Ich finde solche Vergleiche wenig überzeugend, besonders wenn sie von jemanden stammen, der versucht, mit diesem Thema Geld zu verdienen.
Versuchen wir doch mal ein praktischen Vergleich Gold zu Bitcoin aus dem echten Leben. Tante Margot und Onkel Heinz, beide wenig IT-affin, wollen einen Teil ihres Geldes krisensicher anlegen und haben die Wahl zwischen Gold und Bitcoin.
Beginnen wir mit Gold. Das ist einfach zu erwerben, bei einer Bank oder einem Edelmetallhändler. Man geht da hin, bezahlt und nimmt das Gold in Form von Münzen oder Barren der gewünschten Größe mit. Das Risiko, bei diesen Verkäufern Falschgold zu erhalten, ist praktisch Null. Aufbewahrung ist simpel, manche lagern es im Schließfach, andere vergraben es im Garten oder bewahren es sonstwo im Haus auf. Solange man die Regel beachtet, niemandem von seinem Goldbesitz zu erzählen, ist das Risiko, Opfer eines Diebstahls zu werden, sehr gering. Gold bedarf keiner Pflege oder spezieller Umweltbedingungen, selbst nach Jahrhunderten ist es immer noch Gold.
Nun kommen wir zu Bitcoin. Da wird allein schon der Erwerb schwieriger, denn er funktioniert nur online. Wo kauft man Bitcoin? Das geht praktisch nur bei einer dieser Krypto-Börsen. Die sind natürlich ein Musterbeispiel an Seriosität und Sicherheit. Ich persönlich würde nicht einen Cent an solche Läden überweisen. Nehmen wir aber mal an, Margot und Heinz sind risikofreudiger als ich und haben sich tatsächlich erfolgreich bei so einer Börse registriert und erwerben über diese Bitcoin. Eigentlich tun sie das nicht wirklich, denn: not your keys, not your coins. Im Grunde also eine Schuldverschreibung der Börse, bei der man hofft, dass man die Börse Euros oder Dollars wieder auszahlt, wenn man die Bitcoins wieder verkauft. Ist die Börse pleite, weil z.B. der Kim aus dem Norden Koreas die Bitcoins geklaut hat, verliert auch der Gläubiger, also der Bitcoin-Anleger (wohlgemerkt nicht Eigentümer sein Geld).
Nun kann man natürlich die Bitcoins auf sein Cold Wallet transferieren, wenn man weiß, wie das geht und die Börse das zulässt. Dieses Wallet ist im wesentlichen ein USB-Stick mit etwas Software dabei. So ein Stick kann verloren gehen oder defekt werden, vielleicht ist irgendwann auch mal die Software nicht mehr lauffähig auf aktuellen Betriebssystemen. Aber da gibt es ja so eine recovery phrase, mit der man seine Bitcoin-Schlüssel auf einem neuen Wallet wiederherstellen kann. Die muss man sich nur merken oder, wie manche empfehlen, auf eine Metallplatte gravieren lassen. Denn wenn man die vergisst, kann man im Falle eines Falles seine Bitcoins auch vergessen.
Wenn also nun Tante Margot und Onkel Heinz beispielsweise €30.000 anlegen wollen, was werden sie wohl tun?
a) 10 Krügerrand kaufen
b) einem zwielichtigen Börsenbetreiber €30.000 überweisen und hoffen, dass da nichts Schlimmes passiert
c) einen kostenpflichtigen Kurs "How to use your wallet" besuchen und versuchen, ihre Bitcoin-Investition auf einen USB-Stick zu kopieren.