Alles anzeigenDie Frage nach der Immobilie steht vielen Sparern im Weg. Wenn man aus lauter Angst vor der Finanzierung eines vagen Immobilienwunsches, sein Geld sehr defensiv anlegt und dann nach zehn Jahren immer noch keine Entscheidung getroffen hat, dann hat man sehr viel Geld verloren.
Eine Rendite von 2 % ist eine negative Realrendite. Jeder angelegte Euro verliert derzeit schon vor Steuern real an Wert. Bei einer Sparrate von 2.800 Euro pro Monat wird sie in wenigen Jahren den Pauschbetrag ausgeschöpft haben und dann gehen auch noch Steuern ab.
Desto unsicherer der Wunsch nach einem Eigenheim ist, desto schlechter ist es Geld dafür zur Seite zu legen. Das ist auch keine Frage, die Du für Deine Tochter beantworten kannst. Ich befürchte sogar, dass auch Deine Tochter noch nicht dazu in der Lage ist. Wenn ich die Situation richtig erfasst habe, lebt sie noch zu Hause ohne feste Partnerschaft, mit der man meist auch zusammen wohnt. Wie soll sie in so einer Situation einen tragfähigen Lebensplan haben?
Nun betrachten wir den Fall des vagen Immobilienwunsch mit einer anderen Vorgehensweise. Solange sich kein konkreter Wunsch abzeichnet, innerhalb der nächsten sagen wir zwei Jahre ein Objekt zu suchen, wird das Geld renditeorientiert angelegt. Das birgt das Risiko, dass man in vielleicht zwei Jahren soweit wäre, den vagen Wunsch reell anzugehen. Das ist der Moment, indem man in risikoarme Anlagen umschichten würde, damit in der folgenden Zeit der Objektsuche einem kein Börsencrash in die Quere kommt. Neue Sparraten in dieser Zeit gehen dann ebenfalls zu 100 % in risikoarme Anlagen.
Was könnte konkret passieren:
- in den ersten zwei Jahren hat man 6 % p.a. Rendite gemacht und dann kracht die Börse ausgerechnet in dem Jahr ein kurz bevor man die Entscheidung pro Immobilie trifft. Extrem groß sind die Verluste nicht, denn man hat ja nur zwei Jahre lang Geld investiert und das Depot noch nicht allzu groß. Zudem wird ein kleiner Teil der Verluste durch die vorangegangenen Kursgewinne aufgefangen.
- In den ersten fünf Jahren fällt keine Entscheidung und im Schnitt hat man 6 % p.a. an Rendite eingefahren. Jetzt wird es endlich reell und man will in 1-2 Jahren auf das Geld zugreifen. Sollte die Börse wieder ausgerechnet jetzt abstürzen, federn die aufgelaufenen Gewinne den Absturz zum erheblichen Teil ab. Dennoch könnte sich das Vorhaben um wenige Jahre verschieben.
- In den nächsten zehn Jahren ist aufgrund ungewisser persönlicher Situation und/oder beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten noch keine Entscheidung gefallen. Jetzt hat sich bereits ein nettes Depot gebildet und ein Immobilienwunsch sollte sich von nun an immer realisieren lassen.Einfach nur mal zum Nachdenken. So eine lange Warteposition mit ungewissem Ausgang steht dem Vermögensaufbau im Weg.
Von der Immobilienproblematik abgesehen, sehe ich keinen Grund, warum ein Vater seiner Tochter nicht auch einen Rat geben dürfte. So eine Hilfestellung kann eine erste Gehhilfe sein, bei der finanziellen Selbstbestimmung. Ein kleines Einführungsbuch zu Finanzen ist natürlich kein Fehler, so die Tochter bereit ist, sich damit zu beschäftigen. Das wird um ein Vielfaches besser sein, als wenn Tochter zur Bankfiliale geht, mit einer Rentenversicherung, einem Bausparer und vielleicht noch ein paar netten Zertifikaten nach Hause kommt.
Vielen Dank für den sehr konstruktiven und sachlichen Beitrag. Du hast die Situation eigentlich sehr gut beschrieben.