Private Vermögensplanung

  • Da vor einigen Tagen die Frage nach einer Software für private Vermögensplanung aufkam, habe ich mir folgendes Produkt als 21 Tage Testversion heruntergeladen:

    https://financial-modelling-videos.de/private-finanzplanung/

    Mein Eindruck:

    Die Software geht preislich voll in Ordnung, etwas vergleichbares habe ich zumindest nirgends gefunden. Für das Geld bekommt man ein Excel-Tool, das auf Basis des Steuerrechts des Jahres 2021 die private Vermögensplanung bei nicht allzu komplexen Fällen abbilden kann (z.B. ist nur die Eingabe einer begrenzten Anzahl an V+V Objekten, selbst genutzte Wohnungen, Renten etc. möglich). Für normale User reicht das dicke hin, aber wer 10 V+V Objekte, 5 Rentenversicherungen, 23 Oldtimer und eine große Kunstsammlung hat, der braucht vermutlich eine professionellere Lösung.

    08/15 User und kleinere Unternehmer können mit dem Tool jedoch meiner Meinung nach gut arbeiten, wobei man a) ein wenig Excel können sollte und b) ein wenig Ahnung von seinen Finanzen haben sollte.

    Wer völlig blauäugig ist und eine geführte Erfassung benötigt, für den ist das Tool nichts.

    Nachteil:

    Da es ein Excel-Tool ist, wird die Datei (vermutlich) bei einem Update überschrieben. Ggfls. müssen bei Updates sämtliche Daten neu erfasst werden. Jedoch muss man seinen Vermögensstatus eh jedes Jahr anpassen und überarbeiten, daher fällt eine Neueingabe vermutlich nicht so sehr ins Gewicht.

  • Naja, die Frage ist nicht wie viel Vermögen man haben soll, sondern wie viel man mal haben möchte.

    Du kannst mit dem Tool dein Vermögen, die Einnahmen und Ausgaben in die Zukunft projizieren (quasi bis zum Tod) und so sehen, wo du noch an den Stellschrauben drehen musst. Du arbeitest dabei mit angenommenen Werten, ausgehend vom Ist-Zustand heute. Durch Änderungen an Stellschrauben (höhere Sparleistung, Heirat, Kinder, Depotentwicklung, Wertentwicklung Haus etc.) kannst du dein Vermögen z.B. bis zur Rente "planen" und dann sehen, ob du noch etwas machen musst.

    Der Nutzen erschließt sich von selbst oder kannst du mir z.B. adhoc beantworten, wo du zum Rentenbeginn stehst, wenn du auf Lohnsteuerkarte arbeitest, eine vermietete Wohnung hast, ein Eigenheim bewohnst und dazu noch ein Depot über 100.000 Euro bei einer monatlichen Sparrate von 400 Euro hast?

    Natürlich arbeitet man mit Annahmen (Inflationsrate, Lohnsteigerung, Depotentwicklung, Studium der Kinder etc.), aber das versteht sich ja von selbst. Aus dem Grund bedeutet eine Vermögensplanung ja auch, dass man permanent alle 1-2 Jahre seinen Status neu ermittelt, überprüft und ggfls. anpasst.

    Im Grunde genommen ist das Tool etwas für Leute, die relativ ernsthaft eine Vermögensplanung bis ins hohe Alter durchspielen wollen.

  • Folgende Ergänzung zu meinen Aussagen habe ich noch vom Anbieter erhalten:

    1) Begrenzte Anzahl von V+V Objekten etc.

    JA, aber diese sind blockweise aufgebaut und modelliert, so dass (versierte) Kunden (auch wegen des nicht vorhandenen Schutzes unserer Datei) selbst beliebig viele weitere Blöcke ergänzen können (in den Übersichten müssen diese natürlich auch ergänzt werden). Wir haben das auch schon für verschiedenen Kunden übernommen und bieten selbstverständlich auch weitere Anpassungen bzw. Erweiterungen an.

    2) Update = Neue Datei

    JA, weil es sich um eine normale Excel-Datei handelt. Wir haben bei anderen Tools eine makrobasierte Importfunktion integriert, mit der es möglich ist, die alten Daten mit einem Klick in die neue Datei zu übernehmen. Hier haben wir aber davon abgesehen, weil, wie Sie bereits erwähnt haben, im nächsten Jahr die Parameter in der Regel neu vorgegeben werden zumindest aber alle kontrolliert werden müssen bspw. bei den LV, Immobilien etc. Aus diesem Grunde bietet ein Import von veralteten Daten nur wenig Mehrwert und funktioniert auch dann schon nicht mehr, wenn die Kunden ihre Datei eigenständig erweitert haben. Last but not least können Bereiche die gleich geblieben sind relativ schnell mit copy&paste in die neue Datei übertragen werden in dem beide Planungen parallel (z.B. in zwei Excel-Fenstern) geöffnet werden.

  • Sehe ich das richtig: 357 EUR für ein Excel-Tool, mit dem man selbst seine Finanzplanung machen kann? Im Vergleich mit einer Steuerberatungs-Software: Die kostet einen Bruchteil (ab 5 EUR). Für komplexere Fälle geht man aber doch zum Steuerberater.


    Den Mehrwert sehe ich schon, aber wer wenig Ahnung hat, könnte sich selbst auf den Holzweg führen und ist beim Honorarberater eventuell besser aufgehoben. Und wer viel Ahnung hat, braucht das Tool nicht mehr? Also wäre die Zielgruppe jemand mit "mittlerer Finanz-Kompetenz".

  • Lade doch einfach die Testversion herunter und schau sie dir mal an, dann können wir auf einer Ebene diskutieren. Wenn du mit viel Ahnung diese Berechnungen auch zu Fuß machen kannst, dann hast du auf jeden Fall meinen absoluten Respekt (und vermutlich zu viel freie Zeit). :)

    Die 5 Euro für die Steuersoftware zahlst du in der Regel pro Fall und dann auch nur für ein einfaches Programm. Die etwas besseren Programme (mehrmandantenfähig, Alternativberechnungen) kosten rund 160 Euro pro Jahr.

    Und was den Honorarberater angeht: Seine Vermögensplanung macht man regelmäßig spätestens alle 2-3 Jahre. Wie viel Geld willst du da im Laufe deines Lebens dem Berater in der Rachen schieben?

  • Wenn du mit viel Ahnung diese Berechnungen auch zu Fuß machen kannst...

    Ich mache das seit über 30 Jahren mit Papier und Bleistift. Besonders viel Ahnung (Wissen) ist dabei nicht erforderlich; die Grundrechenarten und je eine Zinstabelle für Einmalzahlung und laufende Zahlung... und ein bischen Methode reichen mMn völlig aus.

    Seine Vermögensplanung macht man regelmäßig spätestens alle 2-3 Jahre. Wie viel Geld willst du da dem Berater in der Rachen schieben?

    Alle 2 bis 3 Jahre, oder besser systematisch Jahr für Jahr.

    Berater in Anspruch nehmen? Für jemanden, der sich zuvor nie so richtig mit den eigenen Öcken befasst hat, mag die initiale "Anleitung" durch einen Berater der Einstieg in die Materie sein. Wiederholungen sind mMn nicht erforderlich.

  • Okay, du willst mir also wirklich ernsthaft erzählen, dass du folgenden Fall händisch rechnen würdest:

    - Ehepaar, er 35, sie 30, beide angestellt.

    - Einfamilienhaus, 3 Darlehen, laufen noch 5, 15, 20 Jahre, unterschiedliche Zinssätze.

    - 2 V+V Objekte, beide noch mit Darlehen (15 Jahre, 25 Jahre).

    - Eigenheim, soll mit 75 Jahren verkauft werden.

    - 2 Kinder, die später voraussichtlich studieren sollen.

    - Geförderte Riesterrente der Frau.

    - Rüruprente beim Mann.

    - 2 Aktiendepots.

    - In ca. 20 Jahren wird ein Erbe aus dem Verkauf eines EF-Hauses erwartet.

    - Inflation 1,5%

    - Lohnsteigerung 2%

    - Immobilienwert steigt pro Jahr um 1%

    Wie viel Vermögen hat man 2030, 2040, 2050, 2060? Wie schauen die Geldflüsse unter Berücksichtigung der jeweiligen Steuerbelastung aus? Welche "Zusatzrente" kann ich mir aufgrund meines Vermögens monatlich leisten? Wie schauen die Werte alternativ bei 2% Inflation aus? Wie bei einer Lohnsteigerung von 3%?

    Also ich rechne das ganz bestimmt nicht händisch.

  • Also ich rechne das ganz bestimmt nicht händisch.

    Jeder wie er will ;)

    Der Witz bei meiner "manuellen" Übersicht ist der, dass ich die Geschichte einfach(er) gehalten habe bzw. halte.

    Allerdings habe ich mir etwas mehr Arbeit gemacht und sowohl für die Planung der Vermögensentwicklung, wie auch für Budgets und die Liquiditätsplanung, (anfangs) immer Soll- und Ist-Planungen aufs Papier gebracht. Gerade anfangs war dies aufbauend, weil viele "alte" Entscheidungen über den Haufen geworfen wurden und sich sowohl Soll als auch Ist häufig (zum Positiven) änderten.

    Ob man jetzt wirklich mit Papier und Bleistift, oder mit einer Tabellenkalkulation Entwicklungen "simuliert" ist dabei nicht erheblich.

    Ich wollte auch nie auf den Pfennig und später den Cent genau ermitteln, wo ich in x Jahren stehen werde... aber so grob über den Daumen gepeilt konnte und kann man durchaus einen Trend erkennen.

    Apps standen vor über 30 Jahren übrigens gar nicht zur Debatte. Damals hat man das zu Fuß gemacht. Im Idealfall hat man bei "Mentoren" gelernt und "abgeschrieben".

    Wichtig dabei war und ist auch heute, dass man das "System" oder die Systematik bei dieser Geschichte kapiert und damit umgehen lernt.

  • "Ich wollte auch nie auf den Pfennig und später den Cent genau ermitteln, wo ich in x Jahren stehen werde... aber so grob über den Daumen gepeilt konnte und kann man durchaus einen Trend erkennen."

    Das ist ja auch in Ordnung, jedoch greift eine echte Vermögensplanung viel weiter.

    Wie gesagt, ich habe einfach mal die Testversion heruntergeladen und mit unseren Daten ausgefüllt. Nach gut einer Stunde hast du eine Basis (Ist-Zustand) mit der du arbeiten kannst. Natürlich wusste ich auch schon vorher wohin die Reise in etwa geht, aber meine Zahlungsflüsse bis 2055 habe ich bis dahin noch nie näher beleuchtet.

    357 Euro brutto ist für das Tool voll in Ordnung, zumal es nach meinen Recherchen keine vergleichbare Software am Markt gibt.

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