Feilschen lohnt sich

Matthias Urbach Stand: 50375 12
Feilschen
Ruhig mal beim Anbieter nachhaken, ob es nicht auch ein wenig günstiger geht. Bild: MartinPrescott, iStock.com

Nur wenige Leute feilschen mit ihrem Internetanbieter, der Bank oder dem Pay-TV-Sender. Aber es lohnt sich.

Denn nicht immer bietet sich ein Anbieterwechsel an. Mal ist der Aufwand recht groß (wie beim DSL-Vertrag), mal hat der Anbieter ein Monopol (zum Beispiel Sky), mal stört nur eine Extragebühr bei einem ansonsten guten Anbieter.

Das Feilschen lohnt sich laut einer Umfrage unter unseren Lesern vor allem bei der Kfz-Versicherung, bei Mobilfunk- und Internetanbietern. Etwas zu holen gibt es auch bei Gas- und Stromversorgern. Bei Banken ist dagegen nicht so viel drin. Ganz besonders erfolgreich waren unsere Leser offenbar beim Bezahlsender Sky: Zwei von Dreien gaben an, dort „viel Geld herausgeholt“ zu haben. Manchmal gab es freilich auch nur einen kleinen Trostpreis. Ganz ohne Erfolg blieb im Schnitt nur etwa einer von drei Versuchen, mit dem Anbieter zu feilschen.

Hier unsere elf goldenen Regeln für eine aussichtsreiche Verhandlung:

1. Starten Sie nicht mit einem schlechten Angebot

Wenn Sie als neuer Kunde teuer bei einem Anbieter einsteigen, kann es schwerer werden, später ein günstiges Rückholangebot zu bekommen. Steigen Sie also möglichst zu einem guten Angebotspreis ein. Wenn Sie einmal einen guten Preis haben, ist es leichter, den zu halten, als ihn weiter zu senken.

2. Kündigen Sie rechtzeitig

Solange Sie noch kein Kunde sind, lockt der Anbieter Sie großzügig: Anfangs sind die Monatsraten attraktiv, doch irgendwann nach 12 oder 24 Monaten steigen die Kosten deutlich. Sind Sie erst mal Kunde, setzt der Anbieter darauf, dass Sie ihn vergessen und die automatische Vertragsverlängerung und die höheren monatlichen Lastschriften gar nicht bemerken. Deshalb: Kündigen Sie rechtzeitig. Nichts spricht dagegen, das sofort nach Abschluss zu tun, beziehungsweise nach Ablauf der 14-tägigen Widerrufsfrist.

3. Haben Sie Geduld

Jeder moderne Anbieter hat eine Verkaufsabteilung. Die wird Ihnen nach der Kündigung irgendwann ein besseres Angebot unterbreiten, meist als Brief, oft sogar telefonisch. Melden Sie sich keinesfalls zuerst. Behalten Sie die Nerven. Egal ob 1&1, O2 oder Sky, spätestens vier bis sechs Wochen vor Ablauf des Vertrags bekommen Sie in aller Regel ein gutes Angebot.

4. Nehmen Sie nicht das erstbeste Angebot

Oft rücken Anbieter nicht gleich mit dem besten Deal heraus. Warten Sie also weiter ab. Sky zum Beispiel ist bekannt für diese Strategie, wie sich in vielen Internet-Foren nachlesen lässt und es auch Mitarbeiter von uns erlebt haben. Zwischen dem maximalen Preis für das Sky-Vollprogramm (80 Euro im Monat), dem aktuellen Startangebot (42,50 Euro) und dem besten Angebot (30 Euro zuletzt im April 2018) ist eine Menge Platz. Und so folgt auf das erste Angebot oft das zweite und dritte.

5. Konfrontieren Sie Ihren Anbieter mit seinen eigenen Preisen

Seien Sie vorbereitet, wenn der Kundendienst anruft. Schauen Sie nach, welche Angebote Neukunden gerade bekommen. Sagen Sie, dass Sie diesen Preis auch wollen. Das klappte zum Beispiel schon bei Vodafone und in der Wechselsaison auch bei Kfz-Versicherungen, zum Beispiel bei der Bavaria Direkt.

6. Seien Sie höflich, aber bestimmt

Die Leute in der Hotline tun auch nur ihren Job. Bringen Sie eventuellen Ärger daher nachvollziehbar und ruhig vor. Dann ist oft einiges drin: Die Consorsbank zum Beispiel verzichtete in so einer Situation auf die Gebühr für einen nachträglichen Jahres-Kontoauszug. Wenn Sie schon lange Kunde sind, ist Ihre Treue ein Argument. Die Telekom zum Beispiel verzichtete nach einem solchen Hinweis auf die Bereitstellungskosten von 69 Euro nach einem Umzug.

7. Machen Sie ernst

Wenn Sie nicht so recht vorankommen, dann wechseln Sie halt. Und teilen Sie das dem alten Anbieter beim nächsten Rückholungstelefonat mit. Häufig macht dann der alte Anbieter ein vergleichbares Angebot. Ein Leser berichtet uns, dass der Antrag auf Rufnummernmitnahme (nach dem Wechsel) seinen alten Anbieter auf Trab brachte. Allerdings dürfen Sie nicht vergessen, vom Vertrag beim alternativen Anbieter rechtzeitig zurückzutreten.

8. Lassen Sie sich Angebote genau vorrechnen

Viele Preise setzen sich kompliziert zusammen. Lassen Sie sich also das Angebot genau vorrechnen. Manchmal erhöht sich der Preis nach drei Monaten wieder. Manchmal war die Gebühr für ein Extra (zum Beispiel die zweite Sim-Karte oder die HD-Auflösung beim TV) bislang inbegriffen und wird nun plötzlich monatlich fällig. Nicht, dass Sie am Ende dasselbe zahlen, nur später oder für etwas anderes.

9. Akzeptieren Sie keine vorzeitige Vertragsverlängerung

Ein beliebter Trick der Verkaufsabteilungen ist, eine Kleinigkeit anzubieten, aber dafür die Laufzeit gleich um 12 oder 24 Monate zu verlängern. Akzeptieren Sie die neue Vertragsbindung nur, wenn Sie dafür ein sehr gutes Angebot bekommen, also eines, das denen für Neukunden entspricht.

10. Behalten Sie die Konkurrenz im Blick

Hilft alles Feilschen nichts und die Konkurrenz hat einfach die besseren Angebote, dann sollten Sie sich auch die Mühe machen zu wechseln. Und manchmal ist auch der Hinweis auf die Konkurrenz das Argument, das Ihren alten Anbieter doch noch dazu bringt, den entscheidenden Rabatt anzubieten.

Probieren Sie es selbst aus. Sie werden sich wundern, was alles möglich ist.

11. Tauschen Sie sich aus

Erzählen Sie von Ihren Erfolgen! Ihren Freunden, Ihren Kollegen und am besten auch uns, damit wir sie mit der Finanztip-Gemeinschaft teilen können. Schreiben Sie einen Kommentar unter diesem Artikel oder schicken Sie uns eine Mail mit Ihren Erfahrungen, schicken Sie uns gerne auch Scans der Schreiben Ihres Anbieters (mit geschwärzten Namen und Kundennummern, versteht sich). Wir gehen vertraulich mit diesen Angaben um.

Matthias Urbach
Autor

Stand:

Als stellvertretender Chefredakteur ist Matthias Urbach für den Newsletter, Kooperationen und die redaktionellen Sonderprojekte von Finanztip verantwortlich. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

12 Kommentare

  1. Super tip!
    Rechtzeitig gekündigt und 4 Wochen vor dem Ablauf mit der Kundenrückgewinnung telefoniert. Ergebnis: Denselben Preisvorteil wie ein Neukunde.
    Danke nochmal

  2. Wir haben mit der Telekom schlechte Erfahrung gemacht. Meiner Schwester wurde in Hamburg in einem Telekom Laden ein Handy „geschenkt“. dafür zahlt sie jeden Monat eine Gebühr über € 50,–. Sie ist 85 und hat das alles garnicht realisiert. Man sagte ihr auch, dass Sie ja auch Internet hat.
    Das ist in diesem Fall lächerlich, weil sie damit nichts anfangen kann, aber zahlen muß.

  3. Ich habe immer sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn ich Tarif-gebunden ordentlich gekündigt habe. Meist meldet sich zeitnah die sog. Kundenrückgewinnung und versucht mit besseren Angeboten mich als Altkunden zu behalten. Dabei erwähne ich beiläufig, dass ich bei vergleichbaren Anbietern des jeweiligen Produktes (KFZ-Versicherung, Internet-Anbieter, Mobilfunk) ein wesentlich günstigeres Angebot gefunden hätte (selbst wenn es nicht stimmt) und erwähne dann auch, dass ich Kunde bliebe, wenn man mir dementsprechend entgegen käme, mit einem Angebot was deutlich günstiger wäre als bisher. Denn heutzutage kann sich kein Anbieter auch nur einen Kunden leisten, der abspringt, weil es dann wahrscheinlich mehrere tun. Bis auf eine KFZ-Versicherung, hatte ich durchgehend über Jahre gute Erfahrung damit gemacht. Die Anbieter wissen natürlich, dass es heute unzählige Anbieter gibt, die man preislich kaum mehr unterbieten kann. Ich recherchiere mind. alle 2 Jahre, welche Anbieter in Frage kommen. Bei Internet-Anbietern würde ich auch nicht jeden in Betracht ziehen, da es dabei um eine möglichst reibungslosen Wechsel geht. Bei den zu günstigen Anbietern in jeder Kategorie, bin ich skeptisch, obwohl es da bestimmt auch seriöse gibt. Man muß sich erst überwinden, den ersten Schritt zu tun und beim bisherigen Anbieter kündigen. Das bedeutet ja nicht, dass die Anbindung von heute auf morgen nicht mehr besteht. Aber man muß damit selbst die Erfahrung machen. Ich bin Frührentner mit Grundsicherung und es ist notwendig, meine monatlichen Kosten niedrig zu halten.

  4. Leider ließ die Telekom in meinem Fall des Umzugs nicht mit sich feilschen, obwohl ich fast 10 Jahre Kunde bin. Man hatte mir angeboten meine 16er Leitung zum selben Preis auf eine 50er hochzustufen, was leider nur die halbe Wahrheit war… Der günstige Preis gilt nur 6 Monate, danach gilt der Reguläre. Auch muss ich erneut die Bereitstellungskosten von 69 Euro zahlen. Selbst den neuen Router muss ich teuer kaufen/leasen. Ärgerlich…

  5. Wir sind seit 2005 bei 1&1 mit unserer 16.000er DSL Leitung. Mehr geht hier nicht. Mittlerweile MUSS man kündigen, um nicht in den normalen Tarif zu fallen. Unser monatlicher Rabatt beträgt immerhin 12€. Leider ist es so, dass Neuverhandlungen bzgl. Vertragsverlängerung bei 1&1 schon immer ein MEGA-Armdrücken bedeutet und das über Wochen.
    Neuerdings gibt es keine bessere Fritzbox mehr für lau im Zuge der Vertragsverlängerung. Rund 7€ soll ich monatlich mehr bezahlen. Natürlich möchte ich das nicht bezahlen wenn ich die letzte Box doch noch umsonst bekommen habe! Ich weiß auch, dass andere Provider schon länger Hardware berechnen und dass nach Vertragsende die Hardware unaufgefordert zurück geschickt werden muss. Aber ich bin bei 1&1 und nicht woanders und ich muss nicht schulterzuckend alles hinnehmen, was die streichen!
    Erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass 1&1 zum tatsächlichen Vertragsende hin bisher umgänglicher wurde. Abschließend möchte ich sagen, dass es mir nicht um das weltbeste Angebot geht und ich nicht mehr rausschlagen muss, als ich bisher hatte. Mir geht es lediglich darum meinen Status zu halten. Vielleicht bin ich diesmal einfach zu früh dran (6 Monate Restlaufzeit)? Gleiche Konditionen wurden mir angeboten – aber eben OHNE Fritzbox.

  6. Bei Sky konnte ich im vergangenen Jahr erstmals über die mein Sky-App verlängern. Natürlich war es wieder das übliche Spiel, kündigen und bis kurz vor Vertragsende warten.

  7. 1&1 – ich war in einem günstigen, aber recht alten Vertrag für 6,99. Ich wünsche mir aber mehr GB (mind 3) und LTE. Über den Tarifwechsel im Online-Portal waren nur absurd hohe Preise zu finden (ca 19,99 / Monat). Also habe ich gekündigt – per Klick. Damit die Kündigung wirksam wird, muss man dort anrufen – verärgerte mich erstmal. Aber ich kam durch Angabe meiner Kundennummer direkt bei der Rückgewinnungshotline an – wo man mir freundlich direkt den gewünschten Tarif für weitere 6,99 im Monat (dauerhaft!) angeboten hat. Die Laufzeit verlängerte sich zwar wieder um 24 Monate, aber dafür kann ich den Vertrag ab sofort nutzen. 5 Tage später war der Wechsel erledigt.

  8. Wir haben zwei Berufsunfähigkeits-Versicherungen neu verhandelt. Es hat sich gelohnt, hartnäckig zu sein und Preise zu vergleichen. Die Makler haben einen gewissen Spielraum und wollen die Provision. Das lässt sich ausnutzen.

  9. Der Hinweis auf das Rückholungstelefonat ist ja nett aber mit neuer Datenschutzverordnung teilweise auch nicht mehr ohne weiteres möglich, wenn ich zB der Telefonwerbung beim Anbieter widersprochen habe. Vodafone hält sich zB daran.

    Der Tipp direkt nach Abschluss zu kündigen kann auch schiefgehen. Der Anbieter hat dann keine große Lust meine Probleme zu lösen weil ich ja eh schon gekündigt habe.

    Neukundenangebote:
    Zumindest Vodafone hat es verstanden und bietet inzwischen Bestandskunden von sich aus gute Konditionen an und die Abschlussgebühr von 39€ entfällt für Bestandskunden.

  10. Bei 1&1 im Bereich Mobilfunk selbst erlebt. Kurz vor Ende der Kündigungsfrist nachgefragt. Wollte in einen deutlich höherwertigen Tarif mit erneuter 24 Monate Mindestlaufzeit wechseln. Aber gerne, meinte 1&1, wenn ich €149 Vertragsänderungsgebühr bezahle. Ich dachte an einen Witz. War aber keiner.

    Zwei Wochen nach meiner daraufhin erfolgten Kündigung dann ein Anruf. Natürlich könnte ich nun kostenfrei zu Neukundenkonditionen wechseln. Ich lehnte dann ab, mit dem Hinweis, dass ich mich nicht für dumm verkaufen lasse. Ich suchte mir einen neuen, günstigen Anbieter. Mehrere 1&1-Kunden bestätigten mir ähnliche Erfahrungen ihrerseits. Ich vermute also, dass dies ein übliches Vorgehen ist.

    Ich habe nichts gegen 1&1 und war und bin mit den gebotenen Leistungen zufrieden. Aber ein derartiges Verhalten sorgt ja grade zwangsläufig dafür, dass Kunden abwandern.

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