Drei Säulen der Altersvorsorge

So vermeiden Sie Geldsorgen im Alter

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland werden drei Säulen (oder Schichten) der Altersvorsorge unterschieden.
  • Die erste Säule deckt die Basisvorsorge ab: Dazu zählen die gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Versorgungswerke und die Rürup-Rente.
  • Die zweite Säule umfasst die geförderte Vorsorge, dazu zählen Verträge der betrieblichen Altersvorsorge und Riester-Verträge. Sie richtet sich vor allem an Arbeitnehmer.
  • Die dritte Säule meint die ungeförderte Vorsorge, also etwa private Lebens- oder Rentenversicherungen. Darüber hinaus lässt sich auch mit Fondssparplänen privat vorsorgen.
  • Nahezu jeder Erwerbstätige ist über die erste Säule abgesichert. Dagegen ist es jedem selbst überlassen, zusätzlich in Säule zwei und drei anzusparen.
  • Welche Altersvorsorge die richtige für Sie ist, hängt davon ab, ob Sie angestellt oder selbstständig arbeiten, ob Sie staatliche Förderung nutzen oder flexibel ansparen möchten und wie viel Zeit Ihnen noch bis zur Rente bleibt.

So gehen Sie vor

  • Prüfen Sie, ob und wie viel Rente Sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder einem Versorgungswerk erwarten.
  • Informieren Sie sich über die weiteren Vorsorgemöglichkeiten. Nutzen Sie dafür unsere Tabelle.
  • Nutzen Sie anschließend den passenden Entscheidungsbaum als Orientierung dafür, welche Altersvorsorge für Sie infrage kommt.
  • Sie sind angestellt: Klicken Sie zu Baum 1, wenn Sie noch viel Zeit bis zur Rente haben. Erste Überlegung muss sein, ob Sie bald eine Wohnung oder ein Haus kaufen möchten. Klicken Sie zu Baum 2, wenn Sie weniger als 15 Jahre bis zum Ruhestand haben.
  • Sie arbeiten selbstständig: Klicken Sie zu Baum 3, wenn Sie noch viel Zeit bis zur Rente haben. Erster Check muss sein, ob Sie genügend flüssige Mittel haben, um finanzielle Durststrecken zu überbrücken. Klicken Sie zu Baum 4, wenn weniger als 15 Jahre zur Rente fehlen.
  • Ihnen bleiben weniger als 5 Jahre bis zur Rente: Klicken Sie zu Baum 5. Hier spielt eine Rolle, ob Sie regelmäßig Geld übrig oder einen großen Betrag zur Hand haben, den Sie zusätzlich in die Altersvorsorge stecken möchten. Je nachdem tun sich unterschiedliche Möglichkeiten auf.

Gesetzliche Rente, Betriebsrente, Riester- oder Rürup-Rente? Oder doch die klassische Lebensversicherung, Aktienfonds oder Immobilien? Für die Altersvorsorge gibt es in Deutschland viele Möglichkeiten. Dabei den Durchblick zu behalten, fällt schwer.

Trotzdem ist es wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn am Ende steht für jeden Einzelnen immer die Frage: Reicht die Rente, um einen gewissen Lebensstandard im Alter zu sichern?

Fünf Wege zur passenden Altersvorsorge

Finanztip hilft Ihnen, einen Überblick über mögliche Vorsorgeformen zu bekommen und den Weg zur passenden Altersvorsorge einfacher zu finden. Gegliedert nach Anstellungssituation und Zeit bis zur Rente hat Finanztip fünf Entscheidungsbäume entwickelt.

Kennen Sie Ihre Rentenansprüche und sind Ihnen die drei Säulen der Altersvorsorge mit ihren einzelnen Vorsorgemöglichkeiten gut bekannt, nehmen Sie die Abkürzung und springen direkt zu den Entscheidungsbäumen. Ansonsten: Prüfen Sie erst einmal, wie viel Rente Sie später einmal bekommen.

Schritt 1: Bestandsaufnahme machen

Um zu wissen, ob die spätere Rente gut zum Leben reicht, kommen Sie um eine Bestandsaufnahme nicht herum. Wichtig ist herauszufinden, wie viel Rente Sie voraussichtlich einmal aus Ihrer Pflichtabsicherung erhalten werden – also abhängig von der Berufsgruppe aus der gesetzlichen Rente oder aus dem berufsständischen Versorgungswerk. Schauen Sie dazu einmal auf Ihre jährliche Renteninformation und schätzen Sie dann ab, was fehlt. Das ist die sogenannte Rentenlücke.

Hinweis: Im Ratgeber private Altersvorsorge haben wir für einen Muster-Durchschnittsverdiener die Rentenlücke ausgerechnet. Schauen Sie sich das Beispiel einmal an.

Gesetzliche Rentenversicherung - Die meisten Angestellten sind im staatlichen Rentensystem pflichtversichert. Darüber hinaus umfasst die Pflichtversicherung auch einige selbstständige Berufe, die als schutzbedürftig gelten, etwa viele Handwerksberufe, Fahrlehrer, Fitnesstrainer, aber auch Erzieher, selbstständige Lehrer, Hebammen oder Physiotherapeuten. Eine vollständige Liste aller Pflichtversicherten gibt es bei der Deutschen Rentenversicherung.

Die gesetzliche Rente wird voraussichtlich immer weniger zum Einkommen im Alter beitragen. Denn die Gesellschaft in Deutschland wird älter, und künftig müssen immer weniger Erwerbstätige mit ihren Beiträgen immer mehr Renten finanzieren. Die Folge: Das Rentenniveau sinkt.

Schon heute (2017) bekommt ein langjährig versicherter Durchschnittsverdiener gut 1.200 Euro Rente vor Steuern – das sind 48,2 Prozent gemessen am Durchschnittseinkommen (vor Steuern). Der Rentenreform von 2004 folgend soll das Mindest-Rentenniveau im Jahr 2030 bei 43 Prozent liegen. Wer seinen Lebensstandard im Alter halten möchte, muss also zusätzlich vorsorgen.

Berufsständische Versorgungswerke - Freiberufler, die in sogenannten Kammerberufen arbeiten, sind dort pflichtversichert. Zu der Gruppe zählen klassischerweise niedergelassene Ärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und einige mehr. Anders als die gesetzliche Rentenversicherung legen Versorgungswerke die Beiträge ihrer Mitglieder am Kapitalmarkt an – dabei zahlt jeder Versicherte für seine eigene Rente ein.

Dennoch müssen auch Freiberufler damit rechnen, dass sie künftig weniger Rente aus den Versorgungswerken beziehen. Die anhaltenden Niedrigzinsen drücken mittlerweile auf die Erträge. So fällt es den Anbietern immer schwerer, das Rentenniveau für ihre Mitglieder zu sichern. Auch Freiberufler sollten sich daher mit den zusätzlichen Vorsorgemöglichkeiten auseinandersetzen.

Keine verpflichtende Basisabsicherung - Selbstständige, die weder in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, noch Mitglied in einem Versorgungswerk sind, müssen sich komplett selbst um ihre Rente kümmern. Sie sollten sich in jedem Fall damit befassen, welche Alternativen es gibt.

Gesetzliche Pension - Sie ist die klassische Altersversorgung für alle, die im öffentlich-rechtlichen Dienst arbeiten, also etwa Beamte, Richter, Berufssoldaten oder Pfarrer. Die Altersbezüge, für die Bund oder Länder aufkommen, sind in der Regel höher als die Ansprüche aus der gesetzlichen Rente. Dennoch können auch Beamte privat vorsorgen, etwa indem sie eine Riester-Rente abschließen.

Schritt 2: Möglichkeiten der Altersvorsorge kennen

Der Überblick über mögliche Arten der Altersvorsorge gelingt besser, wenn man die jeweilige Vorsorgeform bestimmten Kategorien zuordnet. Fachleute sprechen in Deutschland von den drei Säulen – oder Schichten – der Altersvorsorge. Gegliedert sind diese Säulen vor allem nach ihrer steuerlichen Behandlung. Hinzugefügt haben wir eine weitere (inoffizielle) Säule 0 rechts in der Übersicht, die die Möglichkeiten der flexiblen Vorsorge umfasst. Weil die Beamtenpensionen vom Staat getragen werden, sind sie nicht Teil dieser Übersicht.

Die Säulen der Altersvorsorge

Säule I Säule II Säule III Säule 0
Basisvorsorge geförderte (private) Vorsorge ungeförderte (private) Vorsorge Sonstige (flexible) Geldanlage
Arten Gesetzliche Rentenversicherung Riester-Rente Lebensversicherung Aktienfonds, ETFs (mit Auszahlplan)
Berufsständisches Versorgungswerk Betriebliche Altersvorsorge Rentenversicherung Fondssparplan / ETF-Sparplan (mit Auszahlplan)
Rürup-Rente z.B. Direktversicherung, Pensionsfonds Fondssparplan (im Rahmen einer Versicherung) Immobilien
Steuerliche Behandlung Beiträge zunehmend steuerbegünstigt, Renten zunehmend steuerpflichtig Beiträge steuerfrei und ggf. Zulagen, Renten steuerpflichtig Beiträge aus versteuertem Einkommen, Rente steuerbegünstigt Beiträge aus versteuertem Einkommen, Gewinne/Einnahmen voll zu versteuern

Quelle: Finanztip (Stand: 29. März 2017)

Erste Säule - Dort finden sich all jene Vorsorgelösungen, die für den künftigen Rentner eine Basisversorgung sicherstellen sollen. Dazu gehört zum einen die gesetzliche Rentenversicherung, der alle Angestellten und manche Selbstständige verpflichtend angehören. Zum anderen zählen dazu die berufsständischen Versorgungswerke, über die bestimmte freie Berufe – Ärzte, Apotheker, Anwälte, Architekten, Steuerberater und andere – verpflichtend abgesichert sind.

Auch Rürup-Renten (Basisrenten) zählen zur ersten Säule. Sie waren in erster Linie für gutverdienende Selbstständige gedacht – abschließen darf sie aber jeder. Sparer können zwischen einer klassischen Rürup-Rentenversicherung oder einer Variante mit höherem Aktien-Anteil wählen.

All diesen Vorsorgeformen gemein ist die steuerliche Förderung: Sämtliche Beiträge zählen zu den Sonderausgaben für die Basisvorsorge. Die Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung und die Versorgungswerke können Sparer vollständig absetzen. Rürup-Beiträge sind 2017 zu 84 Prozent absetzbar, jedes Jahr stufenweise etwas mehr und 2025 dann ebenfalls zu 100 Prozent. Dafür fallen auf die Renten später Steuern an.

Zweite Säule - Zur zweiten Säule zählen geförderte Vorsorgeverträge, insbesondere Riester-Verträge und die betriebliche Altersvorsorge. Sie kommen vor allem für Angestellte infrage. Riester-Verträge sind zwar oft private (fondsgebundene) Rentenversicherungen oder Fondssparpläne, die allerdings staatlich gefördert sind. Einerseits zahlt der Staat Zulagen, andererseits lassen sich Beiträge von der Steuer absetzen.

Auch bei der betrieblichen Altersvorsorge sparen Arbeitnehmer oft in klassische Rentenversicherungen an, die der Arbeitgeber ausgewählt hat (Direktversicherung). Arbeitnehmer profitieren in diesem Fall aber davon, dass sie auf ihre Beiträge keine Steuern und Sozialabgaben bezahlen müssen. Gefördert werden maximal 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, im Jahr 2017 waren das 254 Euro monatlich. Wenn der Chef noch etwas obendrauf gibt, lohnen sich solche Verträge in den meisten Fällen; als Faustregel gelten die eingesparten Sozialbeiträge von etwa 20 Prozent.

Spätere Renten aus der zweiten Säule müssen Sparer mit ihrem persönlichen Steuersatz im Alter versteuern. Bei Betriebsrenten zahlen sie im Alter auch die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, also 18,7 Prozent. Umso wichtiger ist es also, dass der Arbeitgeber etwas dazugibt.

Dritte Säule - In die dritte Säule fallen alle privaten Vorsorgeverträge ohne besondere Förderung, also klassische oder fondsgebundene private Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen. Die Beiträge für solche Sparformen zahlen Verbraucher aus ihrem Nettogehalt – das heißt, sie haben bereits Einkommensteuer auf die Beiträge abgeführt.

Als Ausgleich dafür zahlen Sparer in der Ansparphase keine Steuern auf Dividenden- oder Zinserträge. Und auch die späteren Renten sind nur geringfügig besteuert, nämlich mit dem sogenannten Ertragsanteil. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wie alt jemand ist, wenn er die Rente bezieht.

Wer etwa mit 65 Jahren in die Rentenphase wechselt, muss 18 Prozent der ausgezahlten Rente versteuern. Die Tabelle zum Ertragsanteil finden Sie im Paragraf 22 des Einkommensteuergesetzes. Wer sich das angesparte Kapital auf einmal auszahlen lassen möchte, bezahlt den persönlichen Einkommensteuersatz auf die Hälfte der Summe.

Säule 0 - Über die offiziellen drei Säulen hinaus können sich Sparer auch überlegen, flexibel – also ohne eine Lebens- oder Rentenversicherung – anzusparen, in der von uns sogenannten Säule 0. Das geht zum Beispiel mit einem Sparplan auf börsengehandelte Aktien-Indexfonds (ETF-Sparplan). Dabei fließen monatlich geringe Raten von 50 Euro oder 100 Euro in einen kostengünstigen Aktien-Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF). Alternativ können Sparer auch einmalig einen größeren Betrag in einen Aktienfonds oder ETF anlegen.

Wichtig ist, langfristig dabeizubleiben und einen Fonds zu wählen, der viele Aktien aus unterschiedlichen Ländern, Branchen und Währungen enthält. Dann gleichen sich Schwankungen an den Börsen eher aus, und die Chance auf eine gute positive Jahresrendite nimmt zu.

Wer Geld flexibel anlegt, kommt nicht in den Genuss spezieller steuerlicher Vorteile. Beiträge in ETFs beispielsweise bezahlt der Sparer aus dem bereits besteuerten Nettoeinkommen. Zins- oder Dividendeneinnahmen und spätere Verkaufserlöse muss er dann erneut mit dem Abgeltungssteuersatz besteuern.

Immobilien
Auch wenn sie nicht immer gemeinsam mit den sonstigen Vorsorgelösungen genannt werden: Natürlich eignen sich auch Immobilien zur Altersvorsorge. Das gilt insbesondere, wenn Sie selbst im Haus oder in der Wohnung wohnen. Allerdings sind die Preise für Immobilien seit dem Jahr 2010 von Jahr zu Jahr gestiegen, vor allem in den größeren Städten und Ballungsräumen. Niedrige Finanzierungskosten können die (zu) teuren Kaufpreise nicht immer aufwiegen.

Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte also genau abwägen. Ebenfalls wichtig: Bei selbst genutzten Immobilien gibt es Steuervorteile. Sowohl die Wertsteigerungen und auch monatlichen Erträge in Form der eingesparten Miete sind steuerfrei.

Schritt 3: Vorsorgemöglichkeiten individuell prüfen

Haben Sie erst einmal den Überblick über gängige Vorsorgevarianten, kommt die schwerste Übung: Sie müssen sich entscheiden. Diese Entscheidung ist individuell und hängt von Ihrer Lebenssituation ab. Einige Fragen können aber bei Ihrer Entscheidungsfindung helfen.

  • Welche Vorsorgeformen können Sie überhaupt wählen? Nicht alle Formen sind für alle Berufsgruppen abschließbar.
  • Welche Vorsorgeform ist in Ihrer Situation am sinnvollsten? Je nach Einkommens- und Familiensituation lohnt sich der eine oder andere Vertrag eher.
  • Welcher Anlagetyp sind Sie? Möchten Sie eine geringe, aber sichere Zusatzrente – oder wollen Sie die Chancen am Aktienmarkt nutzen und sind bereit, ein gewisses Risiko eingehen?

Entscheidungsbäume als Orientierung

Finanztip hat diese Fragen in Entscheidungsbäume integriert. Sie dienen als Orientierung, welche Vorsorgeformen für Sie möglich und auch sinnvoll sind. Je nachdem, wie Ihr Anstellungsverhältnis ist und wie viel Zeit Ihnen noch bis zur Rente bleibt, trifft ein anderer Baum auf Sie zu. Wählen Sie aus:

  • Baum 1: Sie sind angestellt und haben noch mehr als 15 Jahre bis zur Rente.
  • Baum 2: Sie sind angestellt und haben weniger als 15, aber mehr als 5 Jahre bis zur Rente.
  • Baum 3: Sie arbeiten selbstständig und haben noch mehr als 15 Jahre bis zur Rente.
  • Baum 4: Sie arbeiten selbstständig und haben weniger als 15, aber mehr als 5 Jahre bis zur Rente.
  • Baum 5: Ihnen bleiben weniger als 5 Jahre bis zur Rente

Hinweis: Bei unserer Betrachtung konzentrieren wir uns auf klare Musterprofile. Denn Sonderfälle, wie etwa ein Ehepaar mit einem Alleinverdiener oder Personen, die zwischendurch selbstständig, dann wieder angestellt tätig waren, lassen sich nur schwer abbilden. Auch den Entscheidungsbaum für Beamte lassen wir zunächst außen vor.

Baum 1: Angestellt und noch mehr als 15 Jahre bis zur Rente

Sie haben einen sicheren Job in einer Firma und noch viel Zeit bis zur Rente? Dann sollten Sie sich eine Frage zu allererst stellen: Planen Sie, in naher Zukunft ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen – oder eine andere große Anschaffung? Falls ja, sollten Sie zunächst dafür ansparen, entweder mit einer guten Kombination aus Tages- und Festgeld, oder anhand eines Riester-Vertrags.

Wer schon sicher weiß, dass er auf ein selbst genutztes Eigenheim ansparen will, kann sich den Riester-Bausparvertrag genauer anschauen. Dessen Guthaben lässt sich in einem festgelegten Zeitfenster in ein Riester-Darlehen umwandeln. Diese Variante eignet sich für alle, die sicher wissen, dass Sie bauen wollen und sich die Konditionen des Darlehens bereits bei Abschluss sichern wollen.

Alternativ ist es auch möglich, beispielsweise in einem Riester-Fondssparplan Geld anzusparen und dieses dann zu einem beliebigen Zeitpunkt für die Finanzierung einer Immobilie zu nutzen. In dem Fall können Sie das Geld samt Förderung als Eigenkapital aus dem Riester-Vertrag entnehmen in ein beliebiges Baudarlehen einbringen. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Baufinanzierer beraten.

Planen Sie keine Anschaffung, kommt es darauf an, ob Ihr Steuersatz auf den letzten verdienten Euro (Grenzsteuersatz) 42 Prozent oder mehr beträgt. Wichtig ist: Es geht um den Grenzsteuersatz auf das zu versteuernde Einkommen, also Ihr Bruttogehalt abzüglich von Freibeträgen und absetzbaren Sozialabgaben. Wie hoch dieses zu versteuernde Einkommen ist, weist Ihnen das Finanzamt im Steuerbescheid regelmäßig aus. Werfen Sie also einmal einen Blick darauf. Versteuern Sie mindestens 55.000 Euro (für Singles und getrennt Veranlagte) oder 110.000 Euro (für gemeinsam Veranlagte), liegt Ihr Grenzsteuersatz bei 42 Prozent.

Zahlen Sie nur geringe Steuern, lohnt sich unter anderem eine Betriebsrente oder ein Riester-Fondssparplan. Bei Riester sollten Sie wissen: Die Förderung wirkt sich umso besser aus, je mehr Kinder Sie haben und je geringer Ihr zu versteuerndes Einkommen ist.

Zahlen Sie viel Steuern, lohnt neben Riester auch ein Rürup-Vertrag – besonders dann, wenn Sie auf eine höhere Zusatzrente abzielen. Die Beiträge in einem Rürup-Vertrag sind anders als bei Riester nicht bei 2.100 Euro im Jahr gedeckelt. Allerdings können Sie bei einem Rürup-Vertrag zu Beginn der Rentenphase kein Geld entnehmen, auch eine Kündigung ist nicht möglich.

Mit einer fondsgebundenen Rürup-Rentenversicherung haben Sie die Chance, mehr Rendite zu erzielen als bei der klassische Variante. Wählen Sie die Fonds-Variante aber nur, wenn Sie sich mit der Idee wohlfühlen, dass es keine Garantie für Ihre Einzahlungen gibt. Damit sich Ihr Guthaben dennoch gut entwickelt, sollten Sie mehr als 15 Jahre ansparen und auf die Kosten achten: Wählen Sie einen breit gestreuten, kostengünstigen Indexfonds (ETF).

Am flexibelsten sparen Sie, wenn Sie auf geförderte Vorsorge verzichten und sich für einen ETF-Sparplan entscheiden.

Baum 2: Angestellt und weniger als 15 Jahre bis zur Rente

Sie sind angestellt, haben noch mehr als 5, aber weniger als 15 Jahre bis zur Rente. Möglicherweise haben Sie auch eine Immobilie, die Sie noch abbezahlen. Sollte Ihnen ein wenig Geld im Monat übrigbleiben, können Sie dieses nutzen, um Ihre gesetzliche Rente aufzustocken.

Die wichtigste Frage, die sich dabei stellt: Wie flexibel wollen Sie an Ihre Sparsumme heran? Und sind Sie bereit, für Flexibilität auf staatliche Förderung zu verzichten?

Wenn Sie heute beginnen, über die kommenden 15 Jahre monatliche Raten in einen ETF-Sparplan einzuzahlen, können Sie Ihre Entnahmen im Rentenalter selbst bestimmen. Um Schwankungen bei der Wertentwicklung zu vermeiden, können Sie zu jedem beliebigen Zeitpunkt entscheiden, Teile der Aktienanlage schrittweise in Festgeld umzuschichten.

Möchten Sie dagegen staatliche Förderung erhalten, müssen Sie sich mit der Rente arrangieren, die der Versicherer Ihnen auf Ihr Erspartes auszahlt. Bis zu 2.100 Euro im Jahr können Sie in einen Riester-Fondssparplan stecken. Bei Rentenbeginn können Sie 30 Prozent des Ersparten entnehmen. Wollen Sie mehr als 2.100 Euro im Jahr einzahlen, ist ein Rürup-Vertrag eine Überlegung wert. Ein geringes Risiko haben Sie mit einem klassischen Vertrag, der Ihnen – wie Riester – eine Rente garantiert.

Falls Sie noch keine haben: Fragen Sie Ihren Chef nach einer betrieblichen Altersversorgung, etwa eine Direktversicherung. Sie können darin Teile Ihres Bruttoeinkommens einzahlen und müssen darauf keine Sozialversicherung und Steuern bezahlen. Ab 2018 ist Ihr Chef verpflichtet, Ihren Beitrag zu mindestens 15 Prozent zu bezuschussen. Wer später eine Rente von weniger als 148,75 Euro erhält (Stand: 2017), muss nicht mal Sozialabgaben auf die Rente bezahlen.

Für alle, die wissen, dass Sie schon ab 63 in Rente gehen wollen: Ab einem Alter von 50 Jahren können Sie freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zuzahlen. So lässt sich der Rentenabschlag auffangen.

Baum 3: Selbstständig und mehr als 15 Jahre bis zur Rente

Wer auf eigene Rechnung arbeitet, möglicherweise sogar Chef seiner eigenen Firma ist, kann erst im zweiten Schritt an die Altersvorsorge denken. Die erste Frage muss stattdessen sein: Sind genügend Rücklagen vorhanden, um eine Durststrecke im Unternehmen von einigen Monaten zu überstehen? Falls nicht, ist die Aufgabe zunächst, die Liquidität für den Betrieb zu sichern und Geld auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto zu parken.

Ist die Firma finanziell abgesichert, sollten Sie prüfen, ob Sie bereits eine Basisabsicherung haben, die ähnlich der gesetzlichen Rente bei den Angestellten funktioniert. Zahlen Sie zum Beispiel in ein Versorgungswerk ein, haben Sie einen Rürup-Vertrag oder sind Sie freiwillig pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung?

Haben Sie keine Basisabsicherung, sollten Sie sich zunächst um eine kümmern. Infrage kommt, dass Sie sich freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) pflichtversichern. Dann gelten für Sie die gleichen Regeln wie für Angestellte. Sie zahlen monatlich einen Betrag ein – einen sogenannten Regelbeitrag von gut 500 Euro oder einkommensabhängig – und sind gegen Erwerbsunfähigkeit abgesichert. Wichtig: Die Versicherungspflicht können Sie nur beantragen, wenn Sie sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre selbstständig gemacht haben.

Wenn Sie dem gesetzlichen System weniger vertrauen oder schon länger als fünf Jahre selbstständig sind, kommt alternativ eine klassische Rürup-Rentenversicherung infrage. Die Beiträge lassen sich zum großen Teil von der Steuer absetzen. Später beziehen Sie eine garantierte Rente.

Hinweis: Eine Rolle spielt auch Ihre Krankenversicherung als Rentner. Wer privat krankenversichert sein wird, profitiert von einer Rürup-Rente. Darauf fallen keine Abgaben an. Sind Sie dagegen in der Krankenversicherung der Rentner gesetzlich krankenversichert, sollten Sie sich die freiwillige GRV-Pflichtversicherung ansehen. Rürup ist nachteilig, da auf die Rente 14 Prozent Krankenversicherungsbeitrag anfallen.

Wer bereits eine Basisabsicherung hat, kann dagegen überlegen, diese aufzustocken oder eine zusätzliche Vorsorge aufzubauen. Infrage kommt eine günstige fondsgebundene Rürup-Rentenversicherung, die die Chance auf eine höhere Zusatzrente offenhält, aber eine Kündigung ausschließt. Flexibler ist ein ETF-Sparplan.

Baum 4: Selbstständig und weniger als 15 Jahre bis zur Rente

Wer auf eigene Rechnung arbeitet, möglicherweise seine eigene Firma betreibt, sollte zunächst sichergehen, dass ein ausreichendes Finanzpolster für finanzielle Engpässe vorhanden ist. Falls nicht, sparen Sie auf einem Tagesgeldkonto zunächst ein entsprechendes Polster an.

Haben Sie darüber hinaus 15 Jahre oder weniger bis zur Rente und noch keine Basisabsicherung, ist es jetzt höchste Zeit, eine abzuschließen. Das Vorgehen ist dabei unabhängig vom Alter gleich. Lesen Sie daher den Absatz im vorigen Kapitel.

Sind Sie in der gesetzlichen Rentenversicherung bereits freiwillig pflichtversichert, zahlen Sie in ein Versorgungswerk oder haben Sie einen klassischen Rürup-Vertrag, prüfen Sie, ob Sie diese Basisvorsorge noch aufstocken wollen oder können.

Haben Sie vielleicht einige Beitragsjahre in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt, wäre jetzt ein guter Moment, um Ihre Wartezeit mit freiwilligen Beiträgen aufzufüllen. Nur wer insgesamt fünf Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt hat, erhält später tatsächlich Rente. Auch die frühzeitige Rückzahlung Ihres Immobilien-Kredits ist eine Möglichkeit der Vorsorge: Sie wohnen im Alter mietfrei und sparen sich beim Kredit weitere Zinskosten. Alternativ können Sie auch die Tilgungsrate erhöhen.

Wer flexibel bleiben und auch die Rendite im Blick haben möchte, kann sich die Möglichkeit eines ETF-Sparplans auf einen breit gestreuten Aktienindex, wie den MSCI World, genauer ansehen. Wenn Sie zu einem bestimmten Tag in 10 bis 15 Jahren eine Rente abrufen wollen, sollten Sie einige Jahre vor Renteneintritt Teile des angelegten Geldes auf ein ordentlich verzinstes Festgeld-Konto übertragen. Auch Festgeldanlagen, gestaffelt über verschiedene Laufzeiten, sind eine Möglichkeit, kurz vor der Rente noch Rendite gutzumachen.

Baum 5: Fünf oder weniger Jahre bis zur Rente

Ihnen bleiben nur noch wenige Jahre bis zur Rente, aber Sie haben ein wenig Geld auf der hohen Kante, das Sie noch unterstützend in die Altersvorsorge stecken wollen. Dann sollten Sie sich vor allem fragen: Bleibt regelmäßig im Monat ein Betrag übrig, den Sie investieren wollen? Oder haben Sie eine größere Summe verfügbar, die Sie auf einmal verwenden möchten?

Wer angestellt ist und regelmäßig kleinere Raten übrighat, könnte in der verbleibenden Zeit vor der Rente noch einen Riester-Fondssparplan oder eine Direktversicherung über den Arbeitgeber (betriebliche Altersversorgung) abschließen. Wer selbstständig arbeitet und einen hohen Steuersatz hat, kann auch über eine klassische Rürup-Rentenversicherung mit Zinsgarantie nachdenken.

In allen Fällen könnten Sie noch einige Jahre die staatliche Förderung mitnehmen. Große finanzielle Sprünge sind allerdings nicht zu erwarten. Womöglich wird Ihnen das Ersparte sogar auf einmal ausgezahlt, weil der Betrag insgesamt für eine Rente zu gering ist.

Wer über eine größere Summe verfügt, hat mehrere Möglichkeiten. Er kann das gesamte Geld zu Rentenbeginn einem Versicherer übertragen, der dann eine lebenslange Rente auszahlt (sogenannte Sofortrente). In dem Fall sollten Sie mehrere Angebote einholen und vergleichen. Vorteil: Sie bekommen auf jeden Fall bis zum Lebensende Geld.

Selbstständige, die weniger als fünf Jahre ihres Lebens in die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) einbezahlt haben, sollten freiwillige Beiträge erwägen. So können sie die Mindestwartezeit von fünf Jahren erfüllen und sich den Anspruch auf gesetzliche Rente sichern.

Wer sein Geld flexibler einsetzen möchte, kann auch eine größere Summe in einen breit gestreuten, kostengünstigen Indexfonds (ETF) investieren. Um das Verlustrisiko einzugrenzen, sollte das Geld allerdings mindestens 10, besser 15 Jahre liegen bleiben. Wer vorab Geld für eine Zusatzrente abrufen will, kann diesen Betrag in Festgeld anlegen, das ein, zwei oder drei Jahre läuft und somit zu unterschiedlichen Zeitpunkten fällig wird (sogenannte Festgeld-Treppe). Wichtig ist, dass Sie sich überlegen, wie viel Geld Sie monatlich aus dieser Anlage entnehmen wollen. Bauen Sie sich im Zweifel selbst ihren eigenen Auszahlplan.

Wer sehr viel Geld übrig hat, kann schließlich auch erwägen, eine vermietete Immobilie als Kapitalanlage zu kaufen. Die regelmäßigen Mieteinnahmen wären dann die Zusatzrente. Sie sind allerdings zu versteuern. Sie sollten hierbei auf das Verhältnis zwischen Kauf- und Instandhaltungskosten und voraussichtlichen Mieteinnahmen achten. In anderen Worten: Die Rendite sollte stimmen.

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei
Was der Stern* neben Links bedeutet

Ein Stern* neben einem Link bedeutet, dass Finanztip vom verlinkten Anbieter möglicherweise bezahlt wird: manchmal, sobald Sie den Link klicken – oft nur dann, wenn Sie einen Vertrag abschließen. So finanzieren wir unseren Service und können ihn kostenlos anbieten. Wichtig ist: Auf den Preis, den Sie zahlen, wirkt sich das nicht aus. Und wir verlinken nur auf Angebote, die unsere unabhängigen Experten und Redakteure zuvor uneingeschränkt empfohlen haben. Das hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist. Erst wenn das geklärt ist, verhandelt eine andere Abteilung über eine mögliche kostenpflichtige Verlinkung. Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.

Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.