Beiträge von Felice

    Ich glaube, du hast die Dimension des Problems noch nicht verstanden. Das Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form wird nicht mehr aufrecht zu erhalten sein. Da kann man noch so viele gut gemeinte, aber doch realitätsferne Vorschläge produzieren. Um es mal ganz einfach auszudrücken: "Ohne Moos nix los." Die Zahl der Anspruchsberechtigten steigt, die Zahl der Einzahler sinkt. Hieran etwas zu ändern, wären die einzigen überhaupt wirksamen Maßnahmen für eine Verbesserung. Aber das ist aktuell politisch nicht gewollt. Die Folgen sind unausweichlich: das Versorgungsniveau wird drastisch sinken.

    Du hast es erfasst: "Das Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form wird nicht mehr aufrecht zu erhalten sein." Mit der aktuellen Struktur wird das Versorgungsniveau wahrscheinlich auch sinken. Daher muss es komplett reformiert werden, weshalb das duale System abgelöst werden muss. Ein rein steuerfinanziertes System wäre beispielsweise eine Lösung, wie es andere Länder bereits umsetzen. Aber jetzt bitte nicht wieder das kaputt gesparte NHS in GB nennen ;)

    Der Qualitätsstandard in der Gesundheitsversorgung nimmt also ab, weil es Privatversicherte gibt? Das ist doch offensichtlicher Unfug.

    Du hast meine Aussage falsch interpretiert. Weil wir das duale System haben, können sinnvolle Lösungen nicht umgesetzt werden um die Misere zu lindern. Z. B. die Einführung eines steuerfinanzieren Modells.

    Und auch in deinem nächsten Satz kommt wieder zum Vorschein, worum es dir wirklich geht. Privatversicherte können also den gleichen Versorgungsumfang haben wie heute auch. Dafür dürfen sie dann aber den Höchstbeitrag in die marode GKV zahlen und sich dann noch einmal für die private Zusatzversicherung zahlen. Es geht hier einfach nur darum, das Geld anderer Leute abzugreifen.

    Wo ist dein Gemeinschaftssinn geblieben? Ich zahle extrem viele Steuern und finanziere beispielsweise damit die Sanierung der Straßen und die Verteidigung. Habe ich deswegen ein Anrecht darauf auf besseren Straßen zu fahren oder besser verteidigt zu werden als jemand, der wenig Steuern zahlt? Nein! Genauso sollte es im Gesundheitssystem sein. Jeder leistet einen Beitrag, der abhängig von seiner wirtschaftlichen Kraft ist.

    Du sagst, du seist privat versichert. Bei deinen Einlassungen hier könnte man fast den Eindruck bekommen, dass du dir die Einheitsversicherung aus rein persönlichen Gründen herbei wünscht. Sind dir deine PKV-Beiträge zu hoch geworden, so dass du hoffst, auf diesem Wege Geld zu sparen? Wenn dem so ist, ist das ein verständliches Anliegen. Dann sollte man das aber auch so sagen.

    Meine PKV-Beiträge sind definitiv nicht zu hoch. Wenn alles nach Plan laufen sollte, werde ich auch bis Mitte/Ende 70 weniger als in der GKV zahlen. Jedoch ist mir das Wohl der Gesellschaft wichtig. Vor allem wo die Gesellschaft in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr auseinander gedriftet ist. Falls ich eines Tages in einer Bürgerversicherung versichert sein muss und mehr zahlen müsste, dann ist das für mich selbstverständlich. Wie bei den Steuern für die Straßensanierung. Es würde mir finanziell höchstwahrscheinlich auch nicht weh tun.

    Du kritisierst immer wieder Vorschläge von mir und anderen, aber einen konstruktiven Vorschlag wie man das Gesundheitssystem auf die Beine bringen kann, habe ich bisher von dir noch nicht vernommen. Auch ein einheitliches System als ein sozialistisches System abzutun, ist deine persönliche ideologische Meinung, aber nicht die Meinung der Allgemeinheit. Deiner Meinung nach müssten dann alle Länder außer Deutschland ein "sozialistisches" Gesundheitssystem haben, weil sie nämlich ein einheitliches Gesundheitssystem und kein duales System haben.

    Ich bin selbst PKV-versichert, jedoch sagt mir mein gesellschaftlicher Gemeinschaftssinn, dass wir bei den aktuellen Problemen auch einen kompletten Systemwechsel überprüfen sollten. Es kann nicht sein, dass der Qualitätsstandard in unserer Gesundheitsversorgung für die gesamte Gesellschaft abnimmt, nur weil eine Minderheit an bestehenden Privilegien festhalten möchte, die sie in einem einheitlichen Gesundheitssystem auch über private Zusatzversicherungen haben könnte.

    Was die Probleme in der PKV betrifft, verquicke ich hier nicht zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Bedenke immer, dass die PKV ohne die GKV nicht existieren könnte. Und was die aktuellen Probleme der PKV betrifft, so kann die PKV darauf hoffen, dass durch die Maßnahmen der Regierung die Ausgaben in der GKV gedämpft werden können, denn nur dann werden auch die Leistungsausgaben in der PKV wieder runter gehen.

    Was funktioniert denn da besser als in D?

    Die elektronische Patientenakte ist z. B. in Norwegen und Schweden seit Jahrzehnten Standard. Alle Leistungserbringer (Hausärzte, Krankenhäuser, Apotheken) sind digital vernetzt. Doppeluntersuchungen werden vermieden, Rezepte laufen voll digital.

    Auch in den Niederlanden ist man bei der Digitalisierung viel weiter.

    In Deutschland kann man (theoretisch) mit jedem kleinen Wehwehchen direkt zum Facharzt oder in die Notaufnahme gehen. Das führt zu überlasteten Praxen und langen Wartezeiten. In den Niederlanden gibt es ein striktes Hausarzt-Prinzip und in Schweden ist ein Gesundheitszentrum die primäre Anlaufstelle. Der Großteil der Fälle wird in diesen Ländern abschließend bearbeitet ohne dass man zum Spezialisten muss.

    In diesen Ländern haben auch nicht-ärztliche Berufe deutlich mehr Kompetenzen. So dürfen speziell ausgebildete Pflegekräfte in Norwegen und Schweden eigenständig chronisch Kranke betreuen, kleinere Wunden versorgen und in gewissem Rahmen sogar Medikamente verschreiben. In den Niederlanden werden beispielsweise Schwangerschaften und Geburten standardmäßig ohne Arzt begleitet, solange keine Risiken vorliegen. Das entlastet die Kliniken massiv.

    Schweden und Norwegen haben ihre Kliniklandschaft stark zentralisiert. Komplexe Operationen werden nur in großen, hochspezialisierten Zentren durchgeführt. Das sorgt für nachweislich höhere Überlebensraten und Behandlungsqualität bei schweren Erkrankungen.

    In den Niederlanden gibt es ein Hybridsystem: Es gibt eine Versicherungspflicht bei privaten Kassen, aber der Leistungskatalog ist streng gesetzlich reguliert und es gibt einen massiven Risikostrukturausgleich. Das sorgt für echten Wettbewerb um die beste Qualität, ohne dass Patienten im Regen stehen gelassen werden. Schweden und Norwegen finanzieren ihr System fast komplett aus Steuermitteln.

    Dies sollen mal exemplarisch ein paar Vorteile sein...

    Ich kenne deine Position aus früheren Beiträgen. Du möchtest gerne die PKV auflösen und die Rückstellungen (mehr als 300 Mrd. EUR), die den Versicherten gehören, ersatzlos enteignen.

    Wer hat denn Probleme? Die GKV oder die PKV?

    Nein, ich möchte die PKV nicht auflösen, sondern transformieren in ein einheitliches Gesundheitssystem. Private Zusatztarife werden (wie in anderen Ländern) weiterhin benötigt. Auch eine Enteignung möchte ich nicht. Das hatte ich an anderer Stelle auch schon mal genau beschrieben.

    Beide Systeme stehen vor Problemen, also auch die PKV. Scheinbar ist dir nicht bewusst, dass die PKV schon seit ein paar Jahren gegen einen massiven Anstieg der Leistungsausgaben ankämpft. Viele neuartige Therapien (Gentherapien gegen Krebs, Biologika, ...) kosten ein Vielfaches von früheren Therapiemöglichkeiten. Dies können die Versicherer nur über die Beiträge reinholen. Aber auch Mitgliederschwund bzw. die Überalterung der Versicherten haben - wenn auch nur marginale - Auswirkungen auf zukünftige Beitragssteigerungen. Ich rechne damit, dass in den kommenden 10 bis 20 Jahren die PKV für einen wesentlich größeren Anteil der Rentner als heute zu einer finanziellen Belastung wird.

    Das System GKV in seiner derzeitigen Form ist nicht mehr bezahlbar. Es wird nicht anderes übrig bleiben, als das Versorgungsniveau zu senken. Ich habe hier schon vielfach geschrieben, dass ich eine immer weiter fortschreitende Polarisierung für das wahrscheinlichste Szenario halte. Für die, die es sich leisten können, wird die Versorgung auf einem hohen Niveau bleiben, die GKV-Leistungen werden sich in eine Richtung bewegen, wie man sie z.B. aus südlichen Ländern kennt. Also Privatpraxen und -kliniken auf der einen Seite, staatlich betriebene Polikliniken auf der anderen Seite.

    Man darf nicht immer nur die Negativ-Beispiele wie die südlichen Länder oder das NHS in GB nennen. Es gibt durchaus gut funktionierende Gesundheitssysteme in Europa, z. B. in Schweden, Norwegen, Niederlande oder in der Schweiz.

    Das Versorgungsniveau muss in Deutschland nicht gesenkt werden, wenn das Gesundheitssystem mal nachhaltig reformiert werden würde. Im Bereich der Prävention wird in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern viel zu wenig getan. Das duale System, wie wir es in Deutschland habe, bremst leider nachhaltige Reformen aus, da der Politik auf der Einnahmenseite die Hände für diverse Änderungsmöglichkeiten gebunden sind. Es könnten ganz andere (und zwar funktionierende) Finanzierungsmodelle umgesetzt werden, wenn es die Abhängigkeit GKV/PKV nicht geben würde. Wann die Politik den Mut haben wird, eine große Gesundheitsreform mit neuen Strukturen anzugehen, weiß ich nicht. Ich habe die Befürchtung, dass dies erst geschehen wird, wenn die PKV die Herausforderungen, vor denen sie steht, nicht mehr gestemmt bekommt. In den kommenden 10-20 Jahren werden meiner Meinung nach aber Änderungen erforderlich werden.

    Bei der GKV sind du mit 65 Millionen Menschen in einen Boot. Klar wird es Erhöhung, Leistungskürzungen etc geben, dies kannst du locker stemmen.

    Es sind ca. 75 Mio. Menschen in der GKV.

    Bei der PKV sind Beitragserhöhungen > 15% keine Seltenheit. Diese wird im Alter für viele unbezahlbar.

    Deswegen immer GKV! Dann lieber mit Zusatztarifen als die Abhängigkeit von einer Gesellschaft

    Es wird nicht jedes Jahr Beitragserhöhungen >15 % in einem KV-Tarif geben. Oft ist es so, dass es 2-3 Jahre keine Erhöhung gibt, weil der Schwellwert bei der Leistungskostensteigerung von 10 % (bzw. 5 % bei manchen Versicherungen) nicht überschritten worden ist. Sobald er dann überschritten ist, beinhaltet die Beitragserhöhung all die Kostensteigerungen seit der letzten Erhöhung.

    In Zeiten einer hohen (medizinischen) Inflation kann es auch mal mehrere Jahre hintereinander zu stärkeren Beitragserhöhungen kommen. In solch einer Phase befinden wir uns seit geraumer Zeit.

    Dass die PKV "im Alter für viele unbezahlbar" wird, stimmt nicht. Es sind eher wenige. Und hier muss man genau schauen, woran es bei den wenigen liegt. Gründe können sein:

    (1) zu geringe Alterseinkünfte. Neben der gesetzlichen Rente bzw. Versorgungswerkrente sollte man weitere Einkünfte im Alter haben (z. B. Betriebsrente, Mieteinkünfte, Lebensversicherungen, regelmäßige Kapitaleinkünfte)

    (2) das Ersparte gegenüber der GKV im Erwerbsleben wurde nicht konsequent zurückgelegt

    (3) keinen Beitragsentlastungstarif als Angestellter

    (4) zu hohes Eintrittsalter (> 45 Jahre)

    Meistens ist es eine Kombination aus mehreren der Punkte (1) bis (4).

    Bsp.: Jemand, der mit 35-40 Jahren in die PKV gewechselt ist und heute (in 2026) in Rente geht mit Alterseinkünften in Höhe von 4.200-4.500 Euro und weiteren Einkünften von 300 Euro pro Monat und 80-120 kEUR Ersparnisse gegenüber der GKV bisher angesammelt hat, sollte eigentlich die PKV im Rentenalter gestemmt bekommen. Voraussetzung ist natürlich, dass die Entwicklung der Beiträge in der PKV zukünftig nicht stark abweichen von der Entwicklung in der Vergangenheit.

    Du hast natürlich recht, denn man ist in der PKV abhängig von der Versicherungsgesellschaft. Aber vor allem ist man abhängig von der medizinische Inflation bzw. der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen, denn beides schlägt sich 1:1 in den Beiträgen nieder. Aber auch von regulatorischen und politischen Entscheidungen ist man als PKV-Versicherter abhängig. Z. B. wird durch die geplante außerordentliche Erhöhung der Jahresarbeitsentgeltgrenze im Jahr 2027 der Wechsel für Angestellte in die PKV erschwert. Momentan kann keiner genau absehen, wie sehr sich das auswirken wird. Es gibt Schätzungen, dass 25-40 % weniger Angestellte ab 2027 in die PKV wechseln werden. Dies könnte mittelfristig Auswirkungen auf die Beitragssteigerungen der Bestandsversicherten haben, da das Durchschnittsalter des Versichertenkollektiv ansteigen würde und damit die Risikodurchmischung sich zum Negativen verändern könnte. Man könnte dann eventuell mit 0,2 - 0,5 % höheren durchschnittlichen Beitragssteigerungen pro Jahr rechnen. Aber dies lässt sich alles nur sehr schwer mathematisch modellieren, daher sind dies sehr vage Annahmen. Es hängt letztendlich auch davon ab, wie hoch der Anteil der Angestellten im Tarif ist. Es gibt Versicherer mit einem geringen Anteil an Angestellten in den Tarifen, es gibt auch genau das Gegenteil. Bei den Tarifen für Nicht-Beamte gibt es eh bereits seit ca. 2012 einen Mitgliederschwund, der ab 2027 sich daher beschleunigen dürfte.

    Aber letztendlich wird die PKV von Bafin und Politik beobachtet. Sollte es eines Tages dazu kommen, dass der Anteil der Versicherten, für die sich die PKV zu einer erheblichen finanziellen Belastung entwickelt, stark zunimmt, werden Maßnahmen ergriffen. Auch weil das Geschäftsmodell der PKV-Versicherer dann ins Wanken geraten würde. Das könnten Steuerzuschüsse oder weitere regulatorische Entlastungsmechanismen sein, das könnte aber auch die Transformation der PKV in eine Bürgerversicherung sein.

    Wie die Entwicklung in Zukunft aussehen wird, kann aktuell noch keiner vorhersagen. Klar ist: auch die PKV steht vor erheblichen Herausforderungen.

    Bei den Abschlusskosten in 2024 stand die Alte Oldenburger aber nicht so herausragend da: https://www.krankenkassen.de/private-kranke…bschlusskosten/

    Wenn man danach geht, wer das wenigste Geld für Neuabschlüsse ausgibt, wäre wohl die LKH mal einen näheren Blick wert.

    Nach dieser Liste gingen im Jahr 2024 bei der Barmenia 10,7 % der verdienten Bruttoprämien für die Abschlusskosten drauf. Da kann man dann natürlich verstehen, dass Versicherungsmakler gerne die Barmenia vermitteln. Und bei der Alten Oldenburger waren es auch noch 9,3 %.

    Ihren interessanten und informativen Artikel zur Alten Oldenburger hatte ich bereits gelesen. Dieter Homburg hat exakt zu diesem Artikel auch ein Antwort-Video erstellt.

    Leopard: Ist es dieses Video: Private Krankenversicherung: Genau deshalb eskalieren die Beiträge! ? Die Barmenia-Tarife würde ich mittlerweile auch nicht mehr empfehlen, weil die Beitragsanpassungen in den vergangenen Jahren recht horrend waren.

    Die Inhalte von Dieter Homburg finde ich gernell recht gut, aber manchmal verbreitet er etwas Panik. In diesem Video gibt es folgende Falschaussage von ihm: Ab Minute 10:32 spricht er über die Verträge eines Ehepaars bei der Debeka und sagt, dass das Ehepaar bereits seit 40 Jahren privat versichert sei. Dies stimmt nicht, denn anhand der Beiträge auf den gezeigten Rechnungen konnte ich anhand eines Vergleichs mit Beitragsrechnungen von mir bekannten Personen herausfinden, dass sich beide im Alter von ca. 48 bis 52 erst privat versichert haben. Hätten beide in einem jüngeren Alter die Verträge abgeschlossen, würden beide recht akzeptable Beiträge zahlen. Also nicht nur Dr. Schlemann verbreitet nicht korrekte Informationen über PKV-Unternehmen, die ihm ein Dorn im Auge sind.

    Wenn Sie mögen, können Sie der interessierten Öffentlichkeit gern einmal gegenüberstellen, wie viele Monatsbeiträge Sie bei der Barmenia als Abschlussprovision erhalten und wie viele Monatsbeiträge bei der Alten Oldenburger - so wird wohl ein Schuh draus.

    Ich glaube, auf diese Frage wird Dr. Schlemann nicht antworten. Er wird auch nicht verraten, bei welcher Versicherung er seinen PKV-Vertrag hat. Dieter_Homburg ist übrigens bei der Alten Oldenburger versichert.

    Nachfrage: Würden Sie heute, wenn Sie noch einmal die Wahl hätten, die PKV direkt bei der AO oder lieber bei einem Versicherungsmakler abschließen?

    Falls möglich, würde ich an deiner Stelle den Vertrag direkt bei der AO abschließen. Da die AO jedoch eine sehr strenge Gesundheitsprüfung hat, würde ich an deiner Stelle einen Wechsel erstmal davon abhängig machen, ob du ohne Risikozuschlag angenommen wirst. Falls es einen Risikozuschlag geben sollte, würde ich an deiner Stelle bei der Debeka bleiben. Denn aufgrund der schieren Größe hat die Debeka langfristig gesehen wahrscheinlich Vorteile, je nachdem welche politischen Entscheidungen noch getroffen werden. Und sie hat ja genau wie die AO ein singuläres Tarifwerk, d. h. ein Tarifhopping wie bei der Barmenia oder ARAG kann man sich ersparen. Man läuft auch nicht die Gefahr, dass man sich in vergreisenden Tarifen befindet, die vom Versicherer nicht mehr "gepflegt" werden (abgesehen von den alten Bisex-Tarifen).

    Heute auf https://morgenvisite.pkv.de/mailing/300/91…265c/index.html gelesen:

    Mitte Mai will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken einen Gesetzentwurf für die Pflegereform vorstellen. Allein im kommenden Jahr sollen in der Pflegeversicherung 6 Mrd. Euro fehlen. Ein Pflegefinanzausgleich zwischen der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) und der Privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) sei im Gespräch – mit Transfers in Höhe von über 2 Mrd. Euro, was einem Drittel der Beitragseinnahmen der PPV von 6,3 Mrd. Euro entspräche. Das Bundesgesundheitsministerium wollte das nicht kommentieren.

    Ein solcher Finanzausgleich wäre eine verfassungswidrige Sonderabgabe und der Einstieg in die Pflege-Bürgerversicherung, kritisierte PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. Der Beitragssatz der SPV würde dadurch lediglich um 0,1 Prozentpunkte sinken, rechnet der Verband vor – „mit 10 Prozent PPV-Versicherten lässt sich das strukturelle Finanzproblem von 90 Prozent SPV-Versicherten nicht lösen". Für privat Versicherte, die noch nicht den Höchstbeitrag zahlen, drohten Beitragssprünge von über 40 Prozent. Notfalls werde der Verband vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

    Die PKV hat über 300Mrd Rückstellungen und die GKV ist quasi pleite.

    Diese Aussage ist vollkommen korrekt, jedoch ist zu berücksichtigen, dass beide Systeme unterschiedlich finanziert werden: Kapitaldeckungsverfahren vs. Umlageverfahren. Daher ist ein direkter Vergleich eher ein Vergleich Äpfel mit Birnen. Hätte die GKV auch über 300Mrd Rückstellungen, dann wäre die finanzielle Situation aus mehreren Gründen immer noch nicht vergleichbar.

    Übrigens bin ich gespannt, wie sich die Summe der Rückstellungen in der PKV in den Jahren 2030-2040 verändern wird. Da dann der Anteil der Rentner/Pensionäre an der Gesamtheit der PKV-Versicherten aufgrund der demographischen Entwicklung zunehmen wird, rechne ich damit, dass die Summe der Rückstellungen weniger stark als in den letzten 10 Jahren steigen wird. Oder vielleicht sogar mal zeitweise stagnieren wird (oder sogar leicht rückläufig sein wird?), wenn die medizinische Inflation eher gering sein sollte.

    Mal eine Frage: bei den „unabhängigen“ Versicherungsmaklern (egal wen man fragt) ist die HUK PKV sehr unbeliebt. Es wird da in der Regel immer der Beihilfeergänzungstarif kritisiert, der „angeblich“ nur auf GKV-Niveau ist und das „nur“ maximal der 3,5 fache Satz erstattet wird.

    Der 3,5 fache Satz ist bald Geschichte, sobald die GOÄneu eingeführt wird. Dann wird es diese Steigerungssätze in der heutigen Form nicht mehr geben. Außerdem sei angemerkt, dass Sätze über dem Höchstsatz von 3,5 fach recht selten verwendet werden. In 2024 waren es 2,54 % der Zahnbehandlungen (da kann man ja einen anderen Zahnarzt konsultieren), 0,35 % der stationären Behandlungen und 0,48 % der ambulanten Behandlungen.

    Makler werben zwar gerne mit dem Argument, dass bestimmte "Hochleistungstarife" über dem Höchstsatz leisten, jedoch wäre das für mich aus o.g. Punkten kein ausschlaggebender Grund, solch einen Tarif zu wählen.

    • Steigende Beiträge im Alter: Die PKV-Beiträge sind nicht gedeckelt und richten sich nach dem Alter und den individuellen Krankheitskosten. Ohne ausreichende Altersrückstellungen können die Beiträge im Rentenalter stark ansteigen, selbst wenn das Einkommen sinkt.
    • ...
    • Beitragsstabilität nicht garantiert: Die Beitragsentwicklung ist unsicher. Versicherte müssen mit regelmäßigen Beitragserhöhungen rechnen, die durch medizinischen Fortschritt und höhere Arzthonorare getrieben werden.
    • Beitrag in der privaten Krankenversicherung (PKV) abhängig von Alter und Gesundheitszustand sowie dem gewünschten Versicherungsschutz. Wenn Sie einen privaten Vertrag abschließen, gehen Sie quasi eine lebenslange "Zwangsehe" ein. Eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse ist meist ausgeschlossen oder nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

    Der erste und der letzte Punkt sind trotzdem schlicht falsch und der vorletzte trifft auf die GKV noch mehr zu, da von der Willkür der Politik abhängig.

    RWE4Life : So ganz recht hast du nicht.

    Im ersten Punkt ist nur der von mir fett markierte Teil des folgenden Satzes falsch: "Die PKV-Beiträge sind nicht gedeckelt und richten sich nach dem Alter und den individuellen Krankheitskosten." Das Eintrittsalter spielt eine Rolle, aber auch das aktuelle Alter. Denn die zu zahlenden Beiträge werden immer auf Basis der entstandenen Kosten der Alterskohorte eines Versicherten bestimmt. Die individuellen Krankheitskosten spielen jedoch keine Rolle, sondern die Krankheitskosten der gesamten Alterskohorte.

    Der letzte Punkt ist inhaltlich korrekt, wenn mit dem "Beitrag in der privaten Krankenversicherung (PKV)" der bei Vertragsabschluss zu zahlende Beitrag gemeint ist. Denn dieser ist abhängig vom Eintrittsalter, Gesundheitszustand und dem gewünschten Leistungsumfang.

    Der vorletzte Punkt trifft auf die GKV keineswegs mehr zu als auf die PKV. Denn die GKV-Versicherten müssen im Gegensatz zu den PKV-Versicherten nicht unbedingt mit regelmäßigen Beitragserhöhungen rechnen. In den letzten Jahren war dies zwar der Fall, aber die Politik hätte Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass die Beiträge nicht regelmäßig steigen (z. B. durch Streichen von Leistungen oder erhöhtem Steuerzuschuss). Die PKV hingegen muss kostendeckend arbeiten und kann keine Leistungen, die vertraglich vereinbart sind, streichen.

    Schon der erste Punkt ist definitiv falsch. Beiträge zur PKV sind nicht vom Alter abhängig und auch nicht von den Kosten, die ein Versicherter verursacht. Woher ich das weiß? Ich bin schon alt und verursache ziemliche hohe Kosten, zahle aber für meine private Krankenversicherung abzüglich des Zuschuss der GKV gerade mal 400 EUR monatlich. Ich halte diesen Betrag nicht für besonders hoch.

    Dein PKV-Beitrag ist wirklich nicht besonders hoch. Ich vermute, du bist in einem sehr jungen Alter in die PKV gewechselt.

    Bei Rentnern würde ich aktuell eher Beiträge um 700-900 Euro inkl. Pflegeversicherung und ohne große Selbstbeteiligung und vor Abzug des Zuschusses der GRV als normal ansehen, falls man keinen Beitragsentlastungstarif hat.

    Das ist leider zusätzlich zur regulären Erhöhung geplant. Da die reguläre Erhöhung die letzten Jahre auch immer zwischen €200 und €300 betrug kannst Du also mit €500 bis €600 rechnen...:thumbup:

    Aber ist ja beim Höchstsatz inkl. Pflege auch nur ein Hunderter im Monat...

    Immer noch moderat?

    PKV-Versicherte im Angestelltenverhältnis können das durch Aufstocken eines vorhandenen Beitragsentlastungstarifs ausnutzen.

    Eher nicht. Einen Felicehaben wir nur als Unikum hier im Forum. Aber bevor ich mir einen Wolf suche: Eventuell erinnert sich noch ein anderer Forist?

    Da bin ich ja mal gespannt, ob ein anderer Forist deine Behauptung bestätigen wird :). Auf einmal schreibt einer, dass ich bei der Allianz krankenversichert bin ^^

    Dummerweise - zumindest aus Deiner Perspektive - stehst du ja nicht mehr vor dieser Entscheidung. So gesehen, mag es verwundern, dass du den Ast, auf den du dich nach eigener Einlassung (irgendwann mal Wechsel zur Debeka) gesetzt hast, in emsiger Weise und mit beachtlichem Körpereinsatz selbst abzusägen bemüht bist. Zumindest hier im Forum. ;)

    Kann es sein, dass du mich mit jemandem verwechselst? Denn du dürftest nirgends hier im Forum von mir eine Aussage dazu finden, dass ich bei der Debeka krankenversichert sein soll. Das wäre mir nämlich gänzlich neu ;).

    Aber dass ich die Zukunft unseres dualen Gesundheitssystems für nicht gesichert sehe, ist korrekt und rührt daher, dass sowohl die GKV als auch die PKV vor immensen strukturellen Herausforderungen stehen.

    Die politisch Vorfälle in der GKV lassen mich mehr in Richtung PKV tendieren.

    Würde ich vor der Entscheidung stehen, dann wäre ich mir unsicher, wie ich mich entscheiden sollte. Denn die PKV steht momentan auch vor sehr großen Herausforderungen, da sie durch die extrem hohen Beitragssteigerungen in den vergangenen Jahren eine gewissen Imageschaden erlitten hat. Und auch noch nicht absehbar ist, ob die Leistungsausgabensteigerungen in den nächsten Jahren wieder auf ein Normalmaß (wie bis 2019) zurückkommen.

    Mich auch! Wobei ich z.B. die Erhöhung der BBG um 300€ eigentlich sogar noch moderat finde. Ich gehe nur leider davon aus, dass wir nun aufgrund der demographischen Probleme alle paar Jahre bei neuen GKV-Reformen zuschauen dürfen, bei denen immer ein bisschen mehr an der Beitragsschraube v.a. für Gutverdiener geschraubt und gleichzeitig Leistungen gekürzt werden.

    Einfach so an der Beitragsschraube für Gutverdiener zu drehen, ist nicht ohne Risiko. Denn wenn dann eine bestimmte Menge an Gutverdiener in die PKV abwandert, hat man vielleicht sogar das Gegenteil für die GKV erreicht. Welche Auswirkungen die aktuell geplante Erhöhung von BBG und JAEG haben wird, ist ja auch noch unklar. Ich rechne aber damit, dass die Anzahl der Wechsler nicht den Versichertenschwund in der PKV für Nicht-Beamte kompensieren wird.