Krankengeld

So viel Geld gibt es, wenn Du lange krank bist

Julia Rieder
Expertin für Versicherungen
17. Mai 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Krankengeld zahlt Deine gesetzliche Kran­ken­kas­se, wenn Du wegen derselben Krankheit für länger als sechs Wochen krankgeschrieben bist. Davor bekommst Du eine Lohnfortzahlung von Deinem Arbeitgeber
  • Du erhältst maximal 90 Prozent vom Netto als Krankengeld.
  • Als Arbeitnehmer bekommst Du höchstens 72 Wochen lang Krankengeld.
So gehst Du vor
  • Schick die Krankschreibung sofort an Deine Kasse und Deinen Arbeitgeber.
  • Wie Du berechnest, wie viel Krankengeld Du bekommst, erklären wir in diesem Abschnitt.
  • Lehnt Deine Kran­ken­kas­se es ab, Krankengeld zu zahlen, solltest Du Widerspruch einlegen.
  • Kläre gerade bei langer Krankheit rechtzeitig, wie es nach dem Krankengeld weitergeht.

Komplizierter Beinbruch, Autounfall oder eine schwere Infektion – nach einem solchen gesundheitlichen Tiefschlag ist an Arbeiten oft nicht zu denken. Die gute Nachricht ist: Du musst Dir als Arbeitnehmer um Deine Finanzen erst einmal keine Sorgen machen und kannst in Ruhe gesund werden. In den ersten sechs Wochen zahlt Dein Arbeitgeber Dein Gehalt weiter. Danach springt die Kran­ken­kas­se mit dem Krankengeld ein.

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

In den ersten sechs Wochen Deiner Krankheit bekommst Du eine Lohnfortzahlung von Deinem Arbeitgeber. Das bedeutet, Du erhältst weiter Dein volles Gehalt. Damit Du im Anschluss nicht mit leeren Händen dastehst, gibt es das Krankengeld. Du kannst es bekommen, wenn Du Mitglied der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) bist und einen Anspruch auf Krankengeld erworben hast. Das trifft vor allem auf pflichtversicherte Arbeitnehmer (§ 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V) in folgenden Fällen zu:

  • Du wirst stationär in einem Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung behandelt, ohne dass Du von Deinem Arbeitgeber weiterhin Gehalt beziehst.
  • Du bist länger als sechs Wochen wegen derselben Erkrankung arbeitsunfähig und Dein Arbeitgeber zahlt nicht mehr (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz).
  • Du hast gerade eine neue Stelle angefangen und wirst in den ersten vier Wochen krank. Dein Arbeitgeber muss dann Dein Gehalt nicht zahlen. Stattdessen kann Dir die Kran­ken­kas­se Krankengeld zahlen.
  • Du bekommst Ar­beits­lo­sen­geld I und bist länger als sechs Wochen krank. Während der ersten sechs Wochen zahlt die Agentur für Arbeit das Ar­beits­lo­sen­geld weiter. Danach übernimmt die Kran­ken­kas­se mit dem Krankengeld.

Wichtig ist, dass Du die Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung innerhalb einer Woche nach dem Besuch beim Arzt an die Kran­ken­kas­se schickst. Ansonsten zahlt die Kran­ken­kas­se nicht, Dein Anspruch auf Krankengeld ruht (§ 49 Abs. 1 Nr. 5 SGB V).

Für Familienversicherte gibt es kein Krankengeld

Ehegatten und Kinder, die in der gesetzlichen Familienversicherung mitversichert sind, haben keinen Anspruch auf Krankengeld. Auch pflichtversicherte Praktikanten, Studenten und Empfänger von Ar­beits­lo­sen­geld II kommen nicht in den Genuss. Wenn Du ALG II (umgangssprachlich: Hartz IV) beziehst, erhältst Du weiterhin die Grundsicherung. Dein Anspruch auf Krankengeld kann während eines bestimmten Zeitraums ruhen und später wieder aufleben, beispielsweise wenn Du Dich in Elternzeit befindest und Elterngeld beziehst.

Selbstständige in der GKV müssen sich selbst kümmern

Bist Du als Selbstständiger freiwillig in der GKV versichert, musst Du Dich selbst darum kümmern, dass Du im Krankheitsfall abgesichert bist. Du hast dabei vier Möglichkeiten – nicht immer gibt es Krankengeld:

  1. Du zahlst bei der GKV einen ermäßigten Beitrag von 14 Prozent plus dem kassenindividuellen Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,3 Prozent im Jahr 2021. Dann erhältst Du kein Krankengeld. Das ist der Regelfall.
  2. Du zahlst den normalen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens plus Zusatzbeitrag. Dann erhältst Du wie ein Arbeitnehmer Krankengeld ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Du musst ausdrücklich gegenüber Deiner Kasse erklären, dass Du Krankengeld wünschst.
  3. Du hast bei Deiner Kasse einen Wahltarif mit Krankengeldanspruch abgeschlossen, um bereits vor dem 43. Tag Krankengeld zu bekommen. Ab wann und in welcher Höhe Du Geld bekommst, hängt davon ab, was Du mit Deiner Krankenkasse konkret vereinbart hast.
  4. Du schließt eine private Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung ab. Wann das private Krankentagegeld die bessere Wahl ist und wann das gesetzliche Krankengeld, erklären wir in unserem Ratgeber Krankentagegeld.

Was ist bei der Krankschreibung zu beachten?

Der Anspruch auf Krankengeld beginnt mit dem Tag, an dem Dein Arzt die Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat (§ 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V). Um Deinen Anspruch auf Krankengeld zu erhalten, muss der Arzt Dich in der Regel ohne Unterbrechung erneut krankschreiben, und zwar spätestens am nächsten Werktag nach dem zuletzt bescheinigten Ende der Arbeitsunfähigkeit. Samstage gelten in dem Zusammenhang nicht als Werktage.

Endet Deine Krankschreibung zum Beispiel an einem Dienstag, musst Du spätestens am Mittwoch erneut zum Arzt gehen. Sonst entsteht eine Anspruchslücke, und die Kran­ken­kas­se kann die Zahlung einstellen. Dein Arzt kann Dich nicht rückwirkend krankschreiben.

Die Krankschreibungen müssen sich aber nicht mehr wie früher überlappen. Diese Verbesserung durch das Versorgungsstärkungsgesetz gilt seit dem 1. Januar 2016. Dadurch sollen weniger Menschen ihren Anspruch auf Krankengeld wegen formaler Fehler verlieren. 

Seit Mai 2019 gilt durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz eine Sonderregelung für Menschen, deren Mitgliedschaft in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung vom Krankengeldbezug abhängt. Ihr Anspruch auf Krankengeld bleibt auch dann grundsätzlich bestehen, wenn die weiter bestehende Arbeitsunfähigkeit nicht am nächsten Werktag, sondern innerhalb eines Monats nach Ende der letzten Krankschreibung vom Arzt festgestellt wird. Das ist beispielsweise eine Verbesserung für alle, die während ihrer Krankheit arbeitslos werden. Für die Tage bis der Arzt das nächste Attest ausstellt, bekommen die Betroffenen allerdings kein Krankengeld ausgezahlt.

Wenn unklar ist, wie lange Du arbeitsunfähig bist

Auf der Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung befindet sich ein Feld, in das der Arzt eintragen muss, wie lange Du voraussichtlich arbeitsunfähig sein wirst. Der Arzt schreibt Dich in der Regel für nicht mehr als zwei Wochen krank. Ist das Ende der Krankheit noch nicht absehbar, lassen manche Mediziner dieses Feld frei, andere schreiben „bis auf Weiteres“ hinein.

Das Bundessozialgericht hat dazu entschieden, dass bei einer Krankschreibung „bis auf Weiteres“ die Kran­ken­kas­se die Zahlung von Krankengeld nicht einfach einstellen darf. Denn es gibt keine Regel, wonach krankenversicherte Personen in regelmäßigen Abständen erneuerte Bescheinigungen vorlegen müssen. Im konkreten Fall war es daher unzulässig, dass die Kasse die Auszahlung gestoppt hatte (BSG, Urteil vom 10. Mai 2012, Az. B 1 KR 20/11 R, LSG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 16. April 2015, Az. L5 KR 254/14).

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Was musst Du tun, um Krankengeld zu bekommen?

Du musst keinen gesonderten Antrag stellen, um Krankengeld zu erhalten. Deine Kran­ken­kas­se nimmt mit Dir Kontakt auf, um die weitere Vorgehensweise abzustimmen. So ist der übliche Ablauf:

Verdienstbescheinigung - Deine Krankenkasse schickt zum Ende der sechs Wochen Lohnfortzahlung einen Vordruck für Deine Verdienstbescheinigung an Deinen Arbeitgeber. Der ist verpflichtet, das ausgefüllte Formular wieder an Deine Kasse zurückzuschicken. Er muss dabei alle notwendigen Angaben machen, damit die Kasse das Krankengeld berechnen kann.

Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung - Für Krankschreibungen gibt es seit 2016 nur noch ein Formular. Ein Auszahlschein für das Krankengeld ist nicht mehr nötig, er ist in der Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung enthalten. Auf dem neuen Muster bescheinigt der Arzt Deine Arbeitsunfähigkeit während der Entgeltfortzahlung und während der Krankengeldzahlung durch die Kran­ken­kas­se.

Du bekommst einen Durchschlag der Krankschreibung für Deine Unterlagen. Dieser enthält den Hinweis, dass für den Bezug von Krankengeld ein lückenloser Nachweis der Arbeitsunfähigkeit erforderlich ist. Zudem gibt es eine Ausfertigung für den Arbeitgeber und eine für die Kran­ken­kas­se.

Ab dem 1. Oktober 2021 soll der behandelnde Arzt die Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung digital an die Kran­ken­kas­se übermitteln. 2022 sollen dann auch Arbeitgeber an das System für die elektronische Übermittlung angebunden werden. 

Versand per Einschreiben - Um zu verhindern, dass die Kran­ken­kas­se behauptet, Deine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sei nie angekommen, empfehlen wir Dir, das Dokument als Einwurf-Einschreiben zu verschicken. Das ist zwar etwas teurer als ein normaler Brief, Du hast aber auf jeden Fall einen Beleg dafür, dass Deine Kasse die Bescheinigung auch erhalten hat. Manche Kran­ken­kas­sen ermöglichen es Dir, die eingescannte Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung auf einem Service-Portal hochzuladen.

Prüfung und Auszahlung - Du bekommst das Krankengeld, sobald Du die Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung eingereicht hast und die Kasse sie geprüft hat. Das Krankengeld wird immer rückwirkend bis zum ersten Tag der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit gezahlt.

Information an Deinen Arbeitgeber - Vergiss nicht, Deinen Arbeitgeber zu informieren. Auch wenn er keinen Lohn mehr zahlt, muss er wissen, ob und wann Du wieder arbeiten kannst. Solltest Du arbeitslos sein und ALG I beziehen, informiere die Agentur für Arbeit.

Wie viel Krankengeld gibt es?

Die Höhe des Krankengelds ist gesetzlich vorgeschrieben: Es beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, aber nicht mehr als 90 Prozent des Nettoverdienstes (§ 47 SGB V). Der geringere dieser beiden Werte wird um die Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Sozialversicherung gekürzt. Dabei werden die entsprechenden Beiträge direkt von den Zahlungen abgezogen. Den Restbetrag bekommst Du dann als Krankengeld ausgezahlt.

Tipp: Einige Kran­ken­kas­sen bieten im Internet Krankengeldrechner an, mit deren Hilfe Du die Höhe Deines Krankengelds berechnen kannst, zum Beispiel die TK.

Ein Beispiel, wie Krankengeld berechnet wird: Ein Angestellter verdient laut seiner letzten Gehaltsabrechnung 3.000 Euro brutto. Er ist unverheiratet, 34 Jahre alt und hat keine Kinder. Sein monatlicher Nettoverdienst beläuft sich auf 1.920 Euro. Dabei ist ein Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent bereits berücksichtigt.

Beispiel für eine Krankengeldberechnung

Berechnungsgrundlage Betrag
monatliches Bruttogehalt3.000 €
monatliches Nettogehalt (Lohnsteuerklasse I, keine Kinder)1.920 €
70 % des Bruttogehalts2.100 €
90 % des Nettogehalts1.728 €
monatliches Krankengeld brutto1.728 €
abzüglich Anteil Ren­ten­ver­si­che­rung (9,3 %)161 €
abzüglich Anteil Arbeitslosenversicherung (1,20 %)22 €
abzüglich Anteil Pfle­ge­ver­si­che­rung (1,525 %)26 €
Zuschlag für Kinderlose (0,25 % von 80 % des Bruttoarbeitsentgelts)6 €
monatliches Krankengeld netto1.513 €
tägliches Krankengeld netto50 €
Differenz zum Nettoeinkommen407 €

Werte gerundet
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 17. Mai 2021)

Zum Brutto- oder Nettoverdienst wird einmalig gezahltes Arbeitsentgelt hinzugerechnet (§ 47 Abs. 2 Satz 6 SGB V). Das heißt: Weihnachts- und Urlaubsgeld werden zu Deinen Gunsten berücksichtigt.

Krankengeldlücke bei Gutverdienern

Der Gesetzgeber begrenzt die Höhe des Krankengelds auf einen Maximalbetrag von 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Damit können Versicherte im Jahr 2021 pro Tag höchstens 112,88 Euro brutto Krankengeld bekommen; das sind rund 3.386 Euro brutto im Monat.

Davon gehen aber noch die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung ab. Als Nettokrankengeld bleiben somit maximal 2.979 Euro im Monat.

Falls Du Gutverdiener mit einem deutlich höheren regulären Nettoeinkommen bist und hohe monatliche Ausgaben hast, reicht das Krankengeld unter Umständen nicht aus. Die Lücke zwischen Nettogehalt und Krankengeld kannst Du mit einer privaten Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung schließen.

Tipp: Einige Arbeitgeber zahlen einen Zuschuss zum Krankengeld. Dieser gleicht die Differenz zum Nettoarbeitsentgelt aus. Frage bei Deinem Arbeitgeber nach, ob er eine solche Regelung anbietet.

Mehr dazu im Ratgeber Krankentagegeld-Versicherung

  • Für Selbstständige und Gutverdiener ist ein Krankentagegeld bei langer Krankheit sinnvoll.
  • Von uns empfohlener Tarif: Barmenia Tarif T+

Zum Ratgeber 

Wie lange wird Krankengeld gezahlt?

Grundsätzlich gilt, dass das Krankengeld wegen derselben Erkrankung erst einmal relativ lange läuft – nämlich 78 Wochen lang innerhalb von drei Jahren (§ 48 SGB V). Dabei musst Du nicht am Stück krankgeschrieben sein. Die Zeiträume werden zusammengezählt.

Entscheidend ist, dass die Arbeitsunfähigkeit auf demselben, medizinisch nicht ausgeheilten Leiden beruht. Bist Du bereits krankgeschrieben und es tritt eine weitere Erkrankung hinzu, wird die Leistungsdauer von 78 Wochen nicht verlängert (§ 48 Abs. 1 Satz 2 SGB V).

Von den 78 Wochen werden Zeiten abgezogen, in denen der Anspruch auf Krankengeld ruht. Das ist zum Beispiel der Fall, solange der Arbeitgeber das Arbeitsentgelt fortzahlt oder Ar­beits­lo­sen­geld gezahlt wird – also in der Regel während der ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit (§ 49 Abs. 1 Nr. 1 SGB V, § 146 Abs. 1 Satz 1 SGB III). Die Leistungsdauer verkürzt sich entsprechend. In der Regel gibt es für Arbeitnehmer deshalb nach den sechs Wochen Entgeltfortzahlung noch bis zu 72 Wochen Krankengeld. Das Krankengeld ruht auch während der Elternzeit.

Hat ein neuer Drei-Jahres-Zeitraum begonnen und bei Dir tritt dasselbe Leiden wieder auf, wegen dem Du bereits einmal 78 Wochen arbeitsunfähig warst, beginnt der Anspruch auf Krankengeld von vorne. Dazu musst Du aber weiterhin in der gesetzlichen Kran­ken­kas­se und entweder sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder arbeitssuchend sein. Und in der Zwischenzeit darf Dich für mindestens sechs Monate kein Arzt wegen dieser speziellen Erkrankung krankgeschrieben haben.

Krankengeld ist steuerfrei

Auf das Krankengeld musst Du keine Steuern zahlen. Es unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG). Dadurch wird das Krankengeld zum versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Der somit ermittelte höhere Steuersatz wird auf das zu versteuernde Einkommen angewandt. So vermeidet der Fiskus, dass Versicherte, die Krankengeld bezogen haben, einen geringeren Steuersatz haben als Versicherte, die kein Krankengeld bekommen haben.

Unser Podcast zum Thema

Wer hilft bei Ärger mit der Kran­ken­kas­se?

Obwohl es Dein gutes Recht ist, Krankengeld zu beziehen, kann es vorkommen, dass sich Deine Kasse querstellt. Zum Beispiel, weil sie der Auffassung ist, dass Du längst wieder gesund bist und arbeiten kannst. Dennoch darf die Kran­ken­kas­se das Krankengeld nicht einfach so streichen. Sie muss eigene Ermittlungen anstellen, um ihre Behauptungen zu beweisen.

Sie befragt dazu in der Regel die behandelnden Ärzte und ordnet eine medizinische Untersuchung an. Die Kasse darf sich dabei nicht allein auf eine Stellungnahme des Medizinischen Dienstes der Kran­ken­kas­sen berufen (Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 18. Oktober 2007, Az. L 8 KR 228/06).

Solltest Du Schwierigkeiten mit Deiner Kran­ken­kas­se haben, weil diese den Krankengeldanspruch ablehnt oder Dich zu Reha-Maßnahmen auf Kosten der Ren­ten­ver­si­che­rung drängt, lass Dich unbedingt beraten und unterstützen. Beratung bieten beispielsweise die Unabhängige Patientenberatung (UPD), Verbraucherzentralen oder Sozialverbände wie der VDK an. Lehnt die Kasse es ab, Krankengeld zu zahlen, kannst Du dagegen binnen eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Deinen Widerspruch solltest Du begründen. Auch eine Stellungnahme Deines Arztes kann hilfreich sein. Ein Mus­ter­schrei­ben für den Widerspruch und weitere Informationen dazu findest Du in unserem Ratgeber zum Widerspruch gegen die Kran­ken­kas­se.

Falls Dein Widerspruch nicht erfolgreich ist, bleibt Dir noch eine Klage vor dem Sozialgericht. Das kostet keine Gerichtsgebühren. Es ist aber sinnvoll, sich von einem Fachanwalt für Sozialrecht vertreten zu lassen. Dessen Honorar musst Du selbst zahlen, falls Du den Prozess verlierst. Wäge also das Kostenrisiko ab, falls Du keine Rechts­schutz­ver­si­che­rung hast.

Was passiert nach Ende des Krankengelds?

Bist Du auch nach der 78. Woche der Krankengeldzahlung – dem Ende des Krankengelds – nicht arbeitsfähig, deutet vieles auf eine Erwerbsunfähigkeit hin. Du hast eventuell Anspruch auf eine Er­werbs­min­de­rungs­ren­te.

Deine Kran­ken­kas­se fordert Dich spätestens drei Monate vor dem Auslaufen des Krankengelds auf, einen Antrag auf eine medizinische Reha zu stellen. Daraufhin wird geprüft, ob eine Reha-Maßnahme Deine Arbeitsfähigkeit innerhalb von drei bis sechs Monaten wiederherstellen kann. Ist dies nicht zu erwarten, wird der Antrag auf Reha in einen Antrag auf Er­werbs­min­de­rungs­ren­te umgewandelt.

Melde Dich spätestens drei Monate vor Ablauf des Krankengelds bei der Agentur für Arbeit, denn Du hast Anspruch auf ALG I (§ 145 SBG III), während die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung Deinen Antrag prüft.

Achtung: Wenn Du eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung hast, solltest Du frühzeitig einen Leistungsantrag bei Deiner Versicherung stellen, schon während Du noch Krankengeld bekommst. Denn die Entscheidung über deinen Antrag dauert meist mehrere Monate. Du kannst parallel Krankengeld und eine Berufsunfähigkeitsrente erhalten. Diese schließen sich nicht gegenseitig aus.

Sicher Dich frühzeitig gegen eine Berufsunfähigkeit ab

  • Bei längerer Krankheit reicht die staatliche Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nicht aus, eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ist für fast jeden sinnvoll.
  • Lass Dich vor Abschluss einer BU unbedingt beraten und hole über Versicherungsmakler mehrere Angebote ein.
  • Von uns empfohlene Makler: Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung, P&F.

Zum Ratgeber 

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Wie viel Krankengeld gibt es?

Wie lange wird Krankengeld gezahlt?

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

Was ist bei der Krankschreibung zu beachten?

Was musst Du tun, um Krankengeld zu bekommen?

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