
Quelle: https://worldday.de/albert-einstein-zinseszins-zitat/
Taust ist praktisch in der steilen Flanke des exponentiellen Wachstums seines Vermögens. Solche Wachstumsraten haben wir bei Corona schon größtenteils nicht verstanden und uns dann über die plötzlich so zahlreichen Infizierten gewundert. Wenn man das berücksichtigt, kommt man mit den o.g. Zahlen und dem Gesamtvermögen fast schon zwangsläufig in den zweistelligen Millionenbereich in genannten Zeitrum.
Was man dann daraus macht, also in Punkto Vermögensaufteilung auf Anlageklassen, Schenkungen, Steuerzahlungen, Spenden, etc. ist definitiv jedem selbst überlassen! Nur die Zahlen ganz ignorieren würde ich an der Stelle nicht...