Bitte nicht böswillig zitieren. Dass auch Menschen in einem geschlossenen Tarif älter werden liegt wohl auf der Hand. Das häufig von Amateur-Aktuaren zitierte Stichwort der Vergreisung im Sinn einer Verteuerung aufgrund älter werdendem Kollektiv ist aber versicherungsmathematisch grundfalsch.
Ich möchte nochmal ein etwas älteres Zitat aufgreifen und mal erklären, warum es eine Vergreisung von geschlossenen Tarifen gibt. "Vergreisung" heißt erstmal nichts anderes, als dass der Altersdurchschnitt des Kollektivs im Tarif älter wird. Dass man mit dem Begriff auch überdurchschnittliche Beitragssteigerungen verbindet, wird hier im Forum, aber auch auf anderen Webseiten sehr differenziert gesehen. Oftmals wird gesagt, dass es keine Vergreisung der geschlossenen Tarife gibt, dass also die Beiträge nicht überdurchschnittlich steigen.
Mittlerweile dürften aber immer mehr Menschen (Versicherte und auch Makler) merken, dass die Beiträge der geschlossenen Bisex-Tarife im Vergleich zu den Unisex-Tarifen oftmals stärker ansteigen. Warum ist das so? RfB-Mittel, die aus Überschüssen generiert werden, werden u.a. zur Limitierung von Beitragserhöhungen verwendet. Das §155 VAG schreibt vor, dass bei Verwendung der Mittel aus der RfB darauf zu achten ist, dass die Belastung für Versicherte, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, begrenzt werden. Also bei der Verwendung der Mittel zur Begrenzung von Prämienerhöhungen ist der Zumutbarkeit der prozentualen und absoluten Prämiensteigerungen für die älteren Versicherten ausreichend Rechnung zu tragen.
Ist nun der Anteil der Ü65-Versicherten in einem Tarif überdurchschnittlich hoch, so sind die Limitierungsmittel pro Kopf überdurchschnittlich niedrig. D. h. in verkaufsoffenen Tarifen kann in der Regel stärker bei den Ü65-Versicherten limitiert werden als in geschlossenen Tarifen, weil in den verkaufsoffenen Tarifen in der Regel der Anteil der Ü65-Versicherten niedriger ist.
Aus dem Grund ist es in Tarifen auch so wichtig, dass immer neue junge Versicherte nachkommen, deren Beitragszahlungen auch zur Überschussgenerierung beitragen.