Ich warne vor, mein Beitrag wird etwas anekdotisch.
Bei mir sind die Eltern auf mich zugekommen und dennoch hatte ich tlw. große Sorge, da alles zum Bumerang werden kann.
Am wichtigsten ist mir das meine Eltern immer selbstständig auf ihre Mittel zugreifen könnten und nicht von mir abhängig sind. Deshalb zucke ich zusammen, wenn ich von Tagesgeld und Festgeld Hopping lese. Was ist, wenn dir etwas zustößt? Deshalb haben wir eine Filialbank mit Online Banking gewählt. Sie bekommen Ihre Auszüge und die Kontobewegungen zugeschickt und könnten jederzeit zur Bank gehen und hätten Zugriff auf Ihre Mittel. Natürlich ist die Bank nicht die günstigste, erfüllt jedoch Ihren Zweck.
Meine Eltern gehen nun auf die 80 zu, so liegen die meisten Mittel in deutschen Staatsanleihen ETFs mit durchschnittlich 6 monatiger Laufzeit. Sicherheit geht hier vor dem letzten Quäntchen Rendite und ich habe meine Ruhe.
Während des Tiefpunkts der Corona Krise kamen meine Eltern selbst auf mich zu, um nun auch in Aktien anzulegen und das ohne das vorher je damit geworben hätte. Vermutlich kam der Wunsch durch den Austausch mit einem Unternehmer Freund, der allerdings in aktive Fonds anlegt.
Dabei war mir sehr mulmig zumute und ich habe eher dazu abgeraten, man kann noch so viel von 15 Jahren Mindestanlagezeit erkären und doch ist man am Ende der Dumme, wenn nicht das gewünschte Ergebnis Eintritt. Meine Eltern sind nicht auf das Geld angewiesen und waren sehr hartnäckig.
Ich habe schließlich den FTSE All World gewählt, es hat sich zum Glück alles sehr erfreulich entwickelt und ich werde gelobt. Ich weiß aber selbst, es hätte auch anders ausgehen können und versuche weiter zu erklären das ich keinerlei Einfluss auf den Aktienmarkt habe und nur ein kostengünstiges breitgestreutes Produkt gewählt habe.
Ihre Hauptbank ist ebenfalls die Volksbank und liegt direkt um die Ecke. Natürlich wurden sie auch zum Beratungsgespräch eingeladen. Meine Bitte war nur nichts direkt vor Ort abzuschließen und die Vorschläge mit nach Hause zu bringen. Wir sind dann die Unterlagen zusammen durchgegangen, 5% Ausgabeaufschlag und die laufenden Gebühren der Produkte zwischen 1-2% brachten dann schon die eigene Erkenntnis der suboptimalen Anlageform.
Etwas kritisch aus psychologischer Sicht empfinde ich die dennoch die aufgelaufenen Gewinne der Volksbank Produkte deiner Eltern. Wenn hier die Neuanlage eines ETF bei 0% startet und in 3 Monaten ein 50% Crash erfolgt, verstehen deine Eltern dann das es nicht an dem von dir empfohlen ETF liegt?
Das ist die Frage, die hier niemand aus der Ferne einschätzen kann. Je nachdem entscheidet sich, ob ein reiner Aktien ETF ((All) World), Multi Asset ETF mit Mix aus Aktien und Anleihen (z.b. der erwähnte Vanguard Life Strategy 60), oder ob gar keine Aktien möglich sind.
Vielleicht wäre es in eurem Fall und dem doch beachtlichen Vermögen der Eltern am ratsamsten einen Honorarberater einzuschalten, dann bist du aus dem Spiel. Man könnte dafür die von dir erwähnte 4 stellige Kostenaufstellung der Volksbank verwenden und erläutern das heute schon teure "Beratungskosten" entstehen, allerdings erhalten sie dafür keine Beratung zu ihren Gunsten.
Der Honorarberater könnte sich einen viel besseren Überblick über die kompletten Finanzen beschaffen, kompetent Beraten und das Ganze auch ansprechend und verständlich visualisieren und regelmäßig Updates schicken, die man in einem Aktenordner abhängen kann.
Gerade die ältere Generation tut sich oftmals leichter mit einem persönlichen Ansprechpartner, deshalb seid ihr auch in der jetzigen Situation, weil sich die Filialbanken diesen Umstand zunutze machen. In Krisensituationen ist der Honorarberater geschult und erfahren genug, um hektische Handlungen abzuwenden.
Ich denke ihr könntet euch einen Honorarberater gönnen.
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Alles Gute!