Wir leben zu zweit relativ weit unter unseren Verhältnissen (günstige Wohnung zur Miete, kein Luxus, gebrauchtes Auto, kinderlos). Momentan sparen wir auf zwei Einkommen gesehen ca. 50-60% des Nettos. Ein Umdenken von Konsum hin zu weniger Konsum und mehr Lebensfreude hat vor ca. 10-15 Jahren bei mir stattgefunden.
Ich allein habe auch schon mal 70-75% gespart. Das grenzte aber auch schon an deutlichem Verzicht und habe ich letztlich auch nicht lange durchgehalten. Ich bin nun seit fast 14 Jahren an der Börse und stelle immer wieder fest, dass die Entwicklung des Vermögens deutlich schneller voran geht als ich mir damals vorgestellt habe. Meine Ziele bezüglich des Zielvermögens haben sich auch schon mehrfach geändert.
In den letzten paar Jahren war die Rendite als absoluter Betrag deutlich höher als der Betrag den ich spare, obwohl das prozentual so viel vom Netto aus macht. Der Betrag den wir pro Jahr sparen macht vielleicht noch so 8-10% vom Vermögen aus. Das Einkommen ist natürlich auch gestiegen. Ich spare heute 8x so viel wie vor 15 Jahren
rückblickend ist das zwar nett gewesen damals schon gut zu sparen, allerdings wenn ich sehe was ich heute weg spare ohne groß anders zu leben frage ich mich schon manchmal ob das wirklich sein musste. Mir ist aber auch der Gewöhnungseffekt wichtig. Das Geld ist verplant und das dauerhaft.
Im Gegensatz zu den Empfehlungen von Finanztip sind wir gerade dabei unsere Sparquote nach und nach zu reduzieren. Irgendwann ist ein Punkt erreicht an dem 100€ mehr oder weniger sparen einfach keinen Unterschied mehr machen. Stattdessen steigert sich die Lebensfreude mit jeder Gehaltserhöhung. Allerdings stellt sich auch hier eine Art Sättigung ein, natürlich auch weil wir mittlerweile mit deutlich weniger materiellen Dingen glücklich sind.
Bis dahin würde ich empfehlen so viel wie möglich sparen ohne seinen Lebensstil merklich einschränken zu müssen. Lieber klein anfangen als gar nichts zu tun. Ein gewisser Verzicht vor allem in jungen Jahren gehörte für mich dazu (z.B. nicht jedes Jahr eine Fernreise, kein Neuwagen, nur eine statt 3 Kugeln Eis etc...). Das muss jeder individuell entscheiden. Heute sehe ich das deutlich entspannter.
Je nach Alter sind 15-20% zu sparen sicher eine gute Idee. Es kommt eben auch aufs Ziel an. Wir möchten wenn möglich auch deutlich früher ausgesorgt haben als es der Staat vorschreibt. Eventuell möchte ich auch demnächst die Stunden reduzieren. Eine höhere Sparquote bedeutet für mich in erste Linie später mehr Möglichkeiten zu haben (Teilzeit, Selbständigkeit probieren, früher in Rente, etwas verschenken...). Man muss ehrlich überlegen was einem das wert ist. Natürlich weiß ich auch nicht wieviel von dem Ersparten wir im Alter überhaupt noch genießen können.
Ich bin z.B. auch privat krankenversichert. Auch deswegen habe ich den Anspruch deutlich mehr zu sparen. Allerdings was ich auch lernen musste. Es ist viel wichtiger überhaupt regelmäßig Geld zu verdienen als das Einkommen aufs Äußerste steigern zu wollen. Ich kenne Beispiele mit Burnout etc. wo die Leute sehr gut verdient haben aber es letztendlich nicht durchhalten konnten. Das ist aber am Ende DER Hebel zu einen ausreichenden Vermögen.
Übrigens ob ich das Geld jemals ausgeben kann weiß ich nicht und es ist mir auch nicht wichtig. Wir wollen uns einfach ein schönes Leben damit machen. Voraussichtlich wird es keine Erben geben. Mein Traum wäre es, dass wir uns später keine großen Gedanken um unsere Finanzen machen müssen. jetzt sind wir noch jung und flexibel und können uns auch mal verbiegen um an Geld zu kommen. Später möchte ich mir da keine Gedanken mehr machen müssen.