Vorweg: Auch die typischen Overnight „Geldmarkt“ ETFs enthalten Unternehmensanleihen. Sonst würden sie die €STR Rendite nicht erreichen können…
Ein Unterschied von Anleihen gegenüber Aktien ist, dass man nominal relativ gut abschätzen kann, was am Ende der Laufzeit bei einer Anleihe herauskommt (und anhand des Ratings mit welcher Wahrscheinlichkeit).
Insofern wäre die wichtigste Frage: Welche Funktion sollen die Anleihen mit oder ohne Financials erfüllen.
Ganz allgemein: Die Idee, zur Risikostreuung den gesamten Markt zu kaufen, finde ich bei Anleihen nicht so überzeugend, wie bei Aktien (insbesondere nicht im risikoarmen Teil).
Zum Thema Realrendite:
(Regler bei Wertentwicklung auf Real setzen).
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Und was sagt mir das? Zum Vergleich kurzfristige Staatsanleihen
Also hat es funktioniert, wie immer: Deutlich höhere Rendiete der Unternehmensanleihen (hier ca. 1.5 bis 2% Mehrrendite bei Unternehmensanleihen mit etwas höherer Duration). Aktuell bringen sie etwa 70% Mehrrendite. Ich finde das nicht unerheblich. Ob ich nun 2% real verloren hätte, oder nur 0,35% macht schon einen Unterschied, wie ich finde.
Und zur Realrendite: Was bringt mir die? Ich kann doch weder Zinsen, noch Renditen oder Inflation beeinflussen... Ich kann mir immer nur die Marktrenditen holen... Für die Risikominimierung im Portfoliokontext ist die Nominalrendite entscheidend. Denn diese sorgt für die asymetrische Reduktion von Rendite und Risiko. Und im sigulären Kontext bringt mir die Betrachtung der realen Rendite auch wenig. Wenn ich halt aus welchem Grund auch immer - auch nur einen Teil - mein Vermögen nicht dem Aktienmarktrisiko aussetzen will oder kann, dann bleibt mir nur übrig die Marktrenditen im Anleihesegment einzusammeln. Ob diese nominal oder real im Plus sind, ist ex ante nicht zu bestimmen, aber es bleibt mir halt auch keine Wahl.
Natürlich waren das nun keine guten 15 Jahre für Anleihen, für Aktien schon. Bleibt das so? Ist es die nächsten 20 Jahre vieleicht genau umgekehrt? Ich weiß es nicht. Daher diversifiziere ich ja.
Hättest Du 2010/2011/2012 von einem Sparplan in Aktienmarkt abgeraten, weil der Aktienmarkt seit Ende der 90er keine Realrendite brachte?
Es mag ja sein, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist und man mit (Unternehmens-)Anleihen nie wieder real Verdienen kann, das weiß ich nicht. Glauben tue ich das nicht, weil dann der Fremdfinanzierungsmarkt zusammenbrechen würde und das eher undenkbar ist.
Kurzfristige Staatsanleihen erwirtschafteten je nach Betrachtungszeitraum auf lange Sicht kaum eine reale Verzinsung. Mittlere Laufzeite meist doch und Unternehmensanleihen halt jeweils zwischen 1,5 und 2% mehr.
Aktien können ebenso - auch über längere - Zeiträume keine Realrendite bringen. Meist unterscheiden sich halt die jeweiligen Zeiträume. Dann schlägt der Vorteil der Diversifikation zu.
Dieser Thread ist aus einem Thema enstanden in dem Alternativen zu Tages- und Festgeld gesucht und möglichst "sichere" Anlagen für die mittlere Frist gesucht wurden. Wenn ich 30 Jahre Zeit habe und ein entsprechendes Risiko eingehen kann und will, dann kann man ja gerne 100% Aktien fahren. Auch für kürzere Zeiträume darf das jeder machen. Je kürzer der Zeitraum je höher das Risiko real oder nominal Geld zu verlieren oder zumindest gegenüber anderen Anlageformen eine schlechtere Performence zu erreichen. Aber das ist okay, wenn man das möchte.
Legt man aber zu Gunsten einer planbareren und "sichereren" Rendite Wert auf die Diversifikation, so können Unternehmensanleihen eine Rolle im Portfolio spielen. Sie korrelieren in einigen Marktphasen nur bedingt mit Aktien, haben eine geringere Vola und sorgen so für Korrelations-/Diversifikationseffekte.
Ich bin halt ziemlich doof. Ich weiß nicht, wie sich welche Assetklasse in Zukunft entwickelt. Die historischen (und erst recht die der letzten 10 oder 15 Jahre) sind kein verlässlicher Indikator (eher Kontraindikator?? Müssten Aktien nicht nun 10 oder 15 Jahre richtig schlecht laufen um auf den langfristigen Duchschnitt zurück zu kommen??) für künftige Renditen. Also was soll ich tun? Solange ich das nicht weiß, werde ich nicht
- mein gesamtes Vermögen in Eigenkapital von US Tech Titeln allokieren, auch, wenn das im Rückspiegel die beste Variante gewesen wäre.
- mein gesamtes Vermögen überhaupt in Eigenkapital investieren, nur, weil es nun 14 Jahre super und weit überdurchschnittlich lief (eher im Gegenteil, reversion to the mean...)
- Nur NVIDIA Aktien kaufen.
Ich halte mich da eher an die Erkenntnisse der Kapitalmarktforschung und streue mein Risiko. Theoretisch müsste Eigenkapital auf lange Sicht höher prämiert werden, als Fremdkapital, daher gewichte ich das über. Da ich auf mittlere und lange Frist denke, würde ich Rendite verschenken, wenn ich mich auf die kürzesten Duration und nur auf AAA Staatsanleihen im restlichen Portfolioteil konzentrieren würde. Ein bisschen Vola kann ich da vertragen. Also tue ich das natürlich nicht und gehe da auch auf Unternehmensanleihen. So sitze ich an beiden Renditequellen.
Ob ich deswegen in 15 Jahren mit weniger Rendite, als mit 100% Aktien dastehe, wird die Zeit zeigen. Das Risiko gehe ich gerne ein. Wird meine Vola geringer sein? Ich denke schon. Wird meine längste Verlusphase geringer sein? Ich denke schon. Komme ich planbarerer ans Ziel? Ja, denke schon. Wird meine risikoadjustierte Rendite besser sein, als 100% ACWI IMI? Ich vermute schon. Werde ich die maximale absolute Rendite erzielen? Ich denke eher nicht, kann aber sein. Kann ich im Alter mit weniger schwankendem Kosum entnehmen? Ich denke schon.
Natürlich ist das keine Empfehlung. Natürlich ist das nur meine Meinung. Ja, klar, sie fußt auf Nobelpreisträger, aber ist deswegen auch (heute noch) richtig? Ich weiß es nicht.
Gäbe es ein gutes Vehikel, würde ich auch in Immobilien investieren und damit weiter diversifizieren.
Geldanlage ist immer eine sehr persönliche Sache, es spielen eigene Anschauungen, Überzeugungen, Risikoverständnis und insgesamt die Anlegerpersönlichkeit eine Rolle. Es gibt einige Dinge die objektiv falsch sind (teure, undurchsichtige Produkte, schiefe Wetten, unsystematische Risiken...) aber bei allem anderen gilt: Es ist erlaubt und gut, was gefällt.
Geld, dass ich nicht in absehbarere Zeit benötige in kurzflaufenden Staatsanleihen zu halten oder gar im Geldmarkt zu bunkern finde ich persönlich nicht smart. Gerade auf die mittlere Frist. Und ich stelle nochmals die Frage: ist es nicht rational gesehen eine Zinswette, wenn ich Geld mit mittlerer oder längerer Fristigkeit in Geldmarkt oder Ultra-short Bereich allokiere?
Ich denke, wir sind da einfach unterschiedlicher Meinung. Aber das ist voll okay. Ich genieße den Austausch dennoch sehr und er liefert auch mir eine Menge an Erkenntnissen. Und auch die Mitleser profitieren - so denke ich - von konträren Meinungen durchaus mehr, als, wenn alle das selbe schreiben würden.