Hallo Ivan,
danke für die Info.
Dein analytisches Denken hat sich im Bereich der ETF also ganz schön in die Materie „reingebohrt“.
Grüße von meiner Frau, die auch im Bereich der Verhaltensökonomie im Finanzbereich forscht.
Lies mal den Thread:
Thema
Ich kann zu dem Thema, das gerade in anderen Threads aufgekommen ist eine Aufteilung beisteuern, die meine Frau mit Student:innen in einem Projekt erarbeitet hat.
Das Ergebnis: ein wissenschaftlich fundiertes, einfach zu handhabendes System, das klassische Welt-ETF-Lösungen in vielerlei Hinsicht übertrifft. Wer bereit ist, über einen einzigen ETF hinauszudenken, findet hier eine elegante und leistungsstarke Alternative. TER liegt bei nur 0,12 %.
Verwendet werden Vanguard ETF.
44 % FTSE Nordamerika…
Tomarcy
8. September 2025 um 23:44
Danke Dir für die Verlinkung des Threads! Es erscheint mir allerdings wohl zu kompliziert und ich würde erstmal die Finger davon weghalten. Um dies zu richtig zu begreifen, braucht man, glaube ich, viel Ahnung und Erfahrung. "Wenn man ein Finanzprodukt nicht versteht, sollte man drin nicht investieren." Habe mir schon mal die Finger mit der o.g. Lebensversicherung verbrannt. Ich behalte das Konzept jedoch jedenfalls im Kopf!
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1) Gerade für den Anfang, würde ich auf Wetten verzichten. Wenn Du mit mehr Erfahrung, dann Schwerpunkte setzen willst, kannst Du das in drei oder mehr Jahren immer noch machen. Aber erst mal die Basics lernen und fühlen.
2) Mit einer 1-ETF Lösung bist Du gut aufgestellt für verschiedene Szenarien. Ob Du Dich dauerhaft dafür entscheidest oder später doch noch Schwerpunkte setzen willst. Alles kannst Du mit dieser Basis fortführen.
3) Umschichtungen und Rebalancing erzeugen ab einer gewissen Depotgröße Kosten. Es ist daher vorteilhaft eine Struktur zu haben, bei der man wenig umschichten muss. In den ersten Jahren kann man ein Rebalancing oder einen neuen Schwerpunkt noch durch die Sparraten erreichen. Ab einer gewissen Depotgröße gelingt das nicht mehr.
4) Gestaltungsdrang ist meist ein Anlegerfehler, weil er zur permanenten Neugestaltung eines Depots verführt. Sollte sich Finanzen zu Deinem Hobby entwickeln, kannst Du das natürlich später überdenken. Aber gerade jetzt, wo Du noch vergleichsweise am Anfang stehst, ist die Tendenz zu Fehlern noch größer.
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Zu deinem Punkt: Du kannst später, wenn du z. B. Denkst Du bist mit einem 6 stelligen ACWI Depot nicht deinen Wünschen entsprechend aufgestellt deinen Sparplan z. B. Auf mehr oder nur andere Regionen/Märkte anzupassen z.B EM, Small caps, Europa, ex usa, ex China, nachhaltig usw. Ob du damit am Ende mehr erreichen wirst, kann niemand vorhersagen. Die Wissenschaft sagt mit aller Wahrscheinlichkeit nein. 
Nach einer weiteren Recherche über die letzten Tagen, verstehe ich nun was Ihr meint und ich bedanke mich für die Hinweise! Ich dachte initial, dass die 70/30-Verteilung eine "Standard-Lösung" für eine Weltportfolio ist, womit man einfach breiter diversifiziert. Nun klar, die 30% EM ist tatsächlich eine Übergewichtig von EM im Vergleich zu ca. 90/10 in einem MSCI ACWI/FTSE All-World, die der reinen Marktkapitalisierung entsprechen (i.e. eine marktneutrale Lösung im direkten Sinne des Wortes darstellen). Ob das jetzt eine aktive Wette ist, man sich einfach nach BIP führen lässt oder USA Klumpenrisiko senkt, scheint ein sehr umstrittenes Thema zu sein, wie sich von verschiedensten Blogposts/Diskussionen/Beiträge nachvollziehen lässt.
Ich denke, man muss sich dann für sich selbst festlegen, was man glaubt und welche Logik man verfolgen will - sich vom Markt führen lassen oder doch etwas Gewicht auf EM legen.
Nun zu den einzelnen Punkten:
90 Prozent Aktien
1. und 2.) Ich finde das gut. Man könnte tatsächlich mit 100% FTSE All-World anfangen und später dazu 20% FTSE EM dazunehmen und sich somit effektiv eine 70/30 Strategie aufbauen, sobald man hierfür die Erfahrung und Verständnis hat, um sich informiert festzulegen. Das selbe wäre mit 100 % MSCI ACWI IMI machbar (es gibt leider keine ETFs auf MSCI ACIW die ausschüttelnd sind, zumindest fine ich keine), jedoch würde ich die Meinung vertreten, dass der Anteil von Small Caps in der IMI-Variante zu klein ist und wenn man da eine "Wette" bzw. Diversifikation machen will, ist man besser mit einem Small Cap ETF besser aufgestellt. Die Meinung wird davon gestützt, dass die Small Caps so unterrepräsentiert sind, dass die im Gewicht eh zu wenig ausmachen, um eine marktneutrale Portfolio sinnvoll zu ergänzen.
Alles in allem, weiß der Geier, was in der Zukunft "besser läuft" (100 % All-World, i.e. marktneutral, oder 70/30, i.e. EM-Wette bzw. BIP-gesteuert). Die Renditechancen und Risiken scheinen vergleichbarer zu sein. Somit, glaube ich, dass sollte dies nicht der entscheidende Punkt zwischen beider Strategien sein.
Ob es "korrekter" ist, sich nach der Marktkapitalisierung oder BIP zu verlassen, weiß sich ehrlich gesagt nicht. Intuitiv hätte ich behauptet, dass man sollte lieber Marktkapitalisierung sagen, da es sich im Endeffekt um Aktien und nicht um Wirtschaftskraft handelt.
3.) Mit 100% All-World wäre das kein Thema, da man nicht rebalancen wird. Wenn man das doch machen und eine 70/30-Strategie (MSCI) bzw. 80/20 (FTSE) führen wollen würde, wäre, glaube ich, die Variante FTSE All-World/FTSE EM einfacher, da man immer etwas weniger Kapital in den 20% (statt 30%) in der EM-ETF haben wird. Dazu übernimmt die All-World ETF einen Teil des Rebalancings ab. Hierbei kommt der überschaubere Nachteil, dass das weniger genau im Vergleich zu reinem 70/30 sein wird.
Prinzipiell hätte ich mit Rebalancing kein Problem und ich finde damit wächst man als Person auch etwa, in dem man Erfahrungen macht. Dazu finde ich das Konzept mit dem anti-zyklischen Handel interessant und gut begründet, wenn man langfristig investiert - was ich mit 35-40+ Jahre Zeithoritzont (angenommen ich bleibe gesund!
) habe. Dafür könnte ich ggf. vom EM-Potenzial profitieren.
4.) ich denke ich verstehe, was Du meinst. Man sollte bei seiner Strategie bleiben und als Anfänger würde man tendieren das zu ändern, was langfristig die Rendite senken würde. Wenn das der Fall ist, kann ich Dir nur zustimmen. So, wie ich mich kenne, habe ich das Durchhaltevermögen und Disziplin, aber meine Meinung zu der o.g. Fragen ist noch nicht fest genug, sodass sich das tatsächlich ändern könnte, was dann für eine 1 ETF-Anfangsstrategie sprechen würde.
Bezüglich ausschüttelnd vs. thesaurierend:
Ich denke ich werde mit einer ausschüttlenden ETF anfangen (entweder Vanguard FTSE All-World oder der HSBC MSCI World, je nachdem, wie ich mich festlege), da ich mehr aus dem Sparerfreibetrag machen kann. Das würde tatsächlich mit dem Rebalancing bei fortgeschrittenem Depotwert helfen, was ich bisher nicht berücksichtigt habe. Danke dafür! Dazu denke ich, dass dies dann steuerlich besser optimiert ist, als wenn man rein thesaurierend arbeitet.
Ich will auch ergänzen, dass ich das MSCI-Angebot deutlich breiter als der FTSE finde. Ich finde es daher schade, dass es keine vernünftige ausschüttelnde MSCI ACWI ETF gibt. Für den Fall, dass ich in der fernen Zukunft Small Caps/Europa ergänzen wollen würde, könnte das bei dem FTSE-Konzept wegen Überlappungen und ggf. Lücken schwer werden. Soweit ich verstehe, ist es auch keine gute Idee Indexe zu mischen, da sie etwas anders gestellt werden. (Ja, ich weiß, ich denke zu weit, will aber verschiedene Szenarien zu Beginn berücksichtigt haben. Das ist zum Teil ein wichtiger Punkt, damit ich mich mit meiner Entscheidung wohl fühle. Ist eben auch eine allgemeine Diskussion wert.)
Generell hätte ich gesagt, dass die Variante 100% FTSE All-World + ggf. 20% FTSE EM (wenn man will) einfacher zu führen (anfängerfreundlicher und einfacher zu rebalancen), während die Variante mit MSCI (MSCI World, sehr wahrscheinlich mit 30% MSCI EM) künftig deutlich flexibler bleibt.
Ich bin mal auf euere Kommentare gespannt und was ihr von dieser Denkweise hält!
Liebe Grüße,
Ivan