Hallo Zusammen,
ich bin gerade 54 geworden, einen großteil meines Lebens war ich Freiberufler und habe nicht in die gesetzliche RV eingezahlt. Zu Rentenbeginn werde ich nur ca. 28 Jahre dort eingezahlt haben. Da ich ein Luftikuss war, habe ich privat auch nicht vorgesorgt.
Aus heutiger Sicht war das dumm, aber nun ist es wie es ist. Ich habe mich letztes Jahr erstmalig mit privater Altersvorsorge und ETF Sparplänen auseinander gesetzt, seither informiere ich mich immer weiter und lerne weiter dazu.
Ich habe also vergangenes Jahr im September mit 0 Rücklagen angefagen. Notgroschen (3 Gehälter ist vorhanden) Notfallkonto für ungeplante Ausgaben (Tierarzt, Zahnersatz, Waschmaschine geht kaputt o.ä. ist vorhanden). Diese Notkonten liege derzeit noch als Tagesgeld und werden später ggf. zu einer Festgeldtreppe. Zudem bespare ich diese monatlich weiter mit 500 Euro um meinen defensiven Anteil weiter aufzubauen und irgendwann auch in kurzlaufende Staatsanleihen mit höchster Bonität anzulegen.
Ein Depot ist eröffnet mit zwei ETF´s 70/30 Aufteilung und wird mit 1200 Euro pro Monat bespart.
Bis zu Renteneintritt werde ich Einzahlungen in defensiven und offensiven Teil zusammen in Höhe von 280.000,00 Euro getätigt haben. (etwaige Renditen und Zinsen nicht mit eingerechnet, also nur das was ich tatsächlich safe eingezahlt haben werde).
Ich lebe jetzt schon sparsam und werde in der Rente noch weniger Ausgaben haben (sobald die Haustiere nicht mehr sind, Umzug in kleinere Wohnung usw) (also Stand jetzt, wie die Inflation das beeinflussen wird, vermag ich jetzt noch nicht zu erfassen).
Die Empfehlungen wie zu welchem Alter die Aufteilung des Geldes (offensiv, defensiv, 3 Töpfesystem) gestaltet werden soll, ist mir inzwischen bekannt.
Was ich auch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erfassen kann ist wie sich so ein Depot mit der Zeit entwickeln wird. (Aber ich habe verinnerlicht, auch bei einem Crash cool bleiben, keine Panikverkäufe).
Ich denke also die Basis habe ich, wenn auch spät, jetzt gelegt und von "ich muss im Rentenalter hungern" zu "ich werde klarkommen" verändert.
Was ich noch nicht verstehe ist folgendes. Nach den Informationen die ich bis jetzt gesammelt habe: Bis 100.000,00 Euro ist es beim defensiven Anteil ok den auf Tagesgeld / Festgeldkonten zu halten. Darüber hinaus in Staatsanleihen oder Geldmarkt ETF´s (Stichwort Einlagensicherung).
Was ich immer wieder höre und lese ist dass ein ETF mit kurzlaufenden Staatsanleihen mit höchster Bonität im wesentlich gleich viel bringt wie ein Tagesgeldkonto. Das kann ich nicht so richtig erfassen. Nach meinen Infos gibt es da derzeit überhaupt nur einen ETF den man dazu nehmen könnte (Staatsanleihen) der hat aber zum einen eine TER von 0,50 was vergleichsweise hoch ist und ich beobachte ihn in meiner watchlist und schaue mir auch die Entwicklung an seit Auflage bis jetzt. Ich kann da nicht feststellen dass sich das wie TG oder FG Konto verhält. Kosten erzeugt er auch.
Ich verstehe also noch nicht wie das mein Depot stabilisieren soll. Zudem ist mir jede Art von Zinsen (seien sie noch so klein) wilkommen für den Vermögensaufbau und ich möcht nicht auch noch Kosten haben beim defensiven Anteil.
Heute habe ich ein Video gesehen von Finanztip (Fehler in deine 60ern) in dem es hieß man soll auch in den 60er noch in seine ETFs einzahlen. Verständlich in dem Sinne, dass auch das spät eingezahlte Geld ja noch 15 Jahre liegt weil ich Geld aus meinem Depot ja nur nach und nach entnehmen werden. ABER gleichzeitg soll ich zu Rentenbeginn auch mein Vermögen möglichst in 50defensiv / 50 offensiv aufgeteilt haben, am besten in der 3 Töpfe Methode, und jährlich rebalancen. Soweit so gut. Nur um zu Renteneintritt wirlich eine 50 / 50 Aufteilung hin zu bekommen, muss ich früher aufhören den offensiven Teil zu besparen. Weil ich das Geld dann brauche um den defensiven TEil stärker aufzubauen um eben die empohlene Aufteilung noch zu erreichen.
Was für mich derzeit unklar ist ab wann ich in Staatsanleihen gehe, abgesehen von dem offensichtlichen: "sobald du über 100k gespart hast". Macht es Sinn da früher zu investieren? die werden ja mit den Jahren auch nicht billiger.
Zudem habe ich erst gestern, nachdem ich mir weitere Videos von Finanztip und anderen angschaut habe, das Thema Rendite Rheinfolge Risiko, verstanden. Somit habe ich auch verstanden dass ich meine Anlagestrategie rechtzeitig anpassen muss. Zur Hilfe habe ich eine Tabelle ab 59 Jahre 95% offensiv / 5 % defensiv und dann jährlich in 5% Schritten weiter bis ich zu Rentenbeginn die 50 / 50 Aufteilung erreicht habe.
Es fällt mir schwer das fest zu halten (ich bin ein Kontrollfreak der Excelltabellen liebt), ab wann ich dann realistisch starten muss. Weil ich klar nicht mit "frischem Geld" dann plötzlich Rebalancen kann, d.h. ich fange jetzt schon an den defensiven Anteil aufzubauen.
Bisher dachte ich ganz naiv ich spare jetzt zur bis zur Rente, aber es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ich zu irgendeinem Zeipunkt auch anfange muss, schon vor Rentenbeginn, wenn es sehr gut läuft, Anteile zu verkaufen die ich dann in defensive Anteile umbaue. Wenn es schlecht läuft, kein Problem dann bekomme ich das Rebalancen weiter mit "frischem" Geld hin.
Habt Ihr irgendwelche Gedanken dazu? Tips für einen Anfänger? Erfahrungsberichte? Erklärung zu dem Staatsanleihen ETF warum der genau so gut wie TG oder FG sein soll?
Herzlichen Dank an jeden der sich die Mühe macht diesen langen Text zu lesen und ggf. etwas zu antworten