Ich denke, sachlich und mathematisch ist die Sache klar:
Dividenden sind rein rechnerisch kein geschenktes Geld, sondern eine linke-Tasche-rechte-Tasche-Transaktion, die steuerlich in der Ansparphase sogar ineffizienter ist als eine Thesaurierung.
Insofern kann man jedem, der ... ggf. etwas gebetsmühlenartig ... darauf hinweist, dass in den meisten Fällen ein breit gestreuter, thesaurierender ETF (zum Beispiel auf den FTSE All World oder den ACWI IMI) am sinnvollsten ist, nur dankbar sein.
Soviel zu den sachlichen Gründen.
Die Psychologie kommt hier aber meines Erachtens zu kurz. Die Börse besteht nicht nur aus Statistiken, sondern aus Menschen. Geldanlage ist nicht Rationalität pur, sondern ein Verhaltensspiel. Wenn der regelmäßige, sichtbare Cashflow auf dem Konto bei jemandem dazu führt, dass die Motivation steigt und dadurch monatlich eine höhere Summe investiert wird, schlägt die Realität die Theorie.
Am Ende einer Zeitspanne X steht der Anleger mit der "unvernünftigen" Dividendenstrategie und einer höheren Sparrate womöglich mit einem größeren Vermögen da als der Anleger, der zwar die mathematisch perfekte, thesaurierende Strategie fährt, dafür aber mangels sichtbarer Belohnung eine geringere Summe aufbringt.
Zusammenfassend kann man beide Seiten verstehen. Den rationalen Investor, der am Ende ein möglichst großes Vermögen erzielen möchte, als auch den Dividenden-Investor, der die ständigen "Belohnungen" benötigt und auch vielleicht in Crash-Phasen nicht panikartig verkauft, sondern auf Grund des steten Geldflusses seine Anteile behält.