Beiträge von radler67

    Was man hier beobachten kann, ist ein typisches Missverständnis über die Funktionsweise einer KI. Du denkst, du kannst mit der KI einen Dialog wie mit einem menschlichen Experten führen und erwartest entsprechende Antworten. Du erwartest eine echte Analyse, eine echte Bewertung deiner Zahlen und eine Abwägung. Aber das kann die KI gar nicht. Sie simuliert nur die Form einer Diskussion.

    Genau deshalb trau ich der KI keine Beratung zu. Ich wollte ja was ganz anderes wissen und habe mich auf die Diskussion eingelassen, um zu sehen, das die KI da produziert. Manchmal kommen dabei durchaus Denkanstöße raus.

    Ich würde KI keinen Millimeter trauen. Man kann es vielleicht als Ideengeber nutzen, weil es Sachverhalte nennt, von denen man nichts wußte.

    Hier ein Highlight (ich hab eigentlich ganz was anderes gefragt). Ich kürze den Dialog auf das Wesentliche .

    google-KI: "Soll ich prüfen, ob sich für Dich der Wechsel von Riester zum AVD lohnt? Nennen Art des Riestervertrags und Jahre bis zur Rente."

    Ich: "Ich habe einen Fondssparplan. Aktueller Depotwert ist das Dreifach des Garantiekapitals. Ich habe noch 7 Jahre bis zur Rente."

    google-KI: "Ein Wechsel rentiert sich aufgrund der kurzen Laufzeit wirtschaftlich fast nie, die Risiken überwiegen die Chancen bei weitem. Bei einem Fondssparplan ist der Wechsel besonders riskant, da Du die Garantie verlierst."

    Ich: "Aber die Garantie ist doch unnötig, da mein aktueller Depotwert dreimal so hoch ist wie die Garantie."

    google-KI: "Ein logischer Gendanke. Dennoch solltest Du bedenken ....."

    Dann kam noch jede Menge Blabla, warum die google-KI bei ihrer Meinung bleibt.

    Man könnte meinen, die google-KI wurde von der Versicherungswirtschaft trainiert.

    Mag mir einer den besagten Steuereffekt erklären bzw. das Youtube-Video konkret benennen?

    Der Typ behauptet, daß bei förderschädlicher Kündigung nach dem 62. Lebensjahr und mind. 12 Jahre Laufzeit die Hälfte der Gewinne mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern sind - wie beim ungeförderten Teil. Trotz Rückzahlung der Zulagen und Steuerersparnisse schlägt man damit einen ETF-Sparplan aufgrund des Zinseszins-Effekts.

    Sollte das mit dem halben Gewinn nicht stimmen (was ich vermute), ist das Video nur heiße Luft.

    Eine Kündigung vor Ablauf kann wirklich extrem vorteilhaft sein. Einfach mal Altersvorsorgedepot und vorzeitige Kündigung bei yt suchen…

    Hier wird nur die vorzeitige Auflösung mit einem ETF-Sparplan hinsichtlich der Endsummen verglichen. Interessant wäre auch der Vergleich der vorzeitigen Auflösung und sofortige Wiederanlage der Auszahlungssumme vs Auszahlungsplan und Wiederanlage der Auszahlungen.

    Es gibt schon Szenarien, in denen man relativ kurzfristig erhebliche Summen brauchen könnte, z.B. für eine energetische Sanierung mit Umstellung auf Wärmepumpe. So wie die Politik agiert, kann man sich schneller zu Maßnahmen gezwungen sehen, als es nach aktuellem Recht abzusehen scheint.

    Einer von uns beiden hat hier was falsch verstanden. Es werden keine Werte verschoben, sondern die Indizes ändern sich.

    Mein Verständnis:

    Vor der Umstellung:

    ==============

    100 Euro MSCI World, 100 Euro MSCI EM

    30 Euro Taiwan, 20 Euro China


    Nach der Umstellung:

    ================

    100 Euro MSCI World, 100 Euro MSCI EM

    2 Euro Taiwan, 26 Euro China

    Bei zwei Fonds ist das Land nun aus dem einen Fonds heraus und in dem anderen drin. Die Gewichtung innerhalb der Fonds ändert sich zwar. Die Gewichtung im gesamten Aktienteil ändert sich aber nicht. Für Dich läuft das auf das gleiche heraus.

    Das stimmt nicht. Die Gewichtung ändert sich bei getrennten Fonds.

    Beispiel:

    Man hat 50% in MSCI EM und 50% in MSCI Word. Damit hat man ca. 14% Taiwan und 10% China im Depot. Nach einer Umgruppierung von Taiwan in den MSCI World hat Taiwan sagen wir mal 2% Anteil am MSCI World. Jetzt hab ich nur noch 1% Taiwan im Depot. Im Gegenzug steigt das Gewicht von China auf sagen wir mal 13%.

    Die Zahlen sind pi mal Daumen - ist aber egal, da es um den prinzipiellen Effekt geht.

    Ja! Und wenn Du die gleichen Unternehmen auf zwei ETFs verteilt hast, ist es genauso egal.

    Ich sehe das anders:

    1. Im Falle eines All-World-ETFs verändert sich an der Zusammensetzung gar nichts, Korea & Co laufen nur unter einer anderen Überschrift. Es gibt ja keine Quote ala 80/20 Industrie/schwellenländer.

    2. Im Falle getrennter Indizes findet in beiden eine erhebliche Umschichtung statt: Im MSCI World werden bereits enthaltene Wert durch die Aufnahme neuer Länder an Gewicht verlieren. Im Emerging Markets werden enthaltene Werte ein höheres Gewicht haben.

    Ob der Fall 2 schlecht ist, kann man so nicht sagen. Der MSCI EM ist ja auch technologielastig und damit an Wohl und Wehe der KI-Branche gekoppelt.

    Was ich nicht verstehe ist das Argument mit der Vermögenshalbierung. Man hat nach der Umstellung einfach ein wertgleiches Aktienportfolie mit anderer Zusammensetzung. Das kann über die Zeit eine andere Wertentwicklung haben, das ist wahr.

    Warum das Risiko bei einem gesonderten Schwellenländer-ETF größer sein soll als bei einem All-World, der die Schwellenländer ja bereits beinhaltet, erschließt sich mir nicht.

    Hätte das denn eine Auswirkung auf die Indexzusammensetzung? Wenn in einem All-World-ETF einfach alle Unternehmen nach Marktkapitalisierung enthalten sind, ist es doch egal, unter welcher Überschrift sie innerhalb des ETFs einsortiert werden, oder?

    ... nur 1. von den 4 Szenarien ist Aktien Etf im AV Depot im Nachteil ...

    Die Auswirkungen der Szenarien sind klar. Dennoch würde ich gerne eine Simulation für eine quantitative Abschätzung sehen. Es gibt ja immer noch die psychologische Komponente.

    Ich muß zugeben, daß ich Riester/AVD geistig von meinem restlichen Vermögen trenne, was m.E. teilweise gerechtfertigt ist, da dieser Teil nicht frei zugreifbar ist. Einen erheblichen Teil des sicheren Anteils seines Investments darin zu halten, wäre allein schon aus diesem Grund unklug, da man darüber im Bedarfsfall nicht frei verfügen kann.

    Die ungünstige Konstellation die Du berechnest ist klar. Die Konstellation muss aber schon sehr ungünstig sein, auch ohne Simulation kann man sagen, dass der Erwartungswert klar positiv beim AV-Depot liegt.

    Bist du dir das so sicher?

    Dr. Beck hat vor kurzem folgende Geschichte erzählt: beim Design des Global Portfolio One hatten sie die Idee, daß eine gehebelte Investitionsreserve höhere Renditen bringen müßte. Simulationen mit Daten der jüngeren Vergangenheit hatte auch eine deutliche Überrendite produziert. Dann hat er sich gezielt einige Szenarien angeschaut, die zu deutlicher Unterperformance führten. Er hat dann für die Simulation Daten aus anderen Zeiträumen genutzt und dort manifestierten sich diese Szenarien und es zeigte sich eine deutliche Minderrendite mit diesem Ansatz.

    Wenn du deiner Sache sicher bist: mach es. Ich werde anders vorgehen.

    Und was ist daran falsch?

    Das Beispiel zeigt das Grundproblem: die abgeführte Steuer fehlt anschließend bei der Erholung.

    Wenn man so eine Strategie (100% Aktien im AVD und sofortige Reinvestition der Auszahlungen) wirklich untersuchen will, kommt man um eine aufwändige Simulation nicht rum.

    Ich verweise hier auf meinen Beitrag #556 und die folgende Diskussion.

    Betrachten wir mal ohne KI folgendes Szenario mit einfachen Zahlen für Kopfrechner:

    indiv. Steuersatz 30%

    effektive Steuer auf ETF: 20% (inkl. Kirchensteuer)

    Biltzcrash um 50%, anschließend Auszahlung aus AVD, Blitzerhohlung auf urspr. Niveau.

    Nach Erholung wird Kasse gemacht und das Geld verjubelt. Zinsgewinne aufgrund der Zeitspanne vernachlässigbar.

    Vor Crash: 100 im AVD


    Szenario 1: AVD in sicherer Anlage, Crash hat keine Auswirkung auf Depotwert

    Auszahlung 100 * 0.7 = 70


    Szenario 2: AVD in Aktien, Crash halbiert Depot

    Auszahlung: 50*0,7=35 (wird sofort im Aktien reinvestiert)

    Auszahlung nach Erhohlung: 70*0,8 = 56

    Es wird gemunkelt, das die Verwalter des Kenfo auch das staatliche Produkt verwalten werden. Hoffentlich nicht genauso wie den Kenfo. Ich befürchte allerdings, dass so ähnlich kommen wird.

    Andererseits wird das Geschrei groß sein, wenn in schlechten Börsenphasen Millionen ihr AVD im Sturzflug sehen werden. Die linke Presse schreibt ja jetzt schon von "Altersvorsorge an der Börse verzocken".

    Das hat damit nichts zu tun. Die Aktienquoten ist erstmal unabhängig vom AV Depot.

    Das stimmt zwar, aber da muß man erst mal den Mut haben, die Auszahlungen aus dem AV-Depot in einen auf Talfahrt befindlichen Aktienmarkt zu investieren. Das ist mental noch schwieriger als nicht zu verkaufen. Wer sich das zutraut, kann es ja ruhig so machen.

    Mein Riester ist übrigens aktuell 100% in Aktien - finde ich eine nicht so gute Anlagestrategie von meinem Anbieter, da die Auszahlungsphase nicht mehr weit weg ist. Ich überführe den aber ins AVD und überlege, wieviel ich in Anleihen stecken werde.