Gegenfrage: wie viele solcher Baufis kennst du persönlich, so wie Herr Kommer sie empfiehlt? Manches hört sich super toll an, ist in der Praxis aber einfach nur Murks.
In der Praxis schonmal ausprobiert das vorgeschlagene Vorgehen? Offensichtlich nicht. Wie gesagt, alle, die in meinem Umfeld ausschließlich (hauptberuflich) oder nebenberuflich Immobilien finanzieren, machen das so. Ich hab selbst einen Bankhintergrund, habe das Vorgehen aber dort selbst nicht mitgenommen, sondern bei meiner ersten eigenen Baufi praktisch innerfamiliär (von jemandem, der beruflich primär auch gewerbliche Immobilienfinzierungen abwickelt) empfohlen bekommen. War rückblickend ein extrem guter Tipp, für den ich bis heute dankbar bin! Und Kommer würde ich mit seiner Erfahrung und seiner Ratgeberliteratur nicht unterstellen, dass er sich mit der Materie nicht auskennt, ganz im Gegenteil. Ich würde es garantiert und bei jeder eigenen Finanzierung immer wieder so machen.
Warum die Standardfinanzierungen bei Vermittlern und Banken so laufen, wie auf deinem Schreibtisch, ist doch klar: Drei statt einem Kreditvertrag ins System einzugeben ist sowohl für die finanzierende Bank, als auch für einen Vermittler etwas mehr Verwaltungsarbeit. Daher wird das in der Regel nicht aktiv beworben. Wenn man freundlich drauf besteht, klappt es aber auch bei allen großen Vermittlern und Banken, mit denen ich bisher zu tun hatte.
Wie gesagt: Das Vorgehen hat in meinen Augen massive Vorteile und es macht m.E. Sinn, sich das mal durch den Kopf gehen zu lassen und einen Teil (und sei es nur 20-30%) nicht ganz so lang festzuschreiben. Ich habe viele Vorteile eines solchen Bausteins genannt (niedrigerer Zinssatz, Volltilgung kostenlos möglich, Ratenänderung bei jeder Prolongation möglich, Fristentransformation bzw. Glättung des Zinsniveaus, etc.). Deine Argumente dagegen scheinen sich im Wesentlichen auf "Murks" und "interessiert mich nicht die Bohne" zu beschränken...
Je mehr du schreibst umso mehr habe ich das Gefühl, dass du manches nicht so richtig verstehst oder verstehen willst.
Ja, nach 15 Jahren hat man ein Zinsänderungsrisiko. Aber kein volles, so wie du schreibst.
Je nach Tilgung und Sondertilgung sind 40 bis 60% des Darlehens abgezahlt.
Bleiben also noch ca. die Hälfte übrig.
Natürlich hat man in der Regel nach 10 oder 15 Jahren Laufzeit eine geringere Restschuld, so what? Versuch doch mal die Gesamtkosten deiner Finanzierung über die gesamte Laufzeit zu betrachten: Es bleibt doch dabei die Tatsache, dass du bei einer solchen Finanzierung in einem Block a) auf steigende Zinsen wettest, b) die hohen Zinsen am langen Laufzeitende zahlst, c) dann auf den Stichtag genau in 10 oder 15 Jahren den Zins nehmen musst, der dann eben vorherrscht, was ein "Zocken" auf das Zinsniveau an diesem Stichtag darstellt und d) dass die Gesamtfinanzierung dadurch zwar "planbar", aber eben auch unnötig unflexibel und teuer werden wird.
Wers mag? Gerne! Ich würde mir die Vorteile vergegenwärtigen (vll. wirklich mal in die einschlägige Ratgeberliteratur dazu reinlesen) und dann eine Entscheidung treffen, bei der ich nicht einen riesigen Klotz von Finanzierung völlig unflexibel und ewig lang festschreibe.
Allein die letzten 5 Jahre waren doch für alle so ereignisreich, dass klar wird, wie wertvoll (auch monetär!) Flexibilität sein kann. Auch dank Corona hatten wir z.B. unvorhergesehen so viel Geld durch weniger Urlaube, Essen gehen, etc. übrig, dass ich einen Baustein meiner eigenen Finanzierung bei Fälligkeit wunderbar ablösen konnte. Witzig war hierbei konkret in meinem Fall, dass mein Dispo-Zins zeitweise deutlich unter den Baufizinsen lag, sodass ich auch den noch wunderbar für den Restbetrag nutzen konnte. Zinsarbitrage sozusagen und das geht in beide Richtungen: Hätte ich dank Corona den Job verloren, hätte ich den fälligen Baustein einfach länger gestreckt und damit die monatliche Gesamtrate reduziert um das monatliche Budget zu schonen.
Für Ratenänderungsoptionen und zusätzliche Sondertilgungsrechte (10% statt 5% p.a.) zahlst du bei praktisch jeder Bank einen Zinsaufschlag, ob der dir sichtbar ausgewiesen wird oder nicht. Man kann all die genannten Vorteile (kostenlos!) liegen lassen, oder sie eben nutzen...