Jedes Alter hat seine Nach- aber auch Vorteile. Ein Vorteil als Senior (selbst, wenn man kein studierter Naturwissenschaftler ist - so wie meine Wenigkeit): Man kann sich an das ein oder andere aus der Vergangenheit noch erinnern (jedenfalls, wenn das Gehirn noch halbwegs funktioniert). Mußte die folgenden Beispiele nicht mal nachschlagen - also rein aus der Erinnerung (Kundigere mögen das gerne korrigieren) ...
In den frühen 2000er Jahren (vermehrt dann ab 2006 von dem Journalisten und Publizisten Franz Alt propagiert): "Sonne und Wind schicken keine Rechnung" ... Schon damals habe ich mich gefragt, was denn mit so simplen Tatsachen wie den Investitionen für Planung, Bau, Instandhaltung, Netzausbau und Speicher für Dunkelflauten ist und warum dies in dem Spruch komplett ausgeblendet wird ...
Anfang des Jahres 2004 ließ der damalige Umweltbundesminister (Jürgen Trittin; Partei "Die Grünen") - meines Wissens nach in einer offiziellen Pressemitteilung des Ministerium - verlautbaren: "Es bleibt dabei, daß die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund 1 Euro im Monat kostet - so viel wie eine Kugel Eis". Beim Blick auf die Entwicklung der EEG-Umlage hüllt man zum einen besser den "Mantel des Schweigens" über die Aussage Trittins und fragt sich zum anderen, ob es sich mit den heutigen Aussagen so mancher der grünen Protagonisten dann in der Retrospektive ähnlich verhalten könnte ...
Im Frühjahr des Jahres 2011 sprach Prof. Sinn - damals als Präsident des renommierten ifo-Instituts - erstmals in einem vielbeachteten Gastkommentar im Handelsblatt von einer deutschen "Energiewende ins Nichts". In den Folgejahren hielt er zu dem Thema diverse Vorträge an deutschen Universitäten, die heftige Diskussionen und Kontroversen auslösten.
Anfang des Jahres 2019 bezeichnete die Redaktion des renommierten "Wall Street Journal" die deutsche Energiepolitik als "Dümmste Energiepolitik der Welt" (World`s Dumbest Energy Policy).
Um nur vier Beispiele aus zahlreichen zu nennen ...
Es existieren also sowohl auch abweichende oder zumindest differenziertere Meinungen zu dem Thema als auch so manche Aussagen, die sich ex post und de facto als fragwürdig bis komplett falsch herausgestellt haben.
Unabhängig von der schlichten Tatsache, daß ein Thema wie "Klimaschutz" bei Sorgen um den Arbeitslatz, Angst vor Wohlstandsverlust, Sorgen vor Geldentwertung (Inflation), Sorgen im Zusammenhang mit der inneren Sicherheit (Kriminalität) oder erst recht der äußeren Sicherheit (in der Ukraine beispielsweise dürfte Klimapolitik seit Jahren eher gar keine Rolle mehr spielen) zeitnah auf die hinteren Plätze der Prioritätenliste der Bürger wandert (oder ganz von dieser verschwindet):
Bislang sprich mit der bisherigen Vorgehensweise ist es hierzulande jedenfalls weder gelungen Ökonomie und Ökologie erfolgreich zu verbinden (mit Blick auf die vergangenen sieben Jahre gilt eher das Gegenteil) noch gelungen, Deutschland als sozusagen Vorbild in Sachen "Energiewende" zu positionieren (auch hier dürfte eher das Gegenteil gelten, denn ein Stagnations- oder gar Niedergangmodell dürfte kaum als Vorbild taugen, dem andere Länder dann nacheifern).
Im Ergebnis haben wir zudem hierzulande inzwischen wohl den teuersten Strompreis unter allen führenden Industrie- und Schwellenländern (G20-Staaten). In der Melange mit den anderen deutschen "Mühlsteinen um den Hals" (im internationalen Vergleich hohe bis überbordende Bürokratie, ebensolche EU-Regulatorik, sehr hohe Steuer-und Abgabenbelastung, hohe Arbeitskosten, hohe Unternehmensbesteuerung) in Sachen der "Internationalen Wettbewerbsfähigkeit" ein erhebliches, zusätzliches Problem.
Von einer autarken Energieversorgung kann ebenfalls nicht gesprochen werden, da hierzulande wohl fast 70% der benötigten Primärenergie durch Importe aus dem Ausland gedeckt werden müssen.
Das Alles wird bei Protagonisten nicht verfangen, die an die von Deutschland ausgehende "Rettung des Weltklimas" glauben und/oder dem Klimaschutz sozusagen Alles andere unterordnen wollen - gehört bei Realitätsbezug aber schlicht und einfach zu der ganzen Thematik dazu.