Du hast einen Fehler gemacht, du hast einen Vertrag geschlossen, der offensichtlich statt eines nicht störenden Betriebes plötzlich produzierendes Gewerbe in eine Wohngegend einziehen lassen sollte. Und erwartest jetzt, dass andere stramm stehen und deinen Fehler irgendwie gerade biegen („zu einem positivem Ende bringen“), damit du schnellstmöglich das Objekt versilbern kannst.
Der Antrag auf Nutzungsänderung wurde abgelehnt. Fristen gelten für vollständige und genehmigungsfähige/baureife Unterlagen. Wenn bei Anträgen zusätzliche Rechtsbereiche wie Immissionen, Gesundheit/Hygiene, Natur/Umwelt etc berührt werden, sind Fachbehörden zu Stellungnahmen einzubeziehen. Wenn man das vorher nicht auf dem Schirm hatte/abklärte, verlängern sich Fristen oder setzen diese außer Kraft.
Die Baubehörden, die ohnehin schon eine hohe Personalfluktuation haben mit hoher Ausschreibungsquote nach Ingenieuren, haben momentan zusätzlich deutschlandweit auf lange Zeit ganz andere Fristenfälle: den Bau-Turbo, der seit einigen Monaten gilt.
Mit unzähligen Anfragen und Anträgen für ungeplante und beplante Innenbereiche und insbesondere für daran anschließende Aussenbereiche. Viele Eigentümer, die jetzt hoffen, mit Zustimmung der Kommunen ihre brachliegenden oder nicht nennenswert nutzbaren Flächen monetär verwerten zu können.
Deine Anrufe, E-Mails und vehementen Bitten um ein Beratungsgespräch nach Ablehnung könnte man in dieser Situation vergleichen mit der Situation zur Grundsteuerreform, als die Finanzämter mit der deutschlandweiten Neubewertung der Liegenschaften befasst waren und viele Personen akzeptiertermaßen länger auf ihre Steuerbescheide warteten - und dann jemand nach Ablehnung kommt und auf ein persönliches Gespräch besteht, weil er partout nicht begreifen will, dass zb Nebeneinkünfte zu versteuern sind.
Dafür sind die steuerberatenden Berufe da, oder, wie in deinem Fall, die bauvorlagenberechtigten Berufe.
Ich denke, aktuell ist es größere Priorität, dass die Bauämter die Genehmigungsfristen- und Fiktionen des Bau-Turbos im Blick haben, damit in Innen- und Außenbereichen keine Baublüten entstehen, statt die knappe Zeit für Fälle zu verwenden, die aus finanziellen Gründen baurechtlich mit dem Kopf durch die Wand wollen, statt ihren Architekten die Zeit für eine ordnungsgemäße Abwicklung zu geben und einfach ihren Job machen zu lassen.
Der Threadtitel müsste eigentlich lauten „Vorsicht vor fehlendem Immobilienwissen“ oder „Vorsicht, wenn Immobilien sich nicht so schnell versilbern lassen wie man es gerne möchte“.