Hallo zusammen,
ich bedanke mich bei allen für die wertvollen Beiträge!
Der vorliegende Thread hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt rund 4.700 Leser:innen – nicht zuletzt dank eurer engagierten Beiträge!
Auf der Basis von drei von Finanztip empfohlenen Versicherungsmaklern, einem weiteren Makler, einem gebundenen Außendienstmitareiter der Debeka, einem gebundenen Außendienstmitarbeiter eines weiteren PKV-Anbieters, eigener umfangreicher (Internet-)Recherchen und dem vorliegenden Thread hier bei Finanztip möchte ich meine in den vergangenen Monaten gemachten Erfahrungswerte im Rahmen eines (vorläufigen) Fazits ohne Gewinnerzielungsabsicht mit der Allgemeinheit teilen:
Eine PKV-Tarifoptimierung kann bei Zugrundelegung des „magischen Dreiecks“ der PKV folgende Ziele adressieren:
1. Optimierung (aktuell) niedriger Beiträge
2. Optimierung stabiler Beiträge
3. Optimierung des Leistungsumfangs
Ob aktuell niedrige Beiträge auch in Zukunft niedrig sind, kann niemand voraussagen. Das gleiche gilt für die Beitragsstabilität: Inwieweit auf quantitativer Ebene ex ante zuverlässig prognostiziert werden kann, welche PKV-Anbieter bzw. Tarife langfristig (besonders) stabil sein werden, erweist sich, auch aufgrund des vorliegenden Threads, als „Glaskugel-Frage“.
Die bei Versicherungsmaklern gewonnenen Erfahrungen haben gezeigt, dass im Rahmen einer PKV-Tarifoptimierung nahezu ausschließlich die Optimierung des Leistungsumfangs im Vordergrund steht – also jener Bereich des „magischen Dreiecks“ der PKV, der auf der Basis von konkreten Tarifbedingungen im Hier und Jetzt vergleichbar ist.
Sofern eine Optimierung des Leistungsumfangs im Vordergrund steht, kann im ersten Schritt ein interner Wechsel und im zweiten Schritt ein Wechsel des PKV-Anbieters in Betracht gezogen werden.
Bei einem Wechsel des PKV-Anbieters sind insbesondere zwei Dinge zu berücksichtigen:
1. Aktueller Gesundheitszustand
2. Höhe des Übertragungswertes im Vergleich zur Höhe bereits gebildeter Alterungsrückstellungen
Beide Aspekte machen einen Wechsel des PKV-Anbieters in der Praxis häufig unattraktiv. Dass im Bereich der PKV kein stärkerer Wettbewerb (Vergleich zur GKV) zugelassen wird, führt in der Praxis zu einem Lock-In-Effekt. Der Wettbewerb der PKV-Anbieter konzentriert sich damit auf junge Menschen, die ggf. schon sehr früh in ihrem Berufsleben eine Entscheidung treffen müssen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt entweder gar nicht mehr verändern lässt (aufgrund des Gesundheitszustandes) oder zu hohen Kosten führt (Teilverlust von Alterungsrückstellungen).
Um neue Abschlusskosten zu vermeiden, ist es überlegenswert, eine:n Honorarberater:in zu konsultieren. Während der:die Honorarberater:in unmittelbar bezahlt werden muss (Stundensatz meist zwischen 100 Euro und 250 Euro zzgl. MwSt. laut Google-KI), werden die Abschlusskosten im Rahmen einer provisionsbasierten Beratung auf die ersten 5 Jahre verteilt („Zillmerung“). Daraus ergeben sich wiederum nicht unerhebliche Nachteile für die Honorarlösung: Dieser Betrag könnte sonst über viele Jahre hinweg bis zum Ruhestand rentierlich am Kapitalmarkt angelegt werden. Bei einer Anlage in einen breit gestreuten ETF (konservative Annahme: Verdoppelung alle 10 Jahre) können aus heute 2.000 Euro in 30 Jahren 16.000 Euro werden – genügend Geld für eine echte Beitragsentlastung.
Im Falle eines Wechsels des PKV-Anbieters sollten die Abschlusskosten des:der Vermittler:in weder unter- noch übergewichtet werden, sondern in Relation zu dem Mehrwert bezüglich des Leistungsumfangs gesetzt werden.
Die Tarifbedingungen des Tarifs B bei der Debeka geben ernstzunehmende Hinweise darauf, dass Leistungen in Zukunft (stark) eingeschränkt werden können. So heißt es beispielsweise:
„Der Versicherer erstattet Aufwendungen für Brillen (Brillengläser und Brillengestelle) einschließlich Reparaturen sowie Kontaktlinsen bis zu einem Rechnungsbetrag von insgesamt 1.000 Euro.“ (Tarif B, Seite 2)
Dass die Debeka in der Vergangenheit in Bezug auf Brillen in Summe mehr als 1.000 Euro bezahlt hat, ist eine dankenswerte Kulanz. Ob diese Kulanz im Zuge des demografischen Wandels bei einem aufgrund der Öffnungsaktion kränkeren Versichtenerkollektiv weiterhin aufrechterhalten werden kann, wird die Zukunft zeigen. Vertragstechnisch ist die Debeka lediglich dazu verpflichtet, über die gesamte (!) Vertragslaufzeit 1.000 Euro für Brillen zu erstatten. „Insgesamt 1.000 Euro“ wird nicht durch ein „pro Jahr“, „alle 3 Jahre“ o. Ä. spezifiziert.
Abschließend: Der Wechsel des PKV-Anbieters kann sich lohnen, wenn der Leistungsumfang optimiert werden soll. Steht die Beitragsstabilität im Vordergrund, ist es ratsam, bei dem bisherigen PKV-Anbieter zu bleiben.