Frau mit gebrochenem Bein telefoniert mit Krankenkasse
Bild: Izusek / GettyImages

Stell Dir vor, Du bist länger krank. Immer wieder ruft Deine Krankenkasse an und fragt, wie es Dir geht. Wann Du endlich wieder arbeiten kannst. Wenn Du schon mal Krankengeld erhalten hast, kennst Du das vielleicht. Aktuell mehren sich Beschwerden von Menschen, die länger als sechs Wochen krankgeschrieben waren und sich von ihrer Kasse bedrängt fühlten. Das berichten Verbraucherzentralen und die Unabhängige Patientenberatung.

Tatsächlich gilt: Du hast eine „Mitwirkungspflicht“. Etwa wenn es darum geht zu prüfen, ob Du wirklich Anspruch auf Krankengeld hast. Allerdings kannst Du dieser schriftlich nachkommen. Und über Deinen Gesundheitszustand musst Du der Kasse keine Auskunft geben. Denn für die Prüfung Deiner Arbeitsunfähigkeit ist nicht die Krankenkasse zuständig, sondern der Medizinische Dienst. Falls Dich die Krankenkasse trotzdem am Telefon drangsaliert, solltest Du möglichst wenig über Dich preisgeben. Teile ihr mit, dass Du alles Nötige gern schriftlich klärst.

Die Patientenberatung kritisiert außerdem die Unsitte vieler Krankenkassen, den Versicherten wichtige Entscheidungen nur am Telefon mitzuteilen – etwa die Einstellung der Krankengeldzahlung. Das ist zwar rechtlich in Ordnung, aber zu Deinem Nachteil. Fordere unbedingt eine schriftliche Bestätigung und Begründung an.

Wichtig dabei: Sobald Dir die Kasse eine Entscheidung am Telefon mitteilt, beginnt die Widerspruchsfrist. Du hast dann nur einen Monat Zeit, Widerspruch einzulegen. Das geht zum Beispiel mit unserem Musterbrief.

 

Zum Ratgeber

 

Julia Rieder
Autor

Stand:

Julia Rieder kümmert sich als Redakteurin um Versicherungsthemen. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.

3 Kommentare

  1. Das Vorgehen der Krankenkasse ist mir bestens bekannt, bereits 2 Mal hatte ich das Vergnügen, dass durch den MDK nach Aktenlage entschieden wurde, dass ich arbeitsfähig sei, beide Male bei einer psyschichen Erkrankung. Im Okt. 2020 hatte ich einen Unfall, durch den ich mir eine komplizierte Sprungelenk Fraktur, Wadenbein bruch und Bänderriss zugezogen habe. Auch in diesem Fall kam der 1.Anruf im Dez. 2020, der nächste im Feb. 2021 und vor 3 Wochen erhielt ich erneut ein „Schmierblatt“ des MDK (kann man nur so bezeichnen, 1/2 DINA4 Seite) auf der ich max. 5 Fragen beantworten sollte, die sich aber nicht nach meinem Befinden erkundigen, sondern nur darauf zielen, von mir einen Termin zu erfahren, an dem ich wieder arbeitsfähig bin.

    Nun könnte man denken, dass es sich in dem Fall zb um eine Krankenkasse handelt, die generell nicht gut ist und keinen guten Ruf genießt, jedoch weit gefehlt. In diesem Fall ist es die TK, eine der in Deutschland angeblich besten gesetzlichen Krankenkassen

    1. Kann ich nur bestätigen, mir geht es mit der gleichen Kasse genauso. Hatte auch eine Fraktur mit Bänderriss und wie sich etwas später herausstellte auch noch eine Verletzung am Knie. Kasse schickte mir dauernd Briefe, in denen ich mitteilen sollte, wie lange ich noch krank bin. Wenn der Arzt das schon nicht weis, wie soll ich das wissen? Hatte eine solche Erkrankung ja auch das erste Mal. Dann kam Brief mit der Überschrift „Die Zahlung Ihres Krankengeldes endet“. In der Sie mir mitteilen, dass der MDK der Meinung ist, dass ich ab Tag x wieder arbeiten gehen kann und bis dahin Krankengeld bezahlt wird. Vormal, würde ich sagen, ist dies kein Bescheid! Oder? Beiläufig wird auch in diesem Brief aufgefordert mitzuteilen, warum man noch nicht arbeiten kann. Dann kommt Anruf, in dem man aufgefordert wird, Widerspruch einzulegen. Obwohl ich keinen (meiner Meinung nach) bekommen habe. Da keine Rechtsbehelfsbelehrung usw. dabei war. Kennt sich da jemand aus?

      1. Das Problem moniert die Unabhängige Patientenberatung seit Jahren. Es lässt sich schwer beurteilen, ob es sich bei dem Schreiben ohne Rechtsbehelfsbelehrung um einen Bescheid oder lediglich um eine Zwischennachricht der Krankenkasse handelt. Im Gesetz ist zwar vorgesehen, dass ein Bescheid eine Rechtsbehelfsbelehrung enthalten muss. Wenn diese Belehrung fehlt, bedeutet das jedoch nicht automatisch, dass es sich nicht um einen Bescheid handelt oder dieser unwirksam wäre. Es heißt lediglich, dass die Krankenkasse sich nicht an die Vorgaben hält und sich die Widerspruchsfrist deshalb auf ein Jahr verlängert. Droht die Kasse damit, das Krankengeld einzustellen, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, Widerspruch einzulegen. Weitere Informationen zu dieser Problemkonstellation finden Sie in unserem Ratgeber zum Krankengeld: https://www.finanztip.de/gkv/krankengeld/.

        Beste Grüße,
        Julia Rieder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate-Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate-Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.