Lieber @Lefis
Du würdest als Fondsmanager einen sogeannten "marktkapitaliksierenden" Fond auflegen, weil Du damit besser wärst als 98`% aller Fonds.
Wenn das nur so einfach wäre!!
Dann bräuchte es keine hunderte von verschiedenen Fonds geben sondern es würde dieser eine Superfonds reichen.
Ich gehe mal davon aus, dass die große Zahl der Fondsmanager, Vermögensverwalter oder Family-Office-Vorstände ja auch nicht gerad Dummköpfe sind. Also muss ja an Deiner Argumentation irgend ein Haken sein wenn nicht Jeder Deinem Ansatz folgt.
Jede Strategie hat ja wie bei Medikamenten auch Ihre Nebenwirkungen, im Börsengeschäft eben "Risiken" genannt.
Zunächst mal würden Dir die meisten Forumsfreunde hier in einem Punkt zustimmen.
Dann nämlich wenn Du schreiben würdest, dass Du mit einem ETF Fonds in der Regel immer mindestgens um 1% besser bist als als gemanagter Fonds, weil Du mit einem ETF eben geringere Gebühren hast.
Das schreibst Du aber NICHT:
Du schreibst dass Du als Manager mit Deinem Fonds deshalb besser wärst als 98% aller Fonds weil Du einen "markkapitalisierenden" Fonds auflegen würdest.
Für den Fall dass es hier ein paar Leser gibt, die mit diesem Begriff nichts anfangen können, hier eine kurze Erklärung.
Hinter dem hochgestochenen Fachbegriff verbirgtr sich nichts anderes als das Gegenteil von einem gleichgewichteten Fonds..
Bei einem gleichgewichteteten Fonds, dessen Stragtegie übrigens auch ich in meinem Depot anwende, legt der Manager das Kapital von sagen wir mal 1 Mrd Euro in 100 Firmen jeweils zu 10 Mio. Euro an. (100 Firmen zu je 10 Mio. macht 1 Milliarde)
Immer wenn eine von diesen 100 Aktien überdurchschnittlich steigt, wird ein Teil des Wertes in eine andere Aktie umgeschichtet die zurückgeblieben ist. Auf diese Weise haben alle 100 Aktien in diesem Fonds immer ungefähr den gleichen Anteil
Bei Deinem marktkapitlisierenden Fonds ist die Stategie völlig anders.
Aktien von Firmen die im Kurs gestiegen sind bleiben im Fonds und erhalten somit gegenüber den anderen Aktien ein extremes Ungleichgewicht
Man sieht das auf einen Blick bei diesen Fonds.
Auf Grund der Rally in den letzten Jahren in der Technologiebranche ist es im Moment so, dass in Deinem FONDS mit der 1 Miliarde bereits die 5 größten Firmen der insgesamt 100 nicht mehr 5% Anteil hätten sondern inzwischen rund 27% also 270 Milionen.
Alle anderen Aktien werden immer unbedeutender und somit verfehlt die Mischung immer mehr ihren Zweck. Akiten wie z.B. die BANG & OLUFSEN Aktie aus Dänemarkt htte in Deinem Depot nur noch einen Anteil von weniger als einem halben Prozent.
Auf eine solche Aktie kannst Du dann auch gleich ganz verzichten. Am Ende hasst Du mit dieser Stragegie immer mehr einen Branchefonds mit SChwerpunkt Technologie.
Solange dies Branche weiterhin so gut läuft, hast du sogar mit Deiner Strategie recht.
Aber eben nur so lange!!
Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, wenn andere Fondsmanager davon ausgehen, dass es in den nächsten Jahren auch mal wieder zu einer Branchenrotation kommen könnte.
Vor allem bei KGVs von 40 oder 50 d.h. wenn der Wert der Firma inzwischen so hoch ist wie der aktuelle Gewinn auf aif nächsten 40 Jahre hochgerechnet!
Sollte eben auh mal wieder die Pharmabranche oder die Rüstungsbranche oder gar Energie in den Vordergrund rücken, dann wärst Du mit Deinem Fonds eben nicht mehr unter den ersten 2 % sonden vielleicht unter den Schlußlichtern.
Auch im Moment wirst Du jetzt schon mit Deinem marktkapitalisierenden Fonds von den unzähligen Branchefonds übertroffen die eben den Nasdaqoder im S&P500 als Basis haben, die also noch stärker auf Technologie gesetzt haben.
Nur weil in den letzten Jahren dieser Branchenwechsel noch nicht eingetreten ist, kannst Du doch hier im Forum nicht die These aufstellen, dass Du mit dieser einseitigen Strategie 98% Erfolg haben willst, d.h. unter 100 Aktienfonds willst Du unter den ersten Zwei sein.
Ich empfehle Dir dringend Dich um einen Vorstandsposten bei einer Fondsgesellschaft zu bewerben. Mit der Versprechend unter den besten 2% zu sein, wirst Du dort fürstliche Vorstandsverträge erhalten.
Gerade hier im Forum, wo sich ja auch viele Neulinge tummeln, sollte man nicht den Eindruck Erwecken, es gäbe ein derart einfaches Patentrezept.
Lieber @Lefis, als demnächst 80jähriger alter Hase rate ich Dir zu mehr Dehmut gegenüber der Börse.
>Zum Schluss noch eine kleine Geschichte:
Bernie Cornfield der Gründer der Fondgesellschat IOS hat am Juni 1969 in ganzseitigen Anzeigen für seinen Aktienfonds FOF (Fund-of-Fund) geworben:
"niemand ist so reich, dass er nicht arm werden könnte. Alles was man dazu braucht sind ein paar falsche Entscheidungen bei Geldanlagen."
Die Ironie dieser Geschichte: Bernie Cornfile war 3 Jahre später mit seinem IOS Fonds (Investor Overseas Services) pleite. Hundertausende von Anlegern verloren ihr ganzes Geld.
Viele Grüße McProfit