Beiträge von Factfulness

    Läuft das eigentlich so, dass der Berater oder seine Bank von jedem Fondsanbieter eine variable Provision mit Grundprämie erhält? Sieht fast so aus.

    Naja, ich denke die Vertriebsleitfäden sehen vor, dass man eine aus Sicht des Anbieters ausreichende Zahl von unterschiedlichen Produkten ins Depot packt. Also einen breiten Aktienfonds, einen oder mehrere Themen, dazu noch mischfonds und rentenfonds. Das sieht dann professionell aus. Der Berater bzw. sein Arbeitgeber erhalten meist Ausgabeaufschläge oder/und Rückvergütungen auf den investierten Betrag. Am Ende würde der Berater Initial genausoviel verdienen, wenn er nur ein Produkt ins Depot legt. Aber der Kniff kommt mit der Zeit: Die Produkte werden unterschiedlich laufen, zwangsläufig. Und dann ist es natürlich an der Zeit den Kunden zum Depotcheck zu bitten. Dann werden die "schlechten" Produkte rausgeworfen und dafür neue reingekommen. Dreht man dann alle 2 Jahr 20 bis 50% des Depots klingelt da wieder die Kasse. Bei 3-5% Ausgabeaufschlag kann man leicht ausrechen, was dabei rumkommt.

    Dazu gibt es bei Publikumfonds meist auch eine Bestandsprovision. Dazu kommt, dass bei neuen Fonds Anfangs oft besonders viel Vergütung gezahlt wird um den Fonds schnell auf ein gewisses Volumen zu bringen. Dann wird halt der Clean Energy in einen KI Fonds umgebettet.

    Also ja, ich denke die Anzahl der Fonds hat schon Auswirkungen auf den Verdienst des Beraters. Daher sieht man meist keine Beraterportfolios aus einem einzigen Mischfonds der zur Risikotragfähigkeit und Risikotoleranz des Anlegers passt.

    Ja. Ich befürchte aber, Ihr seid gerade dabei, oliverp zu vergraulen. Wenn mir erzählt worden wäre, was ich alles lesen soll und in was ich mich alles einarbeiten soll, bevor ich investiere, wäre ich heute noch beim Postsparbuch. Oder in der Überzeugung, dass das alles zu kompliziert wäre, wenn man noch gelegentlich was anderes zu tun hat, wie oliverp bei einem Vermögensverwalter gelandet.

    Das stimmt eventuell leider. Aber ich denke, wenn er Kommer liest und versteht ist er einen großen Schritt weiter. Dann hat er das restliche Leben Ruhe, fällt nicht mehr auf Finanzprodukte herein, kann das ganze Rauschen ausblenden, lässt sich nicht von aktuellen und vorübergehenden Börsenberichten und von Analysteneinschätzungen verunsichern und hat eine solide zu ihm passende Kapitalanlage gefunden, die minimalen Aufwand bedeutet und kaum Aufmerksamkeit erfordert. Ich finde, das ist es wert. Natürlich kann man auch sagen: pack zunächst mal 50% in einen ACWI IMI ETF und den Rest in einen Bundesanleihen ETF mit 0-1 Jahr Laufzeit. Rebalance einmal jährlich und kümmere Dich ansonsten um andere Sachen. Das funktioniert vieleicht zunächst. In der ersten Krise fängt der Schlammassel dann meist an. Presseberichte vom Weltuntergang und warum ETF gerade jetzt ungeeignet sind. Das Portfolio rauscht immer weiter ab. Überall Crash Propheten und Experten, die zu aktivem Handeln raten usw. Spätestens dann war es das mit Sicherheit. Dann wird im Verlust verkauft, das Geld aufs Konto gepackt und der verbleibende Teil von der Inflation dahingerafft.

    Nein, Finanzanlagen kann man nich deligieren. Das Risiko trägt man immer selbst, nur von der Rendite darf man etwas abgeben... 1-3 Bücher einmal im Leben sollte einem das hart erarbeitete Geld und der Seelenfrieden wohl schon wert sein.

    Aber ja, es wäre hilfreich würden da draußen nicht hunderttausende Provisionsgeier herumlaufen, Abermilliarden in Lobbyarbeit gesteckt und stattdessen eine finanzielle Grundbildung und Verhaltensökonomie in der Schule gelehrt. Aber wo bitte ist es leichter an 5 stellige Beträge selbst von Wenigverdienern zu kommen, als über Versicherungen, Fonds, Bausparverträge, Hypotheken oder als Maklercourtage? Kein Wunder also, dass es da gewisse Anstrengungen der Profiteure gibt.

    Wäre mal interessant zu erfahren, wie viel Ausgabeaufschlag insgesamt an den Vermittler seiner Fonds geflossen ist. Sicher 18k oder auch viel mehr, wenn häufig umgebettet wurde. Wieviel Geld ist ins Management geflossen. 70k? Wieviel ist durch unsystematische Risiken liegen geblieben?

    Und ja, es klingt alles kompliziert. Ist es aber im Grunde nicht. An einem Wochenende kann man sich schon einiges draufschaffen. Wenn man das nicht möchte und es nicht schafft oder möchte mit den vielen falschen Narrativen aufzuräumen, dann ist das auch okay. Muss jeder selber wissen.

    Aber ich bin kein Freund der Heiligsprechung von ETF und von zu simplen Ratschlägen. Verstehen ist Trumpf. ETF haben in der Maße und im Schnitt leider nicht zu einer besseren Anlegerrendite geführt. Die Produktkosten gingen runter, dafür vergrößerte sich die Verhaltenslücke. Ich befürchte das wird über die Zeit noch schlimmer, weil immer mehr Produkte im ETF Mantel auf den Markt strömen und sich die Anbieter auf die Verschiebung in Richtung Selbstentscheider und ETF reagieren müssen um weiterhin ihren Schnitt zu machen. Solange wir Anleger nicht verstehen, wo die Rendite herkommt und woher nicht, gehen wir denen leider immer wieder auf den Leim. Dann werden CleanEnergy gekauft und sich über die hohen (Substanz-)Ausschüttungen von CoveredCall ETF gefreut. Dann wird zyklisch reagiert usw.

    Gerd Kommer ist auch keine schlechte Quelle, wie ich finde. Viel Spaß und viele Erkenntnisse beim Studium des Buches. Prof. Weber hat auch Bücher geschrieben und auch Prof. Walz. Alles ziemlich gute Quellen, wie ich finde. Man sollte sich ohnehin immer auch die Freiheit einer eigenen Meinung nicht nehmen lassen. Um das aber fundiert zu können muss man sich erstmal Grundlagenwissen schaffen und vor allem mit den zahlreichen von der Finanzlobby eingepflanzten Narrativen aufräumen (Produktfokus, passives Einkommen, Timing, Managementvorteile, Unterbewertungen und soviel mehr) Einfach mal alles vergessen, was man meint über Geldanlage, Kapitalmarkt etc zu wissen und sich mal die Bücher einverleiben.

    Am Ende stellt sich dann alles viel simpler dar, als es die Finanzindustrie einem verkaufen möchte....

    Was Krisenphasen angeht, hast Du genau das ständige Dilemma der Geldanlage entdeckt. Alles was im Aktienmarkt steckt unterliegt dem dortigen Marktrisiko. Aktien schwanken, mal mehr, mal weniger. Geld, das in Nominalwerten steckt (Bankguthaben, Anleihen...) unterliegt aber dem Inflationsrisiko. Haben wir mal zwei, drei oder gar 5 Jahre sehr hohe Inflation, sind dann mal schnell 20 oder mehr Prozent des Vermögens weg und zwar auf nimmer wiedersehen. Aktien können (und Taten es bisher stets) sich erholen, während der Kaufkraftverlust dauerhaft bleibt.

    Sicherheit ist eine Illusion. Du weißt nie, was in einer Stunde, morgen oder in 10 Jahren ist. Geldanlage ist auch immer mit Risiken verbunden. Man kann viele Risiken minimieren oder gar vermeiden: Kontrahentenrisiko, Produktrisiken, Einzelwert- und Branchenrisiken, politische Risiken, usw, usw. Aber das Marktrisiko bleibt.

    Prof. Walz unterscheidet sehr gut zwischen deep risks und shallow risks. Der Eintritt ersterer ist dramatisch, weil umgekehrter (Zerstörung, Inflation, Enteignung...) während letztere (z.B. Vola) nur vorübergehend sind.

    Wenn man einmal verstanden hat, wie man effizient investiert (ohne unsystematische Risiken, kostengünstig und ohne schiefe Wetten) und den Fokus von Produkten weg hin zu Assetklassen gelenkt hat ist das schwierigste aus meiner Sicht am Ende für sich selbst festzulegen, wieviel von welchem Risiko man zu tragen bereit und in der Lage ist.

    Viel Erfolg bei Deiner Reise!

    Möchtest Du an einem der größten Risiken bei der Geldanlage arbeiten, beschäftige Dich auch mal mit behavirol finance. Das Anlegerverhalten wird oft in der Betrachtung ausgeblendet, ist aber meiner Meinung nach sehr bedeutend. Der durchschnittliche Anleger lässt einen enormen Teil der Produkt und/oder Indexrendite liegen. Das betrifft ETF Anleger genauso, wie solche die in Publikumfonds investieren. Stichworte: Rückschaufehler, mentale Buchführung, Verlustaversion, Bestätigungsfehler, verfügbarkeitsheuristik, Gier/Angst, Herdentrieb....

    Spannendes Themenfeld, wie ich finde.

    Kleine Anmerkung: Ich bin ein Fan vom RAFI und habe ihn seit Anfang 2022 im Depot. Ich würde ihn aber nicht als alleiniges Anlageinstrument einsetzen wollen.

    Da fängt man dann aber wieder an gegen den Markt zu wetten... Das kann der Einstieg sein, wieder ein bißchen was davon mit ein wenig hiervon zu mixen... Die letzten 15 Jahre wäre diese Wette nicht aufgegangen.

    Ich weiß, über Faktorprämien, Value etc lässt sich herrlich diskutieren, aber ich bin da eher für KISS. Einfach einfach halten. Aktien korrelieren stark mit Aktien. Einfach den Markt kaufen und gut. Die Level 1 Allokation ist viiiiel entscheidender, als die Auswahl und Gewichtung von einzelnen Aktien im Portfolio.

    Ich würde mich aufs Marktrisiko beschränken...

    Noch ein Gedanke zum Totalverkauf: je nach Teilfreistellung wirst Du auf die 180k Gewinn ca. 30 bis 35k Steuern zahlen. Die würdest Du bei einem späteren Verkauf auch zahlen müssen, sie sind daher "nur" vorgezogen. Du verlierst daher nur den Stundungseffekt (also die Rendite auf den Steuerbetrag bis zum späteren Verkauf). Du würdest aber sicher 8 bis 12k pro Jahr an Gebühren sparen. Dazu würdest Du viele unsystematische Risiken vermeiden und hättest - richtig gemacht - ein einfaches, verständliches und effizientes Portfolio.

    Am Ende liegt es aber alles an Dir. Ein großes Renditehemmnis und ein wesentlicher Risikofaktor bist Du. Das sollte man nicht unterschätzen. Aktuellen Auswertungen zur Folge erzielen ETF Anleger im Schnitt nicht mehr Rendite, als solche, die klassische Fonds besparen. Das behaviral gap frisst die Kostenvorteile auf.

    Ich kann es nicht oft genug sagen: ETF sind weder eine Strategie, noch eine Assetklasse und daher kein Allheilmittel.

    Auch muss die Erwartungshaltung stimmen. Selbst eine gute bis sehr gute Strategie (zum Beispiel Aktienmarkt über ACWI IMI abbilden und den passenden Teil in Geldmarkt oder geldmarktnahe Anleihen) schützt nicht vor den Marktrisiken. Geht der Markt 50% runter verlierst Du genau diese 50% im Aktienteil. Wenn alles schlecht läuft, kann das Portfolio lange Zeit im Minus stehen, es kann auf eine mehrjährige Marktkrise eine weitere folgen usw. Nach etlichen fetten Aktienjahren und Blitzkrisen, die nach kurzer Zeit überwunden waren, denkt keiner mehr an die frühen 2000er Jahre oder die 70/80er usw. Eine realistische Erwartungshaltung ist extrem wichtig, denn sie schützt davor in Krisen zyklisch Buchwertverluste zu realisieren und wirklich Geld zu verlieren.

    Sitzt Du eine Krise auch dann aus, wenn sie 5 Jahre dauert?

    Im Moment hört es sich tatsächlich wie Raketenwissenschaft an. Blöd gefragt: Warum dieser Aufwand, wenn man alles in ein oder mehrere ETFs investieren und schlechte Zeiten aussitzen kann.

    Es wird doch immer wieder bei Finanztip betont, daß noch nie über einen längeren Zeitraum einen stetigen Abwärts-Trend gegeben hat und man nach ca. 15 Jahren alle möglichen Verluste wieder ausgeglichen hätte.

    Warum dann diese Gedanken wegen Anleihen, Gold, Kapitalmarkt, Risiken machen?

    Ja, man kann es sich auch "einfach" machen. Ich finde es aber vorteilhaft, wenn man weiß, was man tut. Gerade, wenn man 800k anlegt und vorher Kuddelmuddel machte.


    Nicht jeder (oder die Wenigsten?) kann und will 15 Jahre durchstehen und zusehen, wie es auf und ab geht.

    Wenn man sich im Vorfeld mit den verschiedenen Risiken der jeweiligen Anlageklassen, sowie mit grundsätzlichen Risiken vertraut gemacht hat, weiß man, was man tut und hält das eher durch.

    Aber bevor Du das ganze startest solltest Du Dir zunächst eine Anlage-Strategie erarbeiten und Dich etwas tiefer mit Kapitalmarktanlagen beschäftigen. Prof. Walz hat da ganz nette Bücher zum Beispiel.

    ETF sind kein Allheilmittel, sie sind weder eine Strategie noch eine Assetklasse. Sie sind ein Vehikel.

    Bisher wurde nach dem Motto gefahren "viel hilft viel". Das ist so garnicht das, was die Kapitalmarktforschung als richtig ansieht. Hier wurde ein Kuddelmuddel ohne Struktur aufgebaut und gehofft, das es läuft. Ich würde meinen "Berater" mal bitten zu erklären, was er sich bitte dabei gedacht hat (außer häufiger Umbettgelegenheiten, Provisionen usw).

    Ab davon, würde ich (ausdrücklic meine Meinun und keine Anlageempfehlung!) zuerst festlegen, wieviel Aktienmarktrisiko Du und Dein Portfolio vertragen. Ich würde dann im Aktienteil des Portfolios alle Risiken bis auf das Marktrisiko wegdiversifizieren. Also ziemlich genau so, wie Du es mit dem von Dir gewählten ETF machst. Pass auf, dass Du nicht mit ETF nun schlicht Deine Fehler fortführst ("mehrere ETF kaufen"). Ich würde von allen unsystematischen Risiken fernhalten (Managementrisiken, Branchen-, Titel und Regionenrisiken...). Im Aktienteil einfach den Markt kaufen. Dann wird es schwierig: Welchen Anteil dem Aktienmarktrisiko aussetzen? Den Rest nur in Geldmarkt oder auch Unternehmensanleihen, Gold ... Am Ende ist das alle kein Hexenwerk.


    Ob alles verkaufen oder nicht ist eine schwierige Frage. Wie lange soll das noch laufen? Ich persönlich würde das Zeug schnellstens loswerden wollen, ohne mir jeden Fonds im Einzelnen angesehen zu haben. Ich könnte ohne Strategie nicht ruhig schlafen.

    Aber wie gesagt:

    1. Mit dem Kapitalmarkt vertraut machen

    2. Vor und Nachteile der verschiedenen Assetklassen kennen lernen (brauchst eigentlich nur mit Aktien, Anleihen und Gold zu beschäftigen aus meiner Sicht)

    3. Risiken kennenlernen (Kontrahentenrisiko, Inflationsrisiko, Aktienmarktrisiko, usw)

    3. Kapitalmarkt, CAPM, Effizienzmarkthypothese, usw verstehen

    4. Erkennen, welche Risiken man vermeiden kann und welche nicht

    5. Festlegen, wieviel von welchem Risiko (Assetallocation).

    6. Effiziente Wege finden in diese Assetklassen zu investieren

    Los geht es.


    Hört sich alle vieleicht viel an, ist aber keine Raketenwissenschaft.


    Soweit meine bescheidene Meinung....

    Aus meiner Sicht kann man auch größere Summen und in höherem Alter DIY anlegen. Ich bin der Meinung, dass man selbst ohnehin verstehen muss, wie das ganze funktioniert um zu erkennen, ob ein Berater etwas taugt. Auch zwischen Honorarberatern gibt es Unterschiede. Jeder hat halt seine eigene Sicht und seine eigenen Vorlieben. Und schwups die wups hängt man in einem Vermögensverwaltungsvertrag... Das Risiko trägst am Ende aber sowie Du selbst, das kannst Du nicht diligieren.

    Egal welches Alter, das (sinnvolle) Anlagenuniversum ist für alle gleich. Am Ende geht es um die Effizienz und die Mischung der Risiken/Anlageklassen. Wer einmal die wichtigsten Anlageklassen verstanden hat und verinnerlicht, wie man am effizientesten, rational und kostengünstig in sie investiert hat aus meiner Sicht schon ein vernünftiges Rüstzeug. Wahrscheinlich reichen Aktien und Anleihen. Bei Anleihen reichen eigentlich diejenigen mit guter Bonität und kurzer bis maximal mittlerer Duration. Aktien bestenfalls immer den Markt kaufen zu geringen Kosten usw., usw. Aus einem WeltaktienETF und Geldmarkt/Staatsanleihen und vieleicht Unternehmensanleihen lässt sich aus meiner Sicht auch ein 6 oder 7-stelliges Portfolio zusammenstellen.

    Egal, ob 30 oder 80, es gilt die wesentlichen Fehler zu vermeiden:

    - dem Narrativ "passives Einkommen" erliegen, Dividendenstrategien, Ausschüttungsoptimierte Produkte usw

    - hin und her, Timing und Stockpicking, ständige Strategieänderungen

    - Glauben die Zukunft vorhersehen zu können

    - Trends und Themen nachlaufen

    - fehlende Demut

    - Garantien suchen

    - Produkte kaufen anstatt Assetklassen (nicht von Werbeversprechen und vermeintlichen Eigenschaften von Finanzprodukten blenden lassen, sondern so direkt und günstig in die jeweilige Assetklasse, wie sinnvoll möglich)

    - Nur nominal denken

    - gegen den Markt (WeltaktienETF) und insbesondere gegen Profis wetten (Zertifikate...)

    - Finanzp*rn*graphie folgen (Analystenmeinungen, Aktientipps, Vorhersagen für Branchen oder Länder oder den Markt allgemein)

    Usw.

    Am Ende muss man sich überlegen, was man will, welchen Anlagehorizont man hat (kann auch im Alter noch lang sein, wenn man vererben will z.B.) und wieviel von welchem Risiko man akzeptiert. Vola, Inflation...

    Unsystematische Risiken, also solche die nicht prämiert werden und/oder wegdiversifizierbar sind konsequent vermeiden (Einzeltitelrisiken, Kontrahentenrisiken...)

    Schau Dir mal die Bücher von Prof. Walz an zum Beispiel.

    Aber nochmal: das Alter spielt eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist nur, dass man - das sollte man aber auch in jüngeren Jahren - schaut, wie man das ganze handhabt, wenn man selbst nicht mehr kann (Unfall, Demenz, usw). Das ist nicht trivial. Wenn bindet man ein? (Vorsorge-)Vollmacht usw. Auch dafür ist es wichtig, dass das Portfolio leicht verständlich bleibt. Ich habe meine Anlagestrategie schriftlich fixiert und bei den Notfalldokumenten hinterlegt.

    Die zentralen Fragen sind oft die selben. Unter anderem:

    - welche Buchwertverluste kann und will ich tragen, auch mal vieleicht ein paar Jahre

    - wieviel Inflationsrisiko bzw Risiko unerwarteter Inflation kann und will ich tragen (nach 2,3 oder gar 5 Jahren mit zweistelligen Inflationsraten ist schnell mal 1/4 des Geldes (der Kaufkraft) auf nimmer wiedersehen weg. Von Hyperinflation garnicht zu sprechen)

    - habe ich sonstige Vorlieben/Vorstellungen/Wünsche (Notgroschen in Fremdwährungen, Gold...)

    Ergo: Die grundlegenden Empfehlungen von Finanztip gelten für fast jedes Alter. Lediglich das Thema "was ist, wenn ich nicht mehr selbst kann" wird konkreter und die Aufteilung zwischen den Assetklassen vieleicht anders...

    Viel Erfolg!

    Das haben wir im Lifestrategy 60/40 Thread ja anhand den Charts festgestellt dass dann in etwa einen 75% Aktien und 25% kurzlaufende deutsche Staatsanleihen entspricht.

    Über welche Zeiträume, welchen Perioden.


    Daher frage ich mich was Unternehmensanleihen im Portfolio weg diversifizieren sollen ?

    Welche Risiken diversifiziert man mit Emerging Markets Aktien oder SmallCaps weg? Zur Reduzierung des Einzelaktienrisikos und auch von Regionenrisiken sind diese beiden Assetklassen nicht unbedingt notwendig. Unternehmensanleihen korrelieren stärker mit Aktien als Staatsanleihen, aber halt auch nicht komplett.

    Dennoch trägt jede Assetklasse - mehr oder weniger- zur Diversifikation bei.

    Wenn zum Beispiel die Unternehmensgewinne nun stagnieren oder zumindest nicht die hohen Wachstumserwartungen (KGV ACWI deutlich über 20) erfüllen, gehen die Aktienmärkte zurück. Anleihen bringen derweil immer noch ihre Rendite. Dann werden die Zinsen gesenkt um die Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Aktien und Anleihen profitieren. Die Unternehmensgewinne steigen leicht, aber die Gewinnerwartungen und Bewertungen fallen auf ein "normales" Maß zurück, beispielsweise von KGV 21 auf 17, also geht der Aktienmarkt um 19% zurück, Anleihen bringen weiter ihre Rendite...

    Soweit halt die Portfoliotherorie. Wenn sich das über einige Zeiten nicht zeigte, ist das für mich kein Beweis, dass die Portfoliotheorie überholt ist. Es zeigte sich - soweit ich das weiß - lediglich dass das effizienteste Portfolio in der Nullzinsphase einen höheren Aktienanteil benötigte, als die Jahrzente zu vor (ca. 80/20 statt 60/40).

    Je höher die Zinsen bzw. Kupons umso mehr funktioniert das Wechselspiel.

    Das Prinzip verdeutlichen Schaubild 1 und Schaubild 2

    Korrelationen ändern sich im Zeitablauf und sind ja keine abstrakte und theoretische Sache, sondern sie hängen an konkreten Ereignissen. Die kontinuierlich und über lange Zeit sinkenden Zinsen führten zu einem Aktienboom und dazu, dass Anleihen zunächst noch Kursgewinne erzielten, aber im Zeitverlauf unantraktiver wurden. Wird sich das fortsetzen bzw. wiederholen? Keine Ahnung.

    Zum Norwegischen Staatsfond folgendes Dokument: Staatsfond

    Auszug:

    "Trotzdem erwirtschafteten die festverzinslichen Anleihen mit ihrem Gesamtanteil (26,5%) am Fondsportfolio einen Ertrag von über 7%. Mehrheitlich besteht die Assetklasse der Anleihen aus festverzinslichen Anleihen, kurzfristigen Wertpapieren sowie Bankeinlagen. Den größten Anteil am Erfolg der Anleihen erzielten die Unternehmensanleihen im Staatsfonds. Diese sorgten alleine für einen Rückfluss von 11,1% und hielten einen Anteil an der gesamten Assetklasse Anleihen über 23%."

    Der Fonds hat bereits mehrere Evolutionen durchlebt.

    Ich habe einiges gelesen, recherchiert und viele Infos - auch sehr konträre - erhalten. Aber so wirklich wissenschaftlich und zweifelsfrei (ist das die Zukunft betreffend überhaupt möglich) kann ich mein Portfolio nicht begründen. Am Ende ist es das Ergebnis meiner erlangten Überzeugung und eine pragmatische Bauchentscheidung. Es ist darüber hinaus auch ein Kompromiss der Einfachheit, Investierbarkeit, Kosten usw. berücksichtigt. Unternehmensanleihen nehmen gerade einmal 10% des Portfolios ein. Das führt zu 0,15 bis 0,20% p.a. Mehrrendite. Die zusätzliche Vola ist überschaubar und ich tracke sowas auch nicht. Wie effizent das Portfolio ist, stellt sich im Nachhinein heraus. Prof. Weber sagt ja auch, dass die optimale Allokation nicht genau festzulegen ist und seine daher auch auf ein gewisses Maß an Pragmatismus zurück geht. Also auch die "Profis" wissen es halt nicht. Swenson hat auf Unternehmensanleihen verzichtet, weil er in Reits ein besseres Rendite/Risiko Verhältnis sah und es ging nicht auf. Der norwegische Staatsfond tätigte Direktinvestments in Immobilien die ganz gut getimed waren und aufgingen (taten sie das, oder war es nur die geringe Vola, wegen weniger häufiger und nur theoretischen Preisermittlung?).

    Genauso, wie beim Aktienarkt lässt sich im Rückspiegel immer feststellen, welche (Teil-)Assetklasse man besser hätte weglassen sollen und welches die effizienteste Assetallokation gewesen ist. Auf Emerging Markets Aktien hätte man eine ganze Weile verzichten können zum Beispiel. Aber in die Zukunft gerichtet?

    Auch, wenn es die letzten 10 oder 15 Jahre nicht besonders ertragreich war, investiere ich auch in SmallCaps, Emerging Markets und hakt auch in Unternehmensanleihen. Ob das klug und richtig ist? Keine Ahnung. Die letzten Jahre wäre es besser gewesen alles auf Tesla, NVIDIA oder gar Bitcoin zu setzen.

    Vieleicht bin ich da auch zu pragmatisch? Im letzten Jahr gingen Unternehmensanleihen auf (deutlich mehr Rendite als Geldmarkt), aber Aktien wären besser gewesen. Nur US Aktien noch besser... Ich fühle mich einfach mit einer höheren Aktienquote nicht wohl. Anleihemarktrisiken bin ich aber in gewissem Umfang bereit zu tragen. Was soll ich tun?

    Hast du keine Bedenken bei Inflation/Hyperinflation ?

    Ja, doch.

    Ich habe ursprünglich in den Portfolioteil der Bundesanleihen auch inflationsindexierte mit aufgenommen. Mein Broker kam aber mit der Kursberechnung von Anfang an nicht klar und stellte dann den Handel ein. Natürlich könnte ich einen entsprechenden ETF nehmen. Aber irgendwann wird so ein Portfolio dann auch zu komplex. Und mit inflationsindexierten Anleihen fährst Du hakt schlechter, wenn die Inflation hinter den Erwartungen zurück bleibt.

    Irgendwo habe ich mal gehört/gelesen, dass kurzfristige Anleihen der beste Inflationshedge sind, da dann meist die Zinsen steigen und diese sich dann schnell auf das neue Niveau anpassen. Längerfristig gelten Aktien ja als "inflationssicher", wobei ich nicht beurteilen kann, wie sich Aktien und Unternehmensgewinne dann kurz- und mittelfristig verhalten, aber Aktien können sich nach so einer Phase wenigstens wieder erholen, reale Verluste bei Zinspapieren holt man eher nicht mehr auf. Den größten Anteil haben bei mit daher Aktien, die sollten langfristig die Inflation schlagen. Bei Unternehmensanleihen und auch Staatsanleihen sind die Inflationserwartungen eingepreist, unerwartete aber natürlich nicht. Die kurzfristigen Anleihen sollten dann recht schnell von höheren Zinsen profitieren, bei den etwas längerfristigen werde ich Einbußen haben.

    Aber alles nur Mutmaßungen. Absolute Sicherheit gibt es halt nicht. Ray Dalio hatte ja mal so eine All Weather Strategie für alle möglichen Marktphasen. Klappte dann auch irgendwann nicht mehr so. Da war der Aktienanteil geringer. Ob Gold in Zeiten von Hyperinflation steigen wird?

    Ich halte von Gold nicht viel und will es auch nicht zu komplex machen.

    Was denkst Du denn darüber und welche Schlussfolgerung ziehst Du daraus?

    Ich verstehe deinen Punkt grundsätzlich. Aber im vorliegenden Fall haben wir eine Rentnerin (72 Jahre) mit einer monatlichen Rente von 3.100 € (!!!) und einem Barvermögen von 140.000 €. Damit ist sie, im Durchschnitt aller deutschen Rentner, vermutlich auf der sehr sonnigen Seite des Lebens unterwegs. Dass man dann glaubt, seinen Enkeln mal was Gutes tun zu können, liegt nahe. Wenn sie keine großen Reisen und Investitionen mehr plant … was sollte ihr in finanzieller Hinsicht faktisch noch passieren?


    Man kann einfach nicht alle möglichen Worstcase-Szenarien durchkalkulieren und absichern. Was soll denn die ganz normale Rentnerin mit vielleicht 1.200 € und 5.000 auf dem Sparbuch (für die Beerdigung) denken, wenn sie aus versehen mal in diesem Forum vorbeikäme.

    Es ist aber keine Rentnerin mit 5k auf dem Konto und 1200€ Rente. Die gute Frau hat von den vielen Vorteilen eines Lebens (und einer Geburt) in Deutschland profitiert und dann bereits große Anteile ihres Vermögens auf die Söhne übertragen. Im Ergebnis steht sie nun mir einem Gesamtvermögen in einer Höhe da, das bei den ein oder anderen Investmenst in Lebensqualtitätserhöhungen im Alter (Haushaltshilfe, mehr Taxifahrten, Umbau von Bad, Elektroscooter...) am Ende nur knapp für eine angemessene Pflege reichen wird. Sie plant aber weiteres Vermögen (30%) an die Enkel zu verschenken. Die Wahrscheinlichkeit (bei mehr als 10 Jahren ab Schenkung, Kinder unter 100k Einkommen und/oder nicht offizellen Schenkungen unter der Hand), dass die Allgeimeinheit zur Kasse gebeten wird, wird da billigend in Kauf genommen. Das finde ich unanständig. Sie könnte für sich selbst sorgen. Das Vermögen der Kinder und Enkel durch die Solidargemeinschaft zu subventionieren sollte hier nicht die Lösung sein.

    Ja, in Deutschland ist für die Basics auch nicht vermögender Menschen gesorgt und das ist sehr gut so. Auch die von Dir benannte Rentnerin muss sich nicht groß sorgen, aber dennoch sollte jeder, dem dieses Land ein gutes Einkommen und Auskommen bescherte sich einigermaßen solidarisch zeigen. Sorry, da bin ich ziemlich eigen. Das Thema hatte ich in fast identischer Form in der Schwiegerfamilie. Da habe ich meine Unterstützung an die Bedingung geknüft, dass da keine unredlichen Dinge laufen. Am Ende war noch etwas übrig und das ging dann an die nächste Generation. Das Verschenken stoppte ich sofort. Nein, da steht meine Meinung leider fest, das gehört sich nicht.

    Und was sagt mir das? Zum Vergleich kurzfristige Staatsanleihen

    Also hat es funktioniert, wie immer: Deutlich höhere Rendiete der Unternehmensanleihen (hier ca. 1.5 bis 2% Mehrrendite bei Unternehmensanleihen mit etwas höherer Duration). Aktuell bringen sie etwa 70% Mehrrendite. Ich finde das nicht unerheblich. Ob ich nun 2% real verloren hätte, oder nur 0,35% macht schon einen Unterschied, wie ich finde.

    Und zur Realrendite: Was bringt mir die? Ich kann doch weder Zinsen, noch Renditen oder Inflation beeinflussen... Ich kann mir immer nur die Marktrenditen holen... Für die Risikominimierung im Portfoliokontext ist die Nominalrendite entscheidend. Denn diese sorgt für die asymetrische Reduktion von Rendite und Risiko. Und im sigulären Kontext bringt mir die Betrachtung der realen Rendite auch wenig. Wenn ich halt aus welchem Grund auch immer - auch nur einen Teil - mein Vermögen nicht dem Aktienmarktrisiko aussetzen will oder kann, dann bleibt mir nur übrig die Marktrenditen im Anleihesegment einzusammeln. Ob diese nominal oder real im Plus sind, ist ex ante nicht zu bestimmen, aber es bleibt mir halt auch keine Wahl.

    Natürlich waren das nun keine guten 15 Jahre für Anleihen, für Aktien schon. Bleibt das so? Ist es die nächsten 20 Jahre vieleicht genau umgekehrt? Ich weiß es nicht. Daher diversifiziere ich ja.

    Hättest Du 2010/2011/2012 von einem Sparplan in Aktienmarkt abgeraten, weil der Aktienmarkt seit Ende der 90er keine Realrendite brachte?

    Es mag ja sein, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist und man mit (Unternehmens-)Anleihen nie wieder real Verdienen kann, das weiß ich nicht. Glauben tue ich das nicht, weil dann der Fremdfinanzierungsmarkt zusammenbrechen würde und das eher undenkbar ist.

    Kurzfristige Staatsanleihen erwirtschafteten je nach Betrachtungszeitraum auf lange Sicht kaum eine reale Verzinsung. Mittlere Laufzeite meist doch und Unternehmensanleihen halt jeweils zwischen 1,5 und 2% mehr.

    Aktien können ebenso - auch über längere - Zeiträume keine Realrendite bringen. Meist unterscheiden sich halt die jeweiligen Zeiträume. Dann schlägt der Vorteil der Diversifikation zu.

    Dieser Thread ist aus einem Thema enstanden in dem Alternativen zu Tages- und Festgeld gesucht und möglichst "sichere" Anlagen für die mittlere Frist gesucht wurden. Wenn ich 30 Jahre Zeit habe und ein entsprechendes Risiko eingehen kann und will, dann kann man ja gerne 100% Aktien fahren. Auch für kürzere Zeiträume darf das jeder machen. Je kürzer der Zeitraum je höher das Risiko real oder nominal Geld zu verlieren oder zumindest gegenüber anderen Anlageformen eine schlechtere Performence zu erreichen. Aber das ist okay, wenn man das möchte.

    Legt man aber zu Gunsten einer planbareren und "sichereren" Rendite Wert auf die Diversifikation, so können Unternehmensanleihen eine Rolle im Portfolio spielen. Sie korrelieren in einigen Marktphasen nur bedingt mit Aktien, haben eine geringere Vola und sorgen so für Korrelations-/Diversifikationseffekte.

    Ich bin halt ziemlich doof. Ich weiß nicht, wie sich welche Assetklasse in Zukunft entwickelt. Die historischen (und erst recht die der letzten 10 oder 15 Jahre) sind kein verlässlicher Indikator (eher Kontraindikator?? Müssten Aktien nicht nun 10 oder 15 Jahre richtig schlecht laufen um auf den langfristigen Duchschnitt zurück zu kommen??) für künftige Renditen. Also was soll ich tun? Solange ich das nicht weiß, werde ich nicht

    - mein gesamtes Vermögen in Eigenkapital von US Tech Titeln allokieren, auch, wenn das im Rückspiegel die beste Variante gewesen wäre.

    - mein gesamtes Vermögen überhaupt in Eigenkapital investieren, nur, weil es nun 14 Jahre super und weit überdurchschnittlich lief (eher im Gegenteil, reversion to the mean...)

    - Nur NVIDIA Aktien kaufen.

    Ich halte mich da eher an die Erkenntnisse der Kapitalmarktforschung und streue mein Risiko. Theoretisch müsste Eigenkapital auf lange Sicht höher prämiert werden, als Fremdkapital, daher gewichte ich das über. Da ich auf mittlere und lange Frist denke, würde ich Rendite verschenken, wenn ich mich auf die kürzesten Duration und nur auf AAA Staatsanleihen im restlichen Portfolioteil konzentrieren würde. Ein bisschen Vola kann ich da vertragen. Also tue ich das natürlich nicht und gehe da auch auf Unternehmensanleihen. So sitze ich an beiden Renditequellen.

    Ob ich deswegen in 15 Jahren mit weniger Rendite, als mit 100% Aktien dastehe, wird die Zeit zeigen. Das Risiko gehe ich gerne ein. Wird meine Vola geringer sein? Ich denke schon. Wird meine längste Verlusphase geringer sein? Ich denke schon. Komme ich planbarerer ans Ziel? Ja, denke schon. Wird meine risikoadjustierte Rendite besser sein, als 100% ACWI IMI? Ich vermute schon. Werde ich die maximale absolute Rendite erzielen? Ich denke eher nicht, kann aber sein. Kann ich im Alter mit weniger schwankendem Kosum entnehmen? Ich denke schon.

    Natürlich ist das keine Empfehlung. Natürlich ist das nur meine Meinung. Ja, klar, sie fußt auf Nobelpreisträger, aber ist deswegen auch (heute noch) richtig? Ich weiß es nicht.

    Gäbe es ein gutes Vehikel, würde ich auch in Immobilien investieren und damit weiter diversifizieren.

    Geldanlage ist immer eine sehr persönliche Sache, es spielen eigene Anschauungen, Überzeugungen, Risikoverständnis und insgesamt die Anlegerpersönlichkeit eine Rolle. Es gibt einige Dinge die objektiv falsch sind (teure, undurchsichtige Produkte, schiefe Wetten, unsystematische Risiken...) aber bei allem anderen gilt: Es ist erlaubt und gut, was gefällt.

    Geld, dass ich nicht in absehbarere Zeit benötige in kurzflaufenden Staatsanleihen zu halten oder gar im Geldmarkt zu bunkern finde ich persönlich nicht smart. Gerade auf die mittlere Frist. Und ich stelle nochmals die Frage: ist es nicht rational gesehen eine Zinswette, wenn ich Geld mit mittlerer oder längerer Fristigkeit in Geldmarkt oder Ultra-short Bereich allokiere?

    Ich denke, wir sind da einfach unterschiedlicher Meinung. Aber das ist voll okay. Ich genieße den Austausch dennoch sehr und er liefert auch mir eine Menge an Erkenntnissen. Und auch die Mitleser profitieren - so denke ich - von konträren Meinungen durchaus mehr, als, wenn alle das selbe schreiben würden.

    Dann bist Du bei 51% Aktienquote, statt bisher ca. 30% (und diese ja auch nur, weil die Fonds mental nicht für sie selbst sind) und 34% risikobehafteter Anleihenquote (Duration beachten!). Das ist eine gänzlich andere Allokation!!! Wollt Ihr das? Bezüglich der Fristigkeiten und der aus den bsiherigen Anlageformen abgelesenen Sicherheitsdefinition der Mutter, denke ich, dass diese nicht passen könnte.

    Der vanguard LifeStrategy ist ein gutes Produkt, aber hier????

    Denke zunächst in Assetklassen und erst dann in Produkten. Sonst kommt da vieleicht Mist bei rum (siehe IBonds oder jetzt LifeStrategy).

    Ich bleibe bei meinem Vorschlag/meiner persönlichen Meinung. Aktienanteil lassen (aber der Mutter zurechnen und nicht mental den Enkeln) und den Rest nach Abzug eines Tagesgeldpufers auf Unternehmens- und Staatsanleihen mit entsprechenden Durationen verteilen. Aktienquote erhöhen? Dann halt den FTSE All World zusätzlich mit reinnehmen.

    Steuern? Vergessen. Über 50% Aktienquote? Das muss gewollt sein.

    Das ganze "Beratungs-/Verwaltungsmandat" würde ich nur übernehmen, wenn sie sich vom Verschenken veranbschiedet. Das finde ich hoch unanständig. Solange nicht ihr eigenes Auskommen gesichert ist, geht das im Zweifelsfall zu lassten von allen anderen und auch mir.

    Unter diesen Randbedingungen erscheinen die frühzeitigen Schenkungen gar nicht mehr so sinnfrei. Außer natürlich, einer oder beide der Söhne liegen über der Einkommensgrenze ;)

    Aber halt nicht ganz sozial...

    Jahrzente von Bildung, Wirtschaft, Rechtssystem, Sicherheit und Sozialversicherung in Deutschland profitiert und dann schnell alles wegschaffen, sollen das doch die anderen zahlen. Naja. Da bin ich raus, denn da bekomme ich gleich ungute Gefühle, die ich hier nicht in Worte fassen möchte.

    Da kann ich wohl nicht viel beitragen, weil ich im Wesentlichen komplett die gleichen Überlegungen habe.

    Der Markt der Corporate Bonds hat etwa 30% Bankenanteil. Das ist ja auch strukturell so, weil Banken halt große Emitenten sind. Ich "mag" Banken auch nicht. Aktuell sind sie zu ca. 16% im ACWI IMI vertreten. Gab auch Zeiten in denen der Weltaktienmarkt bankendominiert war und da überwiegend japanische.

    Nun kann man auf der einen Seite sagen, man kauft den Markt. Dann hat man 5 Jahre Duration und ca. 30% Banken. Oder man fängt an seine eigene Meinung mit einfließen zu lassen - was wir bei Aktien ja tunlichst vermeiden wollen - und selektiert nach Duration, Branche oder was auch immer. Der Index passt sich jedoch auch an. Die Durationen des Aggregate Bond (also Gesamtmarkt) sind in der letzten Dekade (wegen der niedrigen Zinsen?) kontinuierlich gestiegen, das kann auch wieder in die andere Richtung gehen. Es wird halt der Markt abgebildet.

    Bei Anleihen muss man halt auch immer schauen, welches Ziel ich verfolge. Möchte ich möglichst "sicher" auf die mittlere oder unbestimmte Frist anlegen in Zinsprodukten, dann kann (und sollte?) man schon den Markt kaufen. Möchte ich (auf Kosten der Rendite) aber einen Sicherheitsanker schaffen, der geringste Vola aufweist (ob das tatsächlich so Sinn macht, da bin ich mir nicht so sicher). Dann muss man halt auf sehr kurze Laufzeiten und ziemlich stark in Staatsanleihen gehen. Alle Schattierungen dazwischen sind möglich. Ob sinnvoll, das weiß ich nicht.

    Zur Vola-Begrenzung: Was habe ich davon? Ich kann ganz kurze Bundesanleihen kaufen als "Sicherheitsanker" des Portfolios. Dann schwankt das kaum, aber die Renditen ändern sich dennoch im Zeitverlauf, die reale Kaufkraft ebenso. Was also ist der Vorteil, außer, dass ich keine Vola sehe (die es aber unterm Strich ja dennoch gibt, da Zinsen sich ändern und auch die Inflation nicht konstant verläuft).

    Wenn ich eine Investitionsreserve vorhalten möchte (ergibt das Sinn??), dann müsste ich sachlogisch in liquide und lang laufende € Staatsanleihen mit AAA Rating gehen, denn diese steigen bei Aktienmarktcrash regelmäßig am meisten. Dann trage ich aber das Vola-Risiko in nicht Krisenphasen. Wie sich das ausgeht ist ungewiss.

    Ibonds oder andere Laufzeitprodukte oder auch Einzelanleihen, weil ich die Ablaufleistung (in etwa) kenne: MErgibt für mich nur in ganz, ganz wenige Szenarien Sinn. Ich weiß zwar ziemlich genau, wieviel Zinsen ich bekommen werde, aber ich weiß erst ex post, ob das ein guter Deal war. Für mich ist das Spekulation. Wenn das Geld ohnehin dann wieder angelegt werden soll, ist das umso unsinniger. Das ist ein emotionales Scheinsicherheitsgefühl, wie ich finde. Wie sich die Zinsen und Inflation entwicklen wird, weiß ich halt nicht. Ob es ein gute Deal war sich die Marktzinsen für die konkrete Duration zu sichern auch nicht. Nur, wenn ich jetzt genau (und ausschließlich genau diesen) einen konkreten nominalen Betrag habe, den ich zwingend nominal bis zu einem konkreten Stichtag bewahren muss, dann kann ein Konstrukt, welches entsprechende Anleihen genau dieser Laufzeit enthält schon sinnvoll sein. Aber ganz ehrlich, wie häufig kommt das vor? Wenn es im die mittel und langfristige Kapitalanlage geht, dann sollte man sich aus meiner Sicht von diesen Gedanken der Scheinsicherheit verabschieden und sich darauf konzentrieren die Marktrenditen der Assetklassen einzusammeln. Ich denke manchmal, dass gerade bei Anleihen das Thema zu abstrakt ist und man daher meint, sich vermeindliche Sicherheiten zu schaffen.

    Zurück zu den Banken: Wir sind alle Bereit 16% unseres Kapitals in Eigenkapital von Banken zu stecken, die als erstes kippen, wenn es am Finanzmarkt rumpelt. Dann geht das gesamte Geld im Zweifel unter. Aber Fremdkapital geben wir denen bewusst nicht? Wie ist die Recovery Rate bei Bankenanleihen? Ist die geringer als bei anderen Branchen? Ist das rational? Ich weiß es nicht. Generell frage ich mich, ob es rational ist, wild Eigenkapital zu verteilen auch in Unternehmen unterhalb von Investmentgrade und dann aber bei Fremdkapital, das per Definition sicherer ist und in höherem Rang steht, da winken wir bei Investmentgrade bereits oftmals ab? Für Unternehmen dreht sich vieles um die Finanzierung und um Kapitalkosten. Ist es da nicht sinnvoll in gewissem Umfang auf beiden Seiten zu sitzen. Ja, langfristig wurde das Eigenkapitalrisiko überprämiert, aber es gab auch immer wieder Phasen in denen es bis zu 20 Jahre (meine Schätzung anhand mir verfügbarerer Daten) brauchte um mit der Eigenkapitalprämie besser da zu stehen, als mit der Fremdkapitalprämie. Warum setzten wir uns meist nur auf die eine Seite? Ich verstehe das nur bedingt. Natürlich war das die letzte Dekade eine ertragreiche Entscheidung. Auf 20 Jahre brahchte ein konstanter Sparplan auf den MSCI World aber auch mal nur ca. 2,2% nominal. Da wären 100% Anleihen besser gewesen.

    Versteht mich nicht falsch: Ich bin gerne Aktionär, aber nur auf eine Anlageklasse setzten, weil man Fan ist, dafür ist mir das ganze dann doch zu heikel. Ja, ich habe die Chance auf gute Renditen, die letzten Jahre ging das super auf. Aber es ist halt nur die Chance und nicht die Garantie.

    Sorry, dass meine Ausführungen über die Thematik ex finance hinausgehen. Aber ich denke, das hngt alles zusammen. Ich finde den ex- financial Ansatz spannend und kann die Beweggründe voll verstehen. Denke ähnlich. Dennoch bleibt die Unsicherheit, ob man nicht schlicht auch einfach den Markt kaufen sollte und ob eine abweichende Duration oder Branchengewichtung nicht schlicht eine Spekulation ist, die sich bei Anleihen weniger schlimm anfühlt, als bei Aktien.

    Im Anleiheteil dahe ich etwa 75% Staatsanleihen und 25% Unternehmensanleihen. Das dürfte ziemlich dem Marktgewicht entsprechen. Bei den Durationen weiche ich aber ab. Die Staatsanleihen allokiere ich so um die 1,25 Jahre Duration. Ich denke darüber nach die Duration der Staatsanleihen etwas zu erhöhen. Die Duration und Branchenverteilung der Unternehmensanleihen lasse ich von Dr. Beck erledigen (aktuell ca. 3,4 Jahre Duration), wobei der auch auf Staatsanleihen setzt (Quote unklar). Daher überlege ich auch, ob ich den Anteil Staatsanleihen in meinem Portfolio etwas reduziere. Aber am Ende sind das Nuancen, die nicht wesentlich sein werden für das langfristige Ergebnis.

    So, das sind meine Ansichten, aber auch nur meine. Die Entscheidung ex finance gegen mit Banken, ging zugunsten Beck aus. Soll er sich halt den Kopf zerbrechen :P Ob das klug ist, keine Ahnung.

    @John Bogle Bin absolut bei Dir. Ex-Finanz ist auch für mich eine überlegenswerte Geschichte. Bezgl. US bin ich mir unsicher. Ob es da richtig oder falsch gibt, weiß ich nicht.

    Was die Duration angeht bin ich da wohl etwas entspannter, als Du. Hier im Thread geht es um Zinsen auf unbestimmte Frist. Da sind für mich 2,75 Jahre durchaus okay. In den meisten Phasen bringen längere Durationen etwas mehr Ertrag. Eine um 1 Jahr längere Duration bedeutet bei einem Zinsanstieg von 100 Basispunkten 1% mehr Kursrückgang. Das spielt auf mittlere Sicht keine wirkliche Rolle. Manche Assetmanager bezeichnen alles unter 5 Jahren als kurzfristig. Ich denke das Durationsisiko wird manchmal etwas überbewertet bei mittel oder langfristigen Kapitalanlagen. Ich würde aber auch da nicht über 4 oder maximal 5 Jahre Duration gehen und daher auch keinen 10 jährigen IBonds wählen.

    Ohnediesen hier wählen, denke ich. Banken find ich gut. Aber warum US? Ich habe mal zwei ETF vergleichen. 1x € Unternehmensanleihen 1-5 Jahre und einmal US Unternehmensanleihen 1-5 € gehegt. Hier Veegleich

    Der Zeitraum ist viel zu kurz, aber es zeigt sich kein Vorteil von US. Denkst Du auf lange Sicht ist das anders?

    Ich würde da eher Diesen hier wählen, denke ich. Die Duration von ca. 2,75 Jahren wäre für mich total okay.

    Aber das ist nur mein Empfinden, ohne mich mit den Absicherungskosten etc. genauer befasst zu haben. Aber da habe ich auch ca. 1/4 US Unternehmen dabei, aber halt stets in € lautende Anleihen.