Dabei wenn möglich Steuern zu sparen finde ich übrigens durchaus legitim und ich wundere mich, dass das in diesem Forum ab und zu etwas belächelt wird. Wenn diese Website und dieses Forum ja durchaus darauf abzielen, die Rendite seiner Geldanlage (bei vertretbarem Risiko) zu optimieren, warum dann nicht in gleichem Maße versuchen Steuern sparen?
In diesem Land werden sehr viele Dummheiten gemacht, weil ,,man steueroptimiert spart/anlegt/agiert". So gut wie alle Produkte, die sich gut verkaufen haben die eine oder andere Form von ,,Steuerersparnis" als Lockmittel. Wirklich relevante Faktoren wie Rendite, Kosten oder Risiko werden oft missachtet und am Ende kommt oft eine völlig unpassende, kostenintensive und/oder viel zu riskante Vermögensaufteilung heraus.
Bei Einzelaktien besteht ein extremes Klumpenrisiko. Das steht in keinem Verhältnis zu einer Steuerersparnis. Warum? Was bringen einem ein paar Prozent weniger Steuern, wenn ein Wert in der Krise 70-80% nach unten knallt und nie wieder hoch kommt? Was bringen einem ein paar Prozent weniger Steuern, wenn durch eine Branchenrotation ein Wert über viele Jahre eine breite Benchmark underperformed? Passiert nicht? Doch. Das ist eher die Regel als die Ausnahme.
Deshalb: Eine rationale, prognosefreie, kostengünstige, breite Asset-Allokation sollte immer der erste und wichtigste Schritt sein. Besser heute als morgen.
Das Problem ist, dass sowas meistens erst erkannt wird, wenn es zu spät ist. Nach fast 15 Jahren Bullenmarkt und kaum Krisen, verfällt man gerne dem recency bias und denkt, dass es immer so weiter geht. Ein Blick in die Kapitalmarktgeschichte genügt um zu erkennen, dass dramatische Umwälzungen plötzlich kommen und immer verheerend sind. Zumindest für die Anleger, die sich nicht vorher darauf vorbereitet haben.
Diversifikation und die richtige Level-1-Asset-Allokation ist die einzige Möglichkeit sich darauf vorzubereiten. Ziele wie ,,Steuern sparen" sollten dabei immer an zweiter Stelle kommen.