Was mich aber stört, dass längere Laufzeiten allgemein hier als Teufelszeug abgestempelt werden.

Es gibt an den Finanzmärkten KEIN Schwarz-Weiß-Denken.
Ein Schwarz-Weiß-Denken lasst sich aber leichter verkaufen. Das gilt nicht nur in der Politik!
Bei einer Duration von beispielsweise sieben Jahren kann ein Anstieg der Renditen um einen Prozentpunkt zunächst grob 7 % Kursverlust bedeuten. Prost !! Ruft da die Kritikerschar…logisch !
Das ist richtig. Und umgekehrt machst Du knapp 7% Kursgewinn, wenn die Renditen entsprechend fallen.
Langlaufende Anleihen haben unstrittig eine höhere Volatilität, als Kurzläufer oder gar Geldmarktprodukte. Das führt dazu, dass Anleihen für viele Aktienanleger schnell Teufelszeug sind. Oft sind das aber genau die gleichen Anleger, die behaupten, dass Volatilität bei Aktien eigentlich gar kein Risiko ist!?!
Bei dir St. Irving klingt es inzwischen fast so, als sei „kurzlaufend“ eine neue wissenschaftliche Naturkonstante und alles darüber hinaus schon fast fahrlässig.
Wer über einen langen Zeitraum regelmäßig in Anleihen anlegt, der ist mit langlaufenden Anleihen besser dran, als mit kurzlaufenden Anleihen. Das liegt ganz einfach daran, dass die Zinsstrukturkurve meistens positiv ist. Wer immer nur Kurzläufer oder Geldmarktprodukte kauft, kauft bei positiver Zinsstrukturkurve immer die jeweils schlechtmöglichste Rendite.
Von daher halte ich Anleihen verschiedener Laufzeiten auch in einem Produkt wie LS60, dass sich eher an Langfristanleger richtet, für besser geeignet, als Geldmarktprodukte.
Ich möchte auch noch eine andere Sichtweise erwähnen: Das geringste Zinsänderungs-Risiko habe ich, wenn ich fristenkongruent anlege. Beispiel: Ich brauche Geld in genau 5 Jahren, dann ist eine 5-jährige Anleihe oder Festgeld das Produkt mit dem geringstem Risiko. Ich weiß bereits heute, was ich in 5 Jahren bekomme. Kursschwankungen sind irrelevant. Bei einem Geldmarktfonds hingegen hätte ich ein Zinsänderungsrisiko.
In Holland ist diese Denke auch bei der Altersvorsorge üblich: Ich gehe in 20 Jahren in Rente, also investiere ich meinen Zinsteil in eine 20-jährige Anleihe! Hier denkt fast keiner so. Im Gegenteil, viele Deutsche machen genau das Gegenteil und bevorzugen auch bei Langfristanlagen einen Geldmarktfonds?!?