Darum geht es: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pre…rsvorsorge.html
Frage:
bitte recherche in gesetzestexten dazu. wird es mit förderung möglich sein, ab renteneintritt über das angesparte geld (ohne kapitalgarantie) sofort komplett zu verfügen, oder wird es immer eine verrentung bis mindestens zum 85 lebensjahr geben müssen.
Antwort:
Ich recherchiere die relevanten Gesetzestexte und Details zur geplanten Reform der privaten Altersvorsorge für dich.Basierend auf meiner Recherche zum aktuellen Gesetzentwurf kann ich dir folgendes zur Auszahlungsphase mitteilen:
Kernpunkt: Keine sofortige Komplettauszahlung möglich
Nach dem Altersvorsorgereformgesetz sind alternativ zur lebenslangen Leibrente künftig langlaufende Auszahlungspläne mit einer Laufzeit mindestens bis zur Vollendung des 85. Lebensjahres ohne Restkapitalverrentung zulässig. Das bedeutet konkret:
Du kannst NICHT sofort über das komplette Kapital verfügen. Es gibt zwei Optionen:
- Lebenslange Leibrente (klassische Verrentung bis Lebensende)
- Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr - erst danach ist das Restkapital frei verfügbar oder vererbbar
Ausnahme: Teilkapitalentnahme
Bis zu 30 Prozent des Kapitals kann zu Beginn der Auszahlungsphase als Einmalzahlung entnommen werden. Diese Information findet sich in mehreren Quellen, ist aber im offiziellen Gesetzentwurf nicht explizit bestätigt.
Wichtige Details zur Auszahlungsphase
- Beginn: Die Auszahlungsphase kann zwischen 65 und 70 Jahren beginnen – abhängig von Vertrag und Wahl des Sparers
- Flexibilität: Mit Ablauf des Auszahlungsplans ist das Vermögen verzehrt, es erfolgen keine weiteren Auszahlungen mehr. Noch nicht ausgezahltes Vermögen ist vererbbar
- Anbieterwechsel: Altersvorsorgende können zum Beginn der Auszahlungsphase ihren Anbieter wechseln, zum Beispiel zu einem Anbieter, der ein reines Auszahlungsprodukt anbietet
Kritische Perspektiven
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kritisiert diese Regelung: Wenn Zahlungen bereits mit 85 enden, steht ein wachsender Teil der Bevölkerung im sehr hohen Alter ohne Einkommen aus der geförderten Altersvorsorge da. Etwa die Hälfte der heute 66-jährigen Männer und rund zwei Drittel der Frauen werden 85 Jahre oder älter.
Fazit
Nein, eine sofortige Komplettverfügung ab Renteneintritt ist nicht möglich. Es wird immer eine Verrentung oder einen Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr geben müssen. Nur eventuelles Restkapital nach dem 85. Lebensjahr kann dann frei verfügt oder vererbt werden. Die einzige Ausnahme ist eine mögliche Teilentnahme von bis zu 30% zu Beginn der Auszahlungsphase.
Quelle für den Gesetzentwurf: Referentenentwurf des Bundesministeriums der Finanzen vom 1.12.2025 zum Altersvorsorgereformgesetz
Nachfrage:
bei durchschnittlichen lebenserwartungen werden menschen in deutschland keine 85 jahr alt. im schnitt sind dann die gebildeten kapitalerträge nicht vererbar und werden nicht aufgezehrt. das bietet den finanzinstituten hohe gewinnchancen, zusätzlich zu den voraussichtlich höheren kosten als bei etf anlage. wie wird das bewertet, und lohnt sich das invest mit förderung überhaupt ggü. reiner etf anlage ohne förderung?
Antwort:
Sehr gute Beobachtung. Lass mich die Faktenlage zu deinen Punkten zusammentragen:
Deine Behauptung zur Lebenserwartung: Teilweise richtig, aber differenziert
Lebenserwartung bei Geburt vs. im Rentenalter:
Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt liegt bei 78,5 Jahren für Männer und 83,2 Jahren für Frauen. Das stimmt - im Schnitt werden Männer keine 85.
ABER: Entscheidend ist die fernere Lebenserwartung mit 65 Jahren:
Die Restlebenserwartung im Alter von 65 Jahren beträgt 17,7 Jahre für Männer und 20,9 Jahre für Frauen. Das bedeutet:
- 65-jährige Männer werden durchschnittlich 82,7 Jahre alt (65 + 17,7)
- 65-jährige Frauen werden durchschnittlich 85,9 Jahre alt (65 + 20,9)
Etwa die Hälfte der heute 66-jährigen Männer und rund zwei Drittel der Frauen werden 85 Jahre oder älter.
Dein Kritikpunkt ist also für Männer berechtigt, für Frauen weniger.
Bewertung der Reform durch Experten
Kritik von Verbraucherschützern (sehr deutlich)
Kosten im Vergleich zu ETFs:
Selbstentscheider, die einen ETF-Sparplan abschließen, erzielen bei identischen Einzahlungen einen Vermögenszuwachs, der um mindestens 50 Prozent höher liegt als bei Sparern, die in ein Standarddepot investieren, das sich am Kostendeckel orientiert.
Die Gebührenobergrenze von 1,5 Prozent pro Jahr wird kritisiert: Bei fünf Prozent Jahresrendite landen beim schwedischen Staatsfonds mit 0,05-0,07 Prozent Kosten 99 Prozent beim Sparer, in Deutschland nur etwas mehr als die Hälfte.
Steuerliche Nachteile:
Normale ungeförderte ETF-Sparpläne werden nur mit rund 20 Prozent Abgeltungsteuer belastet, während der Staat sich bei geförderten Depots die Förderung über Steuerabzüge teilweise wieder zurückholt.
Verbraucherschützer-Position:
Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagt: "Ich werde sicher kein Vorsorgedepot besparen".
Kritik der Versicherungswirtschaft (GDV)
Wenn Zahlungen bereits mit 85 enden, steht ein wachsender Teil der Bevölkerung im sehr hohen Alter ohne Einkommen aus der geförderten Altersvorsorge da.
Kritisch bewertet wird die Möglichkeit, beim Anbieterwechsel erneut Abschlusskosten auf das bereits angesparte Kapital zu erheben, was zu doppelten Kosten führen würde.
Für wen lohnt sich die Förderung?
Lohnenswert: Familien mit mehreren Kindern durch die Kinderzulage von 25 Cent je Euro (maximal 300 Euro pro Kind).
Eher nicht lohnenswert: Alle anderen sollten genau rechnen. Ein ungeförderter ETF-Sparplan bietet oft mehr Flexibilität und kann nach Steuern die bessere Rendite liefern.
Zusätzliche Risiken
Erlaubt sind nur Fonds bis Risikoklasse fünf. Bei einem Börsencrash steigt die Volatilität und damit die Risikoklasse - Sparer müssten dann verkaufen und verpassen die Erholung, was richtig Rendite kosten kann.
Fazit
Deine Einschätzung ist berechtigt: Die Regelung begünstigt Finanzinstitute durch die 1,5%-Kostendeckelung (30x höher als vergleichbare Staatsfonds), während das Langlebigkeitsrisiko vor allem bei Männern nicht abgedeckt wird. Für die meisten Sparer ohne mehrere Kinder dürfte ein ungeförderter ETF-Sparplan tatsächlich attraktiver sein - mehr Flexibilität, niedrigere Kosten, bessere Steuersituation.
Quellen: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, VZBV-Stellungnahme Dez. 2025, GDV-Stellungnahmen, Statistisches Bundesamt Sterbetafel 2022/2024