Beiträge von Pfennigbaron

    Bei der Auswahl wollten wir auf Nachhaltigkeit setzen.

    Pfennigbaron
    1. Februar 2026 um 08:55


    Einfach so lassen oder evtl. einen anderen ETF mit mehr Performance dazunehmen?

    Welcher sollte das sein? Im Vergleich mit dem "normalen" MSCI World steht der gewählte SRI gar nicht so sehr abweichend da: https://www.justetf.com/de/etf-compari…in=IE00B4L5Y983

    ETF, die mit "mehr Performance" werben, sind dann i.d.R. Themen-, Sparten-, Modeerscheinungs-ETF, die historisch mal deutlich besser zulegten, in die Zukunft betrachtet aber genauso Rohrkrepierer werden könnten. Deshalb ja MSCI World = breite Streuung über alle möglichen und unsinnigen Kennzahlen, und fertig.

    Dann braucht die Behörde Zugriff auf alle Daten, die dazu erforderlich sind, diesen Anspruch zweifelsfrei zu erkennen. Und schon hat der Deutsche sein nächstes Lieblingsthema zu streicheln...

    Oder eine Rechtslage, die weniger Daten erfordert, weniger Einzelfallsituationen berücksichtigt, vereinfacht... Im Leben nicht.

    Und oft sind es die Behörden selber, die Vorschläge dazu nach oben durchreichen, und den Kopf schütteln was davon wie unten wieder ankommt. Gesetze mit dem Titel "Entbürokratisierung" sind da bald schon das schlimmste, was getrieben wird. Über den Wandel von "Wir fordern vom Bürger bestimmte Passbilder, schicken aber jeden in die Nachbarstadt um dieses Passbild anfertigen zu lassen" hin zu "Machen wir gleich hier vor Ort, sogar günstiger (aber nur fürn Perso, für den Führerschein brauchen sie noch biometrisches Papierbild, was wir hier nicht machen können)" könnte ich Romane schreiben. Natürlich hängen wir keine Digitalkamera mit USB-Kabel an unsere Rechner, wir haben extra Automaten dazu erfunden, deren Datenschutzanforderungen nahezu einen eigenen Aktenordner füllen.

    Oha, ich hoffe, ich werde jetzt hier nicht gesperrt, wegen falschen Lorbeeren... ;)

    Mag sein, das ich das war. Spenden und Strafzahlungen gerne an die Aktion Sorgenbaron, IBAN per PN... ;)

    Aber ob ich den an der Stelle empfehlen würde, als mutmaßlich einziger bzw. einziger gefütterter und depot-prägender ETF? Da würde ich lieber mal warten, bis man da mal die Ausschüttungsrendite und den Chartverlauf von mind. einem Jahr anschauen kann. In meinem Depot ist der A41L70 zwar auch schon gelandet, aber da liegt er zwischen genügend anderen. An der Stelle würde ich Dividenden-ETF trotz der Aussagen des Themenerstellers lieber so verstehen, dass es regelmäßige Ausschüttungen und einen trotzdem vernünftigen Chartverlauf nebeneinander gibt, und nicht hohe Ausschüttungsquote, Chart = Strich und in paar Jahren fragt man sich wie die Inflation bloß ins Depot hüpfen konnte. Also ich würde hier eher die ausschüttende Variante einer All-World- oder World-Lösung nehmen. Und zwar Ausschütter grundsätzlich ja, aber so lange es geht mit (automatischer) Wiederanlage (je nach Größe z.B. bei ING, bei Scalable auch schon mit Centbeträgen). Dies auch vor dem Hintergrund, wie ich selber als Beamter zu meiner voraussichtlichen "Pensionslücke" stehe. Angesichts des Umgangs der Dienstherren mit mal vorhandenen (und von den Beamten etwas mitgefütterten) Rücklagen, angesichts der ewigen Rechtswege rund um die Amtsangemessenheit der Alimentation, der m.E.n. schon sehr gesunkenen und weiter sinkenden Verlässlichkeit von Politik und auch etwas einfacher Grundschulmathematik gehe ich davon aus, diese Lücke wird weitaus größer sein, als die Beamten, die heute vielleicht noch 20 +x Jahre zur Pension haben, sich das derzeit vorstellen.

    Das Risiko eines Failed State ist real.

    Das ist ein Grund, weshalb sich Gestaltungsdrang bei Anlegern an der Länderallokation reibt. Da bleibt aber die Frage offen, wie groß die Auswirkungen eines Failed State/eines zusammenbrechenden Rechtsraums auf ein Unternehmen tatsächlich wären, sollte der Fall mal eintreten. Die Zusammenhänge sind nicht 1:1, wie die Kennzahlen in den Verkaufsprospekten suggerieren. Es gibt Unternehmen, die in den ETFs zu USA zählen, die würden sich bei einem Zusammenbruch der USA höchstens mal kurz schütteln. Und es gibt solche, die zur EU zählen, die würde ein Zusammenbruch der USA einfach mal komplett verdreschen. Es gibt welche, die gehören zu A, und machen in B mehr Umsatz wie in A. Oder haben mehr Beschäftigungsverhältnisse dort. Oder sind in Lieferketten/Vertragsverhältnisse so oder so aufgestellt... Die Aussage, ein Unternehmen sei 100% USA oder 100% EU, trifft in den allerseltensten Fällen zu. Da irgendwelche Beimischungsquoten zu zelebrieren, gehört zum persönlichen Wohlfühlfaktor des Anlegers. Greifbaren Sinn macht es keinen.

    Mal hypothetisch: Ein bekanntermaßen weibliches Forenmitglied hätte geschrieben: "Mein Mann meinte, er sieht am Wochenende beim Fussball nen Kumpel, der arbeitet bei der Bank und hat mehr Ahnung als du, dann frag ich den mal was der empfehlen würde..."

    Daraufhin hätte jemand hier dieser Frau empfohlen: "Ich glaube, dein Mann benötigt mal ein Paar hinter die Löffel"

    Wie wären dann die Reaktionen darauf?

    Ich hab meiner Frau gesagt, dass sie als Beamtin ~70% Pension bekommt.

    Sagt der Staat denn das Gleiche?

    Ernsthafte Frage aus Erfahrung. Pensionshöhe (und tlw. -eintritt) ist bei vielen Beamten einfach zu berechnen, aber bei gar nicht so wenigen auch abhängig von der Frage, wann man denn ins Beamtenverhältnis eingestiegen ist, und was an etwaigen anerkennungsfähigen vorherigen Zeiten a) gegeben ist, und b) auch tatsächlich anerkannt ist. Das wurde in unserer Behörde bei Verbeamtungen in den 80ern sagen wir mal sehr hemdsärmlig gemacht, was zur Folge hatte, das diverse Beamte, die im letzten Jahrzehnt in Pension gingen, plötzlich mit schmerzenden Abschlägen da standen. Fragen dazu z.B. hat man vorher als Beschäftigter gearbeitet, in vergleichbarer Position, hat man daraus noch Rentenansprüche, hat man diese ausbezahlen lassen, wurden diese Zeiten auf die ruhegehaltfähige Dienstzeit in irgendeiner Form berücksichtigt, sind etwaige Mutterschutzmodelle richtig berücksichtigt...

    Wann war das denn?

    Die ersten Anfänge lagen noch in den späten 90ern, ungefähr gleich mit dem beginnenden Trend zum "Neuen Steuerungsmodell" (= Wir wollen kaufmannsähnliche Buchführung in naja bloß nicht allen aber manchen staatlichen Haushalten, die uns dann viel Geld kostet, und an deren Ende viele (Kommunal)politiker ihre eigenen Haushalte nicht mehr kapieren, aber es ist moderner). Hochphase würde ich 2000-2010 nennen.

    Wie ich oben schrieb - jemand mit durchschnittlicher fachfremder Bildung muss in der Lage sein, deutsche Behördenvorgänge vollständig zu durchdringen. Wenn das nicht gelingt, liegt der Fehler bei der Behörde.

    Und das fängt eben bei Verwendung normaler deutscher Sprache an.

    Dann müssen die Rechtsvorgaben des Behördenvorgangs vollständig zu durchdringen und in normaler deutscher Sprache gehalten sein. Bei Vorgängen, die über den Rechtsweg geklärt werden könnten, wird eine Behörde i.d.R. den Teufel tun, und eigenständig versuchen sprachliche oder gar formelle Vereinfachungen für den Bürger zu erfinden.

    In der Hochphase der "Staat ist Dienstleister"-Entwicklung kamen lustige Gestalten in billigen Anzügen in unsere Kommunalverwaltung, und stellten uns den politischen Wunsch vor, alles und jedes Verwaltungshandeln streng dienstleistungsorientiert zu sehen, zu behandeln und bis hin zu jedem Ausgangsbescheid auch entsprechende Formulierungen zu nutzen.

    Ja, das sorgt bis heute für viel Heiterkeit unter den Mitarbeitern. Denn dieses Wunschdenken wurde nie auf staatliche Leistungsverwaltung beschränkt, sondern sollte auch die Eingriffsverwaltung umfassen. Und das ist ein massiver Punkt, wieso Dienstleistung und Verwaltung bis heute nicht vollumfänglich zusammengefunden haben. Wenn das Finanzamt die Steuern erstattet, oder Pflegekassen Leistungen gewähren (oh, auch so ein alter böser zu vermeidender Begriff übrigens) kann man das mit freundlichsten, blumigen Worten begleiten, und den Bürgern als Kunden sehen und behandeln. Wenn man ihm die schwarzgebaute Garage abzureißen auferlegt, ihm ein Knöllchen ans falschparkende Auto hängt, ihm Bußgeld für die illegale Müllablagerung abfordert oder ihn auch gleich verhaftet, muss das anders laufen. Ein langjähriger Leiter des hiesigen Kreisrechtsausschusses hat sich in der Politik mal etwas unbeliebt gemacht, als er darstellen sollte wie er die Fallbearbeitung der Widersprüche beschleunigen könne, und er sagte: Schreibt halt die Bescheide rechtskonform, und lasst die Versuche weg sie auf Teufel komm raus verständlicher zu machen, als die Gesetze es hergeben.

    Und wir haben gar nicht mal so wenige Sachbearbeiter in den Behörden, die auf ihren Schreibtischen sowohl Eingriffs- als auch Leistungsvorgänge bearbeiten. Die ändern dann 10x am Tag ihren Sprachgebrauch, oder sie arbeiten vernünftig. Wenn der Bürger das doof findet, was ich in vielen Fällen noch durchaus nachvollziehen kann, brauchen wir aber keine anderen Verwaltungen, sondern andere Rechtsgrundlagen, leichter verständlichere Anträge und Bescheide brauchen leichter verständlichere Rechtsvorgaben.

    Oder um den Bogen zurück zum Thema zu schlagen: Die Steuererklärung soll leichter werden, mit ein paar Mausklicks. Jetzt die Preisfrage übers Wochenende: Aus wievielen Paragraphen besteht eigentlich das aktuelle deutsche Einkommenssteuergesetz? Viel Spaß beim Zählen;)