Finde ich schon Lustig was hier manche dem Autor hier unterstellen.
Die Mutter wird doch auch den schlimmsten vorstellbaren Pflegefall relativ problemlos stemmen können. Es bleiben Einnahmen von ca 2500 und die Pflege kosten im schlimmsten Fall 3500.
Ich bin fest davon überzeugt, dass der TE und sein Bruder das Beste für ihre Mutter wollen. So lese ich jedenfalls die Beiträge hier.
Trotzdem würde ich Achim Weiss und Sovereign zustimmen, dass das Pflegerisiko nicht unterschätzt werden sollte. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass man locker 5-stellige Beträge im Monat für notwendige und angemessene Pflege sowie medizinischen Zusatzbedarf ausgeben kann, ohne dass sich das Gefühl einstellt, dass es auch mit weniger genauso gut ginge.
Ich glaube, es ist normal, dass die meisten sich kaum vorstellen können, welche Kosten plötzlich auf einen zukommen (können).
Schnell liest man in irgendeinem Medium von „durchschnittlichen Zuzahlungen“ in Pflegeheimen, ohne zu ahnen, um welche Art von Pflegeheimkosten es dabei konkret geht und um welchen Standard von Pflege.
Ein Mittelklasse-Hotel mit Vollpension kostet in Hamburg oder München locker über 200 Euro pro Nacht (wahrscheinlich eher 300) - und da ist noch kein einziger Handgriff für irgendwelche pflegerischen Dienstleistungen drin. Diese müssten also im wahrsten Sinne vom Mund und jeglichem Komfort abgespart werden.
Am besten schaut man sich einmal in der Umgebung um, wie die Pflegeheime dort sind und ob man selbst (oder die eigene Mutter) mit dem angebotenen Standard für den Rest des Lebens zufrieden wäre - oder wie sich dieser evtl. noch verbessern könnte.
Da die Mutter des TE offenbar Ärztin war, hat sie sicher eine Vorstellung davon, was medizinisch und pflegerisch möglich und sinnvoll ist. Vielleicht hat sie ja im Krankenhaus auch schon Wert auf ein Einzelzimmer gelegt oder sich gelegentlich eine Gleitsichtbrille oder ein teureres Hörgerät geleistet als die Kasse bezahlt hätte oder Krankengymnastik oder Massagen selbst bezahlt, nachdem die Verordnung schon ausgeschöpft war.
Genauso geht es am Ende des Lebens auch in der Pflege weiter. Schon ambulant (= Pflege zu Hause) kann man Zehntausende Euro alleine für Umbauten (Badezimmer, Treppenlifte), Krankenbetten oder Rollstühle ausgeben, von den Kosten für Krankengymnastik und Tagespflege ganz zu schweigen. Aber es gibt natürlich immer auch das viel billige Basismodell eines Rollstuhls mit dem Komfort einer harten Parkbank. Das heißt aber nicht, dass man selbst gerne 16 Stunden pro Tag in einem Rollstuhl für 200 Euro sitzen möchte….
Auch wenn man zu Hause gepflegt wird, möchte man vielleicht noch mal ins Theater gehen oder andere Menschen sehen. Dann fallen also ggf. noch Kosten für Krankentransporte an, die keine Kasse bezahlen wird.
Außerdem bietet der ambulante Pflegedienst evtl. sinnvolle und hilfreiche Leistungen an, die nicht im 90-Minuten Satt-und-sauber-Programm pro Tag der Pflegekasse enthalten wären (und selbst zu diesem steuert die Pflegekasse als Teilkasko nur einen Zuschuss bei).
Es hilft, sich mit anderen zu unterhalten, die pflegebedürftige Angehörige haben, und sich zu überlegen, ob man wirklich bereit wäre, auf jede Art von zusätzlicher Lebensqualität zu verzichten, um eine Vorstellung der möglichen Kosten zu bekommen.
In diesem Sinne: nicht erschrecken, aber bitte auch nicht von ungeprüften Aussagen wie „im schlimmsten Fall kostet es nur 3.500 Euro im Monat“ beruhigen lassen. Mit 3.500 Euro kommt man im schlimmsten Fall nicht weit und schon ein gutes Hörgerät kann deutlich mehr kosten…