Nein, die Anzahl der Anteile bleibt gleich und nimmt weiterhin an der erhofften Wertsteigerung teil. Was bei einem Verkauf eben nicht der Fall wäre.
Wird eine Dividende gezahlt, dann verringert sich das Eigenkapital der jeweiligen Firma. Schüttet ein ETF diese Erträge nun aus, statt sie wieder zu investieren (zu thesaurieren), dann verringert sich entsprechend auch der Kurswert des ETF. Das Geld verschwindet nicht, es landet auf deinem Verrechnungskonto. In gleichem Maße kriegst du aber auch nichts geschenkt.
Für die Rendite spielt die Anzahl deiner gehaltenen Anteile keine Rolle. Jeden Börsentag neu nimmst du an der Wertentwicklung deines ETF oder deiner Aktie teil. Wenn ihr Kurs aufgrund der Ausschüttung gesunken ist, dann wirst du eben von diesem geringeren Punkt aus weitermachen.
Im Umkehrschluss heißt das auch, für die Wertentwicklung (vor Steuern) spielt es erstmal keine Rolle, ob du eine Ausschüttung erhältst, oder ob du stattdessen Anteile im identischen Nennwert verkaufst. Denn im Szenario "Verkauf statt Dividende" ist der Wert des Anteils, also der Kurs, einfach proportional höher. Es nimmt sich nix. Wohlgemerkt vor Steuern.
Nach Steuern kann das schon deutlich anders aussehen. Immerhin werden deine Ausschüttungserträge (abgesehen von eventueller Freistellung) direkt bei Zufluss mit 26,375% (bzw. 18,5% bei AktienETF nach Teilfreistellung) belastet. Dieses Geld hat dann der Staat; es steht dir zu einer Wideranlage nicht zur Verfügung.