Beiträge von St. Irving

    Natürlich gibt es immer Anleger die prozyklisch handeln. Tatsächlich sind in Krisen aber die professionellen Anleger die besonders nervösen. Manch ein privater Anleger "verschläft" sogar die großen Krisen, weil er/sie schlicht nicht ins Depot schaut. Gerade wenn man sich langjährige Depots anschaut ist dieser Anteil gar nicht so klein. Wer freilich nur die Depots bei Neobrokern anschaut, bekommt alles andere als eine repräsentative Stichprobe.

    Wie gesagt: Das stimmt nicht. Es gibt zu diesem Thema sehr umfangreiche Auswertungen zu 401k und IRA Depots. Es ist fast schon zum Lachen wie zuverlässig in der Krise risikobehaftete Assets auf den Markt geworfen werden.

    Du musst dich mal mit einem Honorarberater oder Vermögensverwalter unterhalten. Die können die aktuelle Marktlage ohne externe Informationen allein an der Häufigkeit des Telefonklingelns erraten.

    Deins hat keine Logik. Wenn ich aus dem Multi-Asset-ETF kaufe oder verkaufe ich immer Aktien und Anleihen. Ich möchte in Dip/Krisen-Zeiten den Aktienanteil gleich halten oder noch besser erhöhen, keinesfalls verringern. Das geht mit Multi-Asset nicht.

    Multi-Asset hat als defensives Element eine Berechtigung - eher bei großen Vermögen.

    Tomarcy hat nichts von einer Erhöhung der Aktienquote geschrieben. Das schreibst du und 90 Prozent Aktien . Und wenn ihr das macht, ist das selbstverständlich löblich. Aber again: Die Mehrzahl macht das eben nicht. Sie schafft es vor lauter Verunsicherung nicht mal aktives Rebalancing zu betreiben. Viele verkaufen sogar Aktien. Die Daten sind bei diesem Thema sehr deutlich. Der Corona-Crash war bisher der einzige Rücksetzer in dem Privatanleger tendenziell antizyklisch zugekauft haben. Vielleicht war es ja die Trendwende? ;)

    (Ich denke nicht).

    Zitat

    In bear markets, stocks return to their rightful owners.

    Zu- und Abflüsse sind nicht grundsätzlich dadurch getrieben, dass Anleger permanent ihr Depot umbauen. Es können ganz simpel Sparvorgänge und Entnahmen sein. Prozyklisches Verhalten findet sich bei professionellen Anlegern weitaus stärker als bei Privatanlegern, die oft deutlich stoischer handeln. Das schließt nicht aus, dass es auch Privatanleger gibt, die zu viel umschichten. Aber Deine Schlüsse sind bei weitem zu pauschal.

    Das ist falsch was du schreibst. Es gibt sehr umfangreiche (und zahlreiche) Untersuchungen zu der Asset-Allokation bei Privatanlegern. Es gibt vermutlich nichts in der Kapitalmarktforschung, das so eindeutig belegt ist: Privatanleger handeln prozyklisch und betreiben Market Timing. Ben Felix hatte dazu erst vor kurzem einen interessanten Beitrag. Multi-Asset-Anleger sind die einzige Gruppe, die ihre Benchmark vor Kosten nicht deutlich underperformen.

    Das erzählen inzwischen alle und trotzdem fehlt vielen die Entscheidungskraft.
    Geht es dann mal richtig nach unten, werden die Sparpläne gestoppt oder Bestände im Verlust verkauft. Oder man lässt den Gewinn von ETFs von 30 oder 40 % bis auf 5 % schmelzen und verkauft dann panisch.

    Genau so sieht es aus. Und zwar jedes Mal. Das zeigen die Daten eindeutig. Bei Anlegern, die einen Misch-Fonds haben (oder eine Fondspolice,…) ist das nachweislich nicht so stark ausgeprägt. Ich bin überzeugt, dass es eine klare Tendenz gibt: Je mehr Entscheidungsspielraum, desto schlechter die Performance. Und auch wenn das auf den einen oder anderen in dieser Blase nicht zutrifft, die große Masse an Anlegern fährt mit mehreren Produkten schlechter.

    Tut mir leid, durch Wiederholung wird das auch nicht richtiger. Du unterstellst wieder, dass man in Krisensituationen stur rebalanced oder gar nichts macht. Das sind beides schlechte Strategien. Das hat man Dir auch schon mehrfach erklärt, aber aus welchen Gründen auch immer ignorierst Du das.

    Ich unterstelle gar nichts. Ich wiederhole nur die Strategie von Tomarcy, der in der Krise die Aktien nicht anfassen und nur aus dem schwankungsarmen Teil entnehmen will und dadurch einen mathematischen Voteil sieht. Das ist falsch. Punkt.

    Es gibt zwei Hauptgründe, die zu schlechten Ergebnissen führen bei professionellen Anbietern. Das eine sind die Kosten. Vor Kosten trifft Deine Aussage bei weitem nicht so eindeutig zu, jedenfalls soweit ich Untersucungen dazu kenne. Falls Du andere Studien hast dann bitte mit Quelle zum Anschauen.

    Die Underperformance ist vor Kosten. Es gibt dazu eine sehr gute Untersuchung von der Index Capital (Firma von Beck). Wie du richtig vermutest ist der Grund hauptsächlich prozyklisches Verhalten.

    Für viele reicht ein Depot mit einem Welt-ETF und ein Tagesgeldkonto. Das wird oft seit vielen Jahren so gehandhabt und ist auch später für diejenigen oder Angehörige überschaubar.

    Das ist theoretisch eine sinnvolle Strategie und ich denke, dass es einige Forenuser gibt, die die emotionale Stabilität besitzen, ihr Regelwerk über viele Jahrzehnte konsequent durchzuhalten. Auf die große Masse der Anleger trifft das jedoch nicht zu. Das zeigen die Zu- und Abflüsse aus Investmentfonds sowie Untersuchungen zum Anlegerverhalten eindeutig: Prozyklisches Verhalten und Market Timing sind die Regel und führen zu einer Underperformance von mehr als 2 % p. a. Auch bei Anlegern mit passiven Fonds. Das ist bei Anlegern in Multi Asset Produkten nicht in gleichem Maße der Fall.

    Man muss einfach akzeptieren, dass die Mehrzahl der Anleger nicht rational agiert, insbesondere in Stresssituationen. Ihr werdet das in den kommenden Wochen und Monaten erleben, wenn die Schuldenkrise an Fahrt aufnimmt. Bereits jetzt juckt es vielen in den Fingern etwas zu tun, obwohl sie sich eigentlich geschworen haben, nichts zu verändern.

    Und bei dem Argument, dass professionelle Vermögensverwaltys nach Kosten häufig kein simples 60/40 schlagen, wäre ich ebenfalls vorsichtig. Das belegt zunächst einmal, dass viele professionelle Strategien ihren Aufwand und ihre Kosten nicht wert sind. Es beweist aber nicht, dass ein bestimmter Multi-Asset-ETF die optimale Lösung für jedes Privatanlegy ist.

    Das Argument habe ich so nicht gebracht. Die Underperformance ist vor Kosten! Bitte überprüfe deine KI-Texte bevor du sie postest.

    Natürlich beweist eine Underperformance von Profis nicht, dass Amateure es nicht besser machen können. Es erscheint nur sehr unwahrscheinlich. Und Untersuchungen von privaten Depots (auch von denen, die nur passiv unterwegs sind) belegen das eindeutig.

    Aber daraus folgt nicht, dass ausgerechnet ein Multi-Asset-ETF wie der ARERO, LifeStrategy 60 oder künftig der Kommer-Mul-ETF die ideale Komplettlösung sein muss.

    Müssen tut gar nix. Es ist aber nun mal eine Tatsache, dass die Wenigsten mit komplexen Strukturen ihr Gesamtvermögen in den letzten 15-18 Jahren fast vervierfacht haben. Du bestimmt auch nicht. In der Theorie ist vieles möglich und nachvollziehbar. In der Praxis ist die Underperformance nach Kosten erheblich. Hast du den Arero mit deinem Gesamtvermögen seit 2009 geschlagen? Ich denke nicht.

    Zitat von Tomarcy

    Und genau deshalb finde ich die Aussage „kaufen, wenn Geld da ist, verkaufen, wenn Geld gebraucht wird“ etwas zu pauschal. Was verkauft wird, ist eben nicht egal. Wenn ich einen 60/40-ETF besitze und gerade nach einem starken Aktiencrash Geld brauche, muss ich zwangsläufig auch einen Teil des Aktienrisikos liquidieren. Bei einem Welt-ETF plus separat gehaltenem Sicherheitsbaustein kann ich dagegen zunächst aus dem Sicherheitsbaustein entnehmen und die Aktien in Ruhe lassen.

    Das habe ich dir schon mehrfach erklärt. Es ist mathematisch irrelevant, ob du aus einem Multi-Asset-ETF, der automatisch rebalanciert, entnimmst oder gezielt aus dem schwankungsarmen Teil eines Mehr-ETF-Portfolio. Die Zahlen sind exakt gleich. Das einzige was passieren kann ist, dass du als Mehr-Topf-Anleger ohne aktives Rebalancing in der Krise prozyklisch die Aktienquote senkst. Also genau das Falsche machst. Ernst gemeint: Verstehst du mich nicht oder machst du das absichtlich? :/

    Tatsächlich verliert das Depot in solchen Phasen an Klarheit. Es bleibt dann oft nur noch die Variante: Ich brauche Geld - ich verkaufe Anteile.

    Ich behaupte, dass das Depot dadurch nicht an Klarheit verliert, sondern im Gegenteil gewinnt. Wer Anteile eines Produkts dann verkauft, wenn er Geld benötigt und umgekehrt dann Anteile kauft, wenn Geld vorhanden ist, fährt langfristig vermutlich besser als viele Privatanleger, die sich komplizierte Portfolios mit allerlei Zielen und Strategien bauen.

    Am Ende eines langen Anlegerlebens stellt man dann vielleicht fest, dass all die zusätzliche Arbeit, Kosten, Steuern, Umschichtungen etc. im Wesentlichen nur dazu geführt hat, dass man das Gleiche oder weniger erreicht hat wie ein stoischer Anleger mit einem einzigen ETF im Depot. Ich denke die Schwierigkeit für den begeisterten Selberbastler liegt vor allem darin sich einzugestehen, dass sein oder ihr Hobby und das viele Wissen am Ende gar nix bringt.

    Ich darf auch daran erinnern, dass die meisten Portfolios der Profis im Wealth Management und bei Vermögensverwaltern für die oberen 10.000 ein simples 60/40 Portfolio nicht schlagen. Auch beim Risiko nicht. Und zwar kostenbereinigt. =O

    Ich würde einfach beide Sparpläne entsprechend ändern, wenn ich kein zusätzliches Geld zur Verfügung hätte. Und Rebalancing auf den Cent ist doch Unfug...

    Klar. Mit mickrigem Depot und/oder großer Sparrate ist das kein Problem. Ansonsten dauert das mit ,,nur“ 1000 Euro im Monat bei einem sechsstelligen Depot Jahre bis zum Ausgleich. Eher Jahrzehnte. Bis dahin ist die Krise schon lange vorbei. Dann kannst du es auch lassen. In der Praxis muss relativ schnell steuerschädlich umgeschichtet werden. Wenn es der Anleger emotional überhaupt schafft…

    Ich frage für einen Freund....
    Wenn man 80 % Risiko und 20 % Sicherheit in seinem Depot haben möchte, warum legt man dann bei einer Summe von 100 000 Euro nicht 80 000 Euro in einen Welt ETF und 20 000 Euro in einen Geldmarkt ETF an und betreibt dann meinethalben 1 oder 2x im Jahr Rebalancing, entweder durch Nachschießen aus anderen Mitteln oder aus einem der beiden Töpfe?

    Die Vor- und Nachteile dieser Strategie wurden hier mehrfach erwähnt. Wer nicht liest, lernt nicht.

    Weniger Kapitalertragssteuer, Teilfreistellung und Automatismus sind für einige attraktiv. In der Praxis schaffen es die Wenigsten dauerhaft eine bestimmte Allokation auf Kurs zu halten mit mehreren Produkten.

    Meine Aussage war nicht fehlerhaft. Das Pingpong mit BlackRock-ETFs, die nix mit dem Vanguard konstrukt zu tun haben, ist zum Wochenende nicht zielführend.

    Also entweder du hast wirklich überhaupt keine Ahnung von der Materie oder du trollst mich gerade.

    Die Anleihe-ETF von Vanguard haben die gleiche Benchmark. Willst du hier echt behaupten, dass die passiven Anleihe-ETF von Vanguard ihre Benchmark um 1%-Punkt outperformen und oberhalb der Zinskurve operieren? Sie schaffen es also mit einem Mix aus Staatsanleihen und Unternehmensanleihen Investmentgrade und besser den Corporate Index (EUR) im fast 1% outzuperformen? Wie? :D

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass du das ernst meinst….

    Und wie immer werden Nebelkerzen gezündet, sobald eine Falschaussage widerlegt wurde. Deine Aussage zur Rendite war schlicht falsch. Das einzugestehen, fällt dir offenbar schwer. Zumal du diese Falschinformation mit den angeblich „besseren Kenntnissen“ deiner Frau eingeleitet hast. Aber dieses Spiel kennen wir ja inzwischen: Wenn die Fakten nicht mehr passen, wird abgelenkt.;)

    Die richtigen Effektivverzinsungen findet man hier (vor Kosten, Inflation, Steuern):


    https://www.ishares.com/de/privatanleg…-bond-ucits-etf

    https://www.ishares.com/de/privatanleg…-bond-ucits-etf

    Mehr gibt es halt nicht. Auch wenn man sich das noch so sehr wünscht. Und auch wenn man USD-Anleihen in Euro hedged.

    Immer dieses Absolute….bei Hedgingkosten dieser Art geht man/frau* fachwissenschaftlich von ca. 0,3 % auf den Anleiheteil aus.

    :D So ein Quatsch. Ich habe die Renditen von EUR Staatsanleihen und EUR Corp Anleihen oben gepostet. Das sind die Renditen Stand HEUTE! Die kann jeder auf den Produktseiten von z.B. Ishares überprüfen. Ein EUR gehedges Portfolio mit gleichem Rating hat exakt die gleiche Rendite nach Kosten. Oder willst du etwa behaupten, dass du schlauer bist als der Markt und ein free Lunch gefunden hast?

    Vorab: meine Frau (die kennt sich mit Anleihen viel besser aus) und ich haben uns das mal schnell angeschaut, was Vangurd schreibt.

    Die Rendite steht bei dir momentan auf 4,4 % und die Duration bei 6,8. Muss man wissen, um das Risiko beurteilen zu können.

    Du und deine Frau kennt euch viel besser aus und trotzdem habt ihr die Kosten für den EUR Hedge vergessen. Was du hier schreibst ist (wieder mal) schlichtweg falsch. :rolleyes: Die Rendite liegt fast 1% Punkt niedriger.

    Casajonsen Grundsätzlich ist die Idee ja nicht falsch, die Teilfreistellung für eine höhere Nettorendite einzusetzen.

    Wenn ich mich nicht irre, reicht die Ersparnis durch die Teilfreistellung beim LS60 gerade so aus, um die höheren Kosten gegenüber den Einzel-ETF zu kompensieren. Der wirkliche Vorteil ist die emotionale Konmponente und der steuerliche Vorteil beim Rebalancing.

    …, aber stell einfach mal in Rechnung, dass die Situation nicht so unterkomplex ist, wie Du vielleicht meinst.

    Ist das nicht immer die Keule, die in diesem Land kommt, um nix ändern zu müssen? :/

    Irgendwelche Krankenschwestern, die Nachtschicht arbeiten und gehbehinderte Menschen, die trotz U-Bahn einen Van benötigen oder die Familie mit 8 Kindern…. Ich denke man kann für viele eine gesonderte Lösung finden ohne neue Gedanken von Beginn an abzuwürgen, weil man es vollumfänglich allen recht machen und jede Randgruppe sofort in der ersten Idee mit berücksichtigen muss.