Krankengeld

So bekommen Sie Geld, wenn Sie länger krank sind

Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autoren
Stand: 15. Januar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Sind Sie gesetzlich versichert und länger als sechs Wochen wegen derselben Erkrankung krankgeschrieben, bekommen Sie Krankengeld von Ihrer Krankenkasse. 
  • Das Krankengeld ist deutlich geringer als das letzte Gehalt: 70 Prozent des Bruttoverdienstes, aber nicht mehr als 90 Prozent vom Nettogehalt.
  • Krankengeld erhalten sie maximal 78 Wochen wegen desselben Leidens. Nach drei Jahren beginnt die 78-Wochen-Frist neu.
So gehen Sie vor
  • Schicken Sie Durchschläge Ihrer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sofort an Ihre Krankenkasse und Ihren Arbeitgeber. 
  • Berechnen Sie mit einem Online-Rechner, wieviel Krankengeld Sie voraussichtlich bekommen.
  • Drei Monate bevor das Krankengeld ausläuft, kontaktieren Sie unbedingt die Rentenversicherung, die Agentur für Arbeit und eventuell Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung, um Ihre zukünftige finanzielle Situation zu klären.

Komplizierter Beinbruch, Autounfall oder eine schwere Infektion – nach einem solchen gesundheitlichen Tiefschlag ist an Arbeiten oft nicht zu denken. Die gute Nachricht ist: Sie müssen sich als Arbeitnehmer um Ihre Finanzen erst einmal keine Sorgen machen und können in Ruhe gesund werden. In den ersten sechs Wochen zahlt Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt weiter. Danach springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein.

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

Krankengeld können Sie bekommen, wenn Sie Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind und einen Anspruch auf Krankengeld haben. Das trifft vor allem auf pflichtversicherte Arbeitnehmer (§ 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V) in folgenden Fällen zu:

  • Sie werden stationär in einem Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung behandelt, ohne dass Sie von Ihrem Arbeitgeber weiterhin Ihr Gehalt beziehen.
  • Sie sind länger als sechs Wochen wegen derselben Erkrankung arbeitsunfähig und Ihr Arbeitgeber zahlt nicht mehr (§ 3 EntgeltFG).
  • Sie haben gerade eine neue Stelle angefangen und werden in den ersten vier Wochen krank. Ihr Arbeitgeber muss dann Ihr Gehalt nicht zahlen. Stattdessen kann Ihnen die Krankenkasse Krankengeld zahlen.
  • Sie bekommen Arbeitslosengeld I (ALG I) und sind länger als sechs Wochen krank. Während der ersten sechs Wochen zahlt die Agentur für Arbeit das Arbeitslosengeld weiter. Danach übernimmt die Krankenkasse mit dem Krankengeld.

Wichtig ist, dass Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung innerhalb von einer Woche nach dem Besuch beim Arzt an die Krankenkasse schicken. Ansonsten zahlt die Krankenkasse nicht, Ihr Anspruch auf Krankengeld ruht (§ 49 Abs. 1 Nr. 5 SGB V).

Familienversicherte haben keinen Anspruch

Ehegatten und Kinder, die in der gesetzlichen Familienversicherung mitversichert sind, haben keinen Anspruch auf Krankengeld. Auch pflichtversicherte Praktikanten, Studenten und Empfänger von Arbeitslosengeld II (ALG II) kommen nicht in den Genuss. Wenn Sie ALG II beziehen, erhalten Sie weiterhin die Grundsicherung. Ihr Anspruch kann während eines bestimmten Zeitraums ruhen und später wieder aufleben, beispielsweise wenn Sie sich in Elternzeit befinden und Elterngeld beziehen.

Selbstständige in der GKV müssen sich selbst kümmern

Sind Sie als Selbstständiger freiwillig in der GKV versichert, müssen Sie sich selbst darum kümmern, dass Sie im Krankheitsfall abgesichert sind. Sie haben dabei vier Möglichkeiten – nicht immer gibt es Krankengeld:

  1. Sie zahlen bei der GKV einen ermäßigten Beitrag von 14 Prozent plus dem kassenindividuellen Zusatzbeitrag von derzeit durchschnittlich 1,1 Prozent (Stand 2020). Dann erhalten Sie kein Krankengeld. Das ist der Regelfall.
  2. Sie zahlen den normalen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens plus Zusatzbeitrag. Dann erhalten Sie wie ein Arbeitnehmer Krankengeld ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Sie müssen ausdrücklich gegenüber Ihrer Kasse erklären, dass Sie Krankengeld wünschen.
  3. Sie haben bei Ihrer Kasse einen Wahltarif mit Krankengeldanspruch abgeschlossen, um bereits vor dem 43. Tag Krankengeld zu bekommen. Ab wann und in welcher Höhe Sie Geld bekommen, hängt davon ab, was Sie mit Ihrer Krankenkasse konkret vereinbart haben.
  4. Sie schließen eine private Krankentagegeldversicherung ab. Wann das private Krankentagegeld die bessere Wahl ist und wann das gesetzliche Krankengeld erklären wir in unserem Ratgeber Krankentagegeld.

Was ist bei der Krankschreibung zu beachten?

Der Anspruch auf Krankengeld beginnt mit dem Tag, an dem Ihr Arzt die Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat (§ 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V). Um Ihren Anspruch auf Krankengeld zu erhalten, muss Ihr Arzt Sie in der Regel ohne Unterbrechung erneut krankschreiben, und zwar spätestens am nächsten Werktag nach dem zuletzt bescheinigten Ende der Arbeitsunfähigkeit. Samstage gelten in dem Zusammenhang nicht als Werktage.

Endet Ihre Krankschreibung zum Beispiel an einem Dienstag, müssen Sie spätestens am darauffolgenden Mittwoch erneut zum Arzt gehen. Sonst entsteht eine Anspruchslücke, und die Krankenkasse kann die Zahlung einstellen. Ihr Arzt kann Sie nicht rückwirkend krankschreiben.

Die Krankschreibungen müssen sich aber nicht mehr wie früher überlappen. Diese Verbesserung durch das Versorgungsstärkungsgesetz gilt seit dem 1. Januar 2016. Dadurch sollen weniger Menschen ihren Anspruch auf Krankengeld wegen formaler Fehler verlieren. 

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz trat im Mai 2019 eine Sonderregelung für Menschen in Kraft, deren Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung vom Krankengeldbezug abhängt. Ihr Anspruch auf Krankengeld bleibt auch dann grundsätzlich bestehen, wenn die weiter bestehende Arbeitsunfähigkeit nicht am nächsten Werktag, sondern innerhalb eines Monats nach Ende der letzten Krankschreibung vom Arzt festgestellt wird. Für die Tage bis der Arzt das nächste Attest ausstellt, bekommen die Betroffenen allerdings kein Krankengeld ausgezahlt. 

Wenn offen ist, wie lange Sie arbeitsunfähig sind

Auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung befindet sich ein Feld, in das der Arzt eintragen muss, wie lange Sie voraussichtlich arbeitsunfähig sein werden. Der Arzt schreibt Sie in der Regel für nicht mehr als zwei Wochen krank. Ist das Ende der Krankheit noch nicht absehbar, lassen manche Mediziner dieses Feld frei, andere schreiben „bis auf Weiteres“ hinein.

Das Bundessozialgericht hat dazu entschieden, dass bei einer Krankschreibung „bis auf Weiteres“ die Krankenkasse die Zahlung von Krankengeld nicht einfach einstellen darf. Denn es gibt keine Regel, wonach krankenversicherte Personen in regelmäßigen Abständen erneuerte Bescheinigungen vorlegen müssen. Im konkreten Fall war es daher unzulässig, dass die Kasse die Auszahlung gestoppt hatte (BSG, Urteil vom 10. Mai 2012, Az. B 1 KR 20/11 R, LSG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 16. April 2015, Az. L5 KR 254/14).

Was müssen Sie tun, um Krankengeld zu bekommen?

Sie müssen keinen gesonderten Antrag stellen, um Krankengeld zu erhalten. Ihre Krankenkasse nimmt mit Ihnen Kontakt auf, um die weitere Vorgehensweise abzustimmen. So ist der übliche Ablauf:

Verdienstbescheinigung - Ihre Krankenkasse schickt zum Ende der sechs Wochen Lohnfortzahlung einen Vordruck für Ihre Verdienstbescheinigung an Ihren Arbeitgeber. Der ist verpflichtet, das ausgefüllte Formular wieder an Ihre Kasse zurückzuschicken. Er muss dabei alle notwendigen Angaben machen, damit die Kasse das Krankengeld berechnen kann.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - Für Krankschreibungen gibt es seit 2016 nur noch ein Formular. Ein Auszahlschein für das Krankengeld ist nicht mehr nötig, er ist in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung enthalten. Auf dem neuen Muster bescheinigt der Arzt Ihre Arbeitsunfähigkeit während der Entgeltfortzahlung und während der Krankengeldzahlung durch die Krankenkasse.

Patienten bekommen einen Durchschlag der Krankschreibung für ihre Unterlagen. Dieser enthält den Hinweis, dass für den Bezug von Krankengeld ein lückenloser Nachweis der Arbeitsunfähigkeit erforderlich ist. Zudem gibt es eine Ausfertigung für den Arbeitgeber und eine für die Krankenkasse.

Ab dem 1. Januar 2021 soll der behandelnde Arzt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung digital an die Krankenkasse übermitteln. 2022 sollen dann auch Arbeitgeber an das System für die elektronische Übermittlung angebunden werden. 

Versand per Einschreiben mit Rückschein - Um zu verhindern, dass die Krankenkasse behauptet, Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sei nie angekommen, empfehlen wir Ihnen, das Dokument als Einschreiben mit Rückschein zu verschicken. Das ist zwar etwas teurer als ein normaler Brief, Sie haben aber auf jeden Fall einen Beleg dafür, dass Ihre Kasse die Bescheinigung auch erhalten hat. Manche Krankenkassen ermöglichen es Ihnen, die eingescannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf einem Service-Portal hochzuladen.

Prüfung und Auszahlung - Sie bekommen das Krankengeld, sobald Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht haben und die Kasse sie geprüft hat. Das Krankengeld wird immer rückwirkend bis zum ersten Tag der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit gezahlt.

Information an Ihren Arbeitgeber - Vergessen Sie nicht, Ihren Arbeitgeber zu informieren. Auch wenn er keinen Lohn mehr zahlt, muss er wissen, ob und wann Sie wieder arbeiten können. Sollten Sie arbeitslos sein und ALG I beziehen, informieren Sie die Agentur für Arbeit.

Wie viel Krankengeld gibt es?

Die Höhe des Krankengelds ist gesetzlich vorgeschrieben: Es beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, aber nicht mehr als 90 Prozent des Nettoverdienstes (§ 47 SGB V). Der geringere dieser beiden Werte wird um die Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Sozialversicherung gekürzt. Dabei werden die entsprechenden Beiträge direkt von den Zahlungen abgezogen. Den Restbetrag bekommen Sie dann als Krankengeld ausgezahlt.

Tipp: Einige Krankenkassen bieten im Internet Krankengeldrechner an, mit deren Hilfe Sie die Höhe Ihres Krankengelds berechnen können, zum Beispiel die TK.

Ein Beispiel, wie Krankengeld berechnet wird: Herr A verdient laut seiner letzten Gehaltsabrechnung 3.000 Euro brutto. Er ist unverheiratet, 34 Jahre alt und hat keine Kinder. Sein monatlicher Nettoverdienst beläuft sich auf 1.920 Euro. Dabei ist ein Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent bereits berücksichtigt.

Beispiel für eine Krankengeldberechnung

Berechnungsgrundlage Betrag     
monatliches Bruttogehalt3.000 €
monatliches Nettogehalt (Lohnsteuerklasse I, keine Kinder)1.920 €
70 % des Bruttogehalts2.100 €
90 % des Nettogehalts1.728 €
monatliches Krankengeld brutto1.728 €
abzüglich Anteil Rentenversicherung (9,3 %)161 €
abzüglich Anteil Arbeitslosenversicherung (1,20 %)22 €
abzüglich Anteil Pflegeversicherung (1,525 %)26 €
Zuschlag für Kinderlose (0,25 % von 80 % des Bruttoarbeitsentgelts)6 €
monatliches Krankengeld netto1.513 €
tägliches Krankengeld netto50 €
Differenz zum Nettoeinkommen407 €

Werte gerundet
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 15. Januar 2020)

Zum Brutto- oder Nettoverdienst wird einmalig gezahltes Arbeitsentgelt hinzugerechnet (§ 47 Abs. 2 Satz 6 SGB V). Das heißt: Weihnachts- und Urlaubsgeld werden zu Ihren Gunsten berücksichtigt.

Krankengeldlücke bei Gutverdienern

Der Gesetzgeber begrenzt die Höhe des Krankengelds auf einen Maximalbetrag von 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Damit können Versicherte im Jahr 2020 pro Tag höchstens 109,38 Euro brutto Krankengeld bekommen; das sind rund 3.281 Euro brutto im Monat.

Davon gehen aber noch die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung ab. Als Nettokrankengeld bleiben somit maximal 2.877 Euro netto im Monat.

Für Gutverdiener mit einem deutlich höheren regulären Nettoeinkommen und hohen monatlichen Ausgaben reicht das Krankengeld daher unter Umständen nicht aus. Die Lücke zwischen Nettogehalt und Krankengeld könnten diese durch eine private Krankentagegeldversicherung schließen.

Tipp: Einige Arbeitgeber zahlen einen Zuschuss zum Krankengeld. Dieser gleicht die Differenz zum Nettoarbeitsentgelt aus. Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach, ob er eine solche Regelung anbietet.

Mehr dazu im Ratgeber Krankentagegeld-Versicherung

  • Für Selbstständige und Gutverdiener ist ein Krankentagegeld bei langer Krankheit sinnvoll.
  • Von uns empfohlener Tarif: Barmenia Tarif T+

Zum Ratgeber 

Wie lange wird Krankengeld gezahlt?

Grundsätzlich gilt, dass das Krankengeld wegen derselben Erkrankung erst einmal relativ lange läuft – nämlich 78 Wochen oder 19,5 Monate lang innerhalb von drei Jahren (§ 48 SGB V). Dabei müssen Sie nicht am Stück krankgeschrieben sein. Die Zeiträume werden zusammengezählt.

Entscheidend ist, dass die Arbeitsunfähigkeit auf demselben, medizinisch nicht ausgeheilten Leiden beruht. Sind Sie bereits krankgeschrieben und es tritt eine weitere Erkrankung hinzu, wird die Leistungsdauer von 78 Wochen nicht verlängert (§ 48 Abs. 1 Satz 2 SGB V).

Der Anspruch auf Krankengeld ruht, solange und soweit der Arbeitgeber das Arbeitsentgelt fortzahlt oder Arbeitslosengeld gezahlt wird – also in der Regel während der ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit (§ 49 Abs. 1 Nr. 1 SGB V, § 146 Abs. 1 Satz 1 SGB III).

Das Krankengeld ruht auch während der Elternzeit. Während der Anspruch auf Krankengeld ruht, zahlt die Krankenkasse kein Krankengeld. Die Leistungsdauer verkürzt sich entsprechend. In der Regel gibt es deshalb nach den sechs Wochen Entgeltfortzahlung noch bis zu 72 Wochen Krankengeld.

Hat ein neuer Drei-Jahres-Zeitraum begonnen und bei Ihnen tritt dasselbe Leiden wieder auf, wegen dem Sie bereits einmal 78 Wochen arbeitsunfähig waren, beginnt der Anspruch auf Krankengeld von vorne. Dazu müssen Sie aber weiterhin in der gesetzlichen Krankenkasse und entweder sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder arbeitssuchend sein. Und in der Zwischenzeit darf Sie für mindestens sechs Monate kein Arzt wegen dieser einen speziellen Erkrankung krankgeschrieben haben.

Krankengeld ist steuerfrei

Auf das Krankengeld müssen Sie keine Steuern zahlen. Es unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG). Dadurch wird das Krankengeld zum versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Der somit ermittelte höhere Steuersatz wird auf das zu versteuernde Einkommen angewandt. So vermeidet der Fiskus, dass Versicherte, die Krankengeld bezogen haben, einen geringeren Steuersatz haben als Versicherte, die kein Krankengeld bekommen haben.

Wer hilft bei Ärger mit der Krankenkasse?

Obwohl es Ihr gutes Recht ist, Krankengeld zu beziehen, kann es vorkommen, dass sich Ihre Kasse querstellt. Zum Beispiel, weil sie der Auffassung ist, dass Sie längst wieder gesund sind und arbeiten können. Dennoch darf die Krankenkasse die Lohnersatz-Zahlungen nicht einfach so streichen. Sie muss eigene Ermittlungen anstellen, um ihre Behauptungen zu beweisen.

Sie befragt dazu in der Regel die behandelnden Ärzte und ordnet eine medizinische Untersuchung an. Die Kasse darf sich dabei nicht allein auf eine Stellungnahme des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen berufen (Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 18. Oktober 2007, Az. L 8 KR 228/06).

Sollten Sie Schwierigkeiten mit Ihrer Krankenkasse haben, weil diese den Krankengeldanspruch ablehnt oder Sie zu Reha-Maßnahmen auf Kosten der Rentenversicherung drängt, lassen Sie sich unbedingt beraten und unterstützen. Beratung bieten beispielsweise die Unabhängige Patientenberatung (UPD), Verbraucherzentralen oder Sozialverbände an.

Was passiert nach Ende des Krankengelds?

Sind Sie auch nach der 78. Woche der Krankengeldzahlung – dem Ende des Krankengelds – nicht arbeitsfähig, deutet vieles auf eine Erwerbsunfähigkeit hin. Sie haben eventuell Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente.

Ihre Krankenkasse fordert Sie spätestens drei Monate vor dem Auslaufen des Krankengelds auf, einen Antrag auf eine medizinische Reha zu stellen. Daraufhin wird geprüft, ob eine Reha-Maßnahme Ihre Arbeitsfähigkeit innerhalb von drei bis sechs Monaten wiederherstellen kann. Ist dies nicht zu erwarten, wird der Antrag auf Reha in einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente umgewandelt.

Melden Sie sich spätestens drei Monate vor Ablauf des Krankengelds bei der Agentur für Arbeit, denn Sie haben Anspruch auf ALG I (§ 145 SBG III), während die Deutsche Rentenversicherung Ihren Antrag prüft.

Achtung: Wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, sollten Sie frühzeitig einen Leistungsantrag bei Ihrer Versicherung stellen, schon während Sie noch Krankengeld bekommen. Denn die Entscheidung über Ihren Antrag dauert meist mehrere Monate. Sie können parallel Krankengeld und eine Berufsunfähigkeitsrente erhalten. Diese schließen sich nicht gegenseitig aus.

Autor
Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autoren
Julia Rieder , Nicolas Heronymus

Stand: 15. Januar 2020


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