Bei dieser Konstellation ist es sinnvoll, erst zu einer Fachanwaltin für Erbrecht zu gehen und anschließend den finalen Entwurf bei der Notarin beurkunden zu lassen.
Die Notarin berät zwar rechtlich, muss aber neutral bleiben. Eine Fachanwältin kann dagegen einseitig optimieren, z. B. bezüglich Pflichtteilsrisiken, Absicherung des Ehepartners, Gestaltung rund ums selbst bewohnte Haus und steuerlichen Aspekten.
Für einfache Standardfälle reicht eine Notarin allein. Aber bei dieser (unbekannten) Vermögenshöhe und mehreren pflichtteilsberechtigten Kindern bietet die Kombination aus Anwältin + Notarin meist die deutlich bessere, konfliktärmere und langfristig sicherere Lösung.
Interessanterweise ist das Vermögen der Eltern überhaupt nicht bekannt.
Natürlich kann jeder der will, einen Fachanwalt für Erbrecht hinzuziehen. Er sollte nur darauf gefasst sein, dass erhebliche (zusätzliche) Kosten auf ihn zukommen. Und die Kosten des Notars werden um keinen Cent günstiger wenn ein beurkundungsreifer Entwurf vorgelegt wird. Eine umfassende Beratung gibt's, wie bereits aufgeführt, beim Notar kostenlos zur Beurkundung. Und die von dir aufgeführten Gründe für die zusätzliche Beauftragung eines Fachanwalts stechen m.E. nicht, ein guter Notar ist in diesen Dingen bestens bewandert.
Zum Thema Neutralität des Notars vers. "einseitiger Optimierung": Die spielt hier keine Rolle. Wie ich schon schrieb, muss ein Notar den Willen der Testierer (nicht des Erben) erforschen und die möglichen Lösungen aufzeigen, je mit Für und Wider. Ein vorgelegter Entwurf für eine Beurkundung entbindet den Notar nicht von der Pflicht, über den Inhalt zu beraten. Sollte also ein potentieller Erbe einen für sich günstigen und zum Nachteil eines anderen abgefassten Entwurf vorlegen, muss der Notar darauf hinweisen. Nur wenn es eindeutig so gewollt ist, darf beurkundet werden.
Nein, ein guter Notar ist Fachmann für die von dir genannten Konfliktfälle. Wer das nicht beherrscht, ist fehl am Platz.
Über den Nachlass ist nur bekannt, dass ein "Haus" vorhanden ist.
Deine Vorbehalte darfst du natürlich gerne behalten. Wo du mir aber sicher zustimmen wirst: Das Wichtigste ist natürlich einen guten Notar (gerne auch guten Fachanwalt) zu finden. Und da gibt's in den Bundesländern, (da es Ländersache ist), bei den Notaren große Unterschiede. Du hattest bisher wohl keine so guten Erfahrungen.
Und zur Klarstellung: statt Notar, Fachanwalt und Fachmann ist natürlich auch Notarin, Fachanwältin und Fachfrau gemeint.