Beiträge von Newb

    Wir brauchen (noch) Fossil um Dunkelflauten/Winter zu überbrücken und eine staatliche Förderung für die etlichen theoretisch vorhanden Möglichkeiten Großspeicher zu bauen die sich im Gegensatz zu Akkus eignen um PV auch für den Winter zu speichern... Es ist langfristig deutlich billiger im Sommer eine "über Produktion" an PV+Windkraft zu haben und diese in den Winter zu retten, als für den Winter Gaskraftwerke zu errichten, die dann um die sowieso schon knappe Ressource zum Heizen konkurrieren.

    An der Stelle bin ich sehr skeptisch. Strom vom Sommer in den Winter zu retten ist ökonomisch fast unmöglich. Die einzige skalierbare Technologie hierfür wäre Wasserstoff. Bevor Wasserstoff zur Verstromung genutzt wird, ist es allemal effizienter, erstmal die Stahlindustrie auf Wasserstoff umzustellen.

    Das ist ein fernes Zukunftsszenario. Bis dahin werden fossile Energieträger gebraucht, die vielleicht nicht mehr Tag und Nacht, aber die Dunkelflaute uberbrücken müssen. Und alleine die Bereitstellung kostet Geld, dass man den Erneuerbaren durchaus zurechnen muss.

    Es hat ja seinen Grund, warum auch Habeck Gaskraftwerke errichten lassen wollte.

    Aber was heißt die Erkenntnis für 2026? Nix! Erneuerbare müssen trotzdem ausgebaut werden, Netze und Speichermöglichkeiten auch. Wir sollten endlich unser Stromnetz in flexible Preiszonen unterteilen. Und dann müssen wir ein bisschen auf Sicht fahren, wo wir raus kommen.

    Das ist nicht ganz trivial und ich hoffe, ich kriege es als "interessierter Laie" richtig zusammen. Fangen wir mit der Geldmenge an.

    In der Theorie sollte sich die Geldmenge analog zur Wirtschaftsleistung steigern – bzw. gesteigert werden. Das passiert dann nicht über Geld drucken, sondern die Giralgeldschöpfung, die im Wesentlichen über den Zins bei uns durch die EZB gesteuert wird. Da man Deflatiion vermeiden will (und vielleicht auch Staaten entschulden möchte), liegt die Steigerung der Geldmenge immer etwas über dem Wirtschaftswachstum und es kommt zur Inflation. Theoretisch wäre es aber möglich, die Geldmenge bei steigender Wirtschaftsleistung zu erhöhen, ohne, dass sich eine Inflation ergibt.


    Als Verbindung zwischen BIP und der Geldmenge kommt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ins Spiel. Ob Staatsverschuldung der Wirtschaft Kapital entzieht, hängt vom Auslastungsgrad ab: Bei ungenutzten Kapazitäten aktiviert der Staat ungenutztes Kapital – dann steigt als Folge auch die Umlaufgeschwindigkeit, ohne dass der Wirtschaft etwas fehlt. Bei Vollauslastung konkurriert der Staat direkt um knappes Kapital, meist über steigende Zinsen.

    Dann hast Du Recht, damit der Staat Schulden machen kann, muss jemand dem Staat Geld leihen. Das ist aber ein Featurre und kein Bug. Denn wenn die Bevölkerung netto sparen soll, gibt es nicht so viele Möglichkeiten. Eine positive Handelsbilanz oder eben Kreditvergabe an den Staat. Dem Staat geliehenes Geld wird aber andernfalls nicht zu 100 % konsumiert. (Wertteigerung von Vermögenswerten mal ignoriert)

    Lange Rede, kurzer Sinn. Es mag sein, dass ein Teil von Staatsschulden der Wirtschaft als Liquidität entzogen wird. Das ist aber genauso wenig absolut und zwingend, wie dass Staatsschulden 1:1 in zusätzlicher Liquidität im Markt enden. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Aus meiner Sicht deutlich näher im Bereich der höheren Liquidität.

    Was einmal gebaut ist, steht unter Bestandsschutz. Da geht auch keiner ran. Sicherlich würde konsistentere Politik helfen, aber das Kernproblem bei EE ist, dass sie nur dann günstig sind, wenn man sich die Rosinen pickt. Für einen 24/7/365 Betrieb brauchen wir auf absehbare Zeit die fossilen Energien und selbst wenn das von der Größenordnung her mal technisch realistisch ist, bleibt die Problematik, dass es extrem teuer wird, die letzten paar Prozent auf EE umzustellen. Das ist einfache Physik und Marktwirtschaft

    Da gebe ich Dir Recht. Es ist alles etwas zu komplex, um das komplett zu überblicken. Aber vom Gefühl her sollten wir nicht auf 100%, sondern eher auf 90% EE im Strommix zielen. Wegen mir, sofern technisch möglich, auch einen Teil der letzten paar Prozent mit Kohle. Einfach der politischen Weltlage geschuldet.

    Die letzten Prozent Erneuerbare im Strommix werden so teuer werden, dass man den nächsten Euro vermutlich eher in anderen Bereichen zur Defossilisierung nutzt.

    Was Speichermöglichkeiten angeht, bin ich positiv optimistisch. Es gibt mittlerweile Anbieter, die bewusst auf größere Konzerne zugehen und nach ungenutzten Einspeisekapazitäten ins Stromnetz fragen, um diese für die Nutzung von Batteriespeichern zu mieten. Es scheint, als würde das ein Business Case werden.

    Wir drehen uns etwas im Kreis.

    Da hast Du Recht. Ich hatte den Satz eben auch schon getippt, aber wieder gelöscht. Ich versuche Mal eine Ausfahrt zu nehmen, dass wir vielleicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

    Die Spezialfirmen für den Bau von Bahnstrecken sind sehr gut ausgelastet, die Diskussion dreht sich hier eher um die Frage, ob die das ganze Geld überhaupt sinnvoll verbauen können. "Die Wirtschaft" ist kein homogenes Gebilde und staatliche Aufträge betreffen erstmal immer nur einen spezifischen Teil der Wirtschaft. Es ist sehr leicht, mit einem Staatseingriff die Wirtschaft an einer Stelle zu überhitzen während anderswo die Lage schlecht ist. Die Autos sogenannter Premium-Hersteller werden nicht automatisch dadurch attraktiver, dass der Staat massenhaft Autobahnbrücken ersetzt.

    Mir ging es erstmal darum, dass zusätzliche Staatsverschuldung in einer Flaute automatisch 1:1 andere Verwendungen verdrängt. Das ist nicht so. Aber du hast Recht, dass die Wirtschaft nicht homogen ist und wenn ich mit einer Auslastung des Baugewerbes argumentiere, das nicht ebenfalls auf das gesamte Gewerbe zutrifft.

    Daher kann ich Dir Recht geben, dass nicht jeder weitere Euro Staatsverschuldung automatisch 1 Euro Wachstum des BIP ergibt. Es ist aber auf der anderen Seite auch nicht 0.

    Bedeutet das auch, dass der Staat alternativ - ohne selber mehr Schulden aufzunehmen - das Konsumvolumen einer Gesellschaft erhöhen kann, wenn er dem Bürger A Geldmittel für den Konsum gibt, die (Geldmittel) er dem Bürger B abnimmt?

    Nein, das bedeutet das nicht.

    Unabhängig davon neigen Bürger mit niedrigerem Einkommen zu einer höheren Konsumquote. Das bedeutet eine Umverteilung von oben nach unten sollte den Konsum in der Regel erhöhen.

    Geld alleine schafft nichts. Wenn du Bahnstrecken, Autobahnen oder Schulen sanieren willst, Güter und Dienstleistungen. Ein Großteil davon, vor allem der Arbeit, muss aus dem Inland kommen. Mehr Geld führt nicht dazu, dass du mehr Ingenieure oder Bauarbeiter hast. Das geht nur, wenn du Leute von anderen Arbeiten abziehst.

    Deine Annahme gilt nur für Vollauslastung. Nicht für die Flaute, die Du unten ja selber nennst. Im Zweifelsfall hast Du Bauarbeiter, die gerade nix tun und dann wieder BIP erwirtschaften.

    Geld dient vor allem dazu, das Wirtschaften zu vereinfachen. Zum einen als glorifiziertes Tauschmittel, zum anderen für die Preissignale.

    Wenn der Staat jetzt mehr Schulden aufnimmt, muss das Geld dafür irgendwo anders abgezogen werden. Entweder bei Investitionen in der Privatwirtschaft, beim Konsum oder es muss sich die Außenhandelsbilanz anpassen. Und da sieht man eben sehr schön, dass der Staat die Wirtschaft nicht aus der Flaute ziehen kann, indem er massiv Schulden aufnimmt. Bei konstanter Geldmenge zieht er das Geld nur woanders ab.

    Die Geldmenge ist aber nicht konstant.

    Da ziehst du falsche Konfliktlinien. Kündigungsschutz ist keine Umverteilung von unten nach oben, sondern von denen ohne Job zugunsten derer mit Job. Ganz besonders betroffen davon sind übrigens junge Leute, denn die haben nach der Schule erstmal keinen Job. Ist natürlich nicht so seksy wie oben gegen unten, aber nicht ohne Grund wird Jugendarbeitslosigkeit gesondert betrachtet.

    Ich würde sagen es ist mindestens eine Melange. Wenn Du das Risiko des Einbruchs des Auftragseinbruchs vom Unternehmer auf den Arbeitnehmer überträgst, ist das auch eine Umverteilung von unten nach oben.

    Bei Sozialleistungen kommt es auf die konkrete Art an. Der aktuelle Umgang mit der GRV verteilt auch nicht von unten nach oben, sondern eindeutig von jung zu alt. Viele andere Sozialleistungen verteilen vor allem von denen, die arbeiten zu denen die es nicht tun bzw. auch von denen, die Vollzeit arbeiten zu denen, die nur Teilzeit arbeiten (z.B. GKV).

    Da die GRV stark aus Steuergeldern zu finanziert wird, ist auch dies eine Melange. Aus meiner Sicht ist der Faktor Arbeit hier zu stark im Fokus der Finanzierung der GRV.

    Oder ist es wirklich Ausbeutung, wenn eine Aushilfskraft in der Gastronomie einen Tag mit 12h arbeitet und damit ihre Woche erledigt hat?

    Mal so - mal so.

    Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Man kann auch planbar in Infrastruktur investieren, ohne Schulden aufzunehmen. Man muss halt Prioritäten setzen und das ist die ureigenste Aufgabe der Politik. An der Stelle nochmal der Hinweis, dass Geld alleine nichts bringen. Sonst könnte man einfach welches drucken und alle Probleme lösen.

    Es gibt gute historische Gründe, warum wir die Geldschöpfung ausgelagert haben. Aber es soll ja Leute geben, die behaupten, dass man durch Geld drucken viele Probleme lösen kann. Ich bin persönlich eher sehr skeptisch, aber interessiert.

    Geld ist nur ein Mittel zum Zweck, letztendlich muss man die real existierende Wirtschaft priorisieren.

    Dem Zusammenhang kann ich nicht folgen. Das meine ich ehrlich und nicht provokant. Natürlich ist Geld nur ein Mittel zum Zweck, aber es geht ja um reale Verbindlichkeiten.

    Hat so etwas nicht eine lange (unrühmliche) Tradition? Wer erinnert sich nicht an das 'Mit mir keine Erhöhung der MwSt.' von Frau Merkel.
    Oder die versprochene Reduzierung der Arbeitslosigkeit der 1. Regierung Kohl. Oder auch seine 'blühenden Landschaften' im Osten.

    Das ist auch geil, werden jetzt konservative Lügen damit gerechtfertigt, dass die Konservativen schon immer schwindeln? Und jetzt muss ich schon konservative Schwindeleien relativieren? Recherchier bitte nochmal bei Merkel, sie wollte nur 2 Prozent MwSt.-Erhöhung, die SPD gar keine. Es war dann ein größerer Kompromiss, der lustigerweise bei 3 Prozent endete. Und Kohl, naja, was soll ich sagen. Ich hab Kohl nie gewählt.

    Aber Merz lügt hier komplett absehbar, und ein Blick ins Wahlprogramm hat genügt, um das zu entlarven. Das kostet nicht nur hunderte Milliarden Euro, sondern es ist ein sehr massiver Schaden an unserer Demokratie entstanden.

    Da irrst Du Dich aber gewaltig. Sanierung und Neubau sind unterschiedliche Dinge. Es gibt reichlich Baufirmen, die mit Sanierungen ganz bewusst nix zu tun haben wollen. Und es gibt Unternehmen, die ausschließlich Sanierungen durchführen.
    Das ist in etwa so, als wenn Du einem Fließbandarbeiter der Autoindustrie die Aufgabe übertragen würdest die Schäden an einem 15 Jahre alten Fahrzeug zu beheben.
    Nur weil man mal einzelne Baugruppen an einem Fahrzeug montiert hat, kann man noch längst keine Fahrzeugreparatur durchführen.

    Sanierung im Infrastruktur Bereich ist vor Allem Tiefbau. Wobei hier die Auftragslage schon abzieht Und bei Sanierung im Hochbau auf magst Du einen Punkt haben, aber die Grenzen sind deutlich fließender als in der Automobilindustrie.

    Gerade bei der Infrastruktur ist das Problem, dass es gar nicht so viele Firmen gibt, die das machen können. Einfach eine Menge Geld draufwerfen führt nur zu höheren Preisen. Und die Steigerung der Kapazität setzt voraus, dass die eine planbare Zukunft haben. Keiner besorgt sich einen zusätzlichen Satz Spezialmaschinen und stellt hundert Leute ein, wenn er erstens aktuell aufgrund fehlender Planungen und Genehmigungen gar nicht bauen kann und zweitens unklar ist, mit welchen Aufträgen in wenigen Jahren zu rechnen ist.

    Die Auslastung im Tiefbau und Hochbau liegt meine ich bei irgendwo um die 75 %. Da sind Kapazitäten frei. Aber ja, Planbarkeit ist wichtig. Und wäre es nicht schlauer, hierfür die Schuldenbremse zu reformieren, anstatt ein paar Jahre kaputt zu sparen um dann auf einmal ein Sondervermögen aufzulegen? Das gibt Planbarkeit.

    Sind wir unausgelastet? Woran machst du das fest...außer den vielen Forenbeiträgen zur besten Bürozeit? ;)

    Und selbst wenn wir zu dem Schluss kommen, dass gewisse Sektoren nicht ausgelastet sind...bei der Autoindustrie könnte man das aktuell vermuten...bleibt die Frage, ob staatliche Intervention wirklich der richtige Weg ist. Sind die Probleme der deutschen Autoindustrie wirklich durch eine Förderung der Nachfrage nach Autos zu lösen oder sind es nicht ganz andere...Modell- und Preispolitik, hohe Energie- und Arbeitskosten, geringe Flexibilität bei schwankender Nachfrage zum Beispiel. Anschauungsmaterial gibt es ja gerade genug, auch bei den Problemen der staatlichen Stimulation. Das Geld für die Elektroprämie fließt nur selten in Autos, die auch hier in Deutschland gebaut werden und selbst bei denen passiert ein großer Teil der Wertschöpfung anderswo.

    Ich denke unsere Bauwirtschaft hat gerade genug freie Kapazitäten um unsere Infrastruktur und Schulen zu sanieren oder unsere Netze auszubauen. Alles inländische Investitionen mit einem hohen fiskalischen Multiplikator.

    Wenn man das Geld endlich mal "auf die Straße" bringen würde, würde das ebenfalls unserer Stahlindustrie helfen, die aktuell deutlich unter ihrer Kapazitätsgrenze liegt.

    Ja, war vielleicht nicht ganz stringent von mir. Mir geht es auch nicht darum, hier im Sinne der MMT die Staatsverschuldung massiv ausufern zu lassen. Aber die deutsche Schuldenquote ist gemessen am BIP nicht katastrophal und wir müssen einen vernünftigen Mittelweg finden, der nicht dafür sorgt, dass unsere Infrastruktur und Bildung, die die Grundlage unserer Wirtschaft bilden, weiter verkommen und wir nur ein unrealistisches Narrativ der Schuldenfreiheit bedienen.

    Nominal werden sich unsere Schulden nicht verringern, sondern weiter steigen. Wenn wir es aber nicht schaffen, die Grundlage unserer Wirtschaft langfristig zu stabilisieren, werden die Schulden auch im Verhältnis zum BIP noch stärker steigen.

    Daher finde ich, wir sollten ernsthaft über eine vernünftige Reform der Schuldenbremse diskutieren, die Investitionen zulässt.

    Wie gesagt, Steuergeschenke wie Mütterrente, Baukindergeld, oder Subventionen bei Ausnahmen der Erbschaftsteuer lehne ich ebenfalls ab.

    Sich im Wahlkampf hinzustellen und Schulden komplett zu verdammen und dann 2 Wochen nach der Wahl ein Sondervermögen aufzulegen, war so ziemlich das Toxischste was man hätte tun können. Lasst uns doch einfach mal ehrlich machen.

    Stimmt. Dann hätten die das ja auch "Sondervermögen" nennen können.

    Stimmt. Aber das wäre ja dann ehrlich. Manchmal denke ich wirklich, wir leben in Absurdistan. Je lauter eine Partie nach Schuldenbremse schreit, desto weniger gegenfinanziert ist das Wahlprogramm. Ich habe mit freundlicher KI Unterstützung mal folgende Quelle auswerten lassen:

    https://www.ifo.de/en/publication…lprogramme-2025

    Finanzierungslücken der Wahlprogramme 2025 (Quelle: ifo Institut):
    Grüne: 2,5 Mrd. €
    SPD: 8,4 Mrd. €
    Union (CDU/CSU): 97 Mrd. €
    FDP: 142 Mrd. €
    AfD: ca. 155 Mrd. €
    BSW: ca. 199 Mrd. €
    Linke: Plus statt Minus

    So, wie die Sondervermögen im Bundeshaushaltsrecht abgebildet sind - egal ob solche mit eigener Kreditermächtigung, oder die deren Schuldendienst direkt wieder im Bundeshaushalt landen - gibt es durchaus eine rudimentäre Haushaltskontrolle. Nur interessiert sich die Politik leider für Jahresabschlüsse oder Prüfberichte regelmäßig deutlich weniger, als wie sich für die Haushaltswunschzettelsortierung feiern lässt.

    Die rechtlichen Regelungen und die fiskalischen Wege sind teils andere. Unterm Strich muss das Geld aber in jedem Fall irgendwo her kommen, Zinslasten irgendwo bedient werden, eine Mittelbewirtschaftung irgendwo erfolgen...

    Deshalb ist der Begriff "Schattenhaushalt" für die Sondervermögen, auch wenn er v.a. von Oppositionsparteien (gerade auch mal von bösen) genutzt wird, eigentlich vollkommen korrekt.

    Wenn man sich das Wahlprogramm der AfD anschaut, ist dieses nicht im Ansatz gegenfinanziert. Daher ist deren Polemik einfach nur lächerlich und keiner Diskussion würdig.

    Viele machen den Fehler, einen Staatshaushalt mit einem Privathaushalt zu vergleichen. Das vereinfacht zu stark und lässt eine Fähigkeit zur Differenzierung vermissen. Das fängt schon damit an, dass ein Staat keinen Renteneintritt kennt.

    Und wenn man das denn tun will: Die schwäbische Hausfrau weiß, dass man für das Eigenheim einen Kredit aufnehmen muss, der einem Vielfachen des eigenen jährlichen Einkommens entspricht. Das ist keine Katastrophe.

    In einer Demokratie bekommt eben die Bevölkerung die Regierung, die sie verdient hat. Es ist utopisch zu glauben, dass mit mehr Schulden die Gelder besser priorisiert werden. Das Sondervermögen ist der beste Beweis dafür.

    Die Diskussion um Schulden lenkt aber ohnehin vom eigentlichen Problem ab...Geld ist nur eine Zwischenstufe. Jedes Land hat eine gewisse Produktion von Gütern und Dienstleistungen und die kann man nur einmal verteilen.

    Ey, der Punkt über Produktion und Gütern ist meiner aus einem anderen Faden ;).

    Aber solange wir nicht bei Vollauslastung sind, führen staatliche Investitionen zu einer Steigerung der Produktion der verfügbaren Güter und Dienstleistungen

    Der Quatsch mit dem Sondervermögen ist doch der beste Beweis dafür, dass die Politik selbst mit der Schuldenbremse so nicht glücklich ist. Denn ob diese Ausgaben über normale Haushaltstitel oder über solche Sondervermögen laufen, ist für den Fakt, dass das Geld irgendwo her kommen muss, und auch das es verwaltungsmäßig irgendwie bewirtschaftet wird, sch...egal. Der eigentliche Unterschied ist nur das "politische Wording".

    Wenn es wirklich nur ums Wording ginge, hätte das Verfassungsgericht 2023 nicht 60 Mrd. € aus dem KTF für verfassungswidrig erklären können. Der Punkt ist ja gerade: Über ein Sondervermögen darf man Schulden machen, die über den Kernhaushalt gar nicht zulässig wären – und die künftigen Bundestage entziehen sich damit der jährlichen Haushaltskontrolle. Das ist ein echter rechtlicher Unterschied mit realer fiskalischer Wirkung, keine reine Semantik.

    Keynes ist in den 70ern grandios gescheitert. Du hast das grundlegende Problem, dass Nachfragestimulation bei Angebotsschocks alles andere als hilft. Das andere grundlegende Problem besteht darin, dass zu Keynes nicht nur Stimulation in schlechten Zeiten gehört, sondern auch Zurückhaltung in guten Zeiten. Da ist Politik ganz schlecht drin. Und dann kommt eben noch die Problematik, dass der Staat sich die Gewinner aussucht. Erfahrungsgemäß liegt er hier daneben und stimuliert etablierte alte Industrien statt die Zukunft. Da keiner die Gewinner der Zukunft kennt, gibt es nur eine Möglichkeit: gute Bedingungen für alle schaffen


    Die schwarze Null ist vor allem Marketing. Die ganzen 2020er wurden massiv Schulden aufgenommen. Und dein letzter Satz zeigt sehr schön, warum eine Schuldenbremse nötig ist

    Ich will Dir nicht widersprechen, aber ich hab mehrere Probleme mit der Schuldenbremse.

    - Politisch führt das dazu, dass Investitionen geschoben und Steuergeschenke umgesetzt werden. Schau mal unsere Schulen an, und dann gibt es so einen Schwachsinn wie das Baukindergeld.

    - Beispielsweise ist der Netzausbau eine Investition in die nächsten 50 Jahre. Das muss aus aktuellen Netzentgelten gestemmt werden. Hier wäre eine Investition, die über die nächsten 50 Jahre finanziert wird, sinnvoller.

    - Abgesehen von Wertsteigerungen (bspw. Aktien oder Immobilien) gibt es nur einen Exportüberschuss oder eben Staatsschulden, damit die deutsche Bevölkerung überhaupt in Summe sparen kann.

    - Andere Länder, bspw. die USA, nehmen massive Staatsschulden auf. Das ist ein deutlicher Standortnachteil für uns.

    - Das aktuelle Sondervermögen wird massiv für einen Verschiebebahnhof genutzt. Spätestens 2037 läuft das aus. Bei den aktuellen politisch absehbaren Verhältnissen wird es so ein Sondervermögen nicht mehr geben. Ich sehe eine hohe Gefahr, dass durch die gesteigerte Zinslast und den Verschiebebahnhof eine Regierung ab 2037 vollkommen handlungsunfähig ist, wenn sie die ganzen Züge erstmal wieder in den normalen Haushalt schieben muss.

    Ich denke, es braucht eine Reform der Schuldenbremse, die unsere Handlungsfähigkeit wahrt, Investitionen möglich macht und Steuergeschenke vermeidet. Ich möchte mich aber von MMT abgrenzen. Ich denke schon, dass es gute und schlechte Schulden gibt.

    Geringere Rente bedeutet geringere Krankenversicherungsbeiträge, die wiederum geringere steuerliche Absetzbarkeit bedeuten.


    Ein Teufelskreis!

    Weniger arbeiten bedeutet geringeren Steuersatz, was wiederum weniger Steuererstattung beim AV Depot bedeutet. Was wieder weniger Cash fürs Sparen im AV Depot bedeutet, was die Steuererstattung wieder senkt ....die Kreise des Teufels hören nicht auf. Ich lasse die Finger von dem Teufelszeug