Rentenpunkte kaufen

Warum sich der Kauf von Rentenpunkten 2022 besonders lohnt

Jan Scharpenberg
Finanztip-Experte für Rente

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Kauf von Rentenpunkten kannst Du Abzüge durch die Rente ab 63 ausgleichen.
  • Das ist 2022 vergleichsweise günstig, weil das Durch­schnitts­ge­halt der Deutschen gesunken ist.

So gehst Du vor

  • Du kannst Rentenpunkte nur kaufen, wenn Du mindestens 50 Jahre alt bist.
  • Anhand unserer Beispiele siehst Du, ob sich der Kauf für Dich lohnt.
  • Nimm Dir als Entscheidungshilfe Deinen Steuerbescheid aus dem Vorjahr zur Hand.

Du hast eine größere Summe zur Verfügung und willst sie investieren. Vielleicht in ETFs, Gold oder sogar Kryptowährungen? Abseits dieser Möglichkeiten gibt es 2022 eine günstige Alternative, mit der Du Dein Geld relativ sicher investieren und dadurch auch noch früher in den Ruhestand gehen kannst: die freiwilligen Sonderzahlungen in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung, besser bekannt als „Rentenpunkte kaufen“.

Um zu verstehen, warum Du Rentenpunkte auch kaufen kannst und warum das dieses Jahr so günstig ist, erklären wir Dir schnell ein paar Grundlagen.

Wer darf Rentenpunkte kaufen?

Zunächst ein kleiner Dämpfer. Um Rentenpunkte zu kaufen, musst Du mindestens 50 Jahre alt sein. Außerdem musst Du eine realistische Chance haben, die 35 Beitragsjahre zu erreichen, die für die vorgezogene Rente ab 63 Voraussetzung sind.

Du solltest also mit 50 mindestens 22 Beitragsjahre gesammelt haben, weil Du dann noch mindestens 13 Beitragsjahre sammeln musst, bis Du Deine Altersrente frühestens in Anspruch nehmen kannst.

Wer seine Regelaltersgrenze bereits erreicht hat, darf in aller Regel ebenfalls keine Rentenpunkte mehr kaufen.

So gleichst du mit Rentenpunkten Abzüge bei der Rente aus

Die Rentenpunkte heißen im Fachjargon eigentlich Entgeltpunkte. Die sammelst Du normalerweise automatisch in Deinem Arbeitsleben und bekommst sie, vereinfacht gesagt, im Ruhestand als Rente wieder ausbezahlt. Für jedes Jahr, dass Du in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung einbezahlst, bekommst Du eine bestimmte Anzahl an Rentenpunkten gutgeschrieben. Das ist abhängig davon, wie viel Du verdienst und wie viel alle anderen gesetzlich Versicherten verdienen.

Die Ren­ten­ver­si­che­rung vergleicht Dein Gehalt mit dem sogenannten Durchschnittsentgelt. Bekommst Du genauso viel Gehalt wie der Durchschnitt, wird dir exakt ein Rentenpunkt gutgeschrieben. Was Du an Lohn prozentual mehr oder weniger verdienst, bekommst Du auch prozentual mehr oder weniger als Rentenpunkt. Wenn Du dann in den Ruhestand gehst, multipliziert die Ren­ten­ver­si­che­rung Deine Rentenpunkte mit dem Rentenwert und anderen Rechengrößen wie dem Zugangs- und dem Rentenfaktor und bestimmt so die Höhe Deiner monatlichen Rente. Wenn Du die normale Altersrente zum vorgesehenen Renteneintrittsdatum in Anspruch nimmst, sind Zugangs- und Rentenfaktor genau 1. Deine Rente errechnet sich also nur aus dem aktuellen Rentenwert multipliziert mit Deinen Rentenpunkten.

Wenn Du jedoch Deine Altersrente früher in Anspruch nehmen willst, verringert sich auch Deine monatliche Rente. Die Ren­ten­ver­si­che­rung zieht dir 0,3 Prozent pro Monat vor Erreichen der Regelaltersgrenze ab.

Beispielrechnung:

Holger hat 45 Rentenpunkte gesammelt, ist 67 Jahre alt und geht regulär in Rente. Ein Rentenpunkt ist seit 1. Juli 36,02 (West) und 35,52 Euro (Ost) wert. In den alten Bundesländern würde Holger also eine monatliche Rente von 1620,90 Euro bekommen. Würde Holger hingegen schon mit 65 Jahren und 45 Rentenpunkten in den vorgezogenen Ruhestand gehen, bekäme er 7,2 Prozent (24 Monate * 0,3 Prozent) von seinen monatlichen Bezügen abgezogen. Seine Rente läge demnach bei 1.504,20 Euro.

Wer früher in Rente gehen will, aber keine Lust hat, die Abzüge hinzunehmen, braucht zum Ausgleich mehr Rentenpunkte. Hier kommen die freiwilligen Sonderzahlungen ins Spiel. Bleiben wir bei unserem Beispiel. In diesem hatte Holger bei zwei Jahren vorgezogener Rente ein Minus von 116,70 Euro im Monat. Er bräuchte 3,49 Rentenpunkte (West), um dieses Minus auszugleichen. (Berechnung: 116,7/36,02 x (1/(1-24x0,003))).

Warum lohnt sich der Kauf von Rentenpunkten 2022?

Es ist 2022 besonders sinnvoll, Rentenpunkte zu kaufen. Der Grund: Das Durchschnittsentgelt ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken ist. Die Rentenpunkte sind in der Folge billiger geworden. Das Durch­schnitts­ge­halt aller Versicherten fiel in den alten Bundesländern von 41.541 Euro auf 38.901 Euro im Jahr. In den neuen Bundesländern sank es von 39.338 Euro auf 37.333 Euro im Jahr. Grund dafür ist hauptsächlich die Kurzarbeit während der Corona-Pandemie.

Wie kann die Ren­ten­ver­si­che­rung aber jetzt schon mit dem Durch­schnitts­ge­halt von 2022 rechnen? Es handelt sich um einen vorläufigen Wert, bei dem die Werte des Statistischen Bundesamtes zu den Durchschnittsgehältern aus den vorangegangenen zwei Jahren weiter gerechnet werden. Dass das Durch­schnitts­ge­halt also bereits 2021 gesunken ist, schlägt sich statistisch erst 2022 nieder.

Um zu erfahren wie viel Dich ein Rentenpunkt 2022 kostet, schauen wir uns zunächst den Beitragssatz an. Das ist der Teil Deines Gehaltes, den Du an die Ren­ten­ver­si­che­rung bezahlst und für den Du dann Rentenpunkte gutgeschrieben bekommst. Dieses Jahr liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent. Wenn Du angestellt bist, trägt davon die Hälfte Dein Arbeitgeber. Wenn Du jedoch Rentenpunkte abseits Deines Gehalts freiwillig kaufen möchtest, trägst Du den Beitragssatz allein. Ein Rentenpunkt kostet 2022 in den alten Bundesländern demnach 7235,59 Euro und in den neuen Bundesländern 6943,94 Euro. (18,6 Prozent von 38.901/37.333 Euro). 2021 waren es 7.726,63 Euro (West) und 7.316,87 Euro (Ost).

Ein Beispiel: Die Grundlage ist dabei weiter Holger von weiter oben. Er wollte 3,49 Rentenpunkte (West) kaufen. Dann würde er bei gleich hoher Rente zwei Jahre früher lachend in den Ruhestand verschwinden. Diese Rentenpunkte würden Holger dieses Jahr 25.262,18 Euro kosten. Im vergangenen Jahr wäre die gleiche Anzahl mit 26.965,94 Euro satte 1.703,94 Euro teurer gewesen.

Nun könntest Du darauf spekulieren, dass das Durch­schnitts­ge­halt nächstes Jahr erneut sinkt und mit dem Kauf der Rentenpunkte deshalb abwarten. Für wen es sich lohnt, wie viel Rentenpunkte zu kaufen, erklären wir Dir später noch schnell und einfach. So viel sei aber schon verraten: Die Daten zur Lohnentwicklung, die dem Statistischen Bundesamt für das erste Quartal vorliegen, deuten darauf hin, dass das Durchschnittsentgelt 2023 sehr sicher wieder steigen wird und die Rentenpunkte damit teurer werden.

Wie wirkt sich der Kauf auf deine Steuer aus?

Der Kauf von Rentenpunkten lohnt sich auch aus einem zweiten Grund. Die Kosten für die Rentenpunkte kannst Du nämlich steuerlich als Altersvorsorgeaufwendungen bei den Sonderausgaben in der Steu­er­er­klä­rung geltend machen. Du kannst also nicht nur Deine vorgezogene Rente aufbessern, sondern damit auch noch Tausende Euro Steuern sparen. Das hat mit einer Reform der Rente von 2005 zu tun. Damals wurde entschieden, dass Deine monatliche Rente im Ruhestand je nach Jahr des Renteneintritts immer stärker besteuert wird. Als Ausgleich dazu steigt jedes Jahr der Anteil der absetzbaren Kosten, die Du privat für Deine Altersvorsorge aufwendest. Zu diesen Kosten zählen auch die Ausgaben für Rentenpunkte. 2022 kannst Du sie zu 94 Prozent absetzen.

Dieser Prozentsatz wird erstens auf den maximal absetzbaren Betrag der Altersvorsorgeaufwendungen von 25.639 Euro (doppelte Summe für Paare) angewandt. Steuerlich könntest Du als Alleinstehender also maximal 24.100,66 Euro für Altersvorsorgeaufwendungen geltend machen. Zweitens werden die 94 Prozent aber auch auf Deine jeweiligen Altersvorsorgeaufwendungen an sich angewandt. Ein Rentenpunkt (West) fließt demnach zu 6.801,45 Euro in Deine Sonderausgaben ein. (94 Prozent von 7235,59 Euro). Neben Kosten für Rentenpunkte kannst Du übrigens auch Kosten für eine Riester- oder Rürup-Rente steuerlich geltend machen. Wie das funktioniert und für wen es sich lohnt haben wir dir in unserem Ratgeber zu Steuer und Ver­si­che­rungen aufgeschrieben.

Wie sehr lohnen sich Rentenpunkte für deine Steuer?

Lass uns doch einmal schauen, wie viel Geld Du mit dem Kauf von Rentenpunkten bei der Steuer sparen kannst. In unserem Beispiel weiter oben wollte Holger 3,49 Rentenpunkte (West) für 25.262,18 Euro kaufen. Davon kann er 94 Prozent, also 23.746,45 Euro, geltend machen. Um diesen Betrag verringert sich sein zu versteuerndes Einkommen. Das zu versteuernde Einkommen, kurz zvE, stellt alle Einnahmen minus aller Kosten dar, die von der Steuer absetzbar sind. Wie der Begriff schon aussagt, ist es also die Summe, auf die Du am Ende effektiv Steuern zahlst. Dein zvE kannst du auch in deinem Steuerbescheid nachschlagen.

Beispiel: Holgers zvE hat vor dem Kauf der Rentenpunkte bei 40.000 Euro gelegen. Darauf müsste er laut Steuergrundtabelle 2022 ohne Kirchensteuer 8177 Euro Steuern zahlen. Nach dem Kauf der Rentenpunkte liegt sein zvE aber nur noch bei rund 14.982,54 Euro. Darauf zahlt Holger gerade einmal 882 Euro Steuern. Das würde eine dicke Steuerersparnis von 7295 Euro ergeben. In der Realität dürfte Holgers Steuerersparnis jedoch kleiner ausfallen, weil es noch etwas komplizierter wird. Aber keine Sorge, das erklären wir Dir auch ganz einfach.

Bevor Du also nach dem Blick auf diese großen Sparmöglichkeiten losrennst, um auch den allerletzten Cent in Rentenpunkte zu investieren: Du kannst diese Steuerersparnis nicht ins Unendliche ausreizen. Grund dafür ist der maximale absetzbare Betrag der Altersvorsorgeaufwendungen. Und der liegt 2022 bei 24.100,66 Euro für Alleinstehende.

Diesen Betrag hast Du als Arbeitnehmer mit Sicherheit schon zum Teil ausgereizt. Denn auf diesem Posten werden auch Deine Einzahlungen an die Ren­ten­ver­si­che­rung steuerlich geltend gemacht, die Du automatisch über Deinen Lohn geleistet hast – inklusive Arbeitgeberanteil. Legen wir die Durchschnittsentgelte aus Ost und West zu Grunde, hat der durchschnittliche Angestellte durch seine Zahlungen an die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung den maximal absetzbaren Betrag bereits um 6664,38 Euro auf 17.436,28 Euro gesenkt.

Das bedeutet: Für durchschnittliche Alleinstehende lohnt es sich 2022 maximal rund 2,56 Rentenpunkte (West) oder rund 2,67 Rentenpunkte (Ost) zu kaufen, um das übrig gebliebene Maximum von 17.436,28 Euro für Altersvorsorgeaufwendungen auszureizen. Und das auch nur, wenn Du ansonsten keinerlei andere absetzbare Altersvorsorgeaufwendungen oder Sonderausgaben hast. Alles über diese Anzahl an Rentenpunkten würde zwar Deine Rente erhöhen, wäre aber verschwendete Steuerersparnis.

Auf die musst Du auch in Bezug auf den Grundfreibetrag achten. Dieser Betrag regelt, ab welchem Einkommen im Jahr Steuern bezahlt werden müssen und liegt für 2022 bei 10.347 Euro. Es macht für das Finanzamt also keinen Unterschied, ob Dein zu versteuerndes Einkommen bei 5.000 Euro oder 10.347 Euro liegt. In beiden Fällen zahlst Du keine Steuern.

Das heißt: Senkst Du mit dem Kauf von Rentenpunkten Dein zu versteuerndes Einkommen unter den Grundfreibetrag, verschwendest Du einen Teil Deiner Steuerersparnis. Der Kauf von Rentenpunkten lohnt sich also vor allem, falls Du ein entsprechend hohes zu versteuerndes Einkommen hast, das Du senken möchtest. Es lohnt sich auch für Paare, bei denen einer von beiden ein hohes Einkommen beisteuert, das durch den doppelt absetzbaren Betrag gesenkt werden kann.

Wie erfährst Du Dein Steuer-Budget für Rentenpunkte?

Ein Teil Deiner möglichen Steuerersparnis ist also bereits durch die Zahlung an die Ren­ten­ver­si­che­rung über Deinen Lohn belegt. Wie viel das ist, kannst Du berechnen, indem Du Deinen jährlichen Bruttolohn mit dem Beitragssatz von 18,6 Prozent multiplizierst. Das Ergebnis multiplizierst Du dann wiederum mit dem Steuersatz von 94 Prozent.

Beispiel: Marie verdient 50.000 Euro im Jahr als Angestellte. Dann sind bereits 8742 Euro Altersvorsorgeaufwendungen bei der Steuer verbucht. Ihr bleiben noch 15.358,66 Euro absetzbares Budget zum Kauf von Rentenpunkten. Dieses Jahr würde sich für Marie also maximal der Kauf von rund 2,25 Rentenpunkten (West) steuerlich lohnen.

Nehmen wir den Grundfreibetrag von 10.347 Euro dazu, sollte Maries zvE vor dem Kauf der Rentenpunkte also mindestens bei 25.705,66 Euro liegen – was bei einem Bruttogehalt von 50.000 Euro der Fall sein sollte. Ist ihr zvE dennoch geringer, ist ein Teil von Maries Steuerersparnis futsch.

Wann solltest Du Rentenpunkte kaufen?

Ob Du in Rentenpunkte investieren solltest, hängt zunächst davon ab, wie viel Geld Du überhaupt zur Verfügung hast. Eines muss Dir klar sein: Das Geld, das Du in Rentenpunkte investierst, kannst Du dir später nur über Deine monatliche Rente auszahlen lassen. Eine vorzeitige Auszahlung im Ganzen, falls Du einmal dringend eine größere Summe benötigst, ist nicht möglich.

Das gilt auch, wenn Du Dich später dazu entscheidest, doch nicht früher in Rente zu gehen, und Du dann keinen Ausgleich der Abzüge mehr brauchst. In diesem Fall erhöht die Sonderzahlung einfach Deine normale Rente zusätzlich.

Als zweite Entscheidungshilfe solltest Du Dir Deinen Steuerbescheid aus dem vorangegangenen Jahr ansehen. Darin findest Du die „Berechnung des zu versteuernden Einkommens“ auf Seite 1 oder 2. In dieser Berechnung findest Du als ersten Posten bereits die Summe Deiner Altersvorsorgeaufwendungen, die schon automatisch steuerlich geltend gemacht wurden und deswegen Dein absetzbares Budget für Rentenpunkte verringert haben.

Um zu kalkulieren, wie hoch die Summe Deiner automatischen Altersvorsorgeaufwendungen für dieses Jahr ausfällt, musst Du 2 Prozent obendrauf schlagen. Denn um diese Zahl erhöht sich der maximal absetzbare Betrag.

Am Ende der Rechnung findest Du die Summe Deines zvE aus dem vorangegangenen Jahr. Hat sich Deine Einnahmen- und Ausgabensituation seit dem letzten Jahr nicht großartig geändert, kannst Du die Summe als Orientierung für dieses Jahr heranziehen. Sie sollte – wie bereits erwähnt – mindestens so hoch sein wie die Summe, die Du mit dem Kauf Deiner Rentenpunkte von der Steuer absetzen kannst.

Wann solltest du Rentenpunkte aufteilen?

Was ist aber, wenn Du wie in unserem Beispiel mehr Rentenpunkte zum Ausgleich Deiner vorgezogenen Rente brauchst, als Dein zvE hergibt? Dann hast Du die Möglichkeit, die Zahlung für Deine Rentenpunkte auf mehrere Jahre zu verteilen. Das kann positive wie negative Auswirkungen haben.

Es gibt viele Rechengrößen, die die Rentenpunkte nächstes Jahr teurer machen könnten. Wie schon erwähnt, sind die Löhne (ohne Berücksichtigung der Inflation) im 1. Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr bereits um 4 Prozent gewachsen. Der Blick auf die langfristige Entwicklung des Durchschnittsentgelts lässt ebenfalls vermuten, dass es 2023 wieder höher liegt. Laut Daten der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund ist es seit 1968 bis 2020 jedes Jahr gestiegen. Ausnahmejahre waren lediglich 2009 aufgrund der damaligen Finanzkrise und eben 2021 wegen der Pandemie. Diese Entwicklung macht 2022 für den Kauf von Rentenpunkten so besonders.

2023 könnte zudem der Beitragssatz steigen. Auch das würde die Rentenpunkte verteuern. Ob und wie viel der Beitragssatz steigt, ist allerdings schwer zu prognostizieren. Sicher festlegen lässt sich nur eine Obergrenze. Denn gesetzlich ist der Beitragssatz bis 2025 auf 20 Prozent gedeckelt (Haltelinie II). Dass er bereits im kommenden Jahr auf dieses Maximum springt, ist aber nahezu ausgeschlossen. Seriöse Prognosen sagen bisher keine oder nur eine minimale Steigerung des Beitragssatzes auf 18,7 Prozent voraus. Grund dafür ist die trotz Pandemie gute Einnahmensituation der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung. Sicherer lässt sich hingegen die Auswirkungen auf Deine Steuer voraussagen, wenn Du Rentenpunkte nächstes Jahr kaufst. Aller Voraussicht nach dürfte diese positiver ausfallen als 2022. Denn die Ampel-Koalition hat im Koalitionsvertrag angekündigt, dass Du die Kosten für Deine Altersvorsorge bereits im nächsten Jahr zu 100 statt der geplanten 96 Prozent absetzen kannst. Die entsprechende Gesetzesänderung ​fehlt zwar noch, mit ihr wird aber fest gerechnet. Das Bundesfinanzministerium hat Ende Juli den dafür notwendigen Gesetzesentwurf vorgelegt.

Rentenpunkte wegen Steuerreform später kaufen?

Du musst abwägen, ob die bessere Absetzbarkeit einen Preisanstieg der Rentenpunkte wett machen wird. Oder anders formuliert: Ob Du 2022 oder erst später Rentenpunkte zukaufen solltest.

Dazu lässt sich bereits jetzt sagen, dass ein höheres Durch­schnitts­ge­halt einen größeren Effekt auf den Preis der Rentenpunkte hat, als Dir umgekehrt die günstigere steuerliche Absetzbarkeit hilft.

Denn eine Erhöhung des Durch­schnitts­ge­halts fließt über den Beitragssatz zu mindestens 18,6 Prozent in den Preis für Rentenpunkte ein. Steigt der Durchschnittslohn beispielsweise nur um ein Prozent, macht sich das im Preis schon mit mindestens 72 Euro pro Rentenpunkt (West) bemerkbar.

Die steuerliche Absetzbarkeit hingegen steigert sich selbst mit der geplanten Steuerreform für Vorsorgeaufwendungen maximal um sechs Prozentpunkte. Diese sechs zusätzlichen Prozent sind dann auch nicht die reine Steuerersparnis, sondern lediglich der Betrag, um den Dein zu versteuerndes Einkommen nächstes Jahr gesenkt wird. Die reine Steuerersparnis ist wieder nur ein prozentualer Anteil dieser Absenkung.

Sollte das Durch­schnitts­ge­halt entgegen der Prognosen nur um ein bis zwei Prozent steigen, dann könnte die Steuerersparnis nach unseren Berechnungen im Schnitt höher sein als der Anstieg des Preises für Rentenpunkte. Steigt das Durch­schnitts­ge­halt höher, ist sehr wahrscheinlich das Gegenteil der Fall.

Was heißt das für Dich? Hast Du das Budget für absetzbare Vorsorgeaufwendungen nicht ausgereizt und damit auch keine Notwendigkeit, Deine Rentenpunkte zu splitten, bist Du auf der sicheren Seite, wenn Du Deine Rentenpunkte dieses Jahr kaufst.

Hast Du das absetzbare Budget für Rentenpunkte hingegen ausgereizt, ist es ganz unabhängig von Steuerreform oder Anstieg des Durch­schnitts­ge­halts ratsam, Deine Rentenpunkte zu splitten. Für die überschüssigen Rentenpunkte wäre Deine Steuerersparnis dieses Jahr ansonsten 0 Euro. Das macht auch kein vergleichsweise niedriger Preis der Punkte wett.

Wenn Du weißt, dass Du auch im kommenden Jahr ein hohes zu versteuerndes Einkommen und genug Geld zum Investieren hast, wird sich auch dann der Kauf von Rentenpunkten steuerlich lohnen.

Wie kannst Du Rentenpunkte kaufen?

Du hast Dich zum Kauf von Rentenpunkten entschieden? Dann füllst Du als ersten Schritt das Formular V0210 aus. Damit forderst Du bei der Ren­ten­ver­si­che­rung eine Berechnung Deines Ausgleichsbedarfs an Rentenpunkten an.

Darin sind ein paar Angaben enthalten, die vielleicht etwas abschreckend wirken. So musst Du unter Punkt 1 angeben, ob Du eine Alters- oder Schwerbehindertenrente in Anspruch nehmen wirst. Unter Punkt 4 wirst Du aufgefordert, Deinen gewünschten Rentenbeginn anzugeben. Keine Sorge: Diese Angaben sind nicht bindend. Sie dienen lediglich zur Berechnung Deines Ausgleichsbedarfs.

Dafür braucht die Ren­ten­ver­si­che­rung auch einen Überblick über Deine Beitragsjahre. Daher solltest Du bereits vorher bei der Ren­ten­ver­si­che­rung einen Antrag auf Kontenklärung mit dem Formular V0100 gestellt haben.

Außerdem musst Du für die Berechnung Deines Ausgleichsbedarfs eine Bestätigung Deines Arbeitgebers über die Höhe Deines Gehalts vorweisen. Das geht wiederum mit dem Formular V0211.

Hast Du alles ausgefüllt und abgeschickt, bekommst Du von der Ren­ten­ver­si­che­rung nach einer gewissen Bearbeitungszeit eine Antwort mit Deinem Ausgleichsbedarf an Rentenpunkten zugeschickt. Auch die Summe, die für deren Kauf notwendig ist, steht in der Antwort.

Du bist nicht verpflichtet, die Anzahl an Rentenpunkten zu kaufen, die Dir die Ren­ten­ver­si­che­rung in ihrer Antwort nennt. Du kannst – wie bereits erwähnt – auch nur einen Teil davon kaufen.

Vorsicht: Die Ren­ten­ver­si­che­rung berechnet Deinen Preis für Rentenpunkte mit den Werten, die zum Zeit­punkt Deiner Antragsstellung gelten. Sobald die Ren­ten­ver­si­che­rung Dir dann den Preis schriftlich mitteilt, hast Du drei Monate Zeit, um die Rentenpunkte zu besagtem Preis zu kaufen (sechs Monate, wenn Du im Ausland lebst). Verpasst Du diese Frist und zahlst später, werden die dann gültigen Werte zur Berechnung herangezogen. Das kann dazu führen, dass die Rentenpunkte dann teurer oder im besten Falle günstiger sind als ursprünglich mitgeteilt.

Autor
Jan Scharpenberg