TinePi , vorab der guten Ordnung halber: Für meinen Teil bin ich nur Finanz-Laie, wenn auch ein an solchen Themen Interessierter, mit zudem ein bißchen eigenen Erfahrungen (in Aktien und Immobilien investiere ich seit über 50 Jahren).
Die gute Nachricht: Beim Thema Baugrundstück dürfte gelten, daß (fast) jedes Baugrundstück verkäuflich ist. Im Zweifel halt über den Preis.
Die schlechte Nachricht: Die von Ihnen genannten Rahmenbedingungen klingen äußerst anspruchsvoll (um die Formulierung toxisch zu vermeiden - gerade in dieser Ära vermutlich der treffendere Begriff (siehe unten (*)).
liegt sehr idyllisch südlich von München, allerdings ist kaum Infrastruktur vorhanden.
Wieviel km ist München denn entfernt ? Wie sieht es mit der Anbindung an den ÖPNV aus (Zugstrecke, S-Bahn-Linie, Buslinien) ? Was bedeutet in dem Fall konkret "kaum Infrastruktur" ?
Was hier (Ballungsgebiet mit mehreren Großstädten, Landeshauptstädten, Universitätsstädten bzw. Schwarmstädten) schon lange zu konstatieren ist: Reichten früher 5, 10 oder 15 km Richtung stadtauswärts, um eine erste merkbare Preisabschwächung (bei Immobilien) zu sehen - sind es heute nicht selten 50, 60 oder 70 km. Anders gesagt: Überall da, wo noch eine direkte Nähe zum ÖPNV (Zug, S-Bahn, Bus) gegeben ist, sinken die Preise mit der Entfernung zur City eher langsam bis zäh. Ist diese Infrastruktur in Sachen Mobilität aber nicht mehr vorhanden, gibt es an diesem Ort einen erheblichen zusätzlichen Preisrutsch.
Ich weiß um die aktuelle Situation am Markt und dass ein Verkauf gerade sehr schwierig ist.
Ob Ihnen die aktuelle (*) "Situation am Markt" wirklich klar, sprich realitätsnah bewußt, ist, wäre halt die Frage.
Statt "aktuell" scheint mir "Ära" die vielleicht treffendere Bezeichnung.
Um nur einen ähnlichen Fall (aber in ganz andere Lage - Landeshauptstadt Top-Lage bzw. Halbhöhenlage) aus meinem weiteren privaten Umfeld zu nennen (gewerbliche Bauträger kenne ich diverse, die Projekte während der vergangenen Jahre gestoppt hatten): Die Erbin ließ das sehr alte (baufällige) Haus 2019 abreißen, um das Grundstück in sehr guter Lage (1040 qm) danach zu verkaufen. Geplant war praktisch Identisches (geräumiges EFH oder 2 DHH). Der Makler startet im Dezember 2019 - das Grundstück ist bislang nicht verkauft ... Die Melange (Corona inkl. Maßnahmen, Lockdowns usw., Ukraine-Krieg, Energiepreise, Inflationsschub, Zinswende der EZB, Preise für Baumaterial, Bauleistungen, Handwerker usw. in Verbindung mit den gesetzgeberischen Vorgaben und einer nochmals restriktiveren Kreditvergabe der Banken (im Rahmen der EU-WIKR) haben dazu geführt, daß es seit über einem Jahr zu gar keiner Anfrage mehr gekommen ist. Davor gab es noch vereinzelt Anfragen von vier oder fünf Interessenten, die aber dann keine Finanzierung von der Bank bekamen. Die Erbin hatte mit dem Makler und auch parallel zu dessen Aktivitäten so ziemlich alle Hebel in Bewegung gesetzt (u. a. auch Bauträger und Fertighaushersteller kontaktiert). Insoweit würde ich hier auch den beauftragten Makler exkulpieren, da die Gegebenheiten und Rahmenbedingungen sind, wie sie eben sind.
Dazu kommt noch, daß sich die Preise den Bau betreffend nur unwesentlich bis leicht von denen in München unterscheiden werden. In Sachen "Werterhalt und Wertsteigerungspotential" dürfte das aber vermutlich (ganz) anders aussehen ("sehr idyllische" Lage aber "kaum Infrastruktur" versus "München inkl. Speckgürtel").
Natürlich braucht es immer nur den "einen" Käufer (oder in dem Fall ggf. auch zwei). Die entscheidende Frage bleibt aber, für wen (Zielgruppe) könnte ein solches Projekt - bei den gegebene Rahmenbedingungen und gesetzlichen Vorgaben - überhaupt (noch) interessant sein - und (entscheidend) bekommt ein solcher Interessent ("Liebhaber" der idyllischen Lage) dann auch eine Finanzierung von der Bank (wenn er das nicht ohne Kredit oder sogar aus seiner Portokasse zahlen kann) ... ?!
Diese Zielgruppe, so überhaupt vorhanden, könnte oder dürfte eine eher homöopathische sein (abhängig von den oben gestellten drei Fragen Entfernung in km zu München, Situation ÖPNV, Definition "kaum Infrastruktur").
Wäre ich in der Lage, würde ich in einem allzu langen Zuwarten eher nicht die Lösung sehen. Dabei sind auch die sog. Opportunitätskosten zu bedenken. Einerseits.
Andererseits sind lediglich sechs Monate (siehe hier)
Das Grundstück ist seit März bei einem Makler.
für diese Ära nicht ansatzweise eine längere oder gar lange Vermarktungszeit. Soll ein guter Preis (aus Verkäufersicht) erzielt werden, sind inzwischen ein oder zwei Jahre durchaus nicht unüblich (EFH oder DHH betreffend - für ETWs in Citylagen, erst recht Bestandswohnungen, gelten zumeist andere Regeln).
Normale oder gute Stadtlagen betreffend, wohlgemerkt ...
Last but not least: Offener Austausch mit dem beauftragten Makler über den Preis und/oder den Makler intern (Binnenverhältnis) einen Bonus zusagen, kann immer hilfreich und nützlich sein. Auf die Gefahr mich zu wiederholen: Vermute am Makler liegt es eher nicht.
Nur am Rande: Das Grundstück würde ich nur komplett verkaufen (schon vom Procedere sprich Abwicklung her; zudem würde ich (Käuferperspektive) , ganz persönlich, eher nicht in die "Idylle" ziehen, um dann nur eine DHH mit direktem Nachbar "Tür an Tür" zu haben.
Ich bedauere Ihnen keine andere Antwort schreiben und einen anderen Tenor liefern zu können. Für meinen Teil versuche ich immer nach besten Wissen und Gewissen zu antworten und vor allen Dingen unter und mit Realitätsbezug.
Ihnen, TinePi , gute Gedanken und danach ebensolche Entscheidungen - und möglichst mit dem nötigen Fortune in Ihrem Fall.