Anstieg von Indexmieten soll gedeckelt werden

  • ... neoliberaler ...

    Ein Faszinosum, wie - meines Erachtens in Verkennung der Lage - mit Begrifflichkeiten (oder Zuschreibungen) hantiert wird, die dann vermutlich auch noch ausschließlich negativ konnotiert sind - oder man könnte fast sagen als "Schimpfwort" gemeint und zu verstehen sind ...


    Zum Realitätsbezug daher in möglichst einfachen Worten:

    Zur Erinnerung: Deutschland setzt seit "ewigen" Zeiten auf die Soziale Marktwirtschaft (Stichworte: Prof. Müller Armack, Ludwig Erhard - Letzterer würde sich übrigens bei der Diskussion hier und dem Status Quo das Strangthema betreffend im Grabe umdrehen, würde er das noch mitbekommen ...). Mir persönlich ist hierzulande niemand bekannt oder auch nur jemals jemals begegnet, der beispielsweise zurück ins 19. Jahrhundert eines Manchester-Kapitalismus will ... Um diese Realität der Sozialen Marktwirtschaft hierzulande zu erkennen, reicht ein kurzer Blick auf die relevanten Fakten samt Zahlen wie die Steuer- und Abgabenbelastung im internationalen Vergleich, die Unternehmensbesteuerung im internationalen Vergleich, die Staatsquote im internationalen Vergleich, die Haushaltsmittel für den Bereich Soziales etc. pp. Von der Bürokratiedichte und der enormen staatlichen Regulatorik ganz abgesehen.

    Ob man diese lange deutsche (seit diversen Jahren aber ehemalige) Erfolgs-Modell nun eine Kombination, Melange oder Mixtur nennt oder die beiden Seiten der gleichen Münze oder Medaille, kann für mich dahinstehen: Jedenfalls geht es eingedampft im Kern darum, beide Elemente (Sozial und Markt) so zu kombinieren, daß möglichst positive Ergebnisse für alle Bürger generiert werden. Dazu ist sozusagen der "Schiebe-Regler" entsprechend auszutarieren. Wird der Regler zu weit in die eine oder andere Richtung geschoben, werden die generierten Ergebnisse insgesamt unerfreulich bis negativ.

    Das ist in Bezug auf die Makroebene so (Beispiel: Absturz Deutschlands seit über 10 Jahren im Ranking der internationalen Wettbewerbsfähigkeit) und auch in Bezug auf so manche Teilbereiche (Mikroebene) ebenso. In dem Bereich "Wohnen" sind die generierten Ergebnisse auch schon seit rund 15 sukzessive immer schlechter geworden. Jedenfalls überall da, wo die Menschen gerne wohnen wollen. Das hier im Strang besprochene Thema gehört also - nach meinen Dafürhalten (und dem sehr vieler anderer deutlich Kundigere als meine Wenigkeit) - unstrittig zu dem zu weit in eine Richtung verschobenen Regler. Entsprechend sind schon lange die generierten Ergebnisse samt Folgen.

    Nur am Rande aber nicht ganz unbedeutend: Ein erheblicher Teil der stetig wachsenden Unzufriedenheit bis Unmut an der Politik und den politischen Verhältnissen - samt entsprechender Ergebnisse bei Wahlen - speist sich auch aus diesem Themenbereich (Wohnraumversorgung bzw. Wohnungsmangel, Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, Massenbesichtigungen, Hemmnisse bei Umzügen auch bei der berufsbedingten Mobilität, große Schwierigkeiten und/oder Hemmnisse bei der Bildung von Wohneigentum usw.).

    Allein nur den Hinweis, daß der Regler in dem Bereich zu weit in die eine Richtung geschoben wurde und durch so entstandene Asymmetrien, Unwuchten und Fehlanreize schon lange unerfreuliche bis schlechte Ergebnisse generiert werden, als neoliberal zu bezeichnen, sprich für sich. Die Entwicklung gerade in dem Bereich kann als idealtypisch für die Thematik und negative Dynamik von Interventionsspiralen angesehen werden.

    Kein - jedenfalls halbwegs vernünftig denkender - Mensch käme wohl auf die Idee den Regler bei dem Thema Wohnen auf Anschlag in die eine Richtung (Manchester-Kapitalismus) oder auf Anschlag in die andere Richtung (Kommunismus, Enteignung, kein Privateigentum mehr) zu schieben. Es geht nur darum den Regler ein kleines Stück weit so zu verschieben, daß (endlich) wieder bessere Ergebnisse erzielt werden können.


    Nur am Rande aber in dem Kontext zur Erinnerung ein Wort in eigener Sache:

    Als Vermieter will ich nicht zum "Gewinner" werden - sondern strebe ein faires und partnerschaftliches Verhältnis zu meinen Kunden (Mietern) an, bei dem möglichst beide Seiten etwas "gewinnen".


    Dir nichtsdestotrotz weiter ganz viel Glück mit Deinen privaten Finanzen !

  • Ein erheblicher Teil der stetig wachsenden Unzufriedenheit bis Unmut an der Politik und den politischen Verhältnissen - samt entsprechender Ergebnisse bei Wahlen - speist sich auch aus diesem Themenbereich (Wohnraumversorgung bzw. Wohnungsmangel, Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, Massenbesichtigungen, Hemmnisse bei Umzügen auch bei der berufsbedingten Mobilität, große Schwierigkeiten und/oder Hemmnisse bei der Bildung von Wohneigentum usw.).

    Und wer da meint, dass es unter den Blauen sozialer zuginge, möge sich besser mal deren neoliberale Wirtschaftsagenda zu Gemüte führen... Da würden sich einige hiesige Wutbürger verdutzt die Augen reiben, wenn ihnen das Schicksal ihrer argentinischen Leidensgenossen drohte. ... Gott gebe, dass uns diese Erfahrung erspart bleibe.

  • Und wer da meint, dass es unter den Blauen sozialer zuginge, möge sich besser mal deren neoliberale Wirtschaftsagenda zu Gemüte führen... Da würden sich einige hiesige Wutbürger verdutzt die Augen reiben

    Ziemlich viele Menschen sind nach meinen Beobachtungen inzwischen derart verärgert und voller Frustration - diverse Themen betreffend - von denen das Thema "Wohnen" (nur) eines ist - , daß es jedenfalls einem Teil von ihnen gar nicht mehr um Lösungskompetenz einer Partei geht. Sondern nur oder zumindest schwerpunktmäßig noch darum, ihrem Protest einen Kanal zu geben, Ausdruck zu verleihen und sich wenigstens so damit Gehör zu verschaffen.

    Wirtschaftliche Stagnation oder sogar wirtschaftlicher Niedergang sind jedenfalls meist eine ungute Ausgangsbasis für die Stimmung in einem Land. Zunehmende Verteilungskämpfe bei insgesamt kleiner werdendem Kuchen sind praktisch eine Sachgesetzlichkeit. So wie es Unternehmen in guten Zeiten am leichtesten fallen würde Umstrukturierungen oder auch nur Nachbesserungen vorzunehmen - wäre es vermutlich auch für die Politik einfacher in guten Zeiten und bei sprudelnden oder Rekord-Steuereinnahmen strukturelle Reformen durchzubringen und zu implementieren. Leider läuft es sowohl bei Unternehmen als auch bei Staaten meist genau umgekehrt - es wird erst gehandelt, wenn es gar nicht mehr anders geht (siehe beispielsweise die Agenda 2010 von Gerhard Schröder (SPD) umgesetzt in der Zeit von 2003 bis 2005 - damalige Zahl der Arbeitslosigkeit um oder > 5 Millionen Menschen und Arbeitslosenquote in Prozent zweistellig ...).

    Alte Wahrheit und Weisheit schon zu Consulting Zeiten:

    Es muß erst noch schlimmer werden, bis der Leidensdruck so groß ist, daß Veränderungsbereitschaft besteht und damit zumindest auch die Chance auf Verbesserungen.


    Nur am Rande: Mir sind ohnehin kaum Menschen bekannt, die Wahlprogramme einzelner Parteien überhaupt lesen (außer Politikern selbst vielleicht, Parteifunktionären, Politikberater, Journalisten usw. oder ganz besonders interessierten Bürgern) - geschweige denn solche, die diese Parteiprogramme studieren sprich inhaltlich inhalieren. Oder gar en Detail mit den Wahlprogrammen anderer Parteien einem Vergleich unterziehen. Dazu kommt noch erschwerend: Papier ist geduldig und in solche Programm läßt sich viel reinschreiben - die Umsetzung steht dann oftmals auf einem (ganz) anderen Blatt.