Müsste man dann nicht auch auf Aktieninvestments aus den USA und vielem EM verzichten?
Siehe oben: Meine Unterscheidung bei SRI-Investments in Aktien ist a) woran sind die Unternehmen beteiligt und wovon profitieren sie und b) kann/will ich davon auch profitieren.
Bei Staaten ist der Kern m.E. nicht die Art der Profitgenerierung sondern die Frage der Mittelverwendung: Könnte ein Staat, dem ich mit Staatsanleihen Geld leihe, dieses für Zwecke verwenden, die ich nicht unterstützen möchte.
Diese beiden Unterscheidungen bei Aktien- und Staatsanleiheinvestments finde ich ehrlich gesagt gar nicht so kompliziert, ziemlich praktikabel und für mich in ethisch/moralischer Hinsicht vertretbar...
Warum nur bei Staatsanleihen? Insbesondere in Demokratien sind es ja die Bürger des jeweiligen Landes, die das in der Hand haben. Und da die Mehrzahl das nicht ändern will, kann man dann auch nur einen Euro (oder Dollar) dort investieren? Oder habe ich da einen Denkfehler?
Naja, also wenn man die Bürger kollektiv für alles verantwortlich machen würde, was Unternehmen, Staaten und andere Akteure irgendwo machen, dann wäre kein Investment und auch keine Unterscheidung wie die oben mehr möglich...
Mich interessiert das Thema sehr, weil ich mir schon oft darüber Gedanken gemacht habe. Aber irgendwie fühle ich, dass sowas in eine etwas heuchlerische Moral mündet.
Muss es in meinen Augen nicht: Unterscheidungen auch in Graubereichen sind möglich (s.o.). Und die Reaktion dann praktisch alle Überlegungen und Unterscheidungen in ethisch-moralischer Hinsicht über Board zu werfen, kommt dann oft! Die ist aber in meinen Augen das größere Problem, als mit farblichen Graustufen zu leben, wenn man schwarz und weiß nicht ganz eindeutig unterscheiden kann...
Andreas Beck meint ja, dass man mit SRI genau das Gegenteil erreicht was man eigentlich erreichen will. Man verringert seine Stimmrechte und die Stimmrechte der Fondsgesellschaften und verliere Einfluss. Die Anlagen werden dankend von denen aufgekauft, die sich um SRI keine Gedanken machen.
Andreas Beck ist auch ein großer Anhänger von Mr. Kettensäge (Milei aus Argentinien). Und die Logik erschließt sich mir gar nicht, da der Einfluss auf Hauptversammlungen das eine, die wesentlich wichtigeren Kapitalkosten als Einflussfaktor auf Unternehmen eben das andere sind. Und die steigen eben tendenziell, wenn sich Investoren von Unternehmen abwenden, deren Geschäftsmodelle sie nicht unterstützen wollen. Da sehe ich den deutlich größeren Hebel als bei Wortmeldungen auf Hauptversammlungen.
Ansonsten Argumentiert Beck in Punkto SRI eher auch anders, nämlich dass es gerade die "kaputten" Unternehmen wären, die Geld bräuchten für Erneuerung, Innovation und neue Patente, die ihm so wichtig sind. Also praktisch mehr Mittel an Shell, BP und co., damit wir den Klimawandel gebremst kriegen...