Beiträge von FinanztipUser

    csh, die Erklärungen scheinen mir plausibel, aber ich finde Größenordnung der Auswirkung (Renditeminderung, Rentenschwankung) immer noch krass bzw. sehr hoch gemessen an diesen ursächlichen Faktoren. Ich frag mich halt: Wie reproduzierbar sind diese Ergebnisse bzw. wie stark werden sie in den nächsten 30 Jahren möglicherweise abweichen... :/

    Ich setze auch auf ausschüttende ETFs. Eine fixe nominale Entnahme, wie hier in der Tabelle, ist doch unrealistisch, wegen der Inflation.

    Ja und nein: Ökonomisch müsste man die Entnahme für einen gleichbleibenden Geldwert natürlich um die Inflationsrate erhöhen. Nur hast du dir mal angeschaut, was aktuell die meisten privaten Rentenversicherungen und/oder Betriebsrenten machen bzw. leisten? Oft gibts da eben genau keinen Inflationsausgleich, da wird dann die tolle Riester-Rente oder BAV in Höhe von zum Beispiel 300 € pro Monat verrentet und es gibt (fast) keine Rentensteigerung. Gerade wenn man neben einer sinnvollen Asset-Allocation noch die nächste Generation im Hinterkopf hat: Warum dann nicht auf eine konstante Entnahmerate aus dem Depot setzen?

    Mal konkret: Ich habe einen (verhältnismäßig sehr guten) Riester Banksparplan, in dem zum Renteneintritt etwas über 100T € liegen sollten. Bevor ich mir den mit völligem Kapitalverbrauch, hohen Kosten und wenig für meine Kids dann mit 300€ pro Monat verrenten lasse, macht es da nicht Sinn, diesen mit Renteneintritt (förderschädlich) zu kündigen und die verbleibende Summe ins Depot zu packen und dann eben eine entsprechende fixe Rate zu entnehmen? Inflationsausgleich habe ich in beiden Szenarien nicht, nur im zweiten Fall dürften sich meine Erben sehr viel mehr freuen... :)

    Gerd Kommer schreibt: Der vielgeäußerte Wunsch nach Vermögenserhalt ist Selbstbetrug, weil regelmäßig nominaler Vermögenserhalt damit gemeint ist. Ein echter Vermögenserhalt müßte real sein, die Vermögenshöhe also mit der Inflation wachsen. Das ist möglich, man braucht aber für eine tolerable Entnahme ziemlich viel Vermögen.

    Der Vollständigkeit halber, er schreibt das u.a. in diesem Blog: https://gerd-kommer.de/kapitalverzehr-vermeiden/

    Der Punkt hierbei ist nur: Kommer geht auf mein Szenario bzw. meine Zielsetzung oben praktisch nicht ein und er geht, wie so oft bei dieser Frage, von der dringend benötigten Summe X pro Monat aus, die man für meine Strategie eben genau nicht brauchen sollte, damit es funktioniert. Und: Wenn die Kursrendite des Weltaktienmarktes von rund 5% nicht ausreicht, um die Inflation (mittel- bis langfristig!) auszugleichen, dann weiß ich auch nicht! Klar kann auch so ein Portfolio temporär real vom Wert her einbrechen, aber so what? Ich seh sein Argument an dieser Stelle einfach nicht: Langfristiger realer Vermögenserhalt ist in meinen Augen realistisch möglich, wenn man nur knapp 2% des Depotwertes entnimmt!

    Rein verstandesmäßig: Wozu braucht man den Vermögenserhalt? Es mag ja sein, daß man das Vermögen von seinen Vorfahren geerbt hat und daher den Bedarf hat, es ungeschmälert an die eigenen Nachkommen weiterzugeben. Das kann ich nachvollziehen. Wenn ich mein Vermögen aber selbst angespart habe ("fürs Alter!"), dann ist es doch völlig ok, wenn ich dieses Vermögen dann im Alter verbrauche.

    Geschmackssache und eigentlich nicht Schwerpunkt dieses Threads, dennoch: Wenn man das Depot (primär Aktien, ggf. auch Anleihen/Gold) zur Diversifikation eines Immobilienvermögens aufbauen und nutzen möchte und die eigene Altersvorsorge auch ohne das Depot oder die Immobilien für ein gutes Leben im Alter und Eigenheim reicht und man die nächste Generation (Kinder) im Blick hat: Warum sollte man dann nennenswerte Teile des Depots im Alter auf den Kopf hauen? Weil man das 5-Sterne Hotel braucht, oder das neue Marken-Auto? Ist mit beides nicht wichtig, da lass ich die Substanz eher im Depot für die nächste Generation (so wie ich die Immobilien auch nicht verkaufe und das Geld verjubele) und begnüge mich mit dem "Goodie" der Ausschüttungen von knapp 2%, was dann ggf. das Upgrade vom 3-Sterne-Hotel zum 4-Sterne-Hotel ausmachen sollte, das ich aber eigentlich gar nicht brauche, da mir oft die einfachen Pensionen am liebsten sind! ;)

    Grob überschlagen brauchst Du halt für eine bestimmte Entnahme in 30 Jahren Entsparphase das doppelte Kapital, wenn Du nur die Ausschüttungen entnimmst. Wenn Du Dir das leisten kannst, mach hin!

    Wieder schreibst du "bestimmte Entnahme"! Warum? Ich will keine bestimmte Entnahme, sondern nur einen Zuschuss, gewissermaßen als Belohung für meinen Depot-Aufbau aber nicht weil ich das Depotvermögen im Alter bräuchte oder aufbrauchen möchte. Wer keine Kinder hat, sieht das vermutlich häufiger so wie du. Wer Kinder hat, der will das bestehende Vermögen auch weiterhin sinnvoll über die existierenden Asset-Klassen verteilen! Und schon das spricht m.M.n. dagegen, das Aktien-ETF-Depot im Alter zu entsparen, während man Immobilien z.B. hält. Man schafft damit Ungleichgewichte bzw. Unwuchten in der gesamten Asset-Allocation, warum also zwingeng der Verbrauch des Depots im Alter? :/

    Zurück zum eigentlichen Thema:

    Spezialist für Entsparmethodik ist übrigens Georg.

    Ich würde Georg als Spezialist für die Entsparmethodik eines Depots mit Aktien-ETFs (bei ihm i.d.R. 100%-Aktienquote) unter Verbrauch des Vermögens im Rentenalter sehen. Immobilien rechnet er wie sonstige Altersvorsorgekomponenten als abstrakten Cash-Flow mit ein, aber: Für mein Vorgehen (Vermögenserhalt des Depots!) ist er leider kein Spezialist, daher ja der Post der Zahlen oben, mit denen genau das möglich ist. In beiden Fällen bleibt ein erheblicher Depot-Wert bestehen, der auch real nicht nur einem Inflationsausgleich, sondern auch einem Wertzuwachs nach Inflation über die Jahre entspricht.

    Hallo zusammen,

    wie neulich in einem anderen Thread schon angesprochen: Mich interessieren diejenigen Entnahmestrategien, die a) absehbar auf lange Sicht das Vermögen erhalten und die b) relativ einfach mit (ausschüttenden) ETFs umzusetzen sind. Im generell zum Thema ETF sehr lesenswerten Special der Finanztest (https://www.test.de/shop/geldanlag…mit-etf-fs0098/) ist ein Vergleich mehrerer Entnahmestrategien vorgenommen worden (S. 29 ff.).

    Die zwei für mich interessanten Konzepte wurden bezogen auf die letzten 30 Jahre modelliert bzw. gerechnet und sind im Grunde einfach erklärt: Angenommen wird für die Entnahmephase, man wäre vor genau 30 Jahren mit exakt 100T € Gesamtvermögen gestartet. Das Portfolio dieser 100T € kann entweder nur aus dem Weltaktienmarkt (MSCI-World zu 100 %) oder anteiligen Beimischungen von Tagesgeld (zu 50 % bei "Ausgewogen" oder zu 25 % bei "Offensiv") bestehen. Errechnet wurde für die Entnahmestrategie "Fix" jeweils der Betrag, den man im schlimmsten aller bisherigen Börsen- und Zinsverläufe hätte entnehmen können ohne das Vermögen vorzeitig aufzubrauchen. Bei der Entnahmestrategie "Zins und Dividende" werden nur die Dividendenausschüttungen bzw. Zinszahlungen entnommen.

    Das Ergebnis der Rückrechnung für die letzten 30 Jahre sieht dann so aus:

    Portfolio Entnahme Monatliche Entnahme (EUR) Endvermögen Rendite des Entnahmeplans Stärkste Rentenschwankung
        Am Rentenbeginn Am RentenendeMindestens Median Höchstens  
    Ausgewogen Fix 334 € 334 € 334 € 334 € 334 € 249.664 € 6,0% 0%
    Zins und Dividende 259 € 420 € 147 € 217 € 455 € 198.311 € 4,8% -67%
    Offensiv Fix 363 € 363 € 363 € 363 € 363 € 380.045 € 7,3% 0%
    Zins und Dividende 214 € 442 € 196 € 266 € 462 € 246.140 € 5,5% -46%
    MSCI-World Fix 389 € 389 € 389 € 389 € 389 € 459.455 € 8,0% 0%
    Zins und Dividende170 € 436 € 170 € 295 € 436 € 289.214 € 6,0% -27%

    Was ich mich dazu frage bzw. was mich an den Ergebnissen wundert bzw. irritiert:

    1. Die Varianten „Ausgewogen“ mit 50 % Tagesgeld und „Offensiv“ mit 25 % Tagesgeldanteil haben die deutlich höhere anfängliche Ausschüttung bei Entnahme der Ausschüttungen. Das scheint mir logisch vor dem Hintergrund des deutlich höheren Zinsniveaus vor 30 Jahren.

    2. Bei reiner Ausschüttungsstrategie im Fall von 100 % MSCI-World scheint mir die Entnahmerate bei konstanter Entnahme relativ hoch: 389 € p.M. sollten anfänglich 4,7 % Entnahmequote p.a. entsprechen. Ok, scheint mir aber plausibel vor dem Hintergrund der in diesem Zeitraum insgesamt ziemlich gut gelaufenen Aktienmärkte. Mitte der 1990er (also ganz zu Beginn der Entnahme) lief es noch relativ gut, die Crashs kamen dann erst mit der New-Economy-Krise um die Jahrtausendwende und dann nochmal mit der Finanzkrise 2007/2008.

    3. Erwartungsgemäß nimmt die Entnahme im Fall der Ausschüttungsstrategie über die Zeit zu, sodass man im Gegensatz zur fixen Entnahme einen Inflationsausgleich bzw. ein Steigen der Entnahmen hat.

    4. Was mich wundert: Warum ist die Ausschüttungsstrategie offenbar so renditeschädlich? Bei 100 % MSCI-World schwankt die Dividendenausschüttung zwischen 170 € und 436 € mit 295 € im Median. Verglichen mit einer kontinuierlichen Entnahme von 389 € beträgt das Endvermögen aber nur 289.214 € statt 459.455 € und die Rendite in dieser Zeit beträgt nur 6 % statt 8 %. Dazu:

    a) Mit der Rentenschwankung von 27 % könnte ich gut leben, aber der Renditeverlust scheint mir ziemlich heftig… Wie seht ihr das?

    b) Erwartet hätte ich eher, dass man mit der Entnahme der Dividenden in oder unmittelbar nach den realwirtschaftlich gut gelaufenen Phasen etwas mehr entnimmt und in den schlecht gelaufenen Phasen entsprechend weniger. Also praktisch schonend mit der Kapitalbasis umgeht, wenn die Kurse relativ schlecht stehen und vice versa. Nur: Das Gegenteil scheint der Fall! Eine kontinuierliche (real aber fallende) Entnahme scheint für die Rendite in % deutlich besser, warum? Nur wegen der starken Steigerungen der letzten Dekade?

    5. Was mich außerdem wundert: Sobald man 25 % oder 50 % Tagesgeld beimischt, steigt die Rentenschwankung bzw. Ausschüttungsschwankung massiv. Auch hier hätte ich eher mit dem Gegenteil bzw. mit einer Stabilisierung der Entnahmeraten gerechnet. Also ich hätte angenommen, dass die Zinserträge und die Dividendenausschüttungen sich wechselseitig etwas stabilisieren. Warum war bezogen auf die letzten 30 Jahre das Gegenteil der Fall und durch die Hälfte im Tagesgeld steigt die Rentenschwankung auf 67 %? Haltet ihr das für eine Sondersituation durch die Nullzinsphase oder für allgemeingültig?

    6. Welche Punkte fallen euch in dem Kontext auf bzw. sind wie erwartet oder abweichend?

    Ich bin nach wie vor ein Fan der Idee, ein ausschüttendes Portfolio aufzubauen und dieses dann später einfach liegen zu lassen und nur die Ausschüttungen zu entnehmen. Die Zahlen lassen mich dazu aber etwas nachdenklich werden...

    Lieben Gruß und Frohes Neues noch an dieser Stelle an alle!

    FT_User

    Was nun? Gilt die Zahlung damit als "IM DEZEMBER 2024" oder "IM JANUAR 2025" getätigt??
    Wäre ein ganz schöner Unterschied für die Steuer...

    Zufluss-/Abfluss-Prinzip | Haufe Finance Office Premium | Finance | Haufe
    Zusammenfassung Begriff Nach dem Zufluss-/Abfluss-Prinzip sind Einnahmen/Ausgaben dem Kalenderjahr steuerlich zuzuordnen, in denen sie zugeflossen sind bzw.…
    www.haufe.de

    Sollten alle voneinander abweichen, müsste ich selbst schauen, warum das eine anscheinend besser ist als das andere. Falls ich dazu nicht in der Lage bin, bräuchte ich weitere Hilfe, vermutlich einen unabhängigen Versicherungsberater, wonach ich schon gefragt habe, weil ich mir eben unsicher bin.

    Also ich finde das Vorgehen ziemlich optimal!

    Zur Debeka oder zur GKV kann nun mal kein Makler neutral beraten! Bei den über die Makler-Software verfügbaren Gesellschaften kann man zumindest darauf hoffen. Alle Infos von möglichst vielen Seiten mitzunehmen, die VZ zu nutzen und ggf. noch einen unabhängigen Berater ist doch perfekt. Die Entscheidung ist i.d.R. eine für den Rest des Lebens und es geht schnell um (hohe) 6-stellige Beträge.

    Da macht der Aufwand wirklich Sinn finde ich… :thumbup:

    Denkt ihr, dass das sinnvoll ist oder ist die Kombination von 1 Versicherungsmakler + Verbraucherzentrale ausreichend?

    Wie viel Zeitdruck hast du denn? Finde dein Vorgehen sehr solide, warte die Ergebnisse (Voranfragen, Einschätzung Verbraucherzentrale) doch erstmal ab und entscheide dann, ob du noch weitere Leute beauftragst.

    Frage: Gibt es diese pauschale Beihilfe bei GKV in Berlin monatlich? Also einen Zuschuss zur GKV?

    Uii, das ist wirklich günstig. Ich hab 25 Euro pro Monat! ^^

    Und 1 Mio € + abgesichert oder erst in späteren Jahren damit angefangen?

    Gibts nicht bei Check24 oder Huk24 online-Rechner, die Preise für die Policen auswerfen?

    Die Huk/24 ist/war glaube ich die Finanztip-Empfehlung und ziemlich günstig, zumindest mit Anfang 30 und ohne Risikoaufschläge. Doof sind halt die ziemlich geringen Erhöhungsmöglichkeiten…

    Die Banken verlangen keine Risikolebensversicherungen, dürfen das auch gar nicht.

    Ähm, nein: Ob sie es dürfen oder nicht, sie tun es! In unserem Fall hat die Sparda-Bank im Jahr 2019 darauf bestanden! ?(

    Frage an die Community: Würdet ihr dieses Vorgehen so 'unterstützen', oder haltet ihr es für übertrieben?

    Mit meiner Erfahrung in der gleichen Situation würde ich es direkt mitmachen und wahrscheinlich auch eine höhere Summe wählen!

    Die Nummer mit der Sparda-Bank war rückblickend ziemlich lächerlich: Ich hab damals meine Freundin als Begünstigte eingetragen und die Kreditsumme (180T) auf sie in meinem Todesfall abgesichert, obwohl sie in den Kreditverträgen gar nicht mit drin war. Der Kreditvermittler hat sich auch gewundert über die Anforderung mit der RLV und meinte, dass wir die kurz nach Kreditabschluss eigentlich wieder kündigen könnten. Die Bank wollte nur eine Kopie der Police, keine Verpfändung oder so.

    Jetzt mit Hochzeit und Nachwuchs hab ich sie Summe (RLV war bei der HUK/24) fast maximal um 3x10T€ erhöht und denke, dass ich die Gesamtsumme damals eigentlich schon hätte höher abschließen können. Dass auch für den Fall des größeren nächsten Immobilienprojektes. Ist aber aktuell nicht schlimm, da wir insgesamt sehr gut abgesichert sind.

    Vll. zwei Aspekte zur RLV:

    1. Die Fragen scheinen mir weitgehend identisch mit denen bei BU/PKV, es kann aber sein, dass die sehr viel weniger streng geprüft bzw. ausgelegt werden. Es geht eben um frühzeitige Todesfallrisiken und nicht um BU-Risiken. Welche Erfahrungen haben hierzu die Makler?!

    2. RLV ist relativ günstig. Am

    Nervigsten fand ich auch diese Fragen, der Jahresbeitrag von rund 50€ geht bei uns ziemlich unter zwischen anderen Kosten.

    Wenn ich meinem Anlageportfolio (Immo's, thes. Aktienfonds, Kupon-Anleihen etc.) jährlich 2% entnehme ist das für Dich bestandserhaltend. Bei 4% nicht.

    Na das würde ich dann doch konkreter von der Rendite der jeweiligen Anlagen abhängig machen wollen: Lagen die Immobilien bei dir nicht teilweise sogar deutlich über 5% Mietrendite? Dann könntest du's ja richtig krachen lassen, sofern die Rücklagenquote bisher gestimmt hat! ;)

    Das passt ja etwa zu den Zahlen, ab wann ein Pleiterisiko besteht. Wobei diese Untersuchungen sich leider immer nur auf reine Aktienportfolios beziehen.

    Nicht unbedingt, selbst die Finanztest ist mittlerweile so weit, dass die alle ihre üblichen Depotkonzepte (mit 25%, 50%, 75% Aktien/Anleihequote) mal modellrechnungstechnisch durchgespielt haben. Das mit unterschiedlichen Entnahmekonzepten und auch den risikotechnisch vertretbaren Entnahmequoten je nach Vorgehen (https://www.test.de/shop/geldanlag…mit-etf-fs0098/). Wenn ichs wie gesagt die Tage mal schaffe, mach ich dazu nochmal einen extra Thread auf...

    Die Punkte sind spannend! ;)

    Für mich ist das kein Problem. Jeder Geldverbrauch ist m.E. ein Substanzverlust, egal ob das Geld aus einem Verkauf, einer Dividende, Zinszahlung, Ausschüttung oder Miete kommt.

    Ist ökonomisch zweifellos so. Die Unterscheidung zwischen knapp 2% Ausschüttungsrendite und runden 5% Kursrenditen bei global gestreuten Aktien kann man trotzdem ganz begründet treffen, egal was man letztlich daraus macht.

    Das Verrechnungskonto zum Depot, wie auch das Mietkonto gehören bei mir zum "Vermögenshaushalt", d.h. da wird i.d.R. nichts entnommen, sondern es wird wieder angelegt. Es ist getrennt vom Haushaltskonto.

    Kann man so machen und wäre auch mein Vorgehen. Von beidem (Mietkonto und dem Depotkonto) könnte man aber die aufgelaufenden Erträge nach Steuern, Rücklagen u.s.w. dann auch gesammelt z.B. über ein Jahr zum Zwecke des Konsums praktisch verrenten in Form eines Dauerauftrags aufs Haushaltskonto.

    Ich sehe da keine Trennlinie, das musst Du mir bitte erklären.

    Die Trennlinie ist natürlich eine überwiegend psychologische. Aber die Funktion dabei ist in meinen Augen gleich mehrfach nützlich: Bei Aktien-ETFs würde ein gewohnheitsmäßiges Verkonsumieren der Dividentenausschüttungen den o.g. Substanzverlust (1,5 - 2%) auf eine Größenordnung beschränken, die in Punkto Pleiterisiko unkritisch ist und absehbar zu weiteren Kurs- und Ausschüttungssteigerungen führen würde, was praktisch einer Inflationssicherung entspricht.

    Spannend und richtig diskussionswürdig würde ich den Rendite-Impact der Schwankungen der Dividendenausschüttungen über die Zeit betrachten: Hilft es so viel, dass man praktisch in realwirtschaftlich schlechteren Phasen durch Dividendenreduktionen tendenziell (ggf. mit Zeitverzug) eben weniger entnimmt und vice versa, oder ist die Entnahme in den Krisenphasen immer noch so hoch, dass man die Performance im Fall der Erholung unnötig schmälert? :/

    Falls man dann wirklich mal Anteile verkauft, hat das die psychologische Barriere, also das Gefühl eines potenziellen Substanzverlustes. Finde ich als "Reminder" nicht verkehrt, dass man das sinnvollerweise nur für andere Investitionen (z.B. Immobilen) macht und nicht für unnötigen Konsum.

    Einen weiteren Vorteil sehe ich in der Dynamik bzw. dem Zusammenspiel von Dividendenausschüttungen der Aktien und den Kupon-Ausschüttungen von Anleihen (s.u.)

    Beispiel Aktien: Was ist der Ertrag einer Bayer-Aktie, was das Bestandsvermögen?

    Zählen bei Berkshire Hathaway die Dividenden der enthaltenen Aktien als Erträge oder die (nicht existierenden) externen Ausschüttungen?

    Mein Vorgehen an der Stelle ist naiv und pragmatisch: Mich interessiert nicht der Ertrag eines Unternehmens oder der EBIT und Berkshire ist für mich ein Fonds. Klar ist auch, dass mir die großen Tech-Unternehmen und alle ganz ohne Ausschüttung meine Ausschüttungsrendite verhageln. Bei andern Unternehmen geht die Dividendenausschüttung an die Substanz oder auch darüber hinaus. Oder man hat den Fall Bayer. Aber sei's drum: Ertrag ist für das Vorgehen an der Stelle einfach alles, was ein vollständiger Weltmarkt-ETF dann eben an kumuliert gerechneten Dividendenausschüttungen ausschüttet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Beispiel Anleihen: Angenommen Du hast 2 Alternativen zur Investition: Eine Anleihe mit einem Kupon von 2% (Kaufkurs 92%) und eine Anleihe mit einem Kupon von 4% (Kaufkurs 108%). Die Renditen sind gleich, die Laufzeit auch. Was sind jetzt die Erträge bzw. was das Bestandsvermögen? Ist das gleich oder unterschiedlich?

    Zero-Bonds machen an der Stelle natürlich auch bei gleicher Rendite keinen Sinn und mein Konzept würde ich wenn dann um ausschüttende Anleihe-ETFs ergänzen. Per Definition wären dann schlicht und ergreifend die ausgeschütteten Kupons der Ertrag. Und die verhalten sich natürlich anders als die Dividenden der Aktien, was man aber doch gut für entsprechende Konzepte verwenden könnte. Zum einen gleichen sich die Schwankungen der Dividendenausschüttungen (nach o.g. Definition) und die Auschüttungen der Anleihe-ETFs (s.o.) in Teilen aus. Zudem ist auch klar, dass man Anleihe-ETFs bei einer konsequenten Entnahme der Kupons real praktisch entspart. Ich hab das mal für ein paar Szenarien überschlagen und folgendes Vorgehen würde ich für den Renteneintritt ganz attraktiv finden: Man erhöht die Anleihe-ETF-Quote im Depot auf z.B. 40%. Sofern das Zinsniveau nicht massiv schwankt, stabilisiert (und erhöht man ggf. etwas) die Gesamtausschüttung des Gesamtportfolios. Durch die absehbaren Kurssteigerungen des Aktienteils sinkt die Anleihequote im Zeitverlauf, was doppelt gewollt ist: Zum einen stabilisiert man das Depot zu Rentenbeginn und sichert es in der besonders kritischen Phase der Entnahme gegen massive Kurseinbrüche des Aktienmarktes ab. Zum anderen sollte je nach Zeitpunkt des Ablebens die Aktienquote dann (wieder bei 30, 20 oder sogar 10%) stehen und damit in einer Größenordnung, die sich für die Übernahme des Depots durch die nächste Generation mit längerem Anlagehorizont durchaus eignet. Je nach Ausgestaltung des Depots könnte man das ganze wirklich völlig liegen lassen, sofern die Ausschüttungen aufs Haushaltskonto laufen und von dort verwendet würden. Das wäre dann fast schon demenztauglich und wirklich kein Aufwand in Punkto Unterhalt! 8o

    Eine Ausschüttung wird (wie immer) nur dadurch ermöglicht, dass Aktien verkauft werden! Wo ist jetzt der große Unterschied, ob ein Fondsmanager Aktien für mich verkauft oder ich Anteile an einem thes. Fonds verkaufe?

    Ist technisch gesehen so und rein ökonomisch gesehen könntest du natürlich auch jedes Mal die exakt selbe Quote des Thesaurierers verkaufen. Der große Unterschied liegt eben in der Limitation der Verkäufe auf eine Größenordung, die regelmäßig von der Größenordnung her geeignet ist, a) spürbar etwas zu entnehmen (in psychologischer Hinsicht also "etwas vom Depotvermögen zu haben", auch jenseits abstrakt steigender Zahlen im Depot und die b) wie oben geschrieben geeignet ist, das "Bestandsvermögen" aber auch die "Ausschüttungen" im Zeitverlauf weiter über Inflationsniveau wachsen zu lassen. Beides finde ich an der Stelle nicht verkehrt, gerade wenn man im Alltag (durch einen monatlichen Zuschuss/Cash-Flow) etwas vom Depotwert haben möchte, aber eben nicht auf eine fixe Summe angewiesen ist und den Wert des Gesamtdepots nicht in kritischem Ausmaß reduzieren will.

    Beispiel Immobilien: Die Immobilie von Taust hat eine Mietrendite von ca. 3%. Sind das die Erträge nach Deiner Definition oder muss ich Renovierungen und Modernisierungen davon abziehen? Wie rechne ich das, wenn die sehr unterschiedlich anfallen und in Zukunft altersbedingt vermutlich höher sind, als in der Vergangenheit?

    Nach meiner Definition wären das die Brutto-Erträge vor Steuern und Rücklagen. Damit das konzept langfristig trägt, braucht man (wie alle guten Immobilienbesitzer! ;)) eine Rücklagenquote, die für alle mittel- und langfristigen Renovierungen und Modernisierungen ausreicht, den Wert der Immobilie bzw. ihrer Substanz also kontinuierlich erhält. Wer hier auf Kosten der Substanz lebt, begeht den selben Fehler wie 3,5% aus Welt-Aktien-ETFs zu entnehmen und der unterläuft damit das Konzept der dauerhaften "Ertagsentnahme".

    Fakt ist doch: Aus Aktien (breit gestreut) und Immobilien kann man eine Mindest-Quote sicher entnehmen. Die sollte beim Depot nicht zu einem Pleiterisiko führen und bei der Immobilie nicht dazu, dass einem das Geld für die plötzlich notwendige Heizungserneuerung fehlt. Beides lässt sich aber doch mit etwas Planung und sinnvoller Bewirtschaftung der beiden Assetklassen sicherstellen. Und dabei ist eine sichere "Ausschüttungsquote" von 1,5 - 2% bei Aktien ziemlich realistisch und bei Immobilien dürfte von 3-3,5% brutto dann netto nach Steuern und Rücklagen auch nicht viel mehr als 1,5% übrig bleiben. Ist also beides eine sehr moderate Entnahme, dafür sind beide Investments zukunftstauglich aufgestellt und auch die Asset-Allokation zumindest zwischen den Immobilien und Aktien sollte man damit halbwegs aufrecht erhalten können..

    Lass dir doch erstmal ihr Leben leben. Werden sich schon melden, wenn sie Geld brauchen.

    Klar! Nur stellt sich aber einer gewissen Größenordnung doch offensichtlich einfach die Frage, wie man mit dem Geld investiert ist und was man damit macht. Und dass dann in so einer Situation sowohl für die Eltern, als auch für die Kinder! Daran kommt man an der Stelle doch gar nicht vorbei und Steueroptimierung ist hierbei doch wirklich zweitrangig.

    Hier geht es doch sowieso am wenigsten um die Kinder, sondern vielmehr um die Verwirklichung der Wünsche der Eltern. In dem ganzen Thread hier fiel doch nicht ein Wort darüber, was sich eigentlich die Kinder wünschen.

    Wenn die Kinder entscheiden, dass sie das Vermögen so handhaben wollen, wie Jan Philipp Reemtsma, dann ist das doch wunderbar! Dafür muss man doch gar kein Tabak-Imperium geerbt haben. Nur überfordert es Kinder wie Erwachsene maßlos, wenn 5 Mio € auf Konten rumliegen würden und/oder bei Bedarf transferiert würden. Gerade zu dem Punkt, was Kinder wünschen und auch ökonomisch sinnvoll verabreiten können, hat Nikolaus Braun in seinem letzten Buch ein paar gute Abschnitte geschrieben.

    Ich fände es für meine Kinder nicht verkehrt, wenn sie a) geerdet bleiben und anständige Menschen würden, egal was sie unterwegs oder später als Erbe bekommen, sie b) neben sozialem und ökonomischem Anstand auch ökonomischen Verstand mitnehmen würden und dann c) eben ein gewisses Vermögen gestreut auf Immobilien, Aktien, Anleihen etc. erben würden, das als solches handhabbar ist. Große Bargeldbeträge oder ein Riesenerbe am ganz langen Ende sind es in meinen Augen nicht!

    Angenommen, ein Kind würde dann letztlich auf lange Sicht rund 2 Mio € erben, dann würde ich persönlich eine Überschreibung einer Immobilie für rund 1 Mio € und einen Depotübertrag von rund 1 Mio € in Etappen extrem viel sinnvoller finden, als eine Überweisung einer Summe von 2 Mio €, auch wenn beides ökonomisch gesehen identisch wäre. Wenn die Kids dann sagen: Ok, es wird alles wird verkauft und verprasst, dann: So be it! :thumbup:

    Wenn nicht, dann sind sie glaube ich relativ dankbar dafür, dass das Vermögen schon halbwegs sinnvoll aufgeteilt, strukturiert und investiert ist und sie unterwegs schon gelernt haben, wie man eine Immobilie bewirtschaftet und ein Depot verwaltet. Weil wenn sie dann (neben ihrem eigenen Leben und Einkommen) das Vermögen auf so einem Wege Schritt für Schritt bekommen, dann haben sie eben die erprobte und realistische Möglichkeit, das ganze einfach so weiterzubewirtschaften und nur die Erträge (Mieten und Ausschüttungen) zu entnehmen und das ganze ansonsten zu halten und/oder bei Bedarf eben auszubauen oder auch zu verkaufen.

    Einen weiteren Vorteil für die Kids würde ich in so einer Situation darin sehen, dass die Cash-Flows (monatlich, netto nach Steuern und Rücklagen) eben "handhabbar" bleiben und sie nicht erschlagen werden. Angenommen von den Mieten und Ausschüttungen aus o.g. Beispiel blieben am Ende netto nach allen Rücklagen und Steuern rund 2.000 € im Monat. Dann wäre das ein Betrag, von dem man ein Studium durchziehen, eine Zeit ins Ausland gehen, sich ein Gap-Year nehmen, aber eben nicht dauerhaft im völlig unnötigen Luxus leben könnte. Ein monatlicher Cash-Flow in so einer Größenordnung würde auch ein solides eigenes Einkommen im mittleren Alter nicht entwerten, sondern aufstocken.

    Das wäre aus meiner Sicht unendlich viel wertvoller und sinnvoller, als junge oder mittelalte Menschen ohne große Finanzerfahrung mit großen Summen zu konfrontieren, die sie nur überfordern. Die Mittel durch die Eltern sinnlos zu verpulvern dürfte auch nur die wenigsten glücklich machen. Was bleibt denn dann, außer solche Mittel sinnvoll zu investieren und dann (sinnvoll investiert) in einer genauso sinnvollen und individuell passenden Art (natürlich zur freien Verfügung) Stück für Stück über die Zeit an die Kinder zu übertragen? Das würde ich auch bei einer Steuerersparnis von Null so handhaben wollen. Alles behalten bis ins Grab? Einfluss darauf nehmen, für was die Kinder dann wann welche Beträge bekommen und damit ihre Entscheidungen beeinflussen? Das würde ich übergriffig und unangemessen finden.

    Von daher: Ich finde das Vorgehen oben weniger übergriffig als vielmehr über Generationen sinnvoll gedacht und gewirtschaftet. Natürlich müssen die Kids ab einem gewissen Zeitpunkt völlig alleine das Ruder übernehmen. Aber genau das kann man doch sinnvoll vorbereiten und die Kinder dabei dann altersgemäß auch schon frühzeitig mit einbinden.

    Ist zumindest meine Sicht auf die Dinge und hat in meiner Familie bisher ziemlich gut funktioniert...

    Angenommen die große Tochter von Taust würde am Ende eine vermietete Immobilie für rund 1 Mio € mit zum Beispiel 3% Mietrendite und 2-3% Bestandswertsteigerung als Kapitalanlage erben und eben ein Depot mit 1 Mio € bestehend größtenteils ausschüttenden Aktien-ETFS, die 2% oder 2,5% Ausschüttungsquote hätten und ein Kurswachstum von 5% bezogen auf den Aktienanteil.

    Ich würde argumentieren, diese Ausschüttungen und diese absehbaren Wertsteigerungen stehen in einem guten Verhältnis! Die Aktien werden absehbar stärker schwanken als die Immobilien, beides sollte sich aber mittelfristig etwa die Wage halten.

    -> Seht ihr das an der Stelle nicht auch erstmal als Wert an sich? Also dass man bei so einem Vorgehen auch mittelfristig etwa 50/50 in Immobilien und Aktien bzw. im Depot investiert bleibt? Diese Asset-Allokation, wenn sie denn das Ziel des Vorgehens ist, würde man doch allein schon kaputt machen, wenn man unnötig viel aus dem Depot entnimmt! Wozu?

    Was ich an der Stelle vermutlich machen würde: Im Depot mit einer Beimischung von 20-30% Anleihen den Cash-Flow der regelmäßigen Ausschüttungen und auch den gesamten Bestandswert des Depots stabilisieren. Das würde nochmal eine weitergehende Streuung über eine zusätzliche Asset-Klasse bedeuten, hätte den Vorteil, dass man je nach Auswahl die Ausschüttungsquote bei 2% oder mehr (2,5%) einpendeln könnte und dass eben der Maximum-Drawdown im Depot auch entsprechend reduziert wäre.

    Der Preis an etwas geringerem Kurswachstumspotenzial des Aktienanteils wäre bei so einer Anleihequote überschaubar, die Vorteile würden für mich an der Stelle glaube ich überwiegen...

    Aber es ist eben WEIT weniger, als wenn man mit einer Entnahmestrategie bei einem Thesaurierer jährlich 3,5% entnimmt und möglichst so, dass wenig Steuer anfällt. Schafft man es z.B., Anteile mit nur 10% Gewinn zu entnehmen, kämen gute 32.000 EUR nach Steuer raus, entsprechend 2.700 EUR (!) monatlich nach Steuer.

    Ja und noch VIEL weniger als wenn man 5% oder 10% oder 20% entnimmt. Das Ende der Fahnenstange bzw. Maximierung dürfte bei 100% Entnahmequote erreicht sein. ;) Steueroptimierung durch FIFO und Steuerstundung hin oder her: Du bist auch bei 3,5% Entnahmequote in einem Bereich, der langfristig einen deutlichen Verzehr an Substanz darstellt. Wenn die Kurse richtig unglücklich für dich laufen, ist ein Portfolio in 30 Jahren bei so einer Entnahmequote komplett aufgebraucht. :huh:

    Wenn das explizit weder gewünscht noch notwendig ist, da man langfristig den Wert des Depots nicht nur erhalten, sondern sogar auch real weiter aufbauen und über die Asset-Klassen gestreut bleiben möchte: Warum sollte man die Entnahmequote dann dermaßen hochschrauben?

    Alles nur, um möglichst hohe Beträge zu entnehmen? Die oben genannten Ziele erreicht man so nicht…

    Die Person mit den ausschüttenden ETFs bekommt jedes Jahr zwischen 10.000 Euro und 20.000 Euro an Ausschüttungen. 4 Mal in unterschiedlicher Höhe. Was ist, wenn das Geld gar nicht benötigt wird? Wieder anlegen? Oder liegen lassen?

    Naja, wie oft die ETFs dann jeweils ausschütten, ist natürlich unterschiedlich und auch dann nicht in Stein gemeißelt. Falls man keine zusätzlichen Mittel haben möchte, ist einmal im Jahr eine Wiederanlage kein Problem in meinen Augen. Und wer ein Konzept mit mehreren ETF-Bausteinen fährt, was ich in so einem Szenario eigentlich fast jedem raten würde, der nutzt das dann effizient und in Punkto Transaktionskosen eben sehr kostengünstig auch für ein Re-Balancing.

    Doch verkaufen? Dann aber in der Krise bei günstigen Kursen, weil es genau dann die geringsten Ausschüttungen gibt. Kann das nicht auch wieder Stress sein?


    Wäre es da nicht sinnvoller, einen monatlichen Auszahlplan auf einen Thesaurierer mit genau dem Betrag einzustellen, den man wirklich sinnvoll benötigt? Z.B. 1000 Euro im Monat.

    Oben beschrieben war ja der Fall, dass der Nachwuchs a) finanziell auf eigenen Beinen steht, d.h. durch gute Ausbildung/Studium vom Arbeitseinkommen (oder eben die Eltern dann später von ihrer Altersversorgung) auch mit zusätzlichen Mieteinnahmen solide wird leben können und daher b) eben genau keine exakte Summe Monat für Monat aus dem Depot bräuchte. Er/Sie aber dennoch in überschaubarem Umfang vom Depotvermögen profitieren und sich mit den Steueraspekten nicht rumschlagen möchte.

    Klar, sobald man annimmt, dass jemand aus dem Depot exakt 1.000 € netto pro Monat benötigt, wird das Konzept nicht mehr funktionieren. Kommer trifft die Unterscheidung aus dem Link auch in der aktuellen Auflage seiner "Bibel", nur passen die drei von ihm unterschiedenen Phasen (Vermögensaufbauphase, Vermögenssnutzungsphase, neutrale Phase ohne Zuführung oder Entnahmen) hier nicht.

    Was ich oben skizziere, ist praktisch ein Dauerstadium dazwischen, indem man dauerhaft mit den ETF-Anteilen im Weltaktienmarkt investiert bleibt und dennoch die Dividendenausschüttung als geringe anteilige Gewinnmitnahme nutzt. Ähnlich eben der Verwendung der Mieterträge bei Immobilien nach Steuern und Rücklagen. Das ist dann im Kern sowohl ein weitergehender Vermögensaufbau (Konstellation 1), da der größere Teil der Rendite (absehbar regelmäßig auch über der Inflationsrate!) im Depot bleibt, trotzdem aber auch eine anteilige inflationsgesicherte Vermögensnutzung (Konstellation 2) eben der Dividendenausschüttungen erfolgt. Das ist wie gesagt in meinen Augen nur für diejenigen geeignet, die a) ihr Depotvermögen bewusst grundsätzlich erhalten wollen, b) die Ausschüttungen als regelmäßigen Zuschuss zum Leben potenziell (!) verwenden möchten und c) eben genau nicht auf irgendwelche exakten Entnahmen oder Beträge aus dem Depot angewiesen sind.

    Ich finde das ganz charmant auch neben den zusätzlichen Möglichkeiten der Übertragung mit Nießbrauch, einfach weil das eine wirklich dauerhaft ganz gut durchzuhaltende Strategie sein sollte, bei der man dann eben nicht jedes Mal versucht ist, doch etwas mehr oder etwas weniger ETF-Anteile für welche Zwecke auch immer zu verkaufen...

    Ich mein Leute, ich will hier keine Werbung für mein Vorgehen machen! Vielleicht passen für euch, eure Situationen und eure Strategien auch andere Ansätze besser! Aber stellt euch doch vll. mal folgende Situation gerade in psychologischer Hinsicht vor:

    Ihr seid im mittleren Alter und bekommt ein Depot mit einem einzigen thesaurierenden Welt-ETF im Wert von 1 Mio € geschenkt. Jedes Jahr wird über die Besteuerung/Vorabpauschale dann neuerdings ein gar nicht so geringer Geldbetrag (zugeführt von außen!) nötig, den ihr zu Jahresbeginn aus eurem Arbeitseinkommen auf das Depotkonto überweisen müsst, nur um die vorab fällige Steuer für Erträge zu bezahlen, von denen ihr erstmal nichts habt.

    Dieser insgesamt gar nicht so kleine Kuchen steht dann jeden Tag vor euch und er verbraucht sozusagen dann auch noch jedes Jahr anderweitig verdientes Geld, dass ihr vielleicht lieber für Urlaube oder andere Dinge ausgeben würdet. Die Zahlen in diesem Depot steigen, aber so richtig habt ihr natürlich erstmal nichts davon. Also fangt ihr an, den Kuchen aufzuessen, das ganze soll ja nicht nur Last am Bein sein und euch auch irgendwie zu Gute kommen. Welchen Anteil der Summe entnimmt man dann? Den Betrag, der über die Vorabpauschale fällig wird, damit man zumindest nichts von außen zuschießen muss? Rund 2%, was etwa der Dividende entsprechen sollte? Etwa 3% in der Hoffnung das Vermögen langfristig zu erhalten? Die einmalige Summe, die der Urlaub gerade kostet? Oder vielleicht die Summe, die man für ein nettes Auto gerade gebrauchen könnte? Gar nicht so einfach diese immer wiederkehrende Entscheidung! Man hat im Hinterkopf, dass das Vermögen in der Familie aufgebaut wurde und man will den Kuchen auch deshalb vielleicht gar nicht aufessen. Aber immer nur zuzahlen?! Irgendwie doch eine doofe Situation und nur wenig Menschen dürfte es glücklich machen, abstrakten Zahlen auf irgendwelchen Depots beim Steigen zuzuschauen...

    Wäre das Depot mit einem ausschüttenden ETF bestückt, wäre klar, dass jährlich etwa so viel ausgeschüttet wird, dass die Pauschalbesteuerung (25%) dieser Erträge für die Vorabpauschale unter Anrechnung ausreichen dürfte. Diese unsägliche Entscheidung, wie viel vom Kuchen man aufisst, wird durch die faktischen Ausschüttungen doch sehr viel leichter. Falls man den Betrag nicht braucht, kann man ihn einmal im Jahr direkt wieder anlegen oder bei mehreren Bausteinen gezielt zum Re-Balancing verwenden. Ansonsten hat man wie gesagt einen netten Zuschuss zum Leben und lässt aber den Großteil des Geldes weiter für sich arbeiten. Schwankungen der Depotsumme sind dann ggf. temporär sogar weniger relevant als die Schwankungen der Ausschüttungen. Aussitzen von Finanzkrisen sollte so sehr viel leichter fallen und und ein schlechtes Gewissen wegen zu hoher oder zu niedrigerer Verkäufe an ETF-Anteilen kann man sich auch sparen...

    Die steuerlichen Unterschiede oder Nachteile bei so einer Strategie würde ich als nicht sonderlich groß ansehen, das macht in meinen Augen nicht viel aus. Was ich aber interessant finde, ist dass so eine Entnahmestrategie für die Gesamtrendite des Depots nicht so optimal sein könnte, wie eine fixe Entnahme. Dazu gibt es erstaunlicherweise nicht so viele Veröffentlichungen aber aktuell z.B. den Hinweis in dieser auch für Ausschüttungsstrategien sehr lesenswerten Veröffentlichung von der Finanztest (https://www.test.de/shop/geldanlag…mit-etf-fs0098/). Wenn ichs demnächst mal schaffe, schreibe ich die Zahlen mal raus und mache einen neuen Thread dazu auf. Einige Implikationen bzw. Aussagen der Modellrechnung daraus sind mir noch nicht ganz klar. Und das hätte Auswirkungen auf die Gesamtrendite von solchen Strategien auf lange Sicht und ggf. auch Auswirkungen, die die steuerlichen Aspekte deutlich übersteigen.

    Investierst du in mehrere ETFs, die ihre Quartalsausschüttungen zeitlich versetzt durchführen, um einen monatlichen cash-flow zu generieren?

    Nein, das ist mir völlig egal bzw. die Entscheidung für oder gegen einen konkreten ETF würde ich davon niemals abhängig machen. Jeder, der wirklich langfristig plant, sollte das eine Jahr Zeit haben, um die Ausschüttungen zu sammeln. Man kann dann nach diesem einen Jahr erstmalig einfach einen Dauerauftrag über 1/12 der Ausschüttungsumme nach Steuern vom Depotkonto aufs Girokonto machen, wenn man die Ausschüttungen dann tatsächlich regelmäßig verbrauchen möchte. Für die Steuer der Vorabpauschale ist praktisch automatisch Liquidität verfügbar bzw. diese wird verrechnet. Das Vorgehen hat aus meiner Sicht auch den Vorteil, dass man schon etwa absehen kann, wie die Beträge des kommenden Jahres bedingt durch die Dividendenschwankungen ausfallen werden und sozusagen weniger davon überrascht wird.

    Nimmst du nur marktkapitalisierende ETFs oder auch andere?

    Christian W. Röhl schwört ja auch auf Ausschüttungen und Dividenden. Er kritisiert allerdings (zurecht) einen Dividenden-Fokus (ETFs mit Aktien, die eine hohe Dividendenrendite haben). Er ist allerdings ein ein großer Fan vom Wisdom Tree Global Dividend Growth und dem Fidelity Global Income ETF.

    Von der Gewichtung her nutze ich persönlich marktkapitalisierte ETFs für eine Annäherung an die BIP-Gewichtung. Dividenden-ETFs sind aus meiner Sicht in aller Regel irrational. Die beiden oben genannten sind für mich nicht Fisch und nicht Fleisch, also stark am Gesamtmarkt orientiert, das aber mit dem Versuch die Dividenden etwas zu erhöhen? Habt ihr euch ansonsten mal die Gesamtrendite und die Ausschüttungsrendite von klassischen Dividenden-ETFs angeschaut? Was bringt es einem, wenn man statt 2% Dividendenausschüttung und 8% Gesamtrendite dann tolle 4% Dividendenausschüttung bei nur 5-6% Gesamtrendite hat? So rational sollte man glaube ich sein, auf diese Illusion nicht reinzufallen.

    Ziel sollte es meiner Meinung nach bleiben, entweder nach Marktkapitalisierung oder nach GDP/BIP-Gewichtung (oder ggf. auch mit Equal-Weight) den Weltmarkt möglichst vollständig und neutral abzudecken. Das würde ich auch und gerade bei einer Entnahmestrategie der Ausschütungen nicht aufgeben wollen, erst recht nicht, wenn ich die höheren Ausschüttungen so massiv mit einer niedrigeren Gesamtrendite bezahlen müsste. Ich persönlich setze ansonsten noch auf SRI-ETFs, aber das ist dann wieder eine andere Diskussion und bezieht sich nicht unmittelbar auf die generationenübergreifenden Strategien des Depotaufbaus...

    Je mehr ich da drüber nachdenke, desto sinnvoller erscheint mir der Ausschütter. Auch psychologisch ist es in einer Abwärtsphase einfacher daran festzuhalten, wenn regelmässig trotzdem noch Ausschüttungen kommen. Und auch für das echte eigene Depot der Kinder zum anfangen macht er Dividenden greifbar. Heute freut sich meine 18 jährige wie ein Schnitzel, wenn sie Zinsen für Ihr Geld auf dem Verrechnungskonto bei TR bekommt, beim Sparkassenkonto hat die immer nur gesehen dass was weggeht für Kontoführung. Das ist die beste Finanzbildung, selbst erleben….

    Im professionellen Fonds-Management und zum Vermögensaufbau werden oft Thesaurierer verwendet. Viele hier im Forum sparen mit thesaurierenden Aktien-ETFs für ihr Alter und planen dann einen Verbrauch dieser ETFs auch da sie nichts vererben wollen und/oder keine Kinder haben. Zu den Entnahmestrategien in so einer Situation gibt es viele Überlegungen (u.a. hier: https://www.finanzen-erklaert.de/category/entnahmestrategien/), in aller Regel soll dabei aber auch die Substanz des Depots aufgebraucht werden und es existieren eben fixe angenommene Zeiträume für die Entnahme (also Entnahme über z.B. 25 oder 30 Jahre) mit Kalkulationen bzw. Simulationen zu Pleiterisiken. Im Ergebnis werden dann oft z.B. 3,x% jährlich entnommen, das aber im Bewusstsein, dass man eben die Substanz des Depots sukzessive verbraucht und dass diese Strategie nur für eine begrenzte Zeit aufgehen wird.

    Mir fehlt dabei oft die Situation von Kandidaten/innen, die das Depot nur als Teil und zur Diversifikation ihres Vermögens besitzen und bei denen die Arbeits-, Renten- oder Mieteinkommen bereits ausreichen. Sei es während der Zeit der Erwerbsarbeit oder eben im Ruhestand. Und sobald man das Depot dann eben ganz überwiegend für die nächste Generation hält, ergeben sich meines Erachtens eben auch andere Anforderungen daran, als die Frage, ob man dann 3% oder 4% halbwegs sicher für 25 Jahre aus einem thesaurierenden Depot entnehmen kann.

    Ich hab mich an der Uni und auch danach im Job länger mit Finanzfragen beschäftigt, aber ich finde es extrem schwer zu beurteilen, ab welcher Entnahmequote ich bei einem Depot mit Thesaurierern anfange, Substanz zu verbrauchen. Warum sollte man in so einer Situation diese Entscheidung nicht an die "Ausschüttungsquote" delegieren, die von den Unternehmen eben je nach Marktlage festgelegt wird? Das erspart mir und auch allen anderen Beteiligten später nämlich genau diese Entscheidung!

    Für mich ist das Depot aus ausschüttenden ETFs auch in psychologischer Hinsicht dann eben sehr ähnlich zu den Immobilien: Man hält es, man bewirtschaftet es (Re-Balancing) und passt es ggf. an die konkrete Lebenssituation an. Aber man Entnimmt im Regelfall eben nur die Ausschüttungen (ca. 1,5 - 2%) pro Jahr und lässt den Rest liegen, der dann die Kursgewinne (ca. 5-6%) einfährt. Verkauft wird dann sinnvollerweise eben nur, wenn Vermögen umgeschichtet wird, also zum Beispiel bei einem Immobilienerwerb. Verkauf von ETF-Anteilen für (ggf. unnötigen?) Konsum würde ich nicht machen und vermutlich meine Kinder auch nicht.

    Neben dem Aspekt, dass die regelmäßigen Ausschüttungen einen auch im Krisenfall zum Halten der Anteile und des Depots motivieren, wird einem so eben auch eine relativ klare Trennlinie zwischen Bestandsvermögen und Erträgen des Vermögens gezogen. 1,5 - 2% Entnahme schadet auf lange Sicht dem Bestandsvermögen nicht wirklich (im Gegenteil, der Großteil der Rendite läuft ja auf lange Sicht weiterhin im Depot auf!), diese anteilig eher geringen Ausschüttungen sind aber eben etwas, dass dann ggf. dauerhaft den Lebensstandard erhöhen kann, eben damit man sich von dem Vermögen auch etwas gönnt. Ob's dann für ein Schnitzel reicht, einen Urlaub oder noch größere Projekte, muss man eben sehen. Aber ich halte das für einen ganz guten Kompromiss aus Anlagedisziplin auf der einen Seite und eine Erhöhung der Lebensqualität eben durch den regelmäßigen Cash-Flow auf der anderen Seite.

    Buy-and-hold mache ich bei beidem (Immobilien und Aktien-ETFs) und bei beiden freue ich mich über die Erträge. Bei Immobilien käme man doch auch nicht auf die Idee, nur auf die Marktwerte der Immobilien zu schielen, insbesondere dann nicht, wenn ein Verkauf der Immobilie gar nicht in Frage kommt. Da ist dann für jeden Investor klar, dass die Mieterträge das sind, was einen interessiert. Warum halten wir das bei unseren Aktien-ETFs also so anders? Gerade wenn man Immobilien und Aktien(-ETFs) kombiniert? Und gerade wenn man vermögenstechnisch in Bereichen landet, bei denen man praktisch nur von den Erträgen schon relativ gut leben kann? Gerade dann interessieren mich Bestandswerte doch immer weniger und die Cash-Flows werden immer wichtiger...

    Allerdings steht auf meinen aktuellen Unterlagen "Es gilt die Standardregelung der Allgemeinen Bedingungen für die Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung" (BUZI-S 01/20), da sich das ja mit dem Berufseinstieg geändert hat. Ich frage mich, ob es sein kann, dass dennoch die Tarifbedingungen der Erwerbsunfähigkeitsversicherung gelten, obwohl ich diese ja theoretisch nicht mehr habe bzw. diese umgewandelt wurde, oder ob dann nicht die Bedingungen der "BUZI-S (01/20)) gelten müssten, wenn das auf meinen aktuellen Unterlagen steht. Kann mir evtl. jemand helfen?

    Sind das die Bedingungen?

    https://www.debeka.de/content/dam/de/webauftritt/vertragsgrundlagen/lebens-rentenversicherung/BLV90.pdf

    Da gibts den Passus mit dem Recht auf Rauslösung in Paragraph 11. Warum sollte dieser nicht gelten, wenn diese Versicherungsbedingungen gelten?

    Konkret z.B. diese Threads:

    Monetenmatrose
    22. Oktober 2024 um 19:05
    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da er nicht mehr verfügbar ist.
    Martyschka
    14. Mai 2024 um 18:38

    Kann auch sein, dass eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung vorliegt (da gibt es zigtausende pro Jahr, die wenigsten bekommen davon was mit, da der Großteil der Fälle von den zuständigen Staatsanwaltschaften eingestellt wird, wobei der Verdächtigte nicht informiert wird) - die einzelnen Banken dürfen darüber zwar keine Auskunft geben, die Financial Investigation Unit (gehört zum Zoll) muss aber auf Anfrage beauskunften. Falls da was vorliegt, wird dir die Staatsanwaltschaft genannt, an welche Daten weitergeleitet wurden.


    Möglicherweise liegen die Verdachtsmeldungs-Daten jahrelang unbearbeitet bei der FIU rum, und erst, wenn du die FIU um Auskunft ersuchst, leitet diese die Daten an die Staatsanwaltschaft weiter. Die sind aufgrund der großen Zahl der Einmeldungen einfach überfordert.


    SA dann ggf. anschreiben mit Bitte um Nennung des Aktenzeichens. Danach könntest du Akteneinsicht verlangen, vor Ort dann nach Wunsch auch eine Kopie anfertigen lassen.

    Klingt plausibel aber ist doch völlig verrückt, dass Betroffene dann selbst recherchieren, nachforschen und Falschmeldungen korrigieren (lassen) müssen?! :/