Beiträge von Einundzwanzig

    Die Diskussion ist zurück, obwohl sie offiziell nie da sein sollte. Union und SPD prüfen intern eine höhere Mehrwertsteuer. Nach außen wird noch relativiert, hinter den Kulissen wird längst gerechnet. Die Idee dahinter ist simpel: Konsum stärker besteuern, Arbeit entlasten. Klingt sauber, ist aber politisch hochexplosiv. Denn am Ende trifft es zuerst die, die ihr Einkommen direkt wieder ausgeben. Genau deshalb wird parallel über niedrigere Sätze für Grundbedarf nachgedacht. Ob das am Ende wirklich beim Verbraucher ankommt oder im Handel hängen bleibt, ist offen.

    Fakt ist: Der Staat braucht Geld. Schon jetzt fehlen rund 11 Milliarden, perspektivisch eher 60 Milliarden pro Jahr. Gleichzeitig steigen die Preise, Energie, geopolitische Risiken, alles kommt zusammen. Eine höhere Mehrwertsteuer in diesem Umfeld ist entsprechend brisant.

    Ökonomisch ist der Ansatz nicht neu. Viele fordern seit Jahren, Arbeit zu entlasten und stattdessen Konsum stärker zu besteuern. Deutschland besteuert Arbeit hoch und Konsum vergleichsweise moderat. Das Problem ist also nicht die Idee, sondern die Umsetzung. 2005 hat gezeigt, wie schnell so etwas zum Vertrauensbruch werden kann. Auch diesmal wurde eine solche Maßnahme im Wahlkampf nicht angekündigt. Es geht längst nicht mehr um das „Ob“, sondern nur noch um das „Wie stark“.

    https://www.handelsblatt.com/politik/deutsc…/100210914.html

    Naja, was heißt miteinander „vergleichen“. Man darf halt nicht vergessen, dass die Einzahlungen, die man ja theoretisch auch in der Gegenwart hätte konsumieren können, mit der Zeit ebenfalls an Kaufkraft verlieren, wenn sie der Inflation unterliegen. Somit hätte man kaufkraftbereinigt von den eingezahlten 72.000 Euro nach 20 Jahren noch 54.000 Euro (sprich einen Wertverlust von 18.000 Euro). Was du ja auch richtig benennst.

    Hinzu kommt nun noch die Nettorendite (abzüglich Steuern + Inflation) in Höhe von 48.000 Euro.

    Kurz gesagt: Aus 72.000 Euro hätte man dann in 20 Jahren rund 102.000 Euro (54.000 Euro + 48.000 Euro) gemacht. Der Nettogewinn beträgt somit: ~32.000 Euro.

    Das entspricht einer realen Nettorendite von rund 4,7 % p. a. Das ist auch plausibel, wenn man von etwa 8 % nominaler Rendite ausgeht, abzüglich rund 3 % Inflation und der steuerlichen Belastung auf die Gewinne.

    Das Inflation und Steuern die Rendite mindern stimmt natürlich. Aber es ist tatsächlich nicht so schlecht wie von Dir dargestellt.

    Du hast einen realen Endwert mit nominalen Einzahlungen verrechnet. Das halte ich methodisch für nicht korrekt.
    Der korrekte Endwert für den realen Gewinn dürfte sicher irgendwo im Bereich der 50 TEUR liegen und damit wahrscheinlich fast doppelt so hoch wie Deine realen Einzahlungen.

    Okay, dann mach doch mal bei Gelegenheit eine konkrete Gegenrechnung, lasse mich da gerne verbessern. Ausgangspunkt kann ja dieses Beispiel bleiben:

    Ein stark vereinfachtes, aber anschauliches Beispiel:

    MSCI World ETF:

    Sparrate / Monat: 300 Euro

    Rendite: 8 % p.a.

    Laufzeit: 20 Jahre

    Eingezahlt: 72.000 Euro

    Depotwert: ~178.000 Euro


    Angenommen man würde das Geld auszahlen:

    Gewinn: 106.000 Euro

    Steuerpfl. Anteil (70 %): 74.200 Euro

    Steuer: (~26 %): 19.600 Euro

    Depotwert nach Steuern: 158.400 Euro


    Kaufkraft nach Inflation (3 % p.a.): ~88.000 Euro

    Kaufkraftbereinigter Gewinn nach 20 Jahren: 16.000 Euro

    Sie möchte jetzt für den 16-jährigen Julius (kein Witz) ETF kaufen [...]. Für die Dividenden hat der Sohn sich Cube-E-Bike und so Zeug gekauft.

    Was ist das denn für ein Loser? Zur Strafe würde ich anstelle der Mutter das Geld einfach einstecken und alleine Urlaub in Südafrika machen – dann ist sie zumindest danach vielleicht kein Single mehr.

    Ich warte hier auf günstige Kurse und nix passiert.... nur das was zu gut gelaufen ist dieses jahr wird bissl zerpflücken... halb so wild, lohnt sich nichtmal groß nachzulegen...

    Ein bisschen Geduld ist gefragt. Die Aussichten sind aktuell nicht so gut (Inflation -> Zinsen), dementsprechend können die Preise in ein paar Wochen noch ganz interessant werden.

    Als ich es letztes Jahr gewagt habe hier im Forum zu behaupten, dass Gold in vielen Krisen als sicherer Hafen versagt hat, wurde ich fast massakriert. Man muss eigentlich gar nichts erklären: Einfach die fundierte Meinung abladen, den Shitstorm überleben und ein halbes Jahr später genüsslich das (richtige) Ergebnis präsentieren. ;)

    Allerdings muss man sagen, dass Gold in den letzten 24 Monaten auch extrem gut (zu gut?) gelaufen ist. Das war am Ende nur noch wilde Spekulation. Da sind jetzt vermutlich auch viele Gewinnmitnahmen dabei. – Trotzdem ist da was dran, aktuell versagt Gold als „sicherer Hafen“.


    Wenn man schon 200 Meter tief taucht, ist ein Tsunami auch egal. ;)

    Allein die Fähigkeit, 200 Meter tief tauchen zu können, kann langfristig nicht verkehrt sein ... ;)

    Hallo,

    deine Berechnung simuliert aber etwas anderes. Sie sagt 20 Jahre keine Inflation und dann einen dicken Inflationshammer im Jahr der Auszahlung.

    Für Deine eigentliche Aussage müsstest Du Deine Einzahlungen von Deinem Nachsteuerergebnis abziehen und dann erst inflationieren.

    Ich simuliere keinen „Inflationshammer am Ende“, sondern rechne den Endwert einfach auf heutige Kaufkraft zurück. Das ist ein gängiger Methode, um die Größenordnung zu zeigen.

    Du hast aber insofern recht, streng genommen ist der Vergleich nicht ganz sauber, weil die Einzahlungen über 20 Jahre verteilt erfolgen und unterschiedliche Kaufkraft haben. Wenn man es exakt machen will, müsste man jede Einzahlung inflationsbereinigen oder direkt mit einer realen Rendite rechnen.

    An der grundsätzlichen Aussage ändert das aber wenig, Steuern und Inflation drücken die reale Rendite deutlich und genau das soll das Beispiel zeigen. Ob am Ende nun 16.000 oder 20.000 Euro realer Gewinn stehen, ist eher zweitrangig. Mir geht es darum zu verdeutlichen, dass man mit einer ETF-Anlage über 20 Jahre nicht „reich“ wird, wie es oft dargestellt wird („nach 15 Jahren verdoppelt sich dein Vermögen!“). Im Gegenteil: In vielen Fällen gleicht man damit gerade so die Inflation aus und hat vielleicht noch etwas zusätzlichen Spielraum, etwa für ein paar Urlaube, bei gleichzeitig eingegangenem Marktrisiko.