Im März hatte Riester-Anbieter Fairr wegen der Corona-Börsenkrise das Geld seiner Kunden aus ETFs abgezogen und komplett in eine Bargeldreserve verwandelt. Das verringerte zwar das Risiko, entsprach aber nicht dem Fairr-Anlageversprechen – und ermöglicht natürlich auch keine Rendite.

Nun geht es zurück in Aktien: Ab dem 12. Juni werde reinvestiert, hat Fairr jetzt mitgeteilt, und zwar schrittweise über 20 Handelstage. Parallel mit dem Wiedereinstieg haben Fairr und die hinter dem Riester-Fondsprodukt stehende Sutor Bank ein neues Anlagekonzept vorgelegt.

Es handelt sich um ein komplexes Modell, das die Aktienquote jedes Riester-Sparvertrags täglich anpassen und dabei das Risiko am Aktienmarkt berücksichtigen soll. Unter anderem wird dabei jeden Tag berechnet, wie viel Kapital notwendig ist, um die Beitragsgarantie bis zum Rentenbeginn zu stemmen. Diese Beitragsgarantie gehört zu den vertraglichen Zusagen jedes Riester-Vertrages.

Technisch funktioniert das so: Die Sutor Bank wählt einen „sicheren langfristigen Marktzins“ aus und berechnet dann, wie viel Geld im jeweiligen Riester-Vertrag vorhanden sein muss, damit mit den Zinsen zu Rentenbeginn die Garantiesumme auch wirklich garantiert da ist. Auch andere Anbieter rechnen dem Grunde nach mit so einem Modell.

Fairriester kalkuliert optimistisch

Die Crux: Wie viel Aktienquote in einem solchen Modell möglich ist, steht und fällt mit der Höhe des risikofreien Zinses. Und wie hoch der wirklich ist, darüber gibt es (noch) keine Übereinkunft in der Branche. So gibt es Anbieter, die mit ganz niedrigen Zinsen vorsichtiger kalkulieren und Anbieter, die mit deutlich höheren Zinsen optimistischer rechnen. Fairr gehört zur letzteren Gruppe.

Das Berliner Unternehmen versucht mit seinem Modell, möglichst viel Aktienquote trotz Riester-Garantie möglich zu machen. Das entspricht dem Grundgedanken der ersten Markteinführung 2014. Neben dem optimistisch bestimmten sicheren Marktzins soll die Aktienquote für Sparer jetzt auch an der Schwankungsbreite (Volatilität) des Aktienmarktes hängen: Je ruhiger der Markt, desto weniger Garantiekapital werde gebraucht, umso höher kann die Aktienquote sein.

Fairr verspricht sich davon, dass der Großteil der Sparer trotz der Krisenverluste im Depot wieder auf eine hohe Aktienquote kommen, ohne das Garantieversprechen zu verletzen. Erst in den fünf Jahren vor Rentenbeginn will Fairr schrittweise die Aktienquote abbauen. Wie andere Anbieter auch, wird die Sutor Bank von der Bafin beaufsichtigt.

Wie lässt sich das neue Modell bewerten?

Finanztip hat Fairriester 2014 angeschaut und seit 2015 empfohlen. Der Fondssparplan hat uns wegen seiner ETF-Anlage, niedriger Kosten und hoher Transparenz (Lebenszyklusmodell) überzeugt. Auch das neue Modell 2020 klingt erstmal gut.

Allerdings haben wir gelernt, dass Risikomodelle an ihre Grenzen stoßen, wenn Unvorhersehbares passiert. Zudem haben sich die Rahmenbedingungen für Riester-Produkte geändert: Niedrige Zinsen in Kombination mit Beitragsgarantien machen Riester derzeit zu einem Produkt, das vorwiegend dazu dient, Zulagen mitzunehmen.

Keine Empfehlung für Neukunden

Wir meinen: Unter diesen Umständen ist eine Altersvorsorge, die konservativ kalkuliert und dabei noch möglichst günstig ist, am ehesten für Sparer geeignet. Infrage kommt vor allem die Toprente der DWS über einen Online-Vermittler (ohne Abschlusskosten). Den neuen Fairriester empfehlen wir für Neukunden bis auf Weiteres nicht.

Sollte sich an den Rahmenbedingungen zu Riester etwas ändern, ist das der richtige Zeitpunkt, um den Markt großflächig neu zu bewerten. Die Diskussion über die private Altersvorsorge in der Politik geht weiter. Lesen Sie dazu mehr in unserem Blogbeitrag.

Was können Sie als Bestandskunde nun tun?

Sie sparen schon mit Fairriester an und wollen am Riestern festhalten – dann sehen wir mehrere Möglichkeiten. Was Sie wählen, ist am Ende eine Typfrage:

1. Sie können auf Nummer sicher gehen und bei einem etablierten Anbieter wie DWS oder Union Investment weitersparen.

Dort bekommen Sie einen Riester-Fondssparplan, der mit konservativen Messgrößen rechnet. Entsprechend klein ist Ihre Chance auf eine zusätzliche Aktienrendite. Das Anlagemodell – das Umschichten zwischen dem Aktienfonds und dem sicheren Rentenfonds – können Sie auch hier im Detail nicht nachvollziehen, dies war aber schon immer so. Würde die Risikokalkulation schiefgehen, stünden die DWS oder Union Investment für Ihre Garantien ein. Hauptanteilseigner der DWS ist die Deutsche Bank; Union Investment steht unter dem Dach der genossenschaftlichen DZ-Bank-Gruppe.

Sie haben die Wahl:

a) Sie können Ihren Fairriester entweder beitragsfrei stellen und einen neuen Vertrag abschließen oder

b) Ihren Vertrag bei Fairr beenden und Ihr Vertragsguthaben auf den neuen Anbieter übertragen.

Vertrag beitragsfrei stellen

Das kommt infrage, wenn Sie Verlust gemacht haben, Ihr Vertragsguthaben also aktuell unter den eingezahlten Beiträgen und Zulagen liegt. Dann muss die hinter dem Fairriester stehende Sutor Bank das Kapital bis zum Rentenbeginn „auffüllen“. Wenn Sie weiter Zulagen oder Steuervorteile mitnehmen wollen, bietet sich ein konservativ ausgerichteter, möglichst günstiger Vertrag an. Diesen müssten Sie neu abschließen.

Guthaben übertragen

Das kommt vor allem infrage, wenn Ihr Guthaben im Vergleich die eingezahlten Beiträge und Zulagen erreicht oder übersteigt. Denn: Im neuen Riester-Vertrag ist nur das Geld garantiert, das Sie übertragen. Das heißt, falls Ihnen bei Fairr Verluste entstanden sind, nehmen Sie diese mit und müssen sie abschreiben. Die Sutor Bank ist dann nicht mehr verantwortlich.

2. Sie können sich „offen“ zeigen und den neuen Weg von Fairr mittragen. Sie geben dem Unternehmen damit eine zweite Chance, diesmal „alles richtig“ zu machen.

Sie halten dann an der Chance auf eine hohe Aktienquote und langfristig gute Aktienrendite fest, wohl wissend, dass Riester als Garantieprodukt in Zeiten niedriger Zinsen nicht mit einem privaten Investment in Aktien-ETFs zu vergleichen ist. Insbesondere ist Ihnen klar, dass die Sutor Bank im Falle eines erneuten Börseneinbruchs künftig sehr schnell die Aktienquote verringern und danach wieder aufbauen kann.

Sie akzeptieren, dass Sie das neue Anlagemodell nicht im Detail nachvollziehen können (im Gegensatz zum bisherigen Lebenszyklusmodell) und sind sich darüber bewusst, dass die Sutor Bank, die kein Rating besitzt, im Zweifel für Ihre Beitragsgarantie einstehen müsste.

Fairr informiert seine Kunden auch auf dieser Seite.

Wichtig: Kündigen Sie Ihren Riester auf keinen Fall! Dann müssten Sie alle Zulagen und auch die Steuervorteile, die sich nur als Gutschrift auf dem Girokonto bemerkbar machten, zurückbezahlen!

Sara Zinnecker
Autor

Stand:

Sara Zinnecker war bis Juni 2020 Finanztip-Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.

68 Kommentare

  1. Man hätte die Krise einfach aussitzen können, nur dass die Finanzdienstleistungsaufsicht dann den Laden schließt. So funktionieren nunmal Garantieprodukte. Die abgezinsten Barwerte der Garantieverpflichtungen müssen sicher angelegt werden. Dies ist bei einem Zinssatz nahe der Null oder sogar negativen Zinssätzen ein sehr ambitioniertes Unterfangen.

    Beispiel: 1.000 € Einzahlung bei einem Renteneintritt in 30 Jahren
    bei 5% sicherem Zins p.a.:
    1.000€ / 1,05^30 = 231,38 €, somit verbleiben 768,62 für Kosten und Aktien-ETFs ohne die Beitragsgarantie zu gefährden.

    bei 0,1% sicherem Zins p.a.:
    1.000 € / 1,001^30 = 970,46 €, somit verbleiben nur noch 29,54 € für Kosten und Aktien-ETFs ohne die Beitragsgarantie zu gefährden.

    Das kann also bei so einem niedrigen Zinssatz überhaupt nicht funktionieren.
    Riester lohnt sich also nur für diejenigen bei denen die Zulagen und die Steuerersparnis/Steuerstundung eine ordentliche Rendite produzieren.

  2. Ich bin auch von dem Corona-Verkauf und Wiederanlage bei Fairriester (jetzt Raisin) betroffen. Sehr ärgerlich das Ganze, gerade bei einem Vertrag mit noch langer Ansparphase. Zukunftsgerichtet stellt sich die Frage, ob man generell mit Riester weitermachen soll und wenn ja, mit welchem Prdodukt. Ich betrachte das mal anhand folgenden Beispiels (meine Situation):

    2018 mit 35 Jahren mit Riester begonnen (Fairriester), noch 32 Jahre bis zur Rente. Einzahlung des förderungsmäßigen Maximalbetrags von 2.100€ pro Jahr inklusive Zulagen. Zulagen betragen 175€ + 600€ (2 Kinder, geb. 2018 und 2020) pro Jahr, d.h. aus eigener Tasche werden 1.325€ pro Jahr bzw. rund 110€ pro Monat eingezahlt. Unter der Annahme, dass beide Kinder bis zum 25. Lebensjahr noch in Ausbildung/Studium sind, kommen über die gesamte Laufzeit 20.600€ an Zulagen zusammen, pro Jahr bis zur Rente also im Durchschnitt rund 643€. Jedenfalls bis zum Ausbildungsende der Kinder bekommt man also für jeden eigenen investierten Euro rund 50Cent an Zulage (50%). Das ist unabhängig von allen steuerlichen Themen schon mal ein enormer Wert.

    Steuerlich wird das Jahresbrutto um 2.100€ pro Jahr gemindert. Je nach persönlichem Steuersatz, der bei mir aktuell bei rund 33% liegt, ergibt sich die entsprechende Steuerersparnis, bei mir rund 700€ pro Jahr bzw. 58€ pro Monat. Hochgerechnet auf die Restlaufzeit von 32 Jahren ergibt das eine Ersparnis von 22.400€ (unter konservativer Annahme, dass der Steuersatz gleich bleibt; zu hoffen ist, dass er mit steigendem Einkommen über die Jahre eher noch ansteigt). Zusammen mit den Zulagen ergibt das monatlich über die Restlaufzeit eine Förderung von insgesamt rund 700€. D.h. das Verhältnis zwischen eigenem und investiertem Kapital und staatlicher Förderung wird nochmal ein paar (wenige) Prozentpunkte besser.

    Natürlich muss die Rente in der Auszahlungsphase mit dem dann geltenden Steuersatz versteuert werden. Wie hoch der sein wird, lässt sich jetzt kaum abschätzen, vermutlich aber doch niedriger als der durschnittliche Steuersatz während der Ansparphase. Und natürlich kommen die Unsicherheiten bzgl. der genauen Rentenhöhe und der Versicherungskalkulation aufgrund (zu) hoher Lebenserwartung hinzu. Auf der anderen Seite steht, gerade in diesen unsicheren Zeiten auf der einen und der anhaltenden Niedrigzinsphase auf der anderen Seite, die Garantie, dass mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen für die Auszahlungsphase zur Verfügung stehen. Auch wenn natürlich zu beachten ist, dass das keine staatliche Garantie à la Einlagensicherungsfonds ist, sondern man das Insolvenzrisiko des Anbieters trägt.

    Unterm Strich überwiegen für mich die Vorteile des Riester dessen Nachteile/Risiken. Bei den verschiedenen Produkten haben nach meiner Einschätzung die ETF-Riester – auch nach den neuen Anlagemodellen mit kurzfristiger prozyklischer Umschichtung von Aktien in Renten – immer noch die Nase vorn gegenüber einem klassischen Riester mit aktuell maximal 0,9% Garantiezins p.a. (nächstes Jahr vermutlich noch weniger); insbesondere auch aufgrund des Wegfalls von Abschluss-/Vertriebskosten und der niedrigen Verwaltungskosten. Natürlich kann man jetzt überlegen, ob man weiter bei Fairriester bleibt oder zu DWS, Deka oder Union Investment wechselt. Fairriester ist ja der einzige Anbieter, der bereits verbindliche Zusagen zur Verrentung macht (Kooperation mit mylife), allerdings dürfte das Insolvenzrisiko bei der Sutor Bank höher sein als bei DWS, Deka oder Union Investment.

    Ich will hier gar nicht kontra eigenes, selbständiges Sparen mit ETFs argumentieren. Das betreibe ich natürlich parallel und mit höheren Beträgen als die Einzahlung in den Riester. Ich halte Riester aber für eine gute Ergänzung. Die Hemmschwelle, den Riester zu kündigen, Zulagen sowie Steuervorteile zurückzuzahlen und das Geld für ein neues Auto, Immobilie usw. zu verwenden, ist zudem höher als bei einem ETF-Depot, wo ich mit drei Klicks alles verkaufen kann, insbesondere wenn es ein paar Jahre gut gelaufen ist.

    Ich freue mich über Anregungen und Kritik, v.a. auch wenn ich etwas nicht richtig dargestellt oder mich verrechnet haben sollte.

  3. Eine mögliche Lösung des Dilemmas, die ich mir aus meiner laienhaften Perspektive vorstellen könnte, wird im Artikel und den Kommentaren nicht angesprochen: Besteht nicht auch die Möglichkeit, den Fairriester-Vertrag neu abzuschließen, um die vergangen Verluste zu realisieren und die Sutor-Bank diesbezüglich von der Beitragsgarantie zu befreien? Würde dann nicht das nun nicht mehr mit einem Verlust behaftete Vermögen sofort wieder (wenigstens zu einem Großteil) in Aktien-ETFs investiert werden?
    So wie ich die neue Anlagestrategie verstehe, wird nunmehr das Risiko im Hinblick auf die Beitragsgarantie individuell pro Kunde betrachtet (anders als zuvor, wo die Sutorbank für alle Kunden am gleichen Stichtag, dem 12.3., verkauft hat), so dass zukünftige, ausreichende Gewinne auch bei einem weiteren Absturz des Aktienmarktes einen Totalverkauf (wie dieses Jahr) verhindern könnte.

  4. Ich würde mir gern die Kundenbroschüre zu fairriester mit Stand 2019 nochmals anschauen wollen. Leider finde ich diese Version nicht mehr im Internet. Kann mir jemand behilflich sein?

  5. Hallo Finanztip,
    welche Alternative bietet sich all denen, die weniger als 20 Jahre bis zur Rente haben, den Vertrag mit fairriester ruhen lassen und dennoch die Vorteile (Steuer und Zulage) weiterhin in Anspruch nehmen möchten ? Ich habe bei meinen Recherchen z.B. festegestellt, daß ich bei Fond-Sparplänen mit weniger als 20 Jahren Laufzeit gar nicht mehr angenommen werde.
    Welche Riester-Art bei welchen Anbietern kann i.E. sinnvoll sein um einen neuen Vertrag abzuschließen ?

  6. Liebes Finanztip-Team,
    Ich bin natürlich auch enttäuschter fairriester – Kunde und bin erst 2019 aufgrund der Beiträge in Finanztip (und der Entwicklung der Zinsmärkte auf der einen Seite und der Aktienmärkte auf der anderen Seite) von Gothaer/ ehemals asstel zu fair gewechselt. Meine Frau hat es nicht gemacht und hat deswegen keine 6000 Euro Beiträge und Zulagen verloren. Ich rechne gerade noch und frage mich, ob nicht 18 Jahre vor Rentenbeginn ein Ende mit Schrecken nicht besser ist als ein Schrecken ohne Ende. Fairr gibt mir eine Aktienquote von 3% und es dauert bei illusorischen 2,5 % Rendite des Anleihefonds etwa 7-8 Jahre, bis ich wieder bei 0 bin. Wegen der Kosten von 0,6% pa entsprechend länger. Wie sieht es denn mit den realisierten Verlusten am Aktienmarkt aus: können die mit Gewinnen an anderer Stelle berechnet werden? Ich war mit dem Verkaufen deutlich schneller als Sutor und habe etwas Gewinn gemacht. Sind also bei Kündigung des Vertrages Verluste aus Aktiengeschäften des Fairr mit Gewinnen, die man mit anderen Aktiengeschäften gemacht hat, verrechenbar?

  7. Hallo zusammen
    Ich hoffe ich habe es nicht übersehen – aber bei der Option „bei fairr bleiben“ stellt sich mir noch die Frage ob die neuen etfs (unten genannt) denn eine sinnvolle Option sind. Soweit ich das sehen konnte sind beide relativ neu – gibt es dazu Einschätzungen?

    Danke!

    Xtrackers MSCI World Minimum Volatility (Acc)
    Aktien WeltweitWKN: A1103F
    Vanguard EUR Eurozone Government Bond (Acc)
    Anleihen EuropaWKN: A2PA8D

  8. Zweitposting meiner Review auf Facebook: https://www.facebook.com/pg/fairr.de/reviews

    „fairr setzt mit der SutorBank auf einen Partner für das fairriester-Produkt, welcher einserseits den Unterschied zwischen Risiko und Volatilität nicht zu kennen scheint, und andererseits eine signifikante Wertvernichtung durch Panikverkäufe zum absolut schlimmsten Zeitpunkt versucht zu rationalisieren. Ich halte dies für Vertrauenszerstörend und inakzeptabel.

    Mich irritiert an der Kommunikation von fairr am meisten, dass hier die seltene Gelegenheit verpasst wird, sich zum massiven Nachteil zu Lasten der Altersvorsorgenden in Form der problematischen gesetzlichen Ausgestaltung der Riester-Beitragsgarantie zu äußern. Die Ausgestaltung der Beitragsgarantie ist das eigentliche Problem. Nicht irgendein amateurhaft ausgeführtes und begründetes Risikomanagement.

    Weshalb regt fairr nicht beispielsweise öffentlich eine gesetzliche Erweiterung der Beitragsgarantie an, die eine Garantie z.B. nur zum Rentenstart garantieren muss, aber nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt? Es ließe sich doch sehr plakativ mit Zahlen untermauern, welche Werte den fairr-Kunden verloren gegangen sind, vorwiegend aufgrund des fehlenden Handlungsspielraums aufgrund der Beitragsgarantie.

    Ich als langfristig orientierter Riester-Sparer sollte mich für eine derartige Option entscheiden können, die Wertvernichtung verhindern kann. Das ist der Unterschied zwischen Volatilität und Risiko. Weiterhin wird der Handlungsspielraum für kommende Krisen sonst im Rahmen von Aktien-orientierten Riesterprodukten keinen Deut besser.“

    1. Hallo Torben S.,

      Sie verkennen, dass schon heute eine Riesterrente nur die Beitragsgarantie zum Ablauf des Vertrages schuldet, nicht zu jedem beliebigen Termin! Das könnten teure Tarife auch gar nicht leisten, die z.B. in den ersten 5 Jahren besonders hohe Kosten verursachen.

      Sprich: Die Beitragsgarantie ist schon heute endfällig.

      1. Ja, Sie haben absolut Recht. Ehrlich gesagt war ich fälschlicherweise von dem beschriebenen Umstand einfach ohne weitere Recherche ausgegangen, weil ich mir mit gesundem Menschenverstand sonst überhaupt nicht erklären konnte, wie man auf die Idee kommen kann, zu solch einem Zeitpunkt den gesamten Bestand auf Knopfdruck für alle Kunden zu verkaufen und den größtmöglichen Verlust einzubuchen. Ich war von Panik aus Angst vor kurzfristiger Kündbarkeit der Policen ausgegangen. Aber es gab tatsächlich ja gar keinen externen Druck, der die Sutorbank dazu bewegt hat, zu verkaufen. Sie hätten – wie jeder andere professionelle Langfristinvestor auch – die Situation einfach aussitzen können, ohne Verluste zu realisieren.

        Zusätzlich hat die Umstellung der Anlagestrategie ja dazu geführt, dass wir im Portfolio heute (also 6 Monate nach dem Ausverkauf) erst eine geradezu zu vernachlässigende Aktienquote von nur ca. 30% haben. Wie soll mit dieser „Strategie“ jemals der realisierte Verlust wieder aufgeholt werden?

        Unsere beiden fairr Riesterverträge liegen gemeinsam nun bei einem weitgehend erholten Gesamtmarkt in Summe ca. 14k unter dem Höchststand vom Februar 2020 und 6,5k unter dem Garantiewert. Beide Verträge sind gekündigt und werden zum Jahresende an die DWS übertragen. Zwar wird leider der Depotstand und nicht der Garantiewert übertragen, aber es geht ab hier ohnehin nur um die zukünftige Wertentwicklung. Und die kann sich sowohl bei fairr als auch bei einem neuen Anbieter ohnehin nur vom aktuellen Depotwert ausgehend entwickeln. Ich gehe nicht einmal in meinen kühnsten Träumen davon aus, dass fairr hier eine bessere Wertentwicklung schaffen kann, als die DWS. Hinzu kommt die stete Ungewissheit, dass fairr hier bei der nächsten Krise erneut einen Harakiri-Verkauf startet und noch mehr Kapital vernichtet wird.

        Das war ein teures Vergnügen. Paradoxerweise „erlöst“ man fairr/Sutor durch einen Wechsel auch noch von Ihrer Haftung beim Garantiebetrag und legitimiert dieses amateurhafte Missmanagement. Schade.

  9. Liegt der Wert des Depots stark unter den tatsächlichen Einzahlungen und Zulagen (=garantiertes Kapital der Sutorbank), sollte man den Vertrag ruhen lassen und in einem anderen Vertrag weiter riestern.

    Denn: Wechselt man nicht, „fließen“ alle Gewinne auf neue Zuflüsse in dem alten Vertrag indirekt erst mal den Sutorbank zu. Und zwar genau so lange bis dass die Höhe des Garantiekapitals erreicht worden ist.

    Legt man seinen Vertrag jedoch still und riestert anderweitig weiter, sind die eventuelle Verluste am Ende der Laufzeit tatsächlich für die Sutorbank (die sie ja auch verursacht hat).

    1. Das kommt auf die Laufzeit an.

      Ich habe noch fast 30 Jahre vor mir.

      Wenn ich das jetzige Guthaben abzüglich der Zulagen / Steuervorteile selbstständig 30 Jahre lang in einen ETF anlege werde ich wahrscheinlich ein besseres Ergebnis erzielen als nur die eingezahlten Beträge zurück zu bekommen. Soweit die kleine Sutor Bank mit ihren nur 100 Mitarbeitern es denn überhaupt schafft für die Verluste von allen Verträgen aufzukommen.

      Bei einer kurzen Restlaufzeit von nur mehreren Jahren stimme ich Ihnen aber vollkommen zu.

  10. Ich habe gekündigt und lege mein Geld ab jetzt nur noch eigenständig an. Ich investiere 60% in ETFs, 20% in P2P und 20% in Einzelaktien nach meiner Wahl.

    Ich bin für mein Geld ab jetzt ausschließlich selbst verantwortlich und nur ich entscheide noch was passiert. Der Staat kann nichts, Fairr kann erst Recht nichts.

  11. Bin ich richtig informiert, dass praktisch alle anderen Anbieter von ähnlichen Verträgen in vergleichbarer Weise wie die Sutorbank gehandelt haben und verkauft haben?
    Also hier also nur der „übliche“ Mechanismus gewirkt hat?

    1. Nein, meine fondsgebundene Riesterrente als Nettotarif hat nichts umgeschichtet. Es lag und liegt alles in meinen Wunsch-Fonds/ETFs. Zu den Stichtagen 01.03.,01.04.,01.05. und 01.06. hat sich dazu nichts getan. Gekauft hab ich den Vertrag bei VorsorgeKampagne.de (falls man das hier sagen darf?!) Kann auch an meiner langen Restlaufzeit liegen (bin Baujahr 1990).

      1. Darf man Fragen welchen Anbieter/Tarif Sie haben? Bei den Verträgen die ich kenne war das Verhalten immer sehr ähnlich zur Sutor.
        Lagen Sie mit Ihrem Depotwert zu den genannten Stichtagen denn unter den Einzahlungen?

        1. Ob es unter den Einzahlungen lag, müsste ich nachrechnen. Aber wäre auch nur logisch: immerhin gab es massive Verluste bei den Fonds. Kann mir nicht vorstellen, dass es dort im Plus geblieben wäre. Das ist bei einer Fondsanlage auch völlig klar für mich. Worum es letztlich aber ging, war die Umschichtung in Cash oder Sicherungsmechanismen. Darum geht es ja, und das gab‘s nicht. Hab den Condor C70 H. Das Depotwerte mal unter den Einzahlungen liegen, wohnt einer Fondsanlage inne und lässt sich durch nichts verhindern.

          1. Ein Versicherungs-Tarif. Das können die Riester-Produkte der Investmenthäuser nicht gewährleisten. Damit lag auch Finanztip komplett daneben obwohl wir dasselbe Spiel bereits währen dem Crash zur Finanzkrise 2009 bei der DWS erlebten!

  12. „Sie geben dem Unternehmen damit eine zweite Chance, diesmal „alles richtig“ zu machen.“

    Wie soll ich mich denn darauf verlassen können, dass die die kommenden 30 Jahre und 2-3 Krisen nicht nochmal solchen Unsinn machen; es dann nicht um Tausende sondern Zehn- oder Hunderttausende geht.
    Die haben wirklich diametral entgegen dem vereinbarten Produkt – sowie in deren Sinne – und nicht meinem – gehandelt. Wieso denken Sie denn, dass die nächstes Mal anders handeln würden?

  13. Ich würde allen hier raten, sich mal zu überlegen, wie die kleine Sutor Bank die millionenschweren Verluste, die durch den Verkauf und die jetzt noch folgenden Gebühren (immerhin 0,6% im Jahr+Kontogebühr) auflaufen, im Verlauf der nächsten 10-30 Jahre ausgleichen soll? Es gibt keinerlei Zins auf sichere Anleihen, die Kosten der ETFs kommen auch noch dazu. Eine Rendite ist fast ausgeschlossen. Und in diesem Umfeld soll die Sutor Bank jetzt zig Millionen irgendwie auftreiben, um die Verträge auf die Beitragsgarantie zu heben? Wie soll das gehen?

    Ich habe schon förderschädlich gekündigt, denn sonst kann man nur noch darauf hoffen, dass die Sutor Bank willens und in der Lage ist, die gewaltigen Verluste irgendwie auszugleichen. Es dürfte für diese Klitsche irgendwann recht attraktiv werden, eine Insolvenz anzumelden. Denkt da mal drüber nach….

    Und sowieso, selbst wenn man seine Einzahlungen + Zulagen dann mit erbärmlichen Auszahlungsquoten von ca. 3% im Jahr ausgezahlt bekommt, dann ist das nach 30 Jahren Inflation bestenfalls ein Taschengeld. 300 Euro im Monat werden im Jahr 2045 viel viel weniger wert sein, wenn es denn den Euro überhaupt noch gibt. Also, kündigen und mit der Kohle einen Welt ETF und ein paar Goldmünzen kaufen.

  14. Es ist nichts garantiert. Die Sutor Bank muss die eingezahlten Beträge garantieren. Kann sie es nicht, da sie pleite ist gibt es auch keine Garantie.

  15. Kann mir bitte jemand sagen, ob
    1. am Ende die eingezahlten Beiträge zu 100 % garantiert sind oder
    2. am Ende die eingezahlten Beiträge zu 100 %, jedoch abzüglich der Gebühren/Kosten fairr/Sutor, garantiert sind.
    Danke!

    1. Nr. 1 stimmt. Am Ende werden alle eingezahlten Beiträge und Zulagen von Sutor garantiert.
      Im Fairr-Cockpit ist das Ganze auch unter „Prognose“ ersichtlich. Die Kurve für das 0%-Szenario geht kurz vor Laufzeitende steil nach oben. Hierbei handelt es sich um die Gebühren, welche über die Vertragslaufzeit verteilt anfallen und dann zum Renteneintrittsalter erstattet werden müssen.

  16. Den Hinweis nicht zu kündigen halte ich vorliegend für fachlich komplett falsch, das grenzt ja schon an Falschberatung. Dies sollte jedem, der weiß was ein Barwert ist klar sein. Wenn ich dann noch die Opportunitätskosten berücksichtige, ist das Ergebnis noch klarer. Und falls auch noch Kosten von 0,6 Prozent berechnet werden sollten, wäre Stilllegung kompletter Unfug. Im Normalfall sollten alle Kunden, die mehr als 10 Jahre Restlaufzeit haben, umgehend kündigen.

    1. Sehe ich ähnlich. Frau Zinnecker betrachtet nur die aktuelle Rückzahlung bei einer Kündigung, nicht die später anfallenden Kosten bei Auszahlung und den Verlust der Performance. Das wäre, als ob man jemandem abraten würde, in einen ETF zu investieren, weil man dafür ja erst mal Geld zahlen muss um Anteile zu erwerben.

    2. Hallo,
      wie ich bereits schon Valentina und Stephan geschrieben habe: Man findet sicherlich Rechenbeispiele, in denen ein Riester-Sparer, der kündigt, eine positive Rendite herausziehen kann. Allerdings vergleichen Sie hier freies ETF-Sparen mit einer staatlich geförderten Vorsorge. Riestern eignet sich in erster Linie für Sparer mit vielen Kindern oder Angestellte, die sehr viel verdienen und einen hohen Steuervorteil über Riester realisieren und die tatsächlich eine garantierte Zusatzrente wollen. Trifft dies nicht zu, fallen weder Zulagen noch Steuervorteile hoch ins Gewicht und ist die Garantie bei der Zusatzrente für den Sparer am Ende gar nicht so entscheidend, sondern geht es vor allem um Rendite und Flexibilität, ist Riester wahrscheinlich per se die falsche Sparform. Wir haben das genauer im Ratgeber Altersvorsorge aufgeschrieben: https://www.finanztip.de/altersvorsorge/. Der Hinweis, den Riester nicht zu kündigen, bezog/bezieht sich auf Sparer, die grundsätzlich am Riester festhalten wollen.
      Beste Grüße

      1. Dann sollten Sie ehrlicherweise aber auch dazu sagen, dass dieser Riestersparer wahrscheinlich nicht mehr als seine einbezahlen Beiträge erhalten wird. Und wenn Sutor aufgrund der zugesagten Garantien Pleite geht? Wer springt ein? Gibt es Rückversicherer wie bei einem Versicherungsvertrag? Wohl eher nicht.

  17. Ich möchte auch eine Rechtsberatung dazu, inwiefern Fair sein Versprechen zu 100 Prozent in Aktien zu investieren hätte halten müssen.
    Liebe Finanztipmitarbeiter hier sind Sie gefragt. Suchen Sie sich bitte kompetente Rechtsanwälte, die uns Anleger hier beraten können.
    Ich fühle mich von Fair betrogen und zwar in ähnlicher Weise wie es VW geschafft hat mit einer Mogelsoftware Tausende Autoverkäufer zu betrügen.

    1. Ja das wäre wirklich sinnvoll. Ich habe die Broschüre von 2019 als PDF vorliegen und kann sagen, hier wurde Cash nie erwähnt. scheint mit §5 UWG zu sein

    2. Hallo Verena,
      wir können Ihren Unmut und das Gefühl, betrogen worden zu sein, verstehen. Allerdings wollen wir Ihnen da keine Hoffnung machen: Rechtlich hat sich Fairr (wie die meisten Anbieter) in seinen Bedingungen das Recht vorbehalten, das Anlagemodell ändern zu können. Gesetzlich müssen Fairr und die Sutorbank lediglich alle Einzahlungen (also Ihre und die staatliche Förderung) zum Rentenbeginn garantieren. Tut mir leid, aber wir sehen da rechtlich keine Chance.

      1. Hallo Frau Zinnecker,
        müssen nicht aber Verkaufsprospekte korrekt und nicht irreführend sein?
        Mir scheint das fairr.de PDF, was ja Grundlage für den Abschluss war, doch sehr irreführend war und so eine Verhalten nicht dargestellt hat. Es gab ja vorab keine Möglichkeit den Sutorvertrag zu lesen, wie sie es nun auf der Website darstellen. Aber für alle Abschlüsse vor März 2020 war dies nicht möglich. Insofern würde ich gerne eine Einschätzung haben, inwieweit https://dejure.org/gesetze/UWG/5.html hier greift ? Viele Grüße
        Christian

        1. In der Tat hat der fairr Riester für mich den Anschein erweckt ein passives Produkt zu sein. Zumindest war das meine persönliche Investment-Prämisse. Von einem Tag auf den Nächsten wurde aus dem passiven Produkt plötzlich ohne meine Zustimmung ein aktives. Nämlich an dem Tage, an dem alle Verluste plötzlich durch händische Intervention realisiert wurden.

          Ich hoffe nur, es wird niemand mehr ein Anlageprodukt bei fairr oder der Sutorbank abschließen, ohne sich des eklatanten Risikos derart abrupter Kursänderungen bewusst zu sein.

  18. Ich verstehe überhaupt nicht, warum hier bei Finanztip Fairr und die dahinter stehende Sutor Bank (kennt die jemand überhaupt außerhalb von Fairr ?!) so gehypt werden !

    Fairr hat die Anlagen-Todsünde schlechthin hingelegt, nämlich in der Krise das Aktienpaket zum Schleuderpreis verkauft ! Zu Lasten der Eigentümer !
    Die haben sich wie panische Amateure verhalten, und sowohl die wichtigsten Grundregeln beim Anlegen in Aktien ignoriert, als auch gegen ihr eigenes Versprechen gehandelt !

    Die Belohnung dafür: Sie werden mit dem „neuen Konzept“ nach wie vor von Finanztip empfohlen… warum ?

    Mit keiner Silbe kritisiert Frau Zinnecker das Verhalten von Fairr, sondern stellt es nur ganz neutral dar. Soll uns das suggerieren, alles war mal wieder „alternativlos“..?
    Da heißt es z.B. im Text „Allerdings haben wir gelernt, dass Risikomodelle an ihre Grenzen stoßen, wenn Unvorhersehbares passiert.“

    Die Pandemie war aber unter Experten keinesfalls „unvorhergesehen“ !
    So war z.B. in Herbert Frommes „Versicherungsmonotor zu lesen „Mitte Januar war sich der Vorstand der Hanse Merkur sicher: Mit mehr als 50 Prozent Wahrscheinlichkeit steht das Land vor einer Pandemie. Das Unternehmen reagierte sofort…“ (Versicherungsmonotor Ausgabe 28.05.2020)
    Wenn das Management eines vergleichsweise kleinen Versicherers sehr gut versteht was im Lande vor sich geht, dann sind die Leute bei Fairr entweder vollständig inkompetent oder das Geldverbrennen ist bei denen Teil der Strategie.

    In beiden Fällen darf gefragt werden, warum wohl Finanztip diese Firma weiterhin empfiehlt….?

    1. Das kann ich auch nicht nachvollziehen. Hier wurden viele Anleger um tausende von Euros gebracht, weil Fairr eben nicht wie versprochen dauerhaft zu 100% in Aktien investiert hat, sondern ohne Absprache mit den Anlegern am Tiefstpunkt verkauft hat.

      Hier hätte ich von Finanztip eine DEUTLICH härtere Gangart erwartet, und auch eine Beratung ob sich rechtliche Schritte lohnen.

      1. Wer eine Empfehlung ausspricht, sollte auch die Haftung dafür tragen! Leider sieht der Gesetzgeber dies für Finanztipp, Finanztest, Verbraucherzentralen usw. nicht vor.

        1. Blödsinn, absoluter Blödsinn. Warum sollte man für eine Empfehlung die Haftung tragen? Wenn man seinem Kumpel einen Schokoriegel empfiehlt, der ihm nicht schmeckt, musst Du dann die Haftung dafür tragen? Man kann doch froh sein, dass es diese Medien gibt. Überleg mal für 5 Pfennig wie die Welt aussähe, wenn es keine Tipps und Empfehlungen gäbe, weil alle dafür haften müssen.

  19. Meine Frau hat „Verluste“ gemacht.

    Konkret:
    Selbst eingezahlt 500
    Zulagen 2500

    Jetzt noch über sind 2300. also 600 die sutor auffüllen müssten. Aber wohin jetzt wechseln? Es darf gern wieder etwas Vergleichbares sein. Wir sind nicht auf der Suche nach einer konservativen Anlage…

    1. Hallo Florian,
      danke für die Frage. Einen Riester mit aktuell viel Chance auf Aktienquote werden Sie derzeit am Markt nicht finden. Grundsätzlich kommen für einen Wechsel Verträge infrage, die auf Abschlusskosten verzichten oder diese minimal halten. Im Bereich der Fondssparpläne gibt es über Onlinevermittler derzeit die DWS, womöglich kann ein Honorarberater bei einer Netto-Riester-Rentenversicherung (fondsgebunden) weiterhelfen. Alternativ lohnt es vielleicht zu warten, bis neue Rahmenbedingungen für Riester verabschiedet werden. Sollten zum Beispiel Garantiezusagen flexibilisiert werden, dürfte der Markt wieder an Fahrt aufnehmen. Sehen Sie dazu unseren Blogbeitrag: https://www.finanztip.de/blog/riester-rente-wohin-geht-die-reise/
      Viele Grüße

  20. Moin Frau Zinnecker,
    wenn beim Riestern in Niedrigzins-Zeiten im Wesentlichen der Bezug der Zulage im Vordergrund steht und wegen der Beitragsgarantie (eigene Einzahlungen + Zulagen) höhere Rendite auch bei Fondssparplänen nicht zu erwarten sind, dann kann man doch auch bei Fairr bleiben, oder nicht? Unabhängig vom Anlagemodell ist doch die Zulage als Mindestrendite sicher, oder nicht? Dem steht natürlich nicht die Kritik entgegen, dass die Sutor-Bank besser bei ihrem Plan geblieben wäre und nicht am Tiefstand der Kurse ausgestiegen wäre.

    1. Hallo,
      vielen Dank für den Beitrag. Die Mindestrendite ist wegen der Garantien der eingezahlten Beiträge und Zulagen zum Rentenbeginn in dem Sinne „sicher“. Voraussetzung ist, dass der Anbieter zum Rentenbeginn das nötige Kapital aufbringen kann. Manche Sparer fühlen sich bei etablierten, größeren Anbietern daher wohler, wo auch ein entspr. Rating vorliegt.
      Beste Grüße

  21. Leute, kündigt den Blödsinn und legt euer Geld selber an. Keine Zulage, keine Förderung wiegt eine derart schlechte Anlage und die nachgelagerte Besteuerung jemals auf. Es sei denn, man ist Geringverdiener und hat viele Kinder.

  22. Die Empfehlung „Bitte kündigen Sie den Riester niemals! Denn dann müssen Sie alle Zulagen und auch die Steuervorteile zurückbezahlen.“ ist rechnerisch in vielen Fällen nicht nachvollziehbar. Bei kürzeren Restlaufzeiten bedeutet das, dass aufgrund des fehlgegangenen Markettiming-Versuch ausschließlich Eigenbeiträge (zzgl. Zulagen und Steuerrückzahlungen) zur Auszahlung kommen. Diese werden dafür voll versteuert.
    Es ist also abzuwiegen, ob diese Abzüge höher ausfallen, als die Abzüge durch eine förderschädliche Kündigung.
    Legt man das Geld dann selbst in ETFs an, entfallen Verwaltungskosten.
    Das die Performance bei Fairr jemals besser würde, mag zu bezweifeln sein: Fairr hat es geschafft, fast am Tiefpunkt zu verkaufen, um jetzt am Ende der Erholungsrally wieder einzusteigen. DAS schafft man auch alleine!
    Desweiteren ist mir nicht klar, warum man jemandem (oder seinem Konzept) sein Geld anvertrauen sollte, der nicht an sein eigenes Konzept glaubt und es beim nächsten Zappler an den Märkten über Bord wirft. Eine wichtige Regel an der Börse lautet: Einen Plan machen UND daran halten.
    Flexibilität geht im Zweifelsfall auch vor Rentabilität. Geld über das ich nicht frei verfügen kann, ist nicht so richtig „mein“ Geld.
    Bitter war diese Lehre, als Fairr entschied am Tiefpunkt auszusteigen, welcher Anleger hätte sich hier nicht gewünscht, mitreden zu können?

  23. Den Tipp „Bitte kündigen Sie den Riester niemals! Denn dann müssen Sie alle Zulagen und auch die Steuervorteile zurückbezahlen.“ halte ich für schwierig. Es ist ein Rechenspiel, ob es sinnvoll ist, das übriggebliebene Geld jetzt selbst in ETF anzulegen. Man muss zwar Steuervorteile zurückzahlen, dafür fällt aber später keine Einkommenssteuer an, während die Riesterzahlungen voll versteuert werden müssen. Und ob die Zulagen höher sind als die Rendite des gewählten ETF, ist auch individuell verschieden. Es gibt also sehr wohl Menschen, die mit einer Kündigung, Rückzahlung von Steuern und Zulagen und Eigeninvestition am Ende mehr monatlich rausbekommen, als wenn der Vertrag kaum Rendite bringt und am Ende jede monatliche Auszahlung versteuert werden muss.

    Beispiel: Ich habe 15.000 Euro im Riester.
    Variante A: Ich kündige, erhalte 10.000 Euro zurück und lege diese sowie meine monatlichen Einzahlungen 25 Jahre lang in einen ETF mit jährlich 4 Prozent Rendite an.
    Variante B: Ich riestere weiter und habe nach 25 Jahren etwa die gleiche Summe im Riestervertrag angespart wie im ETF in Variante A (weil dieser besser performt, aber nur mit 10K startete). Diese Summe wird mir über ein Rentenmodell mit einer angenommenen Lebenserwartung von etwa 100 Jahren (so kalkulieren die Versicherer ja) monatlich ausgezahlt. Diese Auszahlungen muss ich jeden Monat versteuern. Die anfallenden Gebühren für den Riestervertrag, auch in der Auszahlungsphase, sollten ebenfalls nicht vergessen werden.

    1. Hallo Valentina,

      haben Sie besten Dank für Ihren Beitrag. Man findet sicherlich Rechenbeispiele, in denen ein Riester-Sparer, der kündigt, eine positive Rendite herausziehen kann. Allerdings vergleichen Sie hier freies ETF-Sparen mit einer staatlich geförderten Vorsorge. Riestern eignet sich in erster Linie für Sparer mit vielen Kindern oder Angestellte, die sehr viel verdienen und einen hohen Steuervorteil über Riester realisieren und die tatsächlich eine garantierte Zusatzrente wollen. Trifft dies nicht zu, fallen weder Zulagen noch Steuervorteile hoch ins Gewicht und ist die Garantie bei der Zusatzrente für den Sparer am Ende gar nicht so entscheidend, sondern geht es vor allem um Rendite und Flexibilität, ist Riester wahrscheinlich per se die falsche Sparform. Wir haben das genauer im Ratgeber Altersvorsorge aufgeschrieben: https://www.finanztip.de/altersvorsorge/. Der Hinweis, den Riester nicht zu kündigen, bezog/bezieht sich auf Sparer, die grundsätzlich am Riester festhalten wollen.

      Beste Grüße

  24. Wie sieht es denn mit den laufenden Kosten aus, wenn der Vetrag beitragsfrei gestellt ist? Mir scheint der Tipp, den Vertrag auf keinen Fall zu kündigen, nicht unbedingt sinnvoll. Ich habe z.B. noch >30 Jahre zur Rente und bis dahin düften noch einiges an Gebühren anfallen.

    Ich frage mich auch, ob es Sinn macht, Verluste einzuklagen. Im Produktinformationsblatt unter „Ablaufsteuerung“ wird hier ganz klar über viele Jahre mit 100% Aktienquote geworben. Das war jetzt im Nachhinein ja eine klare Täuschung ….

    1. Hallo Thomas,
      die Gebühren laufen zwar theoretisch weiter, wenn Ihr Vertrag beitragsfrei gestellt ist. Dennoch bekommen Sie zum Rentenbeginn Eigenbeiträge und Zulagen gearantiert. Der Anbieter muss im Zweifel die Mehrkosten für ihn abschreiben.
      Bei Riester sind grundsätzlich Zwischengewinne nicht garantiert, in dem Sinne ist auch kein Verlust entstanden. Diese wäre erst da, wenn der Anbieter zum Laufzeitende die Garantie nicht bereitstellen könnte.
      Beste Grüße

  25. Wieso werden eigentlich Fondssparpläne empfohlen(DWS, Union, Deka), die keinerlei garantierten Rentenfaktor bieten, deren Kosten der Auszahlungsphase völlig unklar sind (siehe Produktinformationsblatt) und bei denen oft der Anbieterinsolvenzschutz unzureichend gelöst ist (siehe DWS PIB ebenfalls)? Ich kann das einfach nicht nachvollziehen. Und wenn einem das Verrentungsangebot des Sparplananbieters nicht gefällt, hat man auch keine realistische Chance mehr, auf einen Anbieterwechsel, weil es keine Versicherer gibt, die das Kapital noch annehmen wollen. Es gibt mit fondsgebundenen Versicherungen als Nettotarif ohne Provisionen doch deutlich bessere Lösungen, die man von Beginn an bis zum Tod als Partner hat. Diese Nettopolicen gibt es gegen kleines Honorar im Internet, einfach googeln. Sollte Finanztip auch mal berücksichtigen.

    1. Liest sich wie das übliche Gelaber von Versicherungsmenschen: „Alles Mist – außer die ganz geheimen Tarife die ich verkaufe?“

      1. Gibts auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit meinem Post, oder nur das übliche Gelaber im Internet „Ich muss was dazu sagen, aber Argumente habe ich keine“?

    2. Hallo Max,
      danke für Ihren Beitrag. Die fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen haben gegenüber den Fondssparplänen aufgeholt. Anbieter haben die Kosten in den vergangenen Jahren gesenkt und haben mitterweile auch ETFs im Programm. In einem nächsten Riester-Test wollen wir solche Tarife daher mit berücksichtigen. Sollten Sie über den Honorarberater an Verträge kommen, die Sie ohne Kosten abschließen können, kann dies eine Option sein. Was die Rentenkonditionen angeht: Feste Zusagen heute können von Nachteil sein, wenn sich Rechnungsgrundlagen in der Zukunft verbessern. Nicht jeder Anbieter passt nach oben an. Da bedarf es also eines genauen Hinsehens. Ansonsten gehen wir weiter davon aus, dass sich noch ein Wettbewerb für Verrentungskonditionen ergeben wird. Was die Empfehlungen zum Wechsel angeht, so berufen wir uns derzeit nur auf die DWS Toprente, die Kunden abschlusskostenfrei über Fondsvermittler im Internet abeschließen können.
      Beste Grüße

  26. Wenn man seinen Riestervertrag in Wohnriester umwandelt, bekommt man dann eigentlich nur das aktuelle Guthaben oder den Betrag der kompletten bisherigen Einzahlungen?

  27. Danke für die Einschätzung. Da muss ich noch ein paar Mal drüber schlafen bis ich weiß wie es mit meinem Fairr Riester weiter geht.

  28. Guten Abend,

    Der Wechsel zur DWS, Union, Deka und co sollte man sich aus Kostengründen gut überlegen. Wir sind wegen der ETFs, der im Vergleich günstigen Kosten und insbesondere dem Lebenszyklus Modell zu Fairr gewechselt.
    Bei der Union waren kurz nach Vertragsbeginn alle Aktion in Renten umgeschichtet, weil es kurz bergab ging. Eine Rückkehr war lt Bedingungen nicht möglich. Mittlerweile hat man das zwar korrigiert, meine sind sie als Kunde aber los.
    Allerdings hat die Union nur die Kunden umgeschichtet die mit dem Wert ins Minus gerutscht sind. Wer ein dickes Plus hatte, blieb im Aktienfongs investiert.
    Nun das gleiche also bei Fairr.
    Solange es keinen alternativen ETF Anbieter gibt, werden wir wohl als enttäuschte und getäuschte Kunden bei Fairr bleiben und die Kinderzulagen mitnehmen.
    Zunächst bin ich gespannt wie hoch die Verluste durch die Aktion sind.

      1. Die 16% sind die Verluste der gesamten Einzahlung / Laufzeit.

        Die Verluste der Aktion beim Tiefstwert zu Verkaufen und die Erholung nicht mitzunehmen betragen bei mir ca. 30%.

  29. Hallo Frau Zinnecker,

    Sie haben Moglichkeiten aufgezeigt, was man tun kann, wenn das derzeitige Guthaben die eingezahlten Beiträge und Zulagen erreicht und wenn das Guthaben unter den eingezahlten Beiträge und Zulagen liegt.

    Was würden Sie empfehlen, wenn das Guthaben wegen Corona zwar eingebrochen ist, sich aber noch über den eingezahlten Beiträge und Zulagen liegt? Kündigen und nicht noch einmal so ein Umschichten riskieren? (Zulagen und Steuervorteile sind in meinen Fall eher gering)

    Mit freundlichen Grüßen

    Stephan

    1. Guten Morgen Stephan,
      liegt Ihr Vertragsguthaben über dem Wert der eingezahlten Beiträge und Zulagen, ist der Abschnitt unten „Guthaben übertragen“ der richtige. Das Übertrag-Guthaben ist Ihre neue Garantie. Möglich ist ein Übertrag zur DWS, wenn Sie noch 20 Jahre Zeit haben, um weiter zu sparen. Sie können das erwägen oder natürlich weiter bei Fairr bleiben. Bitte kündigen Sie den Riester niemals! Denn dann müssen Sie alle Zulagen und auch die Steuervorteile zurückbezahlen.
      Beste Grüße,
      Sara Zinnecker

      1. Hallo Frau Zinnecker,

        Sie würden also durch einen Wechsel empfehlen, den jetzigen Gewinn einzufrieren.
        Auch vor dem Hintergrund, falls man in Zukunft Riester den Rücken kehren möchte?

        Ich meine das so: Wechsel zur DWS über einen Fondvermittler und dann Beitragsfrei stellen. Gleichzeitig einen ETF-Sparplan auf den MSCI-World oder den ACWI bzw. FTSE All-World beginnen. den Riester-Vertrag dann bis zur Rente liegen lassen und das Kapital bei Bedarf in Wohn-Riester umwandeln – als Zuzahlung einer Immobilie? In der Zwischenzeit hoffen, dass sich bei der Riester-Gesetzgebung was tut.

        Beste Grüße

        Stephan

        1. Also Ergänzung zu meiner obigen Antwort:

          Kann es auch Sinn machen zu kündigen, wenn das Guthaben nach Abzug aller Zulagen, Steuervorteile und den Steuerabzug auf den Wertgewinn noch größer ist, als die eingezahlten Beiträge? (Ist bei mir leicht im Plus. Zumindest nicht negativ) Und dieser Betrag wird dann in den ETF-Sparplan investiert. Mein Anlagehorizont ist über 30 Jahre.

          Beste Grüße

          Stephan

          1. @ Stephan

            Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass kündigen und das selbst in einen ETF-Sparplan anlegen besser ist.

            Ich habe bisher 35.500 eingezahlt, mein aktueller Stand beträgt 30.000, und ich habe noch 27 Jahre bis zur Rente, eher mehr.

            Egel wie ich es rechne, es besteht keine Möglichkeit, dass ich bei Rentenbenbeginn mehr als die Einzahlbeträge zurück bekommen werde wenn bei jedem crash zur Sicherheit alles verkauft wird.

            Auch der einzige Voteil, dass der Riester vor Hartz 4 sicher wäre ist nicht mehr gegeben wenn man in ruhend stellt.

            Ich überlege nur noch zwischen kündigen und ruhend stellen und später in Wohnriester umwandeln.

          2. Hallo Stephan, Sie können sich ausrechnen lassen, wie viel Guthaben nach Abzug aller Zulagen, Steuervorteile und Gebühren bei Kündigung noch vorliegen würde und dann entscheiden. Sie müssen sich einfach nur bewusst sein, dass eine alternative Anlage in ETF mit Riester nicht zu vergleichen ist. Sie haben höhere Renditechancen, müssen aber auch mit größeren Schwankungen rechnen und deshalb unbedingt langfristig dabei bleiben. Schauen Sie bitte auch einmal, was ich auf Valentinas Beitrag vom 12.6. geantwortet habe.

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