Du behauptest dauernd, dass das System aus GKV und PKV mehr Kosten verursacht. Was hat denn die PKV mit der prekären Kostensituation der GKV zu tun? Rein gar nichts. Was würde allerdings nach Abschaffung der PKV passieren? Ohne Privatpatienten wären die meisten Praxen überhaupt nicht wirtschaftlich zu betreiben. In der Folge müssten entweder die Vergütungen der Ärzte durch die GKV deutlich steigen, was nur durch Beitragssteigerungen möglich wäre. Oder der Leistungskatalog würde noch weiter eingeschränkt werden, und viele Leistungen müssten Patienten selbst zahlen.
Wie würdest du denn die prekäre Kostensituation der GKV lösen? Du kritisierst meine Aussagen (zum Teil vielleicht sogar berechtigt), aber bisher habe ich noch keinen Gegenvorschlag von dir zur Lösung des Problems gesehen. Ich bin selbst privat krankenversichert, betrachte aber die Situation in unserem Gesundheitswesen nicht durch meine Brille als PKV-Versicherter, sondern aus gesamtgesellschaftlicher Sicht.
Mein Vorschlag kann ich nochmal in zwei Sätzen beschreiben:
- Einheitliche und ausreichende Grundversorgung für alle (solidarisch und sozial fair geregelt)
- Extras, die medizinisch nicht notwendig sind (Chefarzt, 1-Bettzimmer, Implantate, Homöopathie, Auslandskrankenschutz, ...), können über private Zusatzversicherungen abgesichert werden.
Selbstverständlich müssen viele viele weitere Punkte dann geregelt werden, z. B. Finanzierung (z. B. über Steuern, Beiträge, Kopfpauschalen), Honorierung der Ärzte, etc. Aber in anderen Ländern mit gut laufenden Gesundheitssystemen gibt es hierfür auch Lösungen.
Durch die aktuelle Nebenläufigkeit von GKV und substitutiver PKV können manche Reformideen bei der GKV nicht so einfach umgesetzt werden, weil man dann die Gefahr läuft, dass noch mehr Besserverdiener in die PKV abwandern und man dadurch die Situation der GKV noch verschlimmert. Daher befürchte ich ja, dass man am aktuellen System festhalten wird, bis sich die Situation in der PKV massiv verschlechtern wird (siehe meinen Beitrag in #400).
Dass bei einem einheitlichen Gesundheitssystem Praxen wirtschaftlich betrieben werden können, sieht man in sehr vielen anderen Ländern. Da man in Deutschland ein Praxis-Sterben sieht und viele Ärzte lieber im Angestelltenverhältnis arbeiten wollen, stellt sich sowieso die Frage, ob der Trend nicht zu MVZ hingehen wird.