"Ab wann sind Anleihen (k)ein Thema (mehr) bei der Geldanlage ?" ...
Für meinen Teil - als Finanz-Laie, wenn auch an einem an solchen Themen Interessierten mit zudem ein bißchen eigenen Erfahrungen in dem Bereich "private Finanzen" - lohnt stets auch der Blick auf das große Bild (Grand Design). Das war bei mir schon so die damals "neue" Geldordnung betreffend (Ende des Bretton-Woods-Systems Mitte der 70er) und den Umgang der Staaten und staatlichen Notenbanken damit im Allgemeinen - noch viel mehr aber beim Start des Experiments einer europäischen Einheitswährung (1999) und dem Umgang der Staaten (insbesondere auch mit den diesbezüglichen eigenen EU-Verträgen) und der zuständigen Notenbank (EZB) damit im Speziellen.
Über seine Verhältnisse zu leben und das dauerhaft (sei es als Staat, Unternehmen oder Privater) , generiert (über kurz oder lang) die üblichen Probleme. Bezogen auf den gigantischen Anleihemarkt stellte sich mir schon lange (pointiert) die Frage, ob ich in einer derart ver- bis überschuldeten Welt (über alle drei Sektoren hinweg - also insbesondere diverse Staaten aber auch Unternehmen und Private) noch unbedingt auf der Gläubigerseite positioniert sein will ...
Bildeten "Renten" (im weitesten Sinnen) einstmals (70er, 80er, 90er) den Schwerpunkt meiner Asset-Allocation (Gov. + Corp. Bonds, Pfandbriefe, Kommunalobligationen und Bundeswertpapiere aller Art) - so finden "Renten" bzw. "Bonds" heute nahezu keine Abbildung mehr in meinem Portfolio.
Dazu kommt erschwerend, daß die Zeiten einer "von der Politik unabhängigen Notenbank" - wie einst einer Deutschen Bundesbank - offensichtlich und schon lange endgültig vorbei sind. Die Fed beispielsweise (ohnehin mit offiziellem "Doppelmandat" Richtung Inflation und Beschäftigung) steht unter einer zumindest gewissen "Dominanz der Vermögenspreise" (Stichworte: Aktien und Immobilien - da steckt nämlich die private Altersvorsorge sehr vieler Amerikaner drin) und die EZB beispielsweise steht unter (ganz) erheblicher "fiskalischer Dominanz", da zu ihrem ursprünglichen offiziellen "Einfachmandat" (Preisniveau- bzw. Kaufkraftstabilität) längst als "inoffizielles" Mandat "Rettung des Euro" in seiner "Existenz" und "Rettung der Eurozone in der aktuellen Länderbesetzung" hinzugetreten ist. Daran wird sich auch wenig bis nichts ändern (ganz unabhängig von den Konstruktionsmängel der Einheitswährung - so wie diverse der Euromitgliedsländer mit den eigenen, diesbezüglichen EU-Verträgen umgehen und so wie die EU-Kommission - die sich selbst "Hüterin der EU-Verträge" nennt ... - die Dehnung, Biegung, Beugung, Umgehung der Verträge orchestriert).
Unabhängig von der Frage beispielsweise, wie ein Paul Volcker heute - vor dem Hintergrund einer akkumulierten US-Staatsverschuldung von roundabout 40 Billionen - mit Zinssätzen jenseits der 20% eine hartnäckige Inflation wirksam bekämpfen könnte, ohne einen systemischen Kollaps zu riskieren ... es stellt für mich eine Sachgesetzlichkeit (monetäre Ökonomik) dar, daß vor dem obigen Hintergrund ein Spannungs- oder sogar Konkurrenzverhältnis - sowohl bei der Fed als auch noch viel mehr bei der EZB (Stichwort: Schuldenquote im Verhältnis zum BIP - anämisches Wirtschaftswachstum in der Eurozone versus dynamisches Wirtschaftswachstum in den USA) - zwischen dem eigentlichen "offiziellen" Mandat und dem sehr bedeutsamen (Fed) bzw. dem existentiell bedeutsamen (EZB) "inoffiziellen" Mandat besteht. Welchem Ziel die Fed und EZB im Ernstfall den Vorrang einräumen, steht für mich außer Frage. Jedenfalls nicht der (adäquaten) Inflationsbekämpfung ...
Zudem wird man von Seiten der staatlichen Notenbanken alles Mögliche und Erdenkliche unternehmen, um ein Kollaps der Anleihemärkte zu vermeiden. Eine langjährige Bekannte - deutlich kundiger als meine Wenigkeit (sie dürfte mehr über solche Finanz-Themen vergessen habe, als ich jemals gewußt habe) - verortet dazu die "Mutter aller Blasen" ohnehin im Bondmarkt ...
Eher wird eine Notenbank wie die EZB im Zweifel erneut zu einem Instrument wie der von ihr orchestrierten "Finanziellen Repression" greifen, um das System und den Euro irgendwie ( mit weit ins Negative gedrückten Realzinsen) noch weiter am Leben zu halten und die Schuldentragfähigkeit fragiler Euromitgliedsländer irgendwie zu sichern. Siehe bereits die lange Ära der Finanzrepression von 2009 bis 2022.
Das skizzierte Spannungsfeld bzw. Konkurrenzverhältnis "offizielles vs inoffizielles Mandat" (der Fed aber noch viel mehr der EZB) erhöht zudem die Gefahr eruptiver Entwicklungen (siehe die eher erratische Zinswende 2022 samt Folgen - da seitens der EZB zuvor (viel) zu lange mit einem Eingreifen gezögert wurde).
Im Verlauf der vergangenen 25 Jahre habe ich den Vorteil von Gold auch unter dem Aspekt des nicht vorhandenen Gegenpartei-Risikos (im Gegensatz zu einem Bondholder) schätzen gelernt. Ebenso den Vorteil von Wertgegenständen sprich Stores of Value (Tangible Assets) außerhalb des klassischen Kapitalmarkts.