Hallo zusammen,
zunächst einmal vielen Dank für eure Antworten.
Mazen : Der Link vom Handelsblatt ergänzt zwar die anderen Publikationen zu diesem Thema, beantwortet meine Frage jedoch nicht wirklich.
Zitat:
"Reinvestiert man die erzielten Erträge eines ETFs unmittelbar zurück in den Fonds, führt das zu einer schrittweisen Erhöhung des investierten Kapitals. Dieses erneut angelegte Kapital beginnt seinerseits zu arbeiten, wodurch bei zukünftigen Bewertungen höhere Erträge möglich sind – wie bei einer Art Zinseszinseffekt."
Soweit so gut.
Weiter heißt es:
"Bei der ersten Option, den thesaurierenden ETFs, passiert die Reinvestition von Dividenden ganz von selbst."
Es wird also klar gesagt, dass sich die Reinvestition ausschließlich auf Dividenden bezieht – etwas anderes kann ja auch nicht reinvestiert werden.
Trotzdem liest man in nahezu allen Publikationen von einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 7 % bis 10 %, die dann im selben Atemzug als Grundlage für die Reinvestition genommen wird. In den Rechenbeispielen wird m.E. die Reinvestition dieser kompletten Durchschnittsrendite angesetzt.
Die generelle Zinseszins Faustformel lautet:
7 % Rendite – reinvestiert – mit Zinseszinseffekt ergibt nach 10 Jahren eine Verdopplung des Kapitals.
Aber genau hier liegt für mich das Problem. Diese Artikel verwenden die Begriffe schwammig und ungenau, und es entsteht der Eindruck, dass die durchschnittliche jährliche Rendite wie eine festverzinsliche 7%-Anleihe behandelt wird.
Eigentlich dürften doch in die Zinseszinsberechnung nur die Reinvestitionen der vergleichsweise mageren Dividendenausschüttungen (ca. 1,5 %) einfließen. Wenn dem so wäre, könnten solche Wertsteigerungen wie in den Prognosen gar nicht erreicht werden.
Deshalb meine Frage:
Sehen wir bei den ETF-Wertsteigerungen tatsächlich den Zinseszinseffekt nur auf die Reinvestition der Dividenden (ca. 1,5 %)? Und passt das überhaupt zu den Publikationen, die fälschlicherweise von der "Reinvestition der jährlichen Durchschnittsrendite" sprechen?
Ich habe den Eindruck, dass ein Zinseszinsrechner, wie er z. B. vom Handelsblatt oder anderen Seiten angeboten wird, für ETFs gar nicht korrekt angewendet werden kann/ darf/ soll.
RNowotny :
Du schreibst weiter oben:
"Die Gesamtrendite einer Aktie ist immer Kurssteigerung + Dividende."
Das ist natürlich richtig, aber nur der kleine Dividendenanteil von ca. 1,5 % wird tatsächlich reinvestiert. Somit dürfte die Gesamtrendite (Kurssteigerung + Dividende) nicht in die Zinseszinsrechnung einfließen.
Diese theoretischen Rechenbeispiele werden in der Realität vermutlich nur selten (wenn überhaupt) über einen so langen Zeitraum überprüft. Wer kann schon nach 30 Jahren ETF-Sparplan genau feststellen, wie viel der Wertsteigerung durch den Zinseszins-Effekt und wie viel durch reine Kurssteigerung entstanden ist? Und ob die prognostizierten Summen tatsächlich erreicht wurden, bleibt fraglich.
Ich habe dazu auch ausführlich mit ChatGPT diskutiert, und er bleibt dabei, dass auch die Kurssteigerungen in die "Zinseszinsberechnung" bei einem ETF eingehen.
"Der Zinseszins-Effekt bei ETFs basiert nicht nur auf Dividenden, sondern auf der gesamten Fondsrendite, die reinvestiert wird."
"Die Gesamtrendite eines ETFs setzt sich aus Kurssteigerungen und Dividenden zusammen, aber der Zinseszinseffekt wirkt auf die gesamte Rendite, da thesaurierende ETFs beide Komponenten automatisch reinvestieren.Die Vermutung, dass die Wertsteigerung ausschließlich auf Dividendenreinvestition basiert, ist unvollständig."
Entweder unterliege ich einem groben Denkfehler, ETFs funktionieren dahingehend wirklich anders, so wie mein Kumpel Chat das beschreibt (und ich verstehe lediglich die Mechanik nicht), oder diese Zinseszinsberechnungen für ETF-Prognosen sind nicht korrekt.
Nochmals vielen Dank für die Mühe, die ihr euch hier macht!