Alles anzeigenIch mache mal zwei Rechenbeispiele. Eins vor und eins nach der Rente.
Starten wir vor der Rente, sagen wir für das Jahr 2036, d.h. in 10 Jahren. Um eine Prognose für 2036 abzugeben, muss man natürlich ein paar Annahmen treffen.
GKV vor Rente, Beispiel für Jahr 2036
Die BBG sollte im Jahr 2026 bei 3,5% jährlicher Steigerung bei 69,75k * (1 + 0,035)10 = 98.389€ liegen. Der Beitragssatz für Kranken- und Pflegeversicherung sollte bei jährl. Steigerung um 0,4% bei (14.6% + 2,59% + 3.6%) + 10 * 0,4% = 24,8% liegen. D.h. brutto würden 0,248 * 98,389€ = 24.400€ fällig. Mein AG übernimmt davon die Hälfte, mein Eigenanteil beträgt dann 12.200€. Diesen Anteil kann ich vollständig von der Steuer absetzen. Da ich weit im Höchststeuersatz von 42% bin, entspricht das 5.124€ Steuerreduktion. Netto bezahle ich also 12.200€ - 5.124€ = 7.076€ im Jahr bzw. 589€ pro Monat.
PKV vor Rente, Beispiel für Jahr 2036
Ich gehe von einem monatlichen Start-Versicherungsbeitrag von 900€ für mich heute, also 2026, aus. Bei 5% jährl. Steigerung (ich bin Angestellter ohne Beihilfe --> halte ich für realistisch) entspräche das in 10 Jahren 900€ * (1,05)10 = 1.466€.
Für ein Kind gehe ich von einem monatlichen Startbeitrag von 250€ im Jahr 2026 aus. Bei gleicher 5% Steigerung entspricht das im Jahr 2036 407€ pro Monat. Die monatliche Belastung bei 2 Kindern beträgt dann in Summe 1.466€ + 2*407€ = 2.280€. Der AG zahlt wie bei der GKV zu, maximal so viel wie für die GKV. Das entspricht den jährl. 12.200€ von oben bzw. 1.016€ pro Monat. Da meine eigene KV ist in diesem Szenario schon teurer als der AG-Anteil ist bleibt für die Kinder nichts übrig. Mein Anteil nach AG-Zuschuss ist dann noch 1.466€ - 1.016€ = 466€. Zusätzlich mit den Kinderbeiträgen beträgt mein monatl. Eigenanteil dann (466€ + 2 * 407€) = 1.280€. Annahme: 80% meines PKV-Eigenanteils kann ich von der Steuer absetzen, bei den Kinder 100%. D.h. absetzbar wären 0,8 * 466€ + 2 * 407€ = 1.186€. Bei 42% Steuer entspricht das einer Steuerersparnis iHv 0,42 * 1.186€ = 498€. Netto würde ich also 1.280€ - 498€ = 782€ pro Monat bzw. 9.384€ pro Jahr bezahlen.Das Delta PKV - GKV im Jahr 2036 beträgt also 2.308€ pro Jahr bzw. 192€ pro Monat. Im Jahr 2035 wären es ca. 2.180€ gewesen. Die jährl. Ersparnis wird in dem Jahr, in dem sie anfällt, sofort investiert mit einer angenommen Rendite von 6%. D.h. nach 10 Jahren wären aus den 2.308€ geworden: 2.308€ * 1,0610 = 4.133€ usw. Der Zinseszins hilft hier natürlich ungemein.
GKV im ersten Jahr der Rente, Jahr 2054
Die BBG liegt mittlerweile bei über 175k€. Da bin ich mit meiner Rente deutlich drunter. Der Beitrag für GKV und GPV liegt mittlerweile bei stolzen 32%. Da immer in der GKV gewesen fallen Beiträge "nur" für die gesetzl. Rente und die Betriebsrente an.
Ich rechne mit 1% jährl. Rentensteigerung zu dem, was in meinem Rentenbescheid steht. Ich habe auch eine super Betriebsrente. Ich rechne mit 7750€ brutto, davon 4280€ gesetzl. Rente. D.h. pro Jahr 93.000€. Der Freibetrag für Betriebsrenten ist bei 3.5% jährlicher Steigung von 197,75€ im Jahr 2026 auf mittlerweile 484€ angestiegen, das entspricht 5808€ pro Jahr. D.h. ich muss Beiträge zahlen auf 93.000€ - 5808€ = 87.192€. Meine Abgaben sind dann 0,32 * 87.192€ = 27.901€. Die Rentenversicherung zahlt 8,75% auf die gesetzl. Rente zu. Das entspricht 0,875 * 4280€ * 12 = 4.494€. Mein Anteil beträgt dann 23.407€. Wichtige Annahme: Ich gehe jetzt von einem Steuersatz von 23% aus. Dann könnte ich von der Steuer absetzen 0,23 * 23.407€ = 5.382€. Netto-Beitrag damit 23.407€ - 5.382€ = 18.025€ pro Jahr bzw. 1502€ pro Monat.
PKV im ersten Jahr der Rente, Jahr 2054
Die Kinder sind raus. Nach Wegfall der 10% gesetzlichen Zuschlag mit 60 (Einsparung ca. 200€), weiteren 10% mit 65 (ca. 200€) und dem Krankentagegeld (geschätzt ebenfalls 200€) liegt mein Beitrag bei 2.716€ pro Monat. Die Rentenversicherung zahlt auch hier wie bei der GKV zu. Entspricht 4494€ / 12 = 375€. Meine Eigenbelastung beträgt damit 2.716€ - 375€ = 2341€ pro Monat. 80% absetzbar, heißt 0,8 * 2341€ * 0,23 = 430€ Steuerersparnis. Netto zahle ich 2341€ - 430€ = 1911€ pro Monat bzw. 22.932€ pro Jahr.
Delta somit 22.932€ - 18.025€ = 4.907€ jährlich oder 408€ pro Monat.
In Summe ist das kummulierte Delta bis zu diesem Jahr 97.000€ (reine Differenz Zahlung an PKV minus GKV). Bei Anlegen dieser Summe (jedes Jahr die Einsparung zu 6%) mit Zinseszins beträgt die Differenz 200.000€.
Aber der Rente geht die Schere zw. PKV und GKV immer weiter auf. Bis zum Jahr 2071 entspricht es dann 350.000€ (Differenz) bzw. 973.000€ (mit Anlage).
Ich habe leider gerade keine Zeit mehr zum Korrekturlesen. Aber so ist der Rechenweg hoffentlich klar sowie die Annahmen. Bei Fehlern bitte (unbedingt ;)) melden.
Hallo Sternich,
vielen Dank für deine gut verständlichen Erläuterungen. Ich habe meine Excel Rechnung nun erweitert. Für meine erste Auswertung gilt für mich mal das folgende Szenario:
Startkosten ab 2026 monatl. für PKV mit 2 Kindern: 1280€; weiterhin angenommen: Eintritt mit 35J, Kinder (2J) fallen mit 20 J raus, ich sterbe mit 85, regulärer Renteneintritt mit 67, PKV und GKV steigt je 4% p.a.,
Was hier erst mal festzuhalten wäre: Bis zur Rente mit 67 liegen die Beiträge für die PKV (Phase mit Kinder etwas teurer, Phase ohne Kinder deutlich günstiger) und die GKV fast genau auf einem Niveau (knapp 270k€)
Danach werden die Unterschiede dann tatsächlich groß. Bei meiner ersten Eingabe mit der 1% Rente aus meinem Bescheid ergibt sich in der Rentenzeit eine Differenz von ca. 330k€ (860k€ vs. 520k€).
Auffällig war für mich aber schon die Rente im Vergleich zu den Beiträgen.
Der PKV Beitrag von heute 1284€ liegt bei der Steigerung kurz vor Renteneintritt bei 3914€ (ja, in der Rente wird es dann weniger, trotzdem kann dann was nicht passen, wenn du als Gutverdiener deine 1% annehmen willst und rund 4,5k€ Rente bekommst. Das liegt für die Realität zu nah beieinander, ein Faktor muss sich eigentlich anders entwickeln, damit das System irgendwie funktionieren kann, wenn auch schlecht. Da wir nicht wissen, was nicht funktioniert und was bis in ferner Zukunft zusammenbricht müsste man aus meiner Sicht für die Rechnung aber schon eine deutlich höhere Rente annehmen. Natürlich kann man die >4% plus des Rentenwertes jährlich aus den letzten Jahren nicht nehmen, aber nach etwas Recherche habe ich mal den 2% Wert aus dem Bescheid und für die Zeit der Rente eine jährl. Erhöhung von 2,3% angesetzt.
Dann ergeben sich statt 340k€ Differenz "nur" noch gut 200k€. Die Rechnung mit der 6% Rendite hat sicher seine Berechtigung, möchte ich für mich so aber nicht ansetzen. Für meine Entscheidung möchte ich einfach wissen, wie viel ich in meinem Leben mehr ausgebe. Ich werde noch etwas mit Werten spielen (früherer Tod, frühere Rente etc.) und dann hoffentlich zu meiner Entscheidung kommen. Das ist sicherlich eine subjektive Entscheidung.
Es ist eben schwer zu beziffern, wie viel einem die höheren Leistungen wert sind. Aber vom Gefühl ist man bei 400k€ bei einer Entscheidung pro GKV mit dem Wissen, sich auch mal eine Behandlung selbst zu bezahlen oder eine Zusatzversicherung für Dinge abzuschließen, die einem wichtig sind, die dann auch mal was kosten können und man trotzdem noch weit darunter ist. Bei <200k€ ist man natürlich schon geneigt, in Richtung PKV zu denken. Allein der materielle Ausgleich von Kieferorthopädenbehandlungen, vielen Brillen etc, die natürlich in einigen Jahrzehnten auch erheblich teurer sein werden (wäre auch mal interessant zu betrachten, aber da wird es immer theoretischer und mehr Glaskugel), zeigt da schon seinen Anteil, dazu kommen natürlich noch die "weichen" Faktoren zur Behandlung, Terminen, etc.
Also weiterhin spannend...
Wenn ich mit 80 statt 85 ablebe, wären es noch ca 130k€
wie ist euer Gefühl zu den Zahlen?