Beiträge von RaimondoB

    Wozu benötigt Oma Hildegard denn die App? Ist doch gar nicht erforderlich.

    Z. B. damit Biggi, ihre Tochter, ein Auge drauf haben kann, was mit ihrer Mutter passiert. Hildegard ist nämlich schon 87 und vergisst immer, welche Diagnosen der Arzt ihr mitteilt. Biggi kann auch nicht immer im Besprechungszimmer dabei sein... Hildegard kann ihre Daten dann mit ihrer Tochter Biggi teilen, diese für sie freigeben.

    Man kann es so auf der technischen Ebene implementieren, allerdings wird es, bis auf einige IT-affine Menschen, kaum jemand nutzen. Ich stelle mir gerade vor, wie Oma Hildegard, so sie denn ein Smartphone hat und sich erfolgreich bei ihrer KV registrieren konnte, eine Liste von mehreren Dutzend Einträgen mit mehr oder weniger aussagekräftigen Namen sieht, woraus sie dann für den gewünschten Arzt die richtigen heraussuchen und freigeben muss.

    Ich habe doch bereits geschrieben, dass ich so eine Lösung für maximal realitätsfern halte.

    Wenn das vernünftig implementiert würde, dann könnte es wie folgt aussehen:

    • Letzte und sehr häufige Besuche werden priorisiert dargestellt, so dass der Benutzer sie zuerst zur Kenntnis nimmt.
    • Automatische Empfehlung beim Start und periodisch wiederkehrend, z. B. "Sie besuchen sehr häufig Praxis Dr. Quacksalber in Musterstadt, soll diese Praxis Daten in Ihrer Akte speichern und auch alle Daten lesen können?"
    • Oder: "Dr. Pillendreher scheint Ihr Hausarzt zu sein, da er häufig Überweisungen für Sie ausstellt und Sie dort regelmäßig zu Besuch sind. Soll er als ihr Hausarzt markiert und mit den empfohlenen Berechtigungen versehen werden?" Die "empfohlenen Berechtigungen" könnten sich dann sogar nach einer initialen Auswahl richten, nach dem Motto "Ich bin besonders bedacht auf meinen Datenschutz (starkes Datenschutzniveau auswählen)" oder "Normales Datenschutzniveau nutzen".

    Nur mal so schnell gebrainstormed...

    Das zeigt übrigens auch wie krank unser System ist. Die Krankenkassen können mittels KI falsche Medikation mit Wechselwirkungen für jedes Mitglied leicht über die Abrechnungen erkennen. Dürfen dieses aber aus Datenschutzgründen niemandem mitteilen.

    Das ist nicht richtig. Wenn man das vorhätte, dann könnte der Patient eine informierte Entscheidung treffen das zuzulassen, und dann wäre es möglich. Man muss es halt nur wollen -- und können. ;)

    Ganz genau --> Widerspruch!

    Als Informatiker ist für mich ganz klar, dass ich meine Gesundheitsdaten auf gar keinen Fall in die Cloud laden will!

    Ich bin selber IT'ler und sogar im Cyber Security und Data Protection-Umfeld tätig, dennoch sehe ich das nicht so stur.

    Gesundheitsdaten in der Cloud sind per se nicht unsicherer dort als im On-Prem Data Center. Es kommt halt drauf an, wie man das macht. Man kann auch im DC sehr fahrlässig mit den Daten umgehen. Man kann auch in der Cloud extrem starke Schutzmaßnahmen implementieren, an denen sich jeder Angreifer die Zähne ausbeißt.

    • Nutzen Deine Ärzte die ePA überhaupt schon?

    Ich hatte die "alte" ePA der Techniker Krankenkasse für einige Jahre in Benutzung. Die Software -- sowohl Frontend (also Apps) als auch Backend waren eine Katastrophe. Aber immerhin konnte ich dort granulare Berechtigungen pro Praxis vergeben -- was in der neuen, "offiziellen" ePA bisher nicht geht.

    • Hast Du Dich für die ePA registriert (z. B. die App heruntergeladen, Gesundheits-ID angelegt, etc.)?

    Nein, ich benutze die neue ePA so lange nicht, bis ich granulare Berechtigungen vergeben kann.

    • Oder hast Du Widerspruch eingelegt, damit für Dich keine ePA erstellt wird? Warum?

    Korrekt. Ich habe die Löschung der automatisch erstellten Akte verlangt bzw. dass die alte gelöscht wird und gar nicht erst eine (neue) angelegt wird.