Die GKV ist eben keine Versicherung im herkömmlichen Sinn. Sie ist eine Zwangsveranstaltung, bei der sich die zu zahlenden Beträge nach dem monatlichen Verdienst richten.
Im Prinzip also das was man auch Steuer nennen kann.
Da zahlen manche sich dumm und dämlich, andere zahlen nichts. Alle bekommen die gleiche Leistung. Eine normale Versicherung bemisst die Beiträge in der Regel nach dem Risiko, auch variieren die Leistungen je nach abgeschlossenem Tarif.
Genau. Wobei ich es schon richtig finde eine gesetzliche Basisabsicherung zu gewährleisten.
Der Vorteil herkömmlicher Versicherungen: sie können das Risiko, basierend auf statistischen Daten, für genau definierte Gruppen sehr genau bestimmen. Die Eingruppierung erfolgt auf Basis verifizierbarer Parameter, z.B. durch Gesundheitsprüfung durch einen Arzt im Falle einer PKV. Ist ein Risiko zu hoch, kommt der Vertrag nicht zustande. Sind moderate Risiken vorhanden, gibt es Leistungsausschlüsse oder einen Aufschlag auf den Versicherungstarif. Nur auf diese Weise können Versicherungen überhaupt wirtschaftlich arbeiten.
Sowas ist für eine gesetzliche Basisversicherung undenkbar. Man würde hier viele Personen direkt ausschließen oder mit Zuschlägen belegen, auch wenn sie selbst die Krankheit überhaupt nicht beeinflussen können (z. B. Erbkrankheiten).
Und nun nimm die GKV. Wie soll die das zuvor Beschriebene denn umsetzen? Soll man da eine Gesundheitsprüfung für 70 Mio. Versicherte durchführen und dann entsprechende Risikogruppen mit Zuschlägen belegen? Eine solche Aktion, egal wie sie im Detail umgesetzt würde, kostete jeden involvierten Politiker den Kopf. Warum? Wenn wir nur über durch ungesundes Verhalten selbst verschuldete Folgeerkrankungen reden, so stechen mindestens zwei Dinge hervor: Rauchen und Übergewicht. Sowohl qualitativ als auch quantitativ: 20% der Erwachsenen in D sind Raucher und mehr als 60% sind übergewichtig. Mehr als die Hälfte wäre also von Zuschlägen betroffen, vielleicht noch gestaffelt nach Grad der Adipositas. Welcher Politiker würde sich wohl trauen, so etwas vorzuschlagen? Ein Shit-Tsunami würde ihn hinwegspülen.
Eine Gesundheitsprüfung im Sinne der PKV ist unrealistisch und auch unnötig.
Mein Vorschlag wäre eine gesetzliche Basisversicherung mit einer Kopfpauschale in die alle Bürger eintreten müssen. Daneben ein privates System mit Zusatzversicherungen worüber jeder nach Geschmack wählen kann was er möchte.
So wird also auch in Zukunft der gesund lebende GKV-Versicherte Solo-Selbständige, der monatlich 1.000 EUR abdrückt, die gleiche Behandlung bekommen wie der stark adipöse Bürgergeldempfänger, der gar nichts zahlt. Das mag man gerecht oder ungerecht finden, ändern wird sich da in absehbarer Zeit nichts.
Das befürchte ich auch. Im Grunde hat man ein ähnliches Problem aber in der PKV auch, da die Gesundheitsprüfung nur einmalig erfolgt. Jemand der einen negativen Lebenswandel In Bezug auf Gesundheit hat bekommt trotzdem die gleichen Leistungen. Hier gibt es aber über den Selbstbehalt, Beitragsrückerstattung etc. Maßnahmen etwas Einfluss auf das Verhalten zu nehmen.