Beiträge von taquilla

    Meine Stichworte für dich wären Rückgrat haben, konsequent reden und handeln und nicht vom Extrem eines überbordenden Aktionismus in "Dienst nach Vorschrift" verfallen. Dabei könnte dir professionelle psychologische Beratung helfen.

    Unabhängig von der von außen schwierigen Beurteilung der Leistung:

    es gibt ja auch Menschen welche die nun erlangten 6,2 % Plus noch als gut werten, da im Branchenschnitt wohl so um die 3% üblich sind. Wahrscheinlich empfindet hier jeder den Begriff "überproportional" anders, genauso wie man sich manchmal wundern muss was andere in vergleichbaren Positionen verdienen.

    Auch die Vorgehensweise ohne Rücksprache einfach das fertige Schreiben hinzulegen empfinden manche gar nicht als unprofessionell, sondern üblich....

    Mit je mehr Menschen ich darüber spreche, desto unterschiedlichere Meinungen bekomme ich. Die einen sagen man wird unbequem, da hier unmissverständlich signalisiert wurde das gibt es und nicht mehr, andere meinen man soll auf den Putz hauen etc..

    Letztlich ist es dann wohl die Arbeitssitauion, über kurz oder lang kann ich arbeiten so schnell ich will, es ist mit dieser personellen besetzung nicht mehr zu schaffen. Und der eigenen Gesundheit zuliebe muss ich zurückschalten und in dieser Hinsicht etwas ändern, den Trotz mal außen vorgelassen.

    Also 48k ist 6k unter dem Median von 54k. Das sind schon knapp 2 Monatsgehälter weniger als der Median. Das ist kein mises, aber auch kein besonder tolles Gehalt.

    Ich gebe dir aber Recht das man Arbeit, Qualifikation und eigene Einschätzung von außen durch Posts nicht bewerten kann.

    Es sind ja jetzt 51.600. Gefordert hatte ich median 54.000.

    Und genau das mit dem Beurteilen ist auch das Problem. Jemand der nicht 1 Woche hinter mir sitzt und live erlebt wie stressig und umfangreich das ist, wird es von außen schlicht nicht beurteilen können - auch nicht der Vorgesetzte. Daher kann man das auch nicht in 2 Sätzen beschreiben. Studieren muss man dafür sicher nicht, aber das hauseigene komplexe System zu beherrschen in Kombination mit dem riesen Umfang ist eine Sache für sich und hat mit klassischer Auftragsabwicklung nichts mehr zu tun. Es ist mitnichten irgendein simpler Bürojob den sich mancher vielleicht drunter vorstellt.

    Jedenfalls finde ich die Art wie das jetzt gelaufen ist unpersönlich und auch nicht professionell. Dass es genau die 10 oder besser 11% nicht werden war klar. Aber man stellt dem AN im Personalgespräch eine überproportional gute Lösung (im Vergleich zu anderen) in Aussicht und der AN bekommt dann während seines Urlaubs einfach ein fertiges Schreiben zugeschickt indem die Erhöhung quasi fixiert ist. Kein persönliches Gespräch mehr. Einfach einseitig beschlossen.

    Indirekt suggeriert das auch er kann / will nicht mehr geben und möchte auch keine nachträglichen Diskussionen mehr haben. Ich habe für mich beschlossen da nicht mehr nachzubohren, weil da ganz sicher nichts anderes rauskommt und man sich möglicherweise noch unbequem macht. Bedanken werde ich mich aber auch nicht.

    Ich habe darüber auch mit 2 Kollegen gesprochen denen es ähnlich ergeht. Und wenn ich das so resümiere wird es auch nichts bringen zu drohen dass ich gehe oder nun unterschwellig ein qualifiziertes Zeugnis anzufordern. Er wird dann eher in die Richtung "Reisende soll man nicht aufhalten" tendieren.

    So nimmt man bislang engagierten Mitarbeitern eben auch die Motivation.

    Leider spielt der Faktor Firmennähe und Homeoffice eine große Rolle, denn wenn ich nur woanders das Geforderte bekommen würde und dafür jeden Tag Lebenszeit im Stau opfere, wäre es aus finanzieller Sicht schon wieder verpufft. Aber die Unzufriedenheit ist natürlich weiterhin da.

    Wie schon gesagt, wenn du die Situation einem vernünftigen Arzt erzählst hast du mit Sicherheit eine Auszeit. Kenne auch drei Führungskräfte bei denen immer mehr dazu kam und immer mehr Druck aufgebaut wurde. Der erste davon ist nach über nem Jahr pause wieder in der Widereingliderung. Der Zweite war von Oktober bis März raus und als er zurück war ist der Dritte ausgefallen. Da muss man auch klar und Konsequent bleiben und auch wirklich professionelle Hilfe suchen, bevor es zu spät ist.

    Bei der Situation die du schilderst kann es anderswo gar nicht viel schlimmer sein. Wenn doch, dann geht die Suche leider weiter, aber der Zustand ist unhaltbar.

    Tolle Zustände. Aber ich habe es ja live erlebt bzw. war selbst schonmal in so einer "beruflichen Reha". Der Laden brummt und jede Woche kamen neue Betroffene - immer aus demselben Grund: Überlastung, Druck, Burnout, Psyche... das Ganze wird dann finanziert von der RV, also sprich vom Steuerzahler. Die meisten wollten dann auch nicht mehr in so einen Job zurück und dafür lieber kleinere Brötchen backen. Eigentlich irgendwie krank das System.

    Jedoch hatte ich nie den Urlaub den ich haben wollte bekommen und mal ein verlängertes Wochenende ging auch nur kurzfristig und man konnte gar nichts planen. Dafür hatte ich dann zwangsweise eine Mittwoch frei. Mit Familie war es für mich unhaltbar und habe mir über 2 Jahre eine Alternative gesucht und gefunden. Einige Sachen laufen jetzt schlechter, aber es ist planbar geworden und damit war es für mich die richtige Entscheidung.

    Das kommt übrigens noch dazu. Da jetzt wieder eine Kraft wegfällt die mir und dem Innendienst immer "ausgeholfen" hat, wird es immer schwieriger Urlaub zu planen bzw. es ist jedes Mal ein Drama, vor allem wenn man mal 2 Wochen am Stück möchte. Mir bleibt aber nichts anderes übrig als zurückzuschalten, sonst schaltet meine Gesundheit das Licht ganz aus.

    Nein. Richtig priorisieren. Unwichtige liegen lassen und schauen ob es irgendwann wichtig wird. Erstaunlich viel kann man so "abarbeiten"

    Um auf dies einzugehen: ich kann gar nicht wirklich priorisieren oder es erstmal lange liegen lassen, weil spätestens am 2. Tag der Kundenberater kommt warum sein Auftrag noch nicht eingeplant ist. Bei uns gibt es knallharte Faktura-Ziele pro Monat die von ganz oben kommen. Es muss eine Zahl X an Rechnungen geschrieben sein, genauso wie die Kundenberater immer unrealistischere Zielvorgaben erhalten. Zudem weiß ich oft nicht mehr wo vorne und hinten ist. Das ist alles einfach gesagt und gut gemeint, aber nicht für jeden so anwendbar.

    Daher wird es früher oder später so kommen müssen, dass sich das Rad eben nicht mehr wie selbstverständlich dreht. Aber oft genug gesagt hat man es und ich werde nicht weitermachen bis ich wieder klinikreif bin.

    Bezügl. ERP: ich hab keine Ahnung wie das laufen soll oder ob man mich da möglicherweise noch als Key User einsetzt, wie soll das neben dem ganze Rest auch gehen und wer macht dann die andere Arbeit ? 8 Stunden sind schnell rum und ich fühle mich fast wie ein Selbstständiger. Und genau das ist auch meine Befürchtung. Die eierlegende Wollmilchsau soll noch mehr Milch geben.

    Und im neuen Job wird’s dann vielleicht wieder so laufen.

    Deswegen muss es unbedingt auch im Kopf Klick machen.

    Also ich denke klick hat es in sofern schon gemacht, dass ich mir bewusst geworden bin dass sich die Arbeitssituation jetzt auch mit XX € mehr Gehalt nicht ändern wird. Im Gegenteil, es wird immer nur nochmal Arbeit oben drauf gelegt.

    Die erste Konsequenz wird sein, dass ich nun zurückschalte und eine gewisse Gleichgültigkeit an den Tag lege(n) (muss). Andernfalls gefährde ich meine Gesundheit. Was dann nicht bearbeitet wird, bleibt liegen. Kein Anschalten mehr nach Feierabend oder am Wochenende, kein "es-kommt-immer-mehr-ich-muss-noch-schneller-arbeiten" - Denken mehr. Es ist so oder so unbefriedigend.

    Parallel dazu werde ich den Arbeitsmarkt sondieren. Auch wenn ich es eigentlich ungern tue weil ein neuer Job auch wieder Risiken birgt.

    Um noch auf die Frage einzugehen: der Chef hat nie explizit verlangt Überstunden zu machen, aber eben auch gar nicht gesehen dass diese nötig waren um überhaupt noch hinterher zu kommen. Wie gesagt, für ihn ist ja alles immer irgendwie gelaufen. Ich (und auch die EX-Kollegin) haben es aber mehrfach nach oben kommuniziert und es war allgemein bekannt dass wir ständig an der Grenze arbeiten und es hat sich personaltechnisch trotzdem nichts getan.

    Hier in der Firma muss man auch sagen sind viele "normale" Mitarbeiter wie Buchhaltung, Innendienst etc. irgendwie so "blöd" und fahren ständig diesen übermäßigen Einsatz, wo man sagen muss, warum eigentlich ? Viele Dinge die von oben kommen oder delegiert werden müssten, versuchen einzelne Mitarbeiter selbst zu klären. Ich kann diese Energie teilweise nicht (mehr) nachvollziehen. Sieht keiner und dankt keiner.

    Nun für die erneut schwangere Kollegin (die mich bisher als einzigste sinnvoll unterstützen konnte) eine befristete Stelle zu schaffen die wieder nur mir und Abteilung XY gleichzeitig "stundenweise" zuarbeiten soll ist auch wieder keine Lösung. Es kommt einfach nicht oben an. Ich bräuchte mindestens wie hier schon erwähnt wurde eine Teilzeitkraft die ausschließlich das tut was ich tue. Bislang spare ich diese Kraft dem Unternehmen durch meinen Einsatz. Und dafür finde ich das einfach auch noch unterbezahlt.

    Hallo Bernd,

    genauso sollte ich es tun und will ich es eigentlich auch tun. Ich habe viel zu lange meinen Alltag der Firma untergeordnet obwohl ich nichtmal eine leitende Position habe. Wenn andere nur für die Firma leben und Samstag nachts / Sonntags rund um die Uhr arbeiten, sollte das nicht mein Problem sein. Wenn dann immer mehr aufläuft und kein Personal aufgestockt wird auch nicht. Aber verdammt viele betreiben das bei uns so, selbst die Kolleginnen vom Innendienst sehe ich ständig noch um 19 Uhr angemeldet. Da habe selbst ich auch schon gesagt wer bezahlt oder honoriert das eigentlich ?

    Wisst ihr vor was ich auch Angst habe? Heute habe ich erfahren dass Anfang nächsten Jahres ein neues ERP System eingeführt werden soll. Und ich sehe mich schon am jonglieren mit 2 Systemen gleichzeitig, da es mit Sicherheit nicht über Nacht einfach reibungslos funktioniert. Das bedeutet auch wieder eine zusätzliche Belastung das neue System zu erlernen und gleichzeitig bleiben die Aufträge in der Zeit ja nicht aus.

    Krankschreiben lassen - ja, auch daran hatte ich schon gedacht, das "pausiert" aber das Problem nur, erweckt den berühmten Eindruck und hinterher ist dann der Berg noch viel größer. Und würde der Chef nur ansatzweise mitbekommen dass man aus Überlastung eine Reha benötigt... ich glaube dann wäre ich schnell auf dem Abstellgleis, weil der MA dann nicht mehr belastbar ist. Deswegen ist das ja nach wie vor ein Tabu Thema, obwohl ich ja bestens weiß wieviele davon betroffen sind.

    Wäre jetzt kurz nach einer Gehaltserhöhung auch nicht der beste Zeitpunkt. Bevor ich aber mit zitternden Händen dasitze würde ich wohl auch das tun. Und ihr habt recht, hinterher schenkt dir keiner einen Blumenstrauß für deinen "Einsatz".

    Hallo Nordnordlicht.

    Vielen Dank dass du uns das so offen schilderst und mein größter Respekt dass du das so durchgezogen hast.

    Ich möchte bei dieser Gelegenheit schildern, dass ich mit Ende 30 dasselbe mitgemacht habe. Nur dass es bei mir kein klassischer Burnout war, sondern eine Abwärtsspirale aufgrund Pleite meiner vorherigen Firma, dazu kamen gesundheitliche Probleme. Sprich, ich war einfach völlig erschöpft und zeitweise unfähig was neues zu starten weil ich mir auch gar nichts mehr zugetraut hatte und mich als Versager sah.

    Und wenn ich schon dabei bin: ich habe bereits wie du eine medizinische Reha hinter mir, ebenso wie anschließend eine berufliche Reha. Ich war also mal mit Wartezeit gute 1,5 Jahre komplett raus aus dem Berufsleben. Und was ich in der Zeit erlebt habe, hat mich geprägt. Ein ganzer Wirtschaftszweig der davon lebt, dass jede Woche neue kranke Menschen aufgenommen werden die Burnout etc. haben, sprich allein wegen beruflichem Stress psychisch so angeschlagen sind, dass sie nicht mehr konnten. Und das waren gestandene Leute die vorher sehr gut verdient hatten. Viele davon berichteten mir dass sie gar nicht mehr zurück in dieses Hamsterrad wollen und sich nach erfolgter Reha mit weniger begnügen.

    Bei mir war es im Grunde nicht die Überlastung durch Arbeit, sondern weil ich mir selbst den Druck machte ich muss unbedingt erfolgreich sein und Karriere machen. Natürlich hatte ich auch immer die "richtigen" Vorbilder dafür, denn scheinbar war alles um mich herum viel erfolgreicher, nur mir gelang scheinbar nichts. Ich hatte die Messlatte für mich selbst so hoch gelegt, dass es nur zum Scheitern verurteilt war, und mit der Insolvenz der vorherigen Firma sank mein Selbstbewusstsein auf unter 0. Solche TV Vergleiche (ja ich meinte RTL) waren zu der Zeit gefundenes Fressen für mich, denn dagegen konnte ich ja nur verlieren.

    Als ich dann die Gelegenheit bekam im jetzigen Unternehmen anzufangen dachte ich, hier kannst du dich endlich verwirklichen und zeigen dass du was kannst. Anfangs lief es auch gut, ich war motiviert ohne Ende. Dann ging es aber los, dass ständig neue Aufgaben und Prozesse hinzukamen, das vorhandene Personal aber Schritt für Schritt weniger wurde. Trotzdem habe ich durch immer noch mehr Einsatz dies lange zeit kompensiert. Somit habe ich es für mich selbst nun auch bewiesen, laufe aber durch den objektivierbaren Stress und natürlich auch selbstgemachten Druck das alles reißen zu können / zu wollen Gefahr wieder genau in so eine Spirale zu kommen, bis ich dann irgendwann neben dem Schreibtisch liege. Ich merke, dass mein Akku an Kapazität eingebüßt hat. Ich merke, dass die Leistung nicht in erhofftem Maße honoriert wird. Für die da oben ist alles im grünen Bereich, kann ja auch nur so sein, weil mehr oder weniger 1 Mann das ja alles im Griff hat.

    In sofern habt ihr eigentlich recht, auch nochmal 200 € ontop würde die Situation nicht verbessern. Und ich hatte mir in Belastungsspitzen tatsächlich auch schon überlegt ob die sofortige Kündigung (egal ob ich was neues habe oder nicht) der einzige Weg ist um diesen Leidendruck zu beenden und mich aus diesem Rad zu befreien, weil ich schon oft morgens kurz nach dem Anschalten einfach nur gedacht habe ich kann nicht mehr und will auch nicht mehr...

    Zu den Aufgaben - was davon kannst du weglassen? Vermutlich wirst du jetzt denken, dass alles unglaublich wichtig ist und gemacht werden muss. Dann wäre die Frage vielleicht „was passiert, wenn du etwas weglässt?“.

    Das ist die Krux bzw. die vielen Nebenschauplätze rund um das eigentliche Tagesgeschäft. Die sind aber notwendig, heisst wenn ich einfach was weglasse fällt es sowieso wieder auf mich zurück weil ich die ganzen Lizenzmodelle kenne.

    Möchte der Kunde eine Aufstellung seiner Wartungsgebühren, mache ich das. Versteht der Kunde seine Pflegegebühren nicht, erläutere ich sie. Kommt eine Rechnung von Drittanbietern die uns widerrum Lizenzen berechnen bin ich für die sachliche und rechnerische Prüfung zuständig, weil die Buchhaltung (die es eigentlich machen sollte) die Modelle / Preise nicht kennt. Und so gibt es zahlreiche Beispiele.

    Das ist auch in diesem Unternehmen völlig desorganisiert und natürlich wird man es auch gern sehen dass ich im Stil der eierlegenden Wollmilchsau mich einfach um alles kümmere.

    Eine Zeit lang hatte ich das auch irgendwie gern gemacht um mich zu beweisen und ehrlich gesagt auch um mir selbst etwas zu beweisen. Meine vorherige berufliche Laufbahn war leider nicht sehr glücklich und auch von Pech und gesundheitlichen Problemen begleitet.

    Ich fing an mich nur mit erfolgreichen Menschen zu vergleichen und hielt mich selbst für unzureichend. War eine schwierige Phase aus der ich diesen Job bekommen habe und ich war damals froh drum. Alles nur nicht arbeitslos sein. Dann dachte ich es wäre der Jackpot weil anfangs alles super war, auch wenn ich heute weiß zu niedrig beim Einstiegsgehalt verhandelt zu haben. Wahrscheinlich ist daher auch der unbändige Ehrgeiz entstanden dass ich es jetzt endlich zeigen und liefern muss. In gewisser Hinsicht auch ein innerer Konflikt. Jetzt merke ich aber dass es das Gegenteil bewirkt. Ich werde unausgeglichen, fühle auch wieder eine Art Ungerechtigkeit weil ich mir jahrelang den Hintern aufgerissen habe, schlafe schlechter und kann dieses Pensum nicht mehr lange fahren.

    Selbst in Krankheitsphasen habe ich trotzdem keinen Tag den Rechner komplett ausgelassen und der damaligen Kollegin immer unter die Arme gegriffen.


    @ fabioso: vielen Dank noch für diese Worte, die bedeuten mir persönlich viel.

    Vielen Dank, das alles hilft mir durchaus (auch mental) weiter.

    Ich will mal noch auf ein paar genannte Sachen eingehen:

    Mein Teamleiter weiß nicht wie mein Alltag tatsächlich aussieht bzw. ihm ist das Pensum einfach nicht bewusst. Ich habe schon mehrfach versucht das darzulegen, er meint dann eben nur lapidar er kann das nachvollziehen, aber ich käme doch ganz gut klar. Sicher, weil ich ständig Mehrarbeit leiste damit es noch einigermaßen überschaubar bleibt. Jemand neues einstellen erachtet er nicht für notwendig, denn dann könne man ja notfalls stundenweise jemand aus dem Innendienst dafür abuziehen. Nur bringt das schlicht nichts, weil ich alles kontrollieren und ggf. nacharbeiten muss.

    Es ist schlicht keiner so in der Materie drin wie ich und man benötigt eine Menge Produktwissen. Daher kann mich auch niemand 1:1 in Abwesenheit vertreten, weil er mit mittelgroßen Aufträgen überfordert wäre, weil ihm einfach die Erfahrung fehlt.

    Ich versuche es mal genauer zu beschreiben.

    Die Kundenberater senden mir Aufträge mit 1 bis x verschiedenen Modulen. Ich muss ggf. das Angebot auseinanderpflücken weil für diverse Module verschiedene technische Berater zuständig sind. Ich öffne sozusagen ein Projekt. Anschließend geht das ganze zur Projektplanung und kommt nach Terminvereinbarung wieder zu mir zurück. Ich bin dann zusätzlich für das komplete Lizenzmanagement verantwortlich, heißt für jeden Kunden die Lizenz verwalten, Module freischalten, auch Fremdlizenzen bestellen / überwachen, Vertragswesen, Aufstellungen für Kunden übermitteln, AVV Verträge erstellen etc..

    Das hört sich vermutlich dennoch recht easy an, ist aber wesentlich aufwändiger, da verschiedene Pflegesätze (Wartungsgebühren) anfallen und insgesamt das ganze System sehr komplex aufgebaut ist. Dazu bin ich für die Rechnungsprüfung verantwortlich die von Vertragspartnern mit denen ich zu tun habe reinkommen, in gewisser Hinsicht auch Reporting an den TL .Dazu bin ich alleiniger Ansprechpartner für sämtliche Themen um die Auftragsbearbeitung, heisst mich konsultieren Rechnungsabteilung, Kundenberater, Kunden selbst - quasi eine Schlüsselposition.

    Und das ganze muss man sich jetzt so vorstellen dass man morgens anschaltet und sofort erschlagen wird, nachts, am Wochenende Zeug reinbekommt und bei nur 1-wöchiger Abwesenheit es eigentlich schon so eskaliert dass es nur unter großem Strom und Mehrarbeit wieder aufgefangen werden kann. Dementsprechend ist Urlaub unentspannt, weil man immer im Hinterkopf hat wieviel sich wieder aufstaut. Es ist immer ein permamenter "Druck" da, weil der Input wie am Fließband reinkommt.

    Achso, es dreht sich um ein Unternehmen im Südwesten, so 50km Radius um Stuttgart.

    Und ja ich sehe ein dass ich zu lange so blöd war und immer 150% gefahren habe, aber ich merke tatsächlich dass ich das so nicht mehr will. Das Gehalt spielt sicherlich eine Rolle , aber das was nun dabei rauskam hat meine Motivation entgültig fallen lassen. Ich nehme mir das zu Herzen und werde mich nicht mehr total unter Druck setzen, auch mal wie ihr sagt mit Kollegen einen Kaffee trinken oder richtig durchatmen, denn es stimmt, ich wurde oft gar nie groß gesehen, weil bei 15 min Abwesenheit sofort wieder neue 50 Mails da sind. Zeitweise habe ich quasi vergessen aufs Klo zu gehen, eben weil ich performen wollte. Aber genau das spielt sich eben unsichtbar ab, nach oben hin sieht es so aus wie alles im Griff, niemand sieht aber den Einsatz dahinter.

    Ich war sogesehen nie "gechillt" sondern immer nur unter Feuer und oft habe ich das Wochenende herbeigesehnt weil mich die Woche wieder total geschlaucht hat. Und ich habe auch gemerkt dass ich selbst am Wochenende nicht richtig abschalten kann, eben weil ich weiß dass auch da niemand mal die Arbeit gut sein lässt. Selbst die Buchhaltung schickt mir Sonntag morgens um 7 Uhr Mails. Jeder kann quasi rund um die Uhr von überall aus arbeiten.

    Natürlich habe ich mit Mitte 40 aus o.g.Gründen auch Angst mich jetzt wieder neu zu orientieren. Ist das Gras woanders grüner, was wenn es auch nicht klappt, bin ich dann zu alt etc.. ich denke das sind alles nachvollziehbare Ängste.

    Danke madize für diese Anregung, auch an die anderen.

    Ebenso freut mich dass hier auch die menschliche Komponente gesehen wird. Natürlich sind das alles Dinge über die ich mir Gedanken machen muss. Ich sehe das auch gar nicht so dass Geld allein alles ist, ich fühle mich nur anhand meines Einsatzes einfach nicht genug gewürdigt und wenn die hiesige Meinung gewesen wäre dass dies völlig unterbezahlt oder die Erhöhung eher ein Nasenwasser ist, wäre alles noch sehr viel klarer für mich.

    Auch der erwähnte Burnout ist nicht von der Hand zu weisen. Ich dachte immer den bekommen eher Führungskräfte die für ihr dickes Gehalt eben auch einen Preis bezahlen. Eine Kollegin die mich mal während des Urlaubs erstmals notdürftig verteten hatte, meinte hinterher zu mir sie versteht jetzt was ich meine und kann förmlich spüren wie sich ein Burnout anfühlen muss. Nach 1 Woche !

    Und gerade wegen des Alters ist es eben auch schwierig. Klappt es beim nächsten AG aus irgendwelchen Gründen nicht, sucht man wieder und wird dabei immer älter. Davor habe ich eben auch irgendwie Angst.

    KI ist übrigens für mich derzeit gar keine Option weil wir mit einem hauseigenen exotischen System arbeiten, dass leider für die Auftragsabwicklung gar nicht gemacht ist, das heisst vieles passiert noch händisch und wird teilweise doppelt und dreifach angefasst. Das ist kein professionelles ERP System.

    Es wirkt halt manchmal von außen immer so, als würde der Durchschnittsverdiener in D heute locker 4.500 nach Hause nehmen. Beim TV Gehaltsvergleich kann man schon staunen was mancher (auch nicht studierter) verdient und kommt ins Grübeln. Vielleicht ist das aber auch nicht wirklich repräsentativ.

    Auch deshalb wollte ich mir ein paar Meinungen einholen.

    Danke für die sachlichen und hilfreichen Einschätzungen.

    Um noch die Fragen zu beantworten: Ich bekomme Überstunden nicht bezahlt oder ausgeglichen. Ich habe den Einsatz von mir aus gebracht, einerseits um einfach den Willen zu zeigen bzw. mich gut zu etablieren, andererseits aber auch weil ich sonst oft wusste dass der Berg am nächsten nur noch größer wird. Zeitweise habe ich Sonntag Abends den Rechner angemacht nur um zu sehen was über das Wochenende wieder alles reinkam. Denn die meisten kennen scheinbar keine Ruhe oder Work/Life Balance. Aufträge und Mails werden zu jeder Tages-und Nachttzeit reingeschickt. Ausbaden muss ich es nahezu alleine. Das war natürlich auch ein Anspruch an mich selbst, den ich nicht mehr erfüllen kann und den auch kein anderer erfüllen kann der 2 menschliche Hände hat.

    Nach 2 Wochen Urlaub ist es jedes Mal der Horror. Um alles abzuarbeiten bräuchte ich schon fast wieder 2 Wochen und ständig kommt noch eine Schippe und noch eine weitere oben drauf. Hamsterrad ist eigentlich passend, denn ich könnte 24h arbeiten und würde nie an einen Punkt kommen wo mal alles bereinigt ist oder man mal etwas Luft holen kann. Das ist permamenter Dauerstress und das kann ich so nicht mehr weiter betreiben.

    Es liegt sogesehen quasi an beidem. Nur dass ich für den ganzen Einsatz jetzt einen entsprechenden Reallohnzuwachs erwartet hätte und seit ich das Schreiben gelesen habe sich in mir irgendwie alles sträubt, hier Tag für Tag weiter die genannten 150% zu geben.

    Mir ist klar, dass ein Zwischenzeugnis als Trotzreaktion verstanden werden könnte.

    Wenn man nicht kündigen will, kann auf Jeden Fall die Frage nach einem Zeugnis (steht einem 1x/ Jahr zu) schlafende Hunde wecken.

    Alternativ würde ich pers. in Richtung Dienst nach Vorschrift machen.

    Bluenote hat Recht, wenn Du ständig auf Anschlag fährst, bist Du bald kaputt (seelisch, körperlich).

    Ja, das sehe ich auch so. Ich fühle mich bereits nicht mehr als normaler Auftragsabwickler, so viel Input wie täglich verarbeitet wird. Das begreift aber scheinbar mein Vorgesetzter nicht. Eventuell kriegt er auch von ganz oben tatsächlich ein Limit an das er sich zu halten hat. Mich befriedigt es angesichts der Leistung jedenfalls nicht.

    Das mit dem Zwischenzeugnis hatte ich mir auch schon überlegt. Aber dann kommt wieder der Gedanke, dass man sich damit erst recht unbequem macht und aufs Abstellgleis kommt. Es heißt ja immer jeder ist ersetzbar. Ich bin aber so selbstbewusst zu sagen dass wenn ich morgen länger ausfallen würde das absolute Chaos ausbricht. Man kann auch niemand mal eben in 2 Wochen einlernen, das ist alles so komplex. Allein deshalb finde ich es schon bemerkenswert dass man dieses Ausfallrisiko immer so weiter fährt.

    Ich glaube aber auch nicht, dass aufgrund der Forderung eines Zwischenzeugnisses plötzlich nachgebessert würde.

    Generell habe ich in den letzten Jahren gelernt, dass es ein schmaler Grat von "ich verdiene mehr und kann das verlangen und artikulieren" zu "ich werde zu unbequem und gerate auf's Abstellgleis" sein kann.

    Das kannst Du vermutlich am ehesten in Deinem Unternehmen einschätzen; aber speziell wenn Du in Richtung Kündigung argumentieren möchtest, solltest Du eine Alternative in der Hinter hand haben. So ist zumindest meine Sicht der Dinge...

    Genau das ist auch der Grund weshalb ich bislang nicht darauf reagiert habe und erstmal still war. Aber meine Arbeitsmotivation ist irgendwie gesunken. Er wird vermutlich dann sowieso damit kommen dass das Budget gedeckelt ist = Totschlagargument.

    Aber wie beurteilt ihr denn das Gehalt generell? Im Rahmen, zuviel um zu sterben, zu wenig um zu leben? Oder würdet ihr gleich sagen total unterbezahlt ?

    Also ich bekomme weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld bei einer 40 Stunden Woche.

    Es ist leider auch so, dass ich neben dem eigentlichen Tagesgeschäft viele Dinge "nebenher" übernehme, weil einfach kein anderer so tief drin in der Materie ist. Also eine Schlüsselfunktion zwischen Rechnungsabteilung und Projektplanung. Je schneller ich arbeite, desto schneller wird eingeplant und am Ende fakturiert. Dabei kümemre ich mich um so vieles das der Vorgesetzte gar nicht sieht, der Tag ist oft gefühlt ein Marathon mit extremen Input, Kundenrückfragen (die oft nur ich beantworten kann etc..). kann ich nicht in einem Satz beschreiben.

    Ich möchte mich jetzt hier bestimmt nicht als der Größte darstellen, aber das ist als einzige Vollzeitkraft mehr als knackig. Habe auch schon oft Mehrarbeit geleistet, damit der Berg einigermaßen überschaubar bleibt, aber ich kann das auf Dauer so nicht mehr betreiben. Wenn ich nur 1 Woche Urlaub habe werde ich jedes mal bei Rückkehr komplett erschlagen und habe bereits im Urlaub Bauchschmerzen. Man will partout keine Kraft einstellen die nur dieses Gebiet bearbeitet, sondern stopft immer nur Löcher indem Kolleginnen anderer Abteilungen "stundenweise" zuarbeiten, was eigentlich wenig bringt, da ich dann sowieso alles noch überprüfen muss.

    Mein Problem ist, die Firma ist direkt vor der Haustür, ich habe also so gut wie keine Fahrtkosten, verliere keine Nerven im Stau und kann sogar flexibel HO machen. Das ist für mich viel Wert. Allerdings fühle ich mich selbst irgendwie unterbezahlt. deshalb wollte ich mal eine Einschätzung einholen. Und es stimmt, er hat auch schon im Zuge der Gehaltserhöhung angedeutet dass ich ja noch mehr Verantwortung übernehmen kann, dabei bin ich tatsächlich schon mehr als 100% ausgelastet.

    Hallo zusammen,
    ich hoffe aufgrund eurer Erfahrung eventuell einen Tipp zu bekommen wie ich mich richtig verhalte bzw. wie ihr mein Gehalt einschätzen würdet.

    Meine Situation:
    45 Jahre alt, seit 4 Jahren in der Auftragsabwicklung eines IT Unternehmens in Süddeutschland > 180 Mitarbeiter, stetig wachsend.
    Zunächst waren wir 4 Leute die nur für diese Stelle zuständig waren, dann wurde das Team aufgeteilt und 2 Leute abgezogen, womit nur noch ich als einzige Vollzeitkraft + eine Teilzeitkraft übrig waren.

    Durch neue Prozesse / Produkte verändert sich das Aufgabenfeld ständig und sehr dynamisch, kann man auch nicht in einem Satz beschreiben. Fakt ist, dass seit meinem Start der Alltag extrem stressig geworden ist und sehr hohen Einsatz erfordert um die Menge an Input überhaupt noch angemessen verarbeiten zu können. Im letzten Sommer hat nun auch noch die Teilzeitkraft gekündigt, womit ich teilweise extremen Belastungsspitzen ausgesetzt war und seitdem mehr oder weniger alleine die Auftragsabwicklung stemme, wobei man niemand neues einstellen möchte und immer wieder nur aushilfsweise auf Mitarbeiter zurückgreift die mir allenfalls etwas zuarbeiten können. Den Großteil mache ich also komplett alleine.

    Die Situation ist ansich sehr unbefriedigend, trotzdem hatte ich stets gut Gas gegeben und damit auch entscheidend zu einem reibungslosen Umsatzfluss beigetragen.

    Ich habe daher bereits letztes Jahr um eine Gehaltserhöhung gebeten. 300 EUR mehr brutto hatte ich bei einem Gehalt von 3.900 EUR gefordet. Bekommen hatte ich 150 EUR, was für mich fast eine Beleidigung war und unterm Strich quasi verpufft. Nach nunmehr einem weiterem Jahr habe ich dem Vorgesetzten (auch schriftlich) klargemacht welche mittlerweile wichtige Schlüsselposioin ich einnehme und was ich alles leiste, das er gar nicht sieht. Hierzu hatte ich ihm auch schriftlich eine Aufstellung zukommen lassen welche Aufgaben alle dazugekommen sind und welche Verantwortung das ist den Laden ständig am laufen zu halten.

    Dieses Mal bin ich daher selbstbewusst aufgetreten und habe eine Steigerung von 4.050 auf 4.500 gefordert und auch betont, dass ich letztes mal enttäuscht war.

    Er sagte zu mir, er versteht mich aber das könne er mir nicht zusagen, ich würde jedoch im Vergleich zu anderen überproportional berücksicht und man werde eine Lösung nach meinem Urlaub finden. Jetzt ist der Urlaub rum und was sehe ich: eine Email mit einem digitalen Dokument in dem eine Gehaltsanpassung auf 4.300 EUR vollzogen wird. Ohne nochmalige Rücksprache. Ich war darüber sehr irritiert und hab es erstmal nicht signiert. Meine Erwartung wäre gewesen dass es nochmals ein persönliches Gespräch gibt.

    Im Ergebnis: ich bin trotz der 6% absolut unzufrieden und sehe meine tatsächliche tägliche Leistung nicht ausreichend gewürdigt.
    Die Frage ist was jetzt die beste Strategie ist:

    - Hinnehmen und Enttäuschung ausdrücken (möglicherweise einen Gang zurückschalten) ?
    - Deutliche Nachforderung stellen?
    - Indirekt drohen sich umzuschauen ?
    - Fragen woran es gelegen hat?

    Und vor allem wie beurteilt ihr dieses Gehalt ansich ?

    Vielen Dank schonmal für eure Hilfe.