Hallo Jadsc, willkommen im Forum.
Du hast also eigentlich nicht 100.000 EUR sondern 200.000 EUR verfügbar, wenn man das vorhandene Tagesgeld mit einbezieht. Hinzu kommt ein Aktien-ETF mit einem Wert in unbekannter Höhe. Die 100.000 bzw. 200.000 EUR möchtest du nun für zunächst 10 Jahre anlegen und dann daraus entnehmen. Der Anlagehorizont ist also potentiell noch deutlich länger als 10 Jahre. Womöglich noch 30+ Jahre.
Zu den von dir genannten Instrumenten:
Geldmarkt-ETF
Anleihen-ETF und
IBonds
Geldmarkt-ETF: der von dir genannte DBX0AN ist ein sehr gutes Produkt, und ist gut als Liquiditätsreserve geeignet. Nicht jedoch ist er als womöglich alleiniges Instrument zur langfristigen Anlage größerer Summen geeignet, da die Verzinsung i.d.R. unterhalb der Inflation liegt.
Anleihen-ETF sind grundsätzlich sehr gut geeignet. Von dem genannten A0RL83 rate ich jedoch ab. Es sind zwar Staatsanleihen in Euro, auf den ersten Blick also eine eher konservative Anlage ohne Währungsrisiken. Dieser konkrete ETF beinhaltet jedoch alle Laufzeiten an Anleihen, und schwankt daher mitunter stark im Wert. Schau dir einfach den Kursverlauf im Jahr 2022 an, dann weisst du was ich meine. Die Laufzeitprämie für die langen Anleihe-Laufzeiten ist nicht sonderlich hoch, sprich das Zinsänderungsrisiko wird nicht ausreichend prämiert und es lohnt sich daher nicht dieses einzugehen. Ich rate eher zu kurlaufenden Anleihen wie bspw. DBX0T8 (kurzlaufende deutsche Bundesanleihen oder maximal noch DBX0AD (Staatsanleihen der Eurozone mit Restlaufzeit 1-3 Jahre).
iBonds sind letztlich nichts anderes als Unternehmensanleihen. Du leihst also Unternehmen dein Geld, bist somit ein Fremdkapitalgeber. Kann man machen. Ich halte persönlich aber nicht viel davon. Du kannst dich stattdessen auch mit einem Teil des Geldes am Eigenkapital der Unternehmen beteiligen, sprich Aktien-ETFs kaufen. Und den Rest in die oben genannten Anleihen-ETFs investieren. Siehe hier auch einen Beitrag von Prof. Walz zu iBonds bzw. Laufzeit-ETFs
Meine Empfehlungen schliessen sich daher weitgehend den bereits weiter oben genannten an:
- Die 100.000 EUR solltest du in deine Anlageentscheidung mit einbeziehen. Im Tagesgeld verlierst du kontinuierlich an Kaufkraft, da dieses vermutlich unterhalb der Inflation verzinst ist.
- Mach es nicht unnötig kompliziert, je einfacher du das Portfolio strukturierst, desto besser. Gerade im Alter zahlt sich das aus. Das bedeutet insbesondere, so wenige und so einfache Instrumente wie möglich.
- Investiere trotz deiner niedrigen Risikotoleranz auch in Aktien. Diese sind der Renditemotor im Portfolio, auch im Ruhestand. Du hast dazu einen ausreichend langen Anlagehorizont.
Konkret könnte das Portfolio also aus dem bereits vorhandenen Aktien ETF A2PKXG sowie einem Sicherheitsbaustein, bspw. DBX0T8 (oder wegen mir noch DBX0T8 plus DBX0AD im Verhältnis ca. 50/50) bestehen.
Ein zusätzlicher Geldmarkt-ETF wie DBX0AN als Liquiditätsreserve ist denkbar, aber nicht unbedingt nötig. Dieser verhält sich im Kursverlauf nahezu identisch zu dem oben genannten DBX0T8.
Die Gewichtung zwischen den Bestandteilen Aktien-ETF und Anleihen-/Geldmarkt-ETFs sollte m.E. wenigsten 50/50 sein. Besser sogar eine noch etwas höhere Aktienquote, zumindest in den nächsten ca. 5 Jahren.