Guten Morgen GeldVerstand,
mich treibt Deine Frage tatsächlich regelmäßig um und meine Antwort darauf ist nicht in Stein gemeißelt, habe ich festgestellt.
Ich bin 36 und mit zwei kleinen Kindern liegt unser Fokus jetzt vor allem auf Sicherheit für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre. Mir sind gut gefüllte Rücklagen gerade wichtiger als die optimierte ETF-Sparquote, aber auch wichtiger als ein Urlaub, der eine Kategorie zu teuer ist. Wir leisten uns eine Haushaltshilfe, was mit Sicherheit das am besten investierte Geld ist und auch für Babysitter würden wir noch Geld in die Hand nehmen. Alles, was das Familiensystem entlastet und uns ein gutes Zusammenleben ermöglicht, ist mir jetzt wichtig. Das kann ich später nicht nachholen. Ansonsten bemühe ich mich aber, dass wir unsern Kindern keinen Lebenswandel angewöhnen, der sich radikal ändern müsste, wenn ich meinen Job verliere oder eine deutlich schlechter bezahlte Stelle annehmen müsste. Nach Verzicht fühlt sich das aber dennoch nicht an, denn wir reisen dennoch viel, gönnen und Ausflüge und Kultur, aber eben preisbewusst (oder geizig, wie meine Frau vielleicht manchmal sagen würde).
Ich bin mir nicht sicher, ob wir unseren Lebenswandel groß ändern würden, wenn Sicherheit nicht mehr so im Fokus stünde. Meine Erfahrungen in der Altenhilfe haben mir ganz deutlich gezeigt, dass es wirklich, wirklich hilfreich ist, viel Geld zu haben, wenn man pflegebedürftig wird. Dann ist Geld der Hebel, um Selbstbestimmung kaufen zu können. Sei es durch zusätzliche Betreuungskräfte, ein gutes Hörgerät, einen vernünftigen elektrischen Rollstuhl oder eben auch der Umbau der Wohnung. Eher mehr Geld im Alter zu haben, als weniger, kann also nicht Schaden. Sich dafür dann vor der Pflegebedürftigkeit - wenn sie denn überhaupt kommt - nichts zu gönnen, halte ich aber auch nicht für richtig. Aber das ist dann ja eben auch eine Frage der Gewöhnung. Bei meinen Eltern sehe ich, dass sie immer genügsamer wurden, je mehr Geld Ihnen zur Verfügung stand. Die größte Freude ist jetzt der einfachste Campingurlaub im Bulli, obwohl es auch schon Mal eine Phase mit teuren Fernreisen gab. Mal sehen, ob sich das bei meiner Frau und mir auch so entwickelt
Falls meine Frau und ich kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand plötzlich versterben sollten, dann erben unsere Kinder eben. Das soll jetzt nicht das Problem für mich sein.