Ich denke, wir müssen hier differenzieren zwischen zwei verschiedenen Fragen, die zwar teilweise miteinander zu tun haben, aber eben nicht identisch sind:
1. Wenn ich Wertpapiere verkaufe, ist es dann grundsätzlich / per se relevant, ob ich mit den zu verkaufenden Werten bislang Gewinn oder Verlust gemacht habe?
(Nach meiner Überzeugung:
irrelevant,
es sei denn aus Steuergründen sind Verkäufe mit Verlust günstiger.)
2. Kann ich (insb. als kleiner Privatanleger) die kurz-, mittel- und/oder langfristige, zukünftige Entwicklung des Wertpapiers so gut abschätzen, dass ich damit Gewinn mache?
- "...so gut, dass man Gewinn macht" heißt vermutlich "besser als der Markt" (?)
- Der Zusammenhang zwischen den beiden Fragen besteht darin:
a) Nur wenn pauschal (mindestens mit erhöhter Wahrscheinlichkeit) die Wertentwicklung in der Vergangenheit die Wertentwicklung in der Zukunft indiziert, muss man Frage 1 verneinen (dann gilt die These: "Verlustwerte raus!").
In diesem Fall wäre Frage 2 zwangsläufig zu bejahen.
b) Wenn die Annahme aus a) nicht stimmt, ist die Antwort auf Frage 2 stets ohne Auswirkungen für Frage 1:
(1) Wenn ich in der Lage bin, gewinnbringende Prognosen anzustellen:
mache ich meine Verkaufswahl NICHT von Gewinn/Verlust in der Vergangenheit abhängig, sondern nur von der Zukunftsprognose!
(2) Wenn ich schon gar keine gewinnbringenden Prognosen leisten kann:
dann ist die Verkaufsentscheidung ohnehin egal.*
*In diesem letztgenannten Fall, könnte man von Glücksspiel reden.
Allerdings gilt dies richtigerweise nur für kurze und mittlere Zeiträume, wenn man annimmt, dass Aktien (breit aufgestellt, etc.) langfristig immer steigen werden.